Zweitverwurstung III

»Hallo Ihr Zuhause

Ja, meine Lieben: Ich habe meine Drohung wahrgemacht und werde
in Zukunft wohl einen Blog haben.
Es ist noch alles etwas unaufgeräumt – das Design steckt noch ziemlich
in der Tonne und auch sonst ist noch viel zu tun.
Aber einen Artikel und ein Willkommen habe ich schon mal veröffentlicht
und wenn ihr wollt, könnt ihr ja mal ein Lesezeichen setzen. (für die MS-
Windows user: Einen Favoriten 🙂 )

Na, gut… ich bin noch ganz aufgeregt… also

Die Schrottpresse

Euer Pantoufle«

Das ist der Ort, wo die Schrottpresse am 13.02.2011 um 22:04 Uhr das Licht der Welt erblickte. Mein damaliger Lebensmittelpunkt und der Punkt auf der Welt, an dem ich lernte, sich selber genug zu sein.
In einem geliebten, fremden unbekanntem Land.
Die Wochenenden verbrachte ich vorrangig damit, mit dem Motorrad dieses Land zu erkunden. Museen, die Orte der Umgebung und die Warteschlangen bei Tesco (etwa: Aldi) oder dem Bäcker. Wenn ich etwas nicht verstand, so konnte ich mich Abends an den Tresen setzen und Colin (der Wirt), Gorry (seine Frau) oder Olivia/Sara (Bedienung) über »Go`s« und »NoGo`s« ausfragen. Wie lernt man ein Land kennen?
Und ich wollte es kennenlernen. Aufsaugen, einatmen und ein kleiner Teil davon werden. Und England hat mich mit offenen Armen aufgenommen und hinter allem – auch den sehr seltenen bösen Momenten – war immer der Witz, der Humor dieses Volkes und eine Toleranz und Rücksichtnahme, die in meinem eigenen Land so gar keinen Platz hat.
Es hat mich nachhaltig verändert und dafür empfinde ich sehr große Dankbarkeit.

Dreh- und Angelpunkt meines Lebens war dieser Pub, über dem ich wohnte (Das kleine Fenster oben rechts).

Und überhaupt : Es gibt weit schlechtere Orte auf der Welt als diesen.

Das ist der in Streatley wohlgelittene Pub „Chequers“. Eine Institution wie die Kirche oder Müllabfuhr. Nur wichtiger. Jetzt ist es noch früh am Vormittag, Collin und ein Freund fegen die Blätter vor der Tür, weil Herbst, und das am Sonnabend immer so gemacht wird. Sara rumpelt in der Küche; ab 12 Uhr gibt es warmes Essen und jetzt duftet es schon nach den Köstlichkeiten, für die Collin berühmt ist. Wenn ein Einzugsgebiet von 2,3 Meilen für das Wort berühmt reicht – sonst : Beliebt!
Aber jetzt sind noch keine Gäste da. Es ist ein braves Dorf und auch die nicht so braven bekommen jetzt kein Bier. Nicht einmal ich, wo ich doch sonst hier alles bekomme. Also halte ich ein Schwätzchen mit Collin… ja, es geht gut und auch das Wetter ist durchaus erfreulich. Einen schönen Tag noch – du kommst doch nachher auf ein Ale? Wirt bleibt Wirt! Ein Pub um 10 Uhr Vormittags.

Heute Abend gibt es wieder Musik. Also wird alles auf Hochglanz gewienert, besonders die Bierhähne, mit denen man mit einmaligem herunterdrücken ein ganzes Pint füllen kann. Das geht natürlich nur, wenn man auf Kohlensäure verzichtet und die Temperatur nicht zu niedrig ist. Dann ist es aber äußerst effizient und schnell. Kaum hat man bezahlt, bekommt man auch schon sein Getränk.
Die Auswahl ist groß : 6,7 verschiedene Ales und noch halbes Dutzend Lager. Nicht zu vergessen der Kühlschrank mit rotem und weißen Wein und ein paar auf flaschengezogenem Bier – Raritäten! Da Rotwein und Ale in etwa dieselbe Temperatur benötigen, ist also nur der Weißwein etwas zu warm. Eiswürfel auf Wunsch erhältlich. Ein kleiner Spaziergang gefällig? Das Wetter ist schön! Warm, es regnet nicht und man kann auch nicht auf feuchten Blättern rund um das Haus ausrutschen : Es ist frisch gefegt. Hinter dem Haus schläft die Yamaha. Genauer gesagt hinter dem Anhänger von Pete`s mobilem Barbierladen. Keine Anmeldung nötig und heiße Handtücher. Manchmal treffen wir uns am Morgen, wenn wir beide zur Arbeit gehen.

Der rotweiße Kegel sperrt dann seinen Parkplatz – unnötig eigentlich; jeder weiß , das dieser Parkplatz belegt ist – und überdies dient er noch als Aufbewahrungsort für meine mobile Faltgarage, der Anhänger selbst als Windschutz für die Yamaha. Ich werde mich früher oder später wohl einmal barbieren lassen müssen. Hinter dem Chequers steht eine kleine Kirche. Wie die meisten in England eher eine Art Ritterburg. Normannischer Stil, ein wenig Spätgotik – wir haben das schon immer so gebaut. Besonders stolz ist man auf die Front, die aus dem 13. Jahrhundert stammt, eine – eventuell aus Holz gebaute – Kapelle wird 1147 erstmalig erwähnt, als Kirche geweiht 1402. 1938 wurde das völlig baufällige Gebäude in seiner heutigen Form restauriert. Ja, so etwas bemerkenswertes gibt es hier! Genau so bemerkenswert, wie die Tatsache, das hier praktisch jeder Marktflecken mit so einem Gemäuer gesegnet ist. Sonntag ist der Parkplatz vor dem Pub gefüllt von den Autos der Kirchbesucher, die – Gott seis gelobt – sich anschließend in Collins Gastraum von der anstrengenden Predigt mit einem Ale erholen; oder auch nur einen Tee mit Gebäck, wenn sie nicht gleich den Sunday roast im Pub zu sich nehmen.

Ich kenne Gaststätten, die in der ganzen Woche nicht so viele Gäste haben wie Collin allein am Sonntag. Das Kneipensterben gibt es natürlich auch hier: Die nächste Stadt, in der es Arbeit gab – Luton – stirbt, seit Vauxhall (GM-Tochter wie Opel) die Pforten geschlossen hat. Seitdem dient die Stadt eigentlich nur noch als Wohnort für diejenigen, die sich das Leben in London nicht leisten können, dort aber Arbeit haben. Und so sind dann auch die Preise : moderat! Von den Besserverdienenden kann man hier nicht leben. Zwar parkt ein paar Häuser weiter ein Lamborghini im Vorgarten, aber erstens kommt der Besitzer nicht zu Collin und zum anderen ist das noch lange kein Beweis, das jener automatisch zu den Wohlhabenden gehört – wenigstens das Haus dahinter lässt nicht unbedingt darauf schließen.
Gelegentlich stehen in den Vorgärten Maseratis, Ferraris, ein 6,3l Bentley Blower oder ein Royce. Das bedeutet erst einmal nichts in der sozialen Hierarchie – den Besitzer kann man durchaus bei Tesco hinter der Kasse treffen. Er wollte unbedingt einen und hat ihn sich irgendwann eben erspart. So einfach ist das! Sozialneid findet in England woanders statt. Nicht in der Garage.

Es gibt hier auch Menschen, die eine alte Dampf-Lokomobile unter dem Carport stehen haben, hinter denen dann an einigen Wochenenden kilometerlange Autoschlangen hinterherzuckeln, deren Fahrer gottesergeben darauf warten, das diese kohlebefeuerten Dinosaurier endlich ihren verabredeten Treffpunkt finden – und die Straße wieder freigeben.
Dann stehen sie auf einer abgelegenen Wiese, mit ölverschmierten Overalls und von kohlenstaubverdunkelten Gesichtern und produzieren mit Unmengen fossiler Brennstoffe und Schmieröl Rauch und Geräusch. Eintritt frei und jeder ist herzlich willkommen. Dazwischen tummeln sich ein paar alte Autos oder Motorräder… ich darf auch aufs Gelände, verstecke aber mein neuzeitliches Gefährt schamhaft am Rande der Wiese. Es dampft hier so schön und jedes dieser Riesen hat im Mindesten eine Dampfpfeife. Ein Treffpunkt vieler großer und kleiner Kinder.

Heute Abend spielen die „Crusing Mooses“ unter mir im Pub, also ist an Schlaf nicht vor 23 Uhr zu den denken. Morgen um 6:30 Uhr muß ich raus aus den Federn, weil ich für einen Tag nach Helsinki fliege. Dank der völligen Gleichgültigkeit irgend welcher „Flugbucher“ dauert die Anreise alles zusammengenommen wohl um die 15 Stunden. Auf meiner Suche nach der besten Zugverbindung nach London-Heathrow (die es im diesem Wortsinne nicht gibt), stolperte ich auf der Internetseite des Flughafens über die Anomalie, daß ein Autoparkplatz zwar 15£ pro Tag kostet, Motorräder aber umsonst auf den dafür ausgewiesenen Plätzen verweilen dürfen!
England liebt Motorradfahrer! (Aber das erwähnte ich ja schon an anderer Stelle!)


Das entspannt meine An – und Abreise erheblich und dann wollen wir mal nicht so sein. Meine Sorgen um überfüllte Motorradstehplätze hat ihre Grenzen – es ist November und ich sehe pro Woche durchschnittlich etwa 2 Kollegen auf zwei Rädern. Ich komme nach Flugplan um etwa 20:00 in Helsinki an – der nächste Tag fängt um 4:30 Uhr in der Lobby des Hotels an und dann werden wir mit Gewalt einen Tourneebeginn in der Haartwall-Arena bewerkstelligen. Ich bin nur für den ersten Tag und eventuelle Probleme da; am nächsten Morgen fliege ich wieder zurück. Soweit zur Planung, die mir soweit gut gefällt, wäre da nicht die Tatsache dieses kräftezehrenden Reisetages. Auf dieser Tour muß man nicht länger als einen Tag sein. Vielleicht ergibt sich ja noch irgend etwas nettes im Dezember, aber soweit sind wir ja noch nicht. Immer der Reihe nach.

England ist wunderschön!

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14 Antworten zu Zweitverwurstung III

  1. Peinhart sagt:

    Sicher, dass ‘England ist wunderschön!” unter dem richtigen Photo steht…?

    • Pantoufle sagt:

      Moin Peinhart

      Ja, das stimmt schon so. Olivia ist nicht England, auch wenn sie es war, die mir dieses Land ausdauernd und im Detail erklärt hat. Diese junge Kunststudentin sorgte überdies dafür, daß ich Kontakt zu einer Szene bekam, die mir sonst verschlossen geblieben wäre (der Photogruppe der Kunst-Uni) und auch sonst als Türenöffner sehr aktiv war.
      Das Photo wird ihr nicht ansatzweise gerecht.

  2. Siewurdengelesen sagt:

    Jetzt bin ich wieder angefixt – und ein Johnson will einen harten Brexit…

    …das Foto des Anwesens ist einfach nur…?

  3. Pantoufle sagt:

    Moin Siewurdengelesen

    …und ein Johnson will…«
    Du kannst Dir eventuell vorstellen, wie bei mir damals die Nachricht über die Abstimmung des Brexit einschlug.
    Überrascht hat es mich nicht. Überrascht hat mich eher, daß darüber abgestimmt wurde und weil das Ergebnis so klar auf der Hand lag. Als bekannt wurde, daß es eine Abstimmung geben würde, hatte ich noch die winzig kleine Hoffnung, daß sich die Jungen durchsetzen würden (zur Wahl gehen). Das Ergebnis an sich war keine große Überraschung.
    Ähnlich wie die USA hält man sich für ein ausgewähltes Land, das zudem den Vorteil hat, eine Insel zu sein. Man ist stolz, daß in England alles ein wenig anders als im Rest von Europa ist und das immer schon so war.
    Da sind in meinen Augen zwei Dinge, die wirklich erheblich anders sind.
    Erstens hat es in England nie eine Revolution gegeben. Keine Französische, keine von von 1848, kein 1917… wir lassen einmal Cromwells Eisenseiten außen vor, Englands einziger und ernsthafter republikanischer Versuch. Es ist eine verdammte Monarchie mit seinen House of Lords und House of Commons und will auch gar nichts anderes sein. Das letzte Mal, daß dieser Verein ernsthaft eingebremst wurde, ist die Parlamentsakte von 1911. Faktisch alle anderen Reformversuche endeten im Nirgendwo.
    Und dann sehe man sich mal die Schwatzbude der EU in Brüssel an und vergleiche das mit einer Show im House of Lords. Glaubt wirklich jemand, daß sich ein Engländer den Beschlüssen einer Betonfrisur in Belgien unterordnen würde – ganz gleich, wieviel Substanz die hätten?
    Eine vor langer Zeit stattgefundene Revolution kann auch zu einem Einverständnis führen, daß Dinge sich ändern können. Auch sie wird zu einem Teil der nationalen Identität.
    Diese Erfahrung fehlt den Engländern vollkommen. Und die Erfahrung einer Revolution ausgerechnet mit Brüssel zu beginnen…

    Der andere Punkt ist ein nationales Hobby der Briten. Das Anderssein. Das wird seine Wurzeln vermutlich im Aufstieg Britanniens zu Seemacht haben und wird bis heute gepflegt. Es sind diese kleinen Sticheleien, Formulierungen am Rande eines Gesprächs und Reserviertheit gegenüber den Entscheidungsprozessen anderer Nationen.
    Diese resultierende angenommene »Überlegenheit« ist in der Neuzeit einigermaßen neu. Einen Tiefpunkt hatte sie in der Nachkriegszeit bis in die sechziger, siebziger Jahre Jahre.
    Es brauchte eine Margaret Thatcher, die Nachkriegszeit endgültig zu beenden.

    Während ich das hier formuliere, denke ich dabei, Nationalismus zu definieren, aber das ist ist es in seiner reinen Form nicht. Jedenfalls nicht in der Form, die wir aus dem eigenen Stall kennen. Die faschistischen Bewegungen, die daraus resultieren, hat England (!) seit den achtziger Jahren halbwegs überwunden.
    Das Ausrufezeichen hinter England steht dort, weil man im Zusammenhang mit dem Brexit gerne auf den Fehler verfällt, England und Großbritannien zu verwechseln. Großbritannien ist England, Wales, Schottland und Nordirland. Verschiedene Biere und zweisprachige Verkehrsschilder sind keine putzigen Gebräuche der Einheimischen, um den Tourismus zu fördern. Die Frage der Einheit Großbritanniens wird seit den siebzigern zunehmend in Frage gestellt, insbesondere in Wales und Schottland. Der aufstrebende Nationalismus der keltischen Ränder stellt die Frage auf, wer da eigentlich für was gestimmt hat. Genau so könnte man darüber spekulieren, wie sich das Baskenland mit seinem französischen, spanischen und »baskischen« Teil in einer ähnlichen Wahl entscheiden würde.
    Ich hör mal auf – das bekomme ich so nicht gebacken.

    »…das Foto des Anwesens ist einfach nur sehr, sehr englisch. Es liegt übrigens in einem an Scheußlichkeit schwer zu überbietenden Neubaugebiet.

  4. Siewurdengelesen sagt:

    Das dürften auch immer noch die Nachwehen der Weltmacht England und des britischen Commonwealth sein.

    Neben den Separationsabsichten der Schotten und Basken gibt es dass doch auch in anderen Staaten, die einerseits “verpresst” wurden und jetzt aus welchen Gründen auch immer zerfallen und sich auf vermeintlich(?) Nationalistisches besinnen.

    Extrem krass war das beim Zerfall Jugoslawiens und den ehemaligen Sowjetrepubliken. Etwas milder ist es beim Trennen der Tschechen und Slowaken in eigene Staaten gewesen. Da sind die Grenzen zwischen nationalem, nationalistischem und damit verbundenem rechten Denken im Sinne von Ausgrenzen und sich darüber über andere Nationen erheben sehr fliessend. Direkt zu vergleichen ist das natürlich weder untereinander noch mit den Konflikten in Großbritannien, andererseits aber schon irgendwie.

    Das geht ja schon bei den Franzosen los, die je nach Gegend ein selektives Gehör haben, wenn sie auf deutsch oder englisch angesprochen werden und damit auch immer etwas dünkelhaft erscheinen. Der Umkehrschluss ist dann: “Man spricht deutsch!”, wenn der Pauschaltouri am A…. der Welt aufschlägt und dort darauf besteht, sich “wie daheim” fühlen zu wollen.

    Und wieder fällt einem dabei auf, wie wenig man im Grunde von vielen seiner Nachbarn überhaupt weiss.

    Dem Thema England/Grossbritannien bin ich witzigerweise durch A.C.Doyle und Sherlock Holmes näher gekommen und im Englischunterricht haben wir dankeiner recht motivierten Lehrerin auch deren Gebräuche zelebriert oder das, was wir dafür hielten. Hingekommen wären wir unter den damaligen Verhältnissen sowieso nie.

    Doyle konnte aber auch Baustile und Landschaften sehr blumig beschreiben, weshalb da bestimmte Gegenden wie Dartmoor oder Wales schon in den Fokus geraten. Nach Amy Liptrots Buch “Nachtlichter” halte ich z.B. die Orkneys auch für irre spannend, nur mit Mopped ist da halt nichts los.

    Den Viktorianischen Stil im weitesten Sinne oder wie hier dieses Landhaus finde ich ebenfalls noch spannend und irgendwie authentisch/echt und nicht so steril wie das ganze DIN-A4-Zeugs, mit welchem je nach Zeitgeist und Kostendruck unsere Dörfer und Satellitensiedlungen verschandelt werden. Derzeit ist ja mediterran ziemlich in, egal wo man sich in deutschen Gefilden bewegt.

    Keine Ahnung, ob ich das schon einmal verlinkt habe, aber da gibt es von Alpha Retro einen geilen Film aus den 70ern dazu, der das Thema lange vor unserer Zeit bereits aufgegriffen hat. Alleine der Sprecher und dessen Kommentare sind das Anschauen wert und der Mann spricht mir aus der Seele. Vielleicht ist auch das ein Grund, warum ich Otto Dix´ Haus so spannend fand. Die Dinger haben einfach nur Flair und Seele.

  5. Pantoufle sagt:

    Moin, Siewurdengelesen

    »Und wieder fällt einem dabei auf, wie wenig man im Grunde von vielen seiner Nachbarn überhaupt weiss.«

    Das ist vermutlich der Schlüsselsatz! Was wissen wir schon und was wollen wir eigentlich wissen?
    Von den pauschalen Touristen wollen wir mal gar nicht reden – da kann man ja schon froh sein, wenn die wissen, in welchem Land sie sich überhaupt befinden.
    Ich habe meinen Aufenthalt in England aus einer beruflichen Perspektive erlebt. Für »die Firma« aus der Schweiz irgendwo anders. Und es war genau das Selbe wie mit den Erfahrungen mit Amerikanern, Japanern, Belgiern, Franzosen… immer gibt es diese Attitüde »denen muß man mal zeigen, wie das richtig geht!« Nationale Vorurteile plus falsch interpretierte Aussagen der anderen Seite, diese Färbung, die ein Kommentar immer dann bekommt, wenn er in einer anderen Sprache und Kultur als der eigenen getätigt wird.
    Ich will mich selber davon überhaupt nicht ausnehmen. Ich kann mich an eine Situation erinnern, in der ich ich trotz meiner Erfahrungen vollkommen vergessen hatte, daß es einen Punkt gibt, der »Nein!« heißt. „Unglücklicherweise können [und wollen] wir jetzt nicht und darüber brauchen wir gar nicht zu diskutieren«. Und ich reagierte wie ein Deutscher: Ich wurde laut wo man niemals laut werden darf; das tut man nicht! Zu meiner Entschuldigung sei bemerkt, daß sie uns ehrlich in die Scheiße geritten hatten und das eigentlich auch jedem klar war. Man hätte die Situation dadurch entschärfen können, um eine Tasse Tee zu bitten und das Thema noch einmal in Ruhe und Würde auzurollen und zu besprechen. Das wäre der Weg gewesen und genau das kam mir nicht in den Sinn. Später, aber fast schon zu spät. Zum Glück nur fast – und die andere Seite war durchaus bemüht. Nur mußte man sich, um das zu erkennen, das Blut aus den Augen wischen und tief durchatmen.

    Und erkennen, daß man das mit dem völlig verblödeten Nachbarn ein Haus weiter im eigenen Dorf eher macht als »in der Fremde«, wo ein Sprach- und Kulturgraben die Sachlage erschwert. Noch schlimmer, wenn die Kontrahenten in Paris und London am Telephon sitzen.

    Man sehe sich die Presse Deutscher Industrieller an, wenn es wieder mal um die Probleme in China geht. Auf der einen Seite »demokratische Defizite, Menschenrechtsverletzungen und sowieso „Schwellenland“ (die Kosebezeichnung für für Entwicklungsland) – denen man mal zeigen muß, wie das richtig geht! Aber in jeder Provinz-Fußgängerzone in China als stinkender, unerzogener Ausländer auffallen. Und gute Benehmen lernt man nicht auf der Youtube – Uni; da muß man wohl schon selber in der Schlange beim Bäcker stehen. Das Internet ist nicht förderlich, was gute Nachbarschaft betrifft. Da ist eine 17wöchige Schiffsreise mit anschließender Kutschfahrt zum Hotel aufschlußreicher.

  6. flatter sagt:

    Alles, was man über England wissen muss, zeigt die hierzulande als “Cornetto-Trilogie” bekannte Dokumentation. So sind die. Ich habe es selbst erlebt. Eines muss man ihnen allerdings zugute halten: die Pfund-Münze. Es gibt einfach Tische, die kriegst du mit nem Euro nicht in den Griff.

    • Pantoufle sagt:

      Moin flatter

      »…zeigt die hierzulande als “Cornetto-Trilogie”…«
      Nö, ich meinte das richtige Leben.

      • flatter sagt:

        Ach, das ist gar nicht echt? Kannst du das beweisen???

        Sorry, mir is langweilich. Und ich hatte heute Morgen gleich nach dem Aufstehen ein ‘Gespräch’ mit meinem Kopp-gebildeten Nachbarn, der mir erzählte, jetzt sei es ja wohl soweit, mit diesem Fake-Virus. Ich bin sowas von altersmilde geworden, aber irgendwie macht das keinen Spaß. Vielleicht haue ich ihm doch noch in die Fresse. Irgendwo muss es ja hin.

        cheers

  7. UT sagt:

    Is doch´n politischer Blog hier ?

    https://youtu.be/bt-n0zu6MjM

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