Wo die großen Eleefanten spazieren gehen, ohne sich…

»Mulmiges Gefühl: Beim Frühstück in Bremen erzählt mir Litwinenko-Witwe Marin, dass nach neuem Giftfall bei Salisbury erneut »Nowitschok gefunden wurde. „Mein erster Gedanke war – eine klassische KGB-Nebelgranate“, meint Marina bitter.«

Der Mann von Welt erkennt sofort: Nein, das ist nicht die Einleitung zu einem neuen Heft aus der Reihe »der Landser«, sondern der rechte Miet-Journalist B. Reitschuster. Eine klassische BRD-Blendgranate. Aber etwas vorsichtig sind er und seinesgleichen dann doch geworden. Sind die beiden überhaupt tot? Oder wenigstens vergiftet? Haben sie die falschen Drogen eingenommen? Nein, wenigstens von diesem Verdacht sind die beiden fern – bei anderen dagegen ist das unklar. Akribische Quellenanalyse: Hat außer der Bildzeitung noch jemand anderer berichtet? Ja, Gott sei Dank die Sun!

Die Pleite mit dem fingierten Anschlag auf Arkadi Babtschenko hat selbst den ganz Dumpfen bewiesen, wie schnell man Opfer der selbstgebastelten Feindpropaganda werden kann. Von einer Sekunde auf die andere mußte man eine Lanze für den ukrainischen Geheimdienst brechen. Sehr ärgerlich, eben noch beschließt das Parlament in Kiew, die Menschenrechte zum Teil »zeitweise« außer Kraft zu setzen und bereits einen Atemzug später erstrahlt man als Verteidiger westlicher Werte. Gegen Putin, Krim-Krise, Demokratie… Sie verstehen schon!
Ärgerlich, sehr, sehr ärgerlich!

Die englische Regierung steht nun vor einem ähnlichen Problem. Zwar sind die Opfer der Anschläge – wenn es denn welche waren – nicht tot, aber wenigstens erklärungsbedürftig. Durch die zweckbestimmte Verurteilung von »Putin« hat man sich in die unangenehme Lage gebracht, die erste Lüge durch eine zweite zu untermauern und die wiederum… nun muss man darauf vertrauen, daß die Menschheit schnell vergisst. Und wenn sich in einem halben Jahr kein Schwein mehr daran erinnert, was eigentlich tatsächlich passiert ist, hat sich der Aufwand für den einen oder anderen gelohnt.
Im Grunde ist die Fake-Schmiede des GCHQ in der selben beneidenswerten Position wie diverse Troll-Manufakturen auf Facebook und Twitter, die ihre rechtsdrehenden Hormone als Weltanschauung verkaufen. Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist. Oder auch: Demenz als Chance die Welt zu begreifen.

Nein, diese Themen interessieren mich eigentlich nur am Rande. Es fiel mir nur deswegen auf, weil meine beruflich bedingte Zeitknappheit nicht nur im Internet einen verstärkten Fokus auf die Quellen und weniger die Botschaft mit sich bringt. Desinteresse aus Zeitmangel.

Vor ein paar Tagen las ich den Artikel »Freiheit ist Papier« von Victor Martinowitsch. Darin standen am Schluß ein paar bedenkenswerte Zeilen:

»Die Freiheit beschränkt sich auf die analoge Welt: Anrufe auf Festnetztelefone und Briefe auf Papier. Hundegebell ist ein Frühwarnsystem, das sich nicht knacken und ausschalten lässt. Wenn du deine Zeitung auf Papier liest, liest sie zumindest nicht gleichzeitig dich.
Seite dem 13. Jahrhundert, seit der Magna Carta Libertatum, steht das griechische χάρτης als Gleichheitszeichen zwischen „Papier“ und „Freiheit“. Die Erklärung der Rechte und das Trägermedium, auf dem sie geschrieben wurden, waren im Bewusstsein der Menschen identisch.«

Papier liest sich auch ganz anders. Wann wurde zuletzt in epischer Breite über ein gekentertes Flüchtlingsboot so berichtet wie von der dem gleichen Tode bedrohten, in einer Höhle eingeschlossenen thailändischen Fussball-Mannschaft? Versaufen tun sie schließlich alle. Und nehmen wir weiterhin an, die Höhle läge nicht in Thailand, sondern im Harz und die rettenden Kampftaucher der Bundeswehr würden vom Bundesinnenhorst höchstpersönlich nach Goslar begleitet. Ob man die dann Geretteten anschließend unter Polizeischutz ins nächstgelegene Asylkonzentrations-Ankerlager, also nach Bayreuth, um die nicht sofort abgeschobenen als Kulissenschieber bei irgendwelchen Festspielen… Ja, Papier liest sich einfach anders, wenn auch nicht zwangsläufig so.
Was natürlich nicht heißen soll, daß vollkommener Irrsinn auf einen bestimmten Träger angewiesen wäre. Aber Papier ist eben ohne Multimedia und Link ins intellektuelle Niemandsland.

Der reine Schwachsinn aber findet überall seinen Platz am Ofen:

»Ich kann bestätigen, daß so manche „geile KI“ aus einer Horde Menschen besteht. Beim Amazon Alexa Team müssen die „Knowledge Engineers“ live Fußballspiele schauen und die Ergebnisse manuell in die Alexa Datenbank eintippen.«

Pruuuuust! Via fefe

Man muß sich mit aller Kraft gegen den Eindruck zur Wehr setzen, jede Information wäre grundsätzlich und immer falsch. Alles wird monströs und kommt mit der Eleganz einer Abrissbirne daher. Kein Toilettenpapierhalter ohne KI. Vergleichbar mit dem Fortschrittsglauben an das Auto, dessen letzte Evolutionsstufe dann als SUV vor der roten Ampel steht. Kleinstwagen, die mit Plastik-Metastasen an Kotflügel und Motorhaube geschlagen sind; Überrollbügel und Kuhfänger, als würde die heiligen Autobahnen von ebenso heiligen Kühen bevölkert. Internetgesteuerte Einparkhilfen, um seinen Schützenpanzer in Sicherheit(!) verlassen zu können.

»Zudem haben wir uns mithilfe der Big-Data-basierten Intelligence-Plattform ein System aufgebaut, das Analysen der gesamten wissenschaftlichen Literatur der Welt mit mehr als 40 Millionen wissenschaftlichen Artikeln, 95 Millionen Patenten sowie täglich mehr als 90.000 aktuellen Nachrichten in Echtzeit ermöglicht.«

Wolfgang Müller-Pietralla, Bullshitbingo-Chef-Lyriker bei VW

Bedeutungsschwangere Erkenntnisse und Behauptungen, trächtige Nilpferde kommen zur Tür hereingetänzelt – gehts auch eine Nummer kleiner?
Ein kleiner Brückenzusammensturz. Mit einer Handvoll Toten. Der verantwortliche Architekt hat sich aus Gram umgehend in sein Schwert gestürzt. Seine letzten Worte waren »was für eine blöde Schei…!«. Keine neue Gesetzgebung für Brückensicherheit und Waffenscheinpflicht für Brückenarchitekten.
Statt dessen: »Normalerweise gut sehende Personen haben Putin höchst selbst sägen gesehen!« Am Zentralpfeiler der Brücke. Nachts. Nur er und seine Säge. Der größte Brückenzusammensturz seit mindestens 6 Wochen. Die Welt hält den Atem an. Jetzt schon mehr als 10 Minuten. Auch das ein neuer Weltrekord! Der ukrainische Geheimdienst teilt der Weltpresse mit, man hätte die Brücke nur zum Schein wegen den Russen zusammenstürzen…
Nein, tut mir echt leid.
Nicht mehr zum Aushalten.

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3 Kommentare zu Wo die großen Eleefanten spazieren gehen, ohne sich…

  1. Eike sagt:

    Ich hab ja selbst mal in der IT gearbeitet. Speziell die Deutsche IT ist ein Garant dafür, das Leben jeden Tag ein wenig schlechter zu machen, denn sie wissen, dass sie den Jungs aus aus dem Silikontal nichts entgegensetzen können, also greifen sie deren Sachen ab und verschlimmbessern sie, gerne auch per Reverse Engineering oder sie versuchen gezielt Nischenmärkte aufzureißen, bzw. selbige gleich selbst zu kreieren.

    Das funktioniert ja auch in allen anderen Bereichen des Lebens, z. B. bei den Medien. 90 % aller deutschen TV-/ Netz-/ Zeitungs-/Radioformate sind verschlimmbesserte Abklätsche US-Amerikanischer Produktionen, die dort irgendwann mal Quote gebracht haben. Daher ist heute eine Schulabschlussfeier genauso ein verschlimmbesserter Abklatsch, da die Kids Ihre Highschoolserien nachspielen wollen. So weit, so furchtbar!
    Hatte man sich früher noch bemüht, auf möglichst amüsante Art die Schule zu verbarrikadieren und die Autos des Lehrpersonals mit vereinten Kräften so zwischen zwei Bäume so zu positionieren, das dass Ausparken zur Königsdisziplin gerät, so ist das heute ein Schaulaufen der Ballkleid- und Anzugstrends (natürlich immer mit gezücktem, diamantbesetztem Iphone 20 im Anschlag) und abschließender Modedesignergala.
    Der Erste, der da mit Papis Gülleanhänger in die Aula fährt und so für ein wenig echte Stimmung sorgt, kriegt von mir einen Hunni Cash auf die Hand!
    Aber zurück zur IT. Die Kommentare unter dem verlinkten Zeitartikel sprechen Bände und man mutiert, wie beim Lesen der Kommentare von Tagesschau oder Heise auch unweigerlich zum Menschenfeind (wenn man das vorher noch nicht war). Apropos, richtig entlarvend wird es ja, wenn die von der IT über Politik und Gesellschaft brainstormen lässt. Das ist, als würde man einen Choleriker reizen und führt unweigerlich zu den schlimmsten Entgleisungen, zu denen Menschen fähig sind, meist auf dem Niveau des Hintertupfinger AFD-Stammtischs, siehe auch
    https://blog.fefe.de/?ts=a5be6e57
    Wer meint, das wäre ja ein Sonderfall und es geht hier nur um Harakirihorst, der kann ja mal die Probe aufs Exempel in seiner eigenen IT-Klitsche unternehmen. Die Formel lautet: „Alles was nicht normal ist, muss weg – und zwar endgültig!“ Wobei „normal“ sich dabei nur vom Eigeninteresse ableitet. Und von diesen Leuten lasst Ihr Euch willig dominieren? Diese Leute regeln per Samrtphoneapps Euer Leben? Das ist für Euch die Zukunft???? Dann viel Spaß dabei!
    Es gibt durchaus andere Wege, die Seehofers von der Bundespolitik fernzuhalten.
    Das Verbot der menschlichen Existenz aufgrund eines Alters oder des Familienstandes gehört sicher nicht dazu.
    Dem Bezos muss man ja schon die Bräsigkeit eines Kohls attestieren, wenn er bei so einem Vermögen keine KI auf die Beine kriegt, noch seine Firmen nach neuester Technik modernisiert, nur weil ihm einer vom Controlling gesagt hat, dass er so noch etwas im laufenden Geschäftsjahr einsparen kann und der Vertrag mit dem Callcenter auch wegen anderer Bereiche wichtig ist.
    Fakt ist, die Technik dafür ist da, ansonsten würde auch das neue Volksbewertungsprinzip der Chinesen keinen Sinn machen (https://www.heise.de/newsticker/meldung/China-schafft-digitales-Punktesystem-fuer-den-besseren-Menschen-3983746.html).
    Dieses System wird auch in Deutschland kommen, allerdings als (wer hätte es auch anders vermutet) verschlimmbesserter Naziabklatsch mit integriertem Denunziator. Die meisten sind jetzt schon Feuer und Flamme dafür!
    Wofür hat die IT eigentlich eine alternative Währung geschaffen? Damit es keine Alternative bleibt!
    Und vorher kann man nicht nur offizielle Gelder abgreifen, sondern auch bei Schwarzgeld, Drogen, Waffen- und Menschenhandel mitverdienen. Und wenn es dann eine richtige Währung geworden ist, vertickt man es als Schneeballsystem an Leute, die den Kopf nur zum Tragen einer Mütze haben. Das alles passiert natürlich streng humanistisch und ist ethisch natürlich wohlfahrtsstaatlich auf die menschliche Evolution ausgelegt.
    Was machen eigentlich die Applikationen und Hardware so, wenn Sie nach Hause telefonieren (sofern es denn bei dem nach Hause telefonieren bleibt)? Warum nutzt Kreativsoftware (so Schreiben, Musik machen, Video- und Fotogedöhns etc.) standardmäßig Cloudsysteme und ggf. falls im System schon vorhanden gleich die integrierten Cloudpfade als Standard?
    Das Alles hat natürlich mit Nichts zu tun und ist nur der reinen Nächstenliebe so geschuldet!
    Ein anderer, großer Menschenfreund sagte abschließend mal: „Ich Liebe Euch doch alle!“

    Wie ist eigentlich die deutsche IT organisiert? Streng flach hierarchisch. Das ist ein treffender Euphemismus, der wie bei den Nazis, das Gegenteil erheiternd kaschieren soll.
    D. h. je nach zentralem oder dezentralem Königreich hast Du 1 bis 3 Könige und der Rest strukturiert sich aus Hofschranzen (die sich als Billiglöhner verdingen), die nur das Marketinggeseier und die angesagten Buzzwords abfeuern dürfen und tief im Rektum des Königs feststecken. Dafür darf man sich untereinander Duzen.
    Wie sieht da die Entwicklung aus? Genau, wie bei Ludwig dem 16. (die Geschichte wiederholt sich eben doch).
    Was ist der am stärksten wachsende IT-Markt? IT-Sicherheit. Soweit so unlogisch! IT ist eins der wenigen Systeme im Leben, welches rein und raus zugleich nicht nur zulässt, sondern auch zulassen muss. Der Geschlechtspartner kann immerhin noch Krankheit vorschützen und die Elbe fließt sowieso nur in eine Richtung. Wenn ich jetzt Dir den Dolch in den Rücken stecken will, so klappt das generell schon, wird aber schwieriger, wenn ein Bodyguard um Dich herumschlawenzelt. Nur, in der IT hast Du diesen Bodyguard halt nur virtuell, d. h. Der ist irgendwie abwesend, benötigt ein Upgrade, weil die Bewaffnung nicht ausreicht, etc.. Soweit so schlecht! Jetzt soll der Boddyguard aber nicht nur Dein ganzes Leben, sondern auch Deine Firma oder Deine Geschäfte beschützen. Nun, was passiert wohl? Der Bodyguard schneidet dir die Finger ab und entgegnet. „Glotz mal! Da kann es Dich schon mal nicht mehr treffen!“
    Wie kriegt man da einen lukrativen Job? Neben Mathe solltest Du Einbruch, Diebstahl und Manipulation nicht nur beherrschen, sondern ein Meister darin sein.

    • Pantoufle sagt:

      Moin Eike

      Entschuldige die späte Antwort. Das wahre Leben leidet gelegentlich sehr darunter, daß man es sich nicht schön schreiben kann und dann ist es entsprechend häßlich und dumm. Diese abgrundtiefe Verlogenheit… im privaten und der großen, weiten Welt. Ich mag gerade überhaupt nichts mehr schreiben.

      »Ich hab ja selbst mal in der IT gearbeitet.«
      Und ich arbeite jetzt dort. Seit ich langsam etwas mehr Einblick in mein neues Betätigungsfeld bekomme, halte ich die Idee von autonomen Straßenverkehr für Mord mit Vorsatz und aus niedrigen Beweggründen.
      Das übrigens ohne Unterschied aus Nationalitäten, Hautfarben oder Weltanschauungen.

      »denn sie wissen, dass sie den Jungs aus aus dem Silikontal nichts entgegensetzen können, also greifen sie deren Sachen ab und verschlimmbessern sie.«
      Das ist kein Alleinstellungsmerkmal einer bestimmten Branche. »Erfunden« wird seit Jahrzehnten nichts mehr. Jede neue Spielart einer alten Binse als Revolution anzupreisen, nur weil sie jetzt über Bluetooth und »Internet« verfügt, läuft sich irgendwann tot. Ob es sich dabei um eine völlig neuartige Zahnbürste handelt oder eine ganz großartige Partei, die die machtgeilen, weißhäutigen Weltherrschaftsträume aus Opas Urne hervorzaubert. Es ist die selbe Ideenlosigkeit und Stagnation der einen, die zum Humus der anderen wird. Oder was erwartest Du von einer Branche (um bei IT zu bleiben), deren Vorgesetzte aus der Arbeitsbeschaffungsmaßnahme BWL hervorgekrochen sind? Bei denen ist Erfolg, einen Audi A8 zu besitzen. Nichts gegen große Schlitten, aber es gab mal die Übereinkunft, daß der A8 Zeichen des Erfolgs war und nicht der Erfolg an sich. Lass einfach ein paar Jahre ins Land ziehen, dann glauben auch die Ameisen, daß sie einen unfassbar produktiven Tag hatten, nur weil sie vier Male am Tag Power-Point-Karaoke auf diversen Meetings hinter sich gebracht haben. Zugegeben – fünf solcher Tage in der Woche sind auch eine Leistung, nur daß es die Welt kein Stück weiter bringt.

      Einer meiner Brüder (in der IT) erzählte mir die schöne Geschichte eines milliardenschweren Unternehmens, in der ein ahnungsloses Hühnchen frisch von der Uni die tolle Idee hatte, die Schreibtische der Angestellten jeden Tag neu zu besetzen (man könnte auch sagen »auszulosen«).»Freie Platzwahl, die Damen und Herren!« Natürlich steckte hinter dem Nonsens eine wahrhaft nobelpreiswürdige Studie irgendwelcher Hansel ihrer Uni, die sie vermutlich an Meerschweinen oder Nacktschnecken gemacht hatten. Nacktschnecken ist es gleichgültig, ob sie sich jeden Tag ihren Rechner neu einrichten dürfen oder wenigstens eine Telephonnummer von jemandem haben, der ihnen dabei hilft. „ Gestern war er noch unter dieser Nummer zu erreichen!«
      Schaden in oberen sechsstelligen Bereich. Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob man die junge Dame mittlerweile gelyncht oder befördert hat. Vermutlich zweiteres.
      Schlagzeile zum Absatz: »Am BER dreht sich erstmal alles um die Personalfrage«
      Das und genau das ist das Missverständnis des 21. Jahrhunderts.

      Das erinnert mich an die »Psychologin« aus der frühen Kindergartenzeit meiner Kleinen. Die ca. 19jährige Jungfrau kam direkt aus der Lehranstalt mit dem Willen, Drogenprävention bereits im Kindergarten zum festen Lehrfach zu etablieren. »Dann nehmen wir den Plagen einfach einmal die Woche sämtliche Spielzeuge weg und lassen sie unbeaufsichtigt (!) den ganzen Tag alleine.« Eine tapfere Mitstreiterin und ich fragten ganz unschuldig, ob die Kleine von der FH – oder dem Abendschulkurs – irgend welche Erfahrungen mit Drogen, ihren Konsumenten oder eventueller Therapie gehabt hätte. Ihre Antwort war so durchdacht wie die Wirkung. »Solange dieser Herr dort sitzt, spreche ich kein Wort mehr!« Der Herr war ich und der größten Fehler meines Lebens war der angedachte, aber nicht durchgeführte Sitzstreik. Ich gestehe es in Demut.
      Das Ergebnis war ein Vorhersehbares: Die Brut prügelte sich am drogenfreien Spieltag gegenseitig blutig und nach zwei Wochen gab es wieder genügend freie Plätze in diesem Kindergarten. Jeder Elternteil, der seine Sinne noch halbwegs zusammengehalten hatte, nahm so schnell es ging die lieben Kleinen aus diesem Psycho-Experiment. Das heiß natürlich nur diejenigen, die es sich leisten konnten und Alternativen hatten. Die anderen und ihre Kinder wurden zur Beute dieser durchgeknallten Verrückten.
      Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob man die junge Dame mittlerweile…
      Psychologiestudium und Crack – eine unselige Mischung!

      Wie man sieht, ist der Wahnsinn im Handel frei verfügbar und keineswegs auf den Kindergarten beschränkt. Davon kann man sich auf jeder Vorstandssitzung eines börsennotierten Unternehmens überzeugen. Schon gehört? Novartis zieht sich aus der Forschung für Antibiotika zurück. Haarwuchs- und Potenzmittel sind deutlich lukrativer. Der einzige Unterschied zum Kindergarten ist die unverstellte Mordlust.

      Kleiner Nachtrag nach dem Frühstück: Nein, man sollte sie alle nicht nach Einzug ihres Vermögens zur Schadenswiedergutmachung (nicht zugunsten der Staatskasse, sondern für die Geschädigten!) einsperren.
      Das wäre zu billig. Auch die Bastonade oder teeren und federn, eiserne Jungfrauen oder rädern erbringen nur kurzfristigen Genuß. Arbeiten sollen sie. Bis ihnen das Wasser im Arsch kocht. Der Staatsratsvorsitzende vom BER kann immer noch Sand schaufeln und im Schweinsgalopp über irgend einen Hügel in die Grube schütten. Der Vorstand von Novartis soll in den Krankenhäusern Windeln wechseln und Fußböden schrubben. Keine Leistung tragen, sondern Mülleimer.

  2. Eike sagt:

    Danke. Ich hatte indes gar nicht mit einer Replik gerechnet. „Power-Point-Karaoke“ nehme ich mal mit, den kannte ich so noch nicht, obwohl diese Sachen zum großen Teil heute über Jira & Co. abgedeichselt werden.

    „Der Vorstand von Novartis soll in den Krankenhäusern Windeln wechseln und Fußböden schrubben.“ Das wäre mal ein vernünftiger Ansatz zur Job Rotation.

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