Was wurde eigentlich aus…?

»Ob bei Google Books, Amazon, Youtube, Vimeo, Netflix oder Soundcloud: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die allermeisten Bücher, Filme und Musikaufnahmen online zentral verfügbar sind. Bei journalistischen Texten jedoch stellt weiterhin jedes Periodikum einzeln sein Archiv im Internet bereit – oder auch nicht. Sterbende Zeitungen und Zeitschriften verschwinden mitsamt Archiv aus dem Netz, und in den online verfügbaren Archiven bleiben Artikel häufig hinter Paywalls verborgen. Zeit essen Texte auf.«

So steht es geschrieben. Auf einem Blog, der ausschließlich Texte veröffentlicht, sogar als Buch. Texte von Heinrich v. Kleist bis Juli Zeh. Das heißt: Zeh weiß ich jetzt gar nicht. Ich habe sie nur angeführt wegen des attraktiven Z im Namen. Alpha bis Omega.
Und so kommt auch Karl Kraus dort vor

»Die bürgerliche Gesellschaft besteht aus zwei Arten von Männern, aus solchen, die sagen, irgendwo sei eine Lasterhöhle ausgehoben worden, und solchen, die bedauern, die Adresse zu spät erfahren zu haben. Die Einteilung hat den Vorzug, daß sie sich auch in einer und derselben Person vollzieht, weil nicht Gegensätze der Weltanschauung, sondern nur Umstände und Rücksichten für die Wahl des Standpunktes maßgebend sind.«

Aber nicht so oft; die meisten Texte sind jüngeren Datums. Trotz allem eine gute Mischung. Inspirierend und ohne eine Kommentarfunktion. Das eröffnet Möglichkeiten. Es gibt Aufsätze, in denen das Wort »Neger« vorkommt und die sind nicht von Norman Mailer. Offensichtlich liest man H.D. Lawrence, Henry Miller und Hemingway, ohne das die Namen explizit fallen. Vielleicht macht es ja mutig, zu wissen, nicht gelesen zu werden.

»Wegen der amerikanischen Mittelstreckenraketen, die die Vorwarnzeit des dritten Weltkriegs auf die Dauer von schlechtem Sex verkürzten, wegen 1984 und Franz Josef Strauß. Das ist, den jüngeren Lesern sollte man es vielleicht erklären, jener dicke Mann auf dem Zweimarkstück, der so ähnlich aussieht wie Rudolf Augstein.«

Es sind unter anderem solche Sätze, wegen denen ich dort so gerne stöbere. Man ist sozusagen unter sich, kein Kommentar gemahnt moralinsaure Genauigkeit, der Pfeil der Sprache darf schwirren auch wenn er in einer blanken Möse steckenbleibt. Es ist das Gegenteil von Twitter. Und endet in der Regel mit einem Erkenntnisgewinn – also das genaue Gegenteil.
Noch mal zum mitschreiben: Waahr

Ich erinnere mich, daß sich in meinen Lesezeichen noch mehr solcher Blogs befanden. Es gibt sie nicht mehr und ich weiß nicht einmal mehr wie sie heißen. Hieß das nicht Salbader.de? Den gibt es allerdings noch. »alles, was Du über Analsex wissen mußt«, »7 Möglichkeiten zur Aufrechterhaltung der sexuellen Anziehungskraft in einer langfristigen Beziehung«, »Marienkäfer, Blattläuse und der Kampf gegen sie« (kein Witz!), und »Wie man einen Dildo benutzt – der ultimative Guide«. Das Impressum verrät eine eine Adresse auf den Seychellen. Da gehört es auch hin.
Andere wiederum sind auf »privat« gesetzt. Auch eine Möglichkeit, zu schreiben, wie es der Feder gefällt. Und vermutlich die letzte Nische. Das also ist aus diesem Internet geworden. Privatnet. Man sollte wieder auf Briefe zurückkommen. Keine Kommentare, keine wegweisenden Gerichtsurteile, was eine Beleidigung ist und was nicht.
Papst Zacharias, der den Verzehr von Hasenfleisch verbieten ließ – wegen des unanständigen Paarungstriebes dieser Tiere. Tierisch.
Also doch lieber Twitter:

SPD-Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz ist zufrieden mit dem »Klimapaket« der Bundesregierung: »Was wir vorgelegt haben, ist ein großer Wurf.«
Gefeierter Kernpunkt: Rauchverbot in PKWs.

»Heute gibt es wieder einen Gebirgsbach, der mir im Original deutlich besser gefällt, als der von gestern. Auf dem Foto kommt das leider nicht so gut rüber«

Das Photo ist kein Photo, sondern das Werk eines unbegabten Postkartenmalers (nicht Adolf Hitler). Trotzdem bleibt eine stille Poesie in dieser Satz-Konstruktion.

Vollkommen unpoetisch hat mein liebster Photoladen »Spürsinn« zugemacht. Offenbar für immer – sie haben nun mehr als ein Jahr geschlossen und haben damit die letzte Chance vertan, es sich noch einmal zu überlegen. Es ist ein Elend! Jetzt verschwende ich meine Zeit damit, mich auf neue Photo-Chemie einzuschießen. Kodaks D76 statt SAM, Adox Neutol NE und irgend einen Fixierer, der nicht so schnell fixiert, aber dafür gründlich. Es ist ein Elend in ungewissen Zeiten mit ungewissen Zeiten.

Fremdsprachen lernen leichtgemacht

Passend zum Thema und weil es so unangenehm laut und kreischend ist: Traumberuf Künstler: Wie wir man eigentlich Künstler*in?

 

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1 Antwort zu Was wurde eigentlich aus…?

  1. GrooveX sagt:

    a bissle isch ä weng – ohgfähr.

    ja ja, zaunpfahl & consorten 😉

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