…und noch ein verschwendeter Tag

Es ist nicht unproblematisch, die Nachrichten vor dem ersten Kaffee zu lesen. Man versteht so schnell miss.

»Das Reuters-Institut für Journalismusforschung an der Uni Oxford hat einen Bericht über das Publikum der öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehsender in Europa vorgelegt, und einige Ergebnisse sind beunruhigend. Die Nachrichtenangebote von ARD, ZDF und Deutschlandfunk erreichen demnach nur wenige junge Leute und kaum Menschen mit formal niedriger Bildung.«
Übermedien

Bei den Stichworten Bildungsfern, Beratungsresistent und Faktenfeindlich meldet sich natürlich sofort ein AfD-Mitglied zu Wort und kommentiert das mit
»Die Zuschauer von ARD und ZDF verorten sich selbst klar links von der Mitte. Die bürgerliche Mitte und die Konservativen finden sich im Programm der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten offensichtlich nicht wieder.«

Abgesehen davon, daß die Studie diese Interpretation nicht im Ansatz hergibt, könnte man natürlich genau so gut die bedauerliche Tatsache feststellen, daß immer weniger rechte Analphabeten und Vollpfosten zu Büchern greifen; ergo alle Schriftsteller irgendwie »links« sind. Was vermutlich in der Summe auch tatsächlich zutrifft. Eine nahezu unausweichliche Folge davon, wenn man Begriffe wie Humanismus, Menschenwürde und Geschichtsbewußtsein ernst nimmt.

Auf der anderen Seite bleibt völlig unklar, wie Nachrichten gestrickt sein sollten, damit sich die »bürgerliche Mitte und die Konservativen« darin wiederfinden. Aller Erfahrung nach nur in einer Art und Weise, als daß Informationen, die nicht in das schlichte Weltbild der bürgerlichen Mitte und Konservativen passen, unter den Tisch fallen. Das wäre doch mal ein Thema für ein Interview mit den AfD-Nazis: In den Nachrichten mehr »völkisch«, »Lebensraum«, »entartet« und »Vernichtung« wagen.

»Offenbar erklären wir die Welt nicht so gut und so passgenau, dass sich Leute mit einer niedrigeren Bildung da zu Hause fühlen. Das ist eine Aufgabe, an der wir arbeiten müssen«
Deutschlandfunk

»es lohnt sich, in unserem Land zu leben. Da muss man für Werte eintreten, und wer diese Werte nicht vertritt, der kann jederzeit dieses Land verlassen, wenn er nicht einverstanden ist. Das ist die Freiheit eines jeden Deutschen
Anonym

»Unsere Zufriedenheitsgarantie: Sollten Sie mit irgendeinem Produkt von uns einmal nicht zufrieden sein, dann senden Sie es uns einfach wieder zurück. Lassen Sie sich bis zu 4 Wochen Zeit die Produkte ausgiebig zu testen. Wir nehmen alle bei uns gekauften Artikel bis 4 Wochen nach Kaufdatum wieder zurück und erstatten Ihnen den vollen Kaufpreis. Die Kosten der Hinsendung erstatten wir… blah, blah, blah…«

Und noch etwas, mit dem ich höchst unzufrieden bin! Von den 4 Wochen sind bereits 7 Tage vergangen, ohne daß ich von diesen Banausen etwas produktives gehört habe. 9 Tage, um genau zu sein! Online-Bestellungen dauern halt ein wenig. Ob das ein paar Heli-Coil Einsätze aus China sind, wegen derer extra für mich ein Schiff aus dem Land der Mitte ausläuft oder ein paar 135` Filme und Entwickler – immer dauert es nie unter 10 Tagen; eher in Richtung 2 Wochen. Von wegen »das Internet vergisst nichts«. Doch! Zum Beispiel daß der Betrag seit einer Woche von meinem Konto abgebucht ist, bevor man überhaupt daran denkt, sich einen Pappkarton zu suchen um die Ware zu verschicken. Was mich immer wieder vom Kauf im Internet abhält, sind die teilweise absurden Lieferzeiten. Leute: Gründet doch bitte ein Geschäft bei mir in der Nähe, damit ich S/W-Negativ-Filme, Noval-Röhrensockel und Entwickler/Ätzchemie auf dem schnellen Weg kaufen kann. Zahle bar.

Womit nebenbei angedeutet sein soll, daß das Projekt RIAA-Vorverstärker mit Röhren in die heiße Phase eingetreten ist. Es werden EF86 und ECC808. Sie lagen halt rum – auf die Widerstände und Kondensatoren warte ich noch… s.O. Ach, wie ist das schön, sich Datenblätter mal wieder auszudrucken, um mit Bleistift und Geo-Dreieck Arbeitspunkte rauszumalen.

Rechenschiebergenauigkeit genügt vollkommen!

Datenschutz! Das neue Wort für Leistungsverweigerung. Der Kunde will etwas, auf das er Anspruch hat? Der arme Irre! Aber nicht, wenn sein Name darin auftaucht.
Ich zum Beispiel ein A1-Formular, um im Ausland arbeiten zu dürfen. Anruf bei der Krankenkasse: »Alles klar – haben sie übermorgen«. Länger wäre auch oberfaul. Schließlich will man nur wissen, ob ich in Deutschland versichert bin. Nach 2 Wochen ist -oh Wunder! – noch nichts passiert. Anruf bei der Kasse: »Ich brauche das aber jetzt. Sofort. Und nicht in einem halben Jahr, zumal Sie das bis dahin ohnehin vergessen haben!«
»Ja, natürlich – wo sind sie denn jetzt? Können sie sich das bei uns abholen?«
»Nein, ich bin 1200km entfernt und sebst wenn: Ich bin hier zum arbeiten, nicht um ihnen das Leben einfacher zu machen! Schicken sie bitte den verdammte Wisch an meine E-Mail-Adresse«
Erleichtertes Aufatmen am anderen Ende der Leitung.
»Das dürfen wir nicht! Datenschutz!. Sie verstehen?«
Nein, ich verstehe überhaupt nichts!
Sämtliche Unterlagen von mir zur Krankenkasse darf ich online übermitteln. Ohne Unterschrift gültig; ab Morgen buchen wir die Beträge von ihrem Konto – überhaupt kein Problem. PgP- Verschlüsselung wird gar nicht erst angeboten. Mit Sicherheit wissen sie auch gar nicht, was das ist. Aber umgekehrt geht nicht einmal die Kopie eines Rezepts oder einer Tankquittung.
Das ist es also, warum sie sich darauf eingelassen haben. Meine komplette Krankengeschichte würden sie auf eine Postkarte schreiben, wenn der Stift nur spitz genug wäre. Postkarten hat es immer schon gegeben. Nur nicht via E-mail. Und ich habe Verschlüsselung – wenn sie nur wüßten was das ist.

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4 Antworten zu …und noch ein verschwendeter Tag

  1. glumm sagt:

    Datenschutz war vermutlich anders gemeint – damit nix drankommt an die Fingerchen der Servicegesellschaft.

    • Pantoufle sagt:

      Moin Glumm

      Ja, so wird es wohl sein. Aber dann hätten es auch ein paar Gummi-Handschuhe getan. Aber außer daß auf keinem Photo noch ein Gesicht zu erkennen ist, hat sich nichts getan. Seit Datenschutz ganz in der Hand des Gesetzgebers ist, läßt man sich beruhigt fallen. Ist ja alles geregelt. Das ist wie bei Mord. Mord ist verboten – verstößt jemand dagegen, wird das Gesetz mit aller Macht versuchen, dem Mörder seine Strafe zukommen zu lassen. Das Opfer ist danach immer noch noch tot, aber der Gerechtigkeit ist Genüge getan.
      Einwohnermeldeämter, Parteien, Polizei oder Ärzte – man weiß gar nicht, wo man mit dem Sammeln anfangen soll. Und Geld kostet das nur noch bei Facebook oder den Gemeinden.

  2. Frau Lehmann sagt:

    »Offenbar erklären wir die Welt nicht so gut und so passgenau, dass sich Leute mit einer niedrigeren Bildung da zu Hause fühlen. Das ist eine Aufgabe, an der wir arbeiten müssen«
    Die verstehen doch wirklich gar nichts. Oder bin ich es, der das alles nicht mehr versteht?
    Die Welt passgenau erklären zu wollen setzt doch voraus, dass jemand die “Schablone” anlegt, jemand, der die eine Wahrheit kennt und sie nur noch je nach Klientel angemessen verpacken muss, damit sie als solche auch wahrgenommen wird. So wird aus Information Propaganda und aus einer Nachricht eine Werbekampagne.
    Vergiss sowas wie Pluralismus.
    Ganz davon abgesehen, dass ich es nicht mehr hören kann, wenn von den “Leuten mit niedriger Bildung” gelabert wird. Welch eine unsägliche Arroganz. Die oben zitierte Aussage entlarvt eben diese Arroganz und das weit verbreitete völlig absurde Eigenverständnis von Journalismus heutzutage. Quoten sind wichtiger als Qualität.
    Auch mich als Akademikerin und alte Frau (!) erreichen nämlich die Öffentlich-Rechtlichen zur Primetime kaum mehr. Kaum eine Nachrichtensendung oder ein Polittalk, den ich nicht nach kurzer Zeit abschalte, weil ich den Unsinn einfach nicht ertragen kann. Viele Sendungen, die ich mal gerne verfolgt habe, sind so grottenschlecht geworden, dass es sich echt nicht mehr lohnt, die einzuschalten.
    Übrigens: Bei all den Studien, die dem sogenannten Qualitätsmanagement dienen, würden mich die Fragestellungen viel mehr interessieren als die oft skandalisierten Ergebnisse und Schlussfolgerungen.
    Verrückte Welt. Ich glaube wirklich, ich bin zu alt dafür [oder einfach zu gebildet ;-)] ?

  3. Danke, liebe Frau Lehmann, sie sprechen mir aus der Seele! Von der Verantwortung des Einzelnen für seine Arbeit als Moderator/ -in redet kaum jemand. Und niemand ist greifbar, wenn etwas nicht klappt. Programmieren sich die PCs selbst?

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