Spürsinn ist nicht mehr

Film heile, aber bei den Kontaktabzügen ist das Negativ verrutscht

Daß die Firma Spürsinn nicht mehr existiert, habe ich bereits letzte Woche festgestellt. Festgestellt habe ich es natürlich bereits vor 2 Jahren, aber die Folgen davon machen sich erst jetzt in aller Härte bemerkbar. Meine Spürsinn-Chemie ist alle!

Was die Papiere betrifft, so kann man sich aus dem Programm von Adox ganz gut behelfen. Bei der Filmentwicklung aber ist sozusagen »Land unter«.
Man kann das gar nicht unterschätzen, wieviel die Gewohnheit und das »Eingeschossen sein« ausmacht und wie schwer es werden kann, seine Gewohnheiten zu ändern – und damit ist man noch nicht einmal bei der Qualität der Ware. 
Während sich jahreszeitlich bedingt die Verschlußzeiten also langsam wieder verlängern (oder man die Filme eine Blende höher pusht) sitze ich in der Dunkelkammer und hadere. Damit es überhaupt weitergeht, mit Kodak D76 und einer Handvoll alter, unentwickelter Filme. Größtenteils Rollei R3. Wie der Name bereits vermuten läßt, auch nicht ganz taufrische Ware. Zeit also, in der Dunkelkammer wieder ein paar Fehler zu machen und sich an die Grenzen des Materials heranzuarbeiten.

Fehler Nr. 1: Mit frisch angesetzter Lösung zu arbeiten. Die soll nach dem Auflösen des Pulvers erst einmal 24 Stunden ruhen! Und zwar nicht, weil sich dann der letzte Krümel Pulver aufgelöst hat, sondern weil die Brühe dann vollkommen anders reagiert. Und das ist keine Glaubensfrage.

Körner, wohin das Auge blickt

 

Zwar kenne ich genügend Foren, in denen heiß darüber diskutiert wird, wie man so ein Korn bekommt wenn man es braucht, aber dann kann ich auch gleich zur sogenannten Lomography wechseln, in der kaputte Licht-Dichtungen und schräg aufgeschraubte Objektive zum guten Ton gehören. Echte Kunst also – nicht diese bemühte Photographiererei mit einem ansatzweise vorhandenem Verständnis von Blende, Belichtungszeit und Filmempfindlichkeit.
Korn hatten wir also genug – aber wie kriege ich es wieder weg? Als einfachstes Mittel erwies sich warten. Die Chemie einfach 24 Stunden in Ruhe stehen lassen und irgend etwas sinnvolles machen ( in meinem Falle war es, die Dunkelkammer nach Monaten zum ersten Male einer Generalreinigung zu unterziehen. Auch nicht ganz unwesentlich!) .

Der Tag danach ergab folgendes:

Rollei R3 in D76 1:1, 11min, ersten 60 Sekunden dauernd, dann jede Minute für 10 Sekunden

So einfach kann es sein! Korn weg, Dreißiger-Jahre-Charme auch – willkommen in den Sechzigern.

Rollei R3 in D76 1:1, 10min, ersten 30 Sekunden dauernd, dann alle 30 Sek. für 10 Sek.

Natürlich habe die Kornwüsten auch ihren Reiz, es ist so schön altmodisch und beinahe schon Lomographie; also richtige Kunst. Nur eben mehr aus Versehen und mit einem viel zu frischen Entwickler.

Bei Portraits kann das durchaus seinen Charme haben.

Das Abenteuer geht weiter: In der Kammer, die jetzt wieder so schön nach Stoppbad und Fixierer riecht, liegen noch ein paar ADOX CHS 100 II und ebensoviele Spürsinn U125 Filme, die noch entwickelt werden wollen. Für den Spürsinn gibt es nirgendwo Zeiten – für den ADOX zum Glück ja. Leider gibt es den Rohfilm als Kleinbild 135 zu meinem großen Leidwesen nicht mehr. Deswegen wartet bereits ein großer Beutel voll mit Ilford FP 4 und HP 5 für das volle Kleinbildformat. Wenn das Format etwas vollbildiger sein darf, gibt noch die Tüte mit Fomapan 100, Rollei R3, Ilford FP4 und ADOX 100 II als Rollfilm– von wegen »es gibt keine chemischen Filme« mehr zu kaufen! Mehr Filme als lohnenswerte Motive. Und noch mehr Entwickler.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.