Spökenkiekerei


Eigentlich wollte ich ja nicht. Aber jetzt muß ich wohl doch. Will aber immer noch nicht.
ALSO DAS AUF DEM BAHNHOF IN FRANKFURT FINDE ICH ENTSETZLICH.
So, das muß reichen.

Das reicht nicht? Doch, tut es. Es gibt ein paar besorgt trauernde, deren Gesellschaft mir nicht passt und in deren Chor ich mich nicht einreihen möchte. Von meinen Lesern gibt es 4,5 Personen, die mich persönlich kennen und genau wissen, wie ich so etwas finde – denen muß ich es nicht erklären und was der Rest denkt, ist mir ehrlich gesagt schnuppe.

Warum ich das erwähne? Ich hatte vorgestern das Video von Faber »das Boot ist voll« verlinkt und heute ist es verschwunden (jedenfalls von Youtube). Eine Woche nach seiner Premiere. Das ist… ahem… ungewöhnlich. Nur mal angenommen – und mehr als diese Unterstellung gibt es nicht – daß das Video entfernt wurde, weil es politisch bei der herrschenden Nachrichtenlage nicht opportun ist.
Denjenigen, die weder Video noch Text kennen, sei der Artikel von Henry Lührs bei Testspiel.de ans Herz gelegt, alternativ gäb es sonst noch den Text von Alice Weidel bei der jungen Freiheit. Der beschäftigt sich zwar nicht mit dem Song, aber indirekt mit dem Text von Lührs. Jedenfalls sind beide unbeabsichtigt miteinander verknüpft.

Henry Lührs mag Faber nicht besonders. (Für alles folgende sollte man den Text von Lührs gelesen haben)

»Einige halten ihn für den größten Pop Lyriker unserer Zeit. Ich sage: Bullshit! Für mich ist Faber ein Paradebeispiel wie weißer, männlich-vulgärer Antifaschismus in die Hose gehen kann.«

Gut, das kann man so sehen. Ich sehe es anders.

»Als weißer Urlauber fühle mich provoziert oder zumindest machen die Bilder etwas mit mir und lassen auch die eigene unreflektierte Dekadenz, die Ignoranz und strukturellen Rassismus hinterfragen. Nur stellt sich für mich die Frage, was derartige Gewaltfantasien bei diesem Thema verloren haben.«

Kommt darauf an, ob man am Sternberger See oder auf Lampedusa am Strand liegt. Beim Namen des zweiten Falles gehen jedenfalls mir durchaus gelegentlich »derartige Gewaltfantasien« durch den Kopf. Auch stellt sich ebenso die Frage, ob farbige Wassersportler auf ihrem Trip von Libyen nach Italien diese Provokation ähnlich empfinden.

»Auch wird ein Bild des besorgten Bürgers gezeichnet, das an Primitivität nicht zu übertreffen ist. Der weiße, fette Deutsche, Bild-Zeitung lesend am Strand, der auf den schwarzen Kellner wartet, welcher ihm schwitzend einen Cocktail mit Frucht und Schirmchen serviert.«


An Primitivität durch nichts zu überbieten. Vollkommen richtig. Siehe auch Alice Weidel.

»Schon mal darüber nachgedacht, dass rechte Trolls, AfD-Wähler und „Das Boot ist voll“- Anhänger, durchaus auch smarte, intellektuelle Nachbarn von nebenan sein können?«

Ja, daran denke ich gelegentlich. Nur das Wort »intellektuell« kommt mir dabei selten in den Sinn und smart kann alles mögliche bedeuten. Allerdings erschließt sich mir der Zusammenhang zwischen Rassismus und »netter Nachbar« nicht. Beides zusammen geht nicht. Außerdem denke ich da weniger, sondern gehe rüber und lerne meine Nachbarn kennen, damit ich mir ein Bild von ihnen machen kann… doch, das ist durchaus eine Option!

Viele Flüchtlinge müssen weiter ertrinken und Alice Weidel hetzt. Ist nun irgend etwas damit gewonnen, daß ein Lied gesperrt ist, weil sich irgend ein »besorgter Bürger« auf den Schlips getreten fühlt?
Aber das sind ja – wie gesagt – nur Vermutungen.

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11 Antworten zu Spökenkiekerei

  1. Duderich sagt:

    Zu der “Satire” der PARTEI Hannover:

    Ich selbst habe die PARTEI in der EU-Wahl gewählt, was illustrieren soll, auf welcher Seite ich stehe…
    Trotzdem:
    Es heißt ja so schön: ‘Satire darf alles’. Stimmt. Aber so sehr ich Gauland und die AfD auch verachte, so missglückt halte ich trotzdem diesen Vorstoß. Hitler-Vergleiche sind meines Erachtens u.a. Holocaust-relativierend und somit kontraproduktiv.
    Satire soll zum Denken und kritischen Hinterfragen anregen – und dabei vielleicht auch augenzwinkernd belustigend sein. Beiden Ansprüchen wird dieses Posting der Partei in meiner Wahrnehmung nicht gerecht.
    Hitler war damals politisch nicht (mehr) zu stoppen. Gauland, die rechtsradikale Nullnummer, schon. Wo bleibt also der Erkenntnisgewinn, außer dass die AfD, respektive Gauland der politische Gegner ist? (Ach, echt jetzt?)

    Sonneborn und jüngst auch Semsrott zeigen, dass man die Klaviatur der Satire weitaus besser beherrschen kann.
    Dabei ist es unbedeutend, dass ich dieses Posting darüber hinaus auch für ziemlich geschmacklos halte (was Hitler-Vergleiche in der Regel sind), da Satire dies auch ruhig sein darf – wenn sie denn zielführend ist (siehe oben).

    LG Grüße

    • Pantoufle sagt:

      ???

      So verschieden sind die Geschmäcker

      • Duderich sagt:

        Konkretere Fragestellungen beantworte ich gerne. 😉

      • Duderich sagt:

        Ist doch gut so! Wäre doch sonst alles langweilig und öde.

        Gegenüber der PARTEI ist dies sowieso freundschaftliche Kritik, da ich mich grundsätzlich mit deren politischer Linie und satirischem Ausdruck solidarisiere.

        Ich hinterfrage auch Aussagen von jenen, mit denen ich sympathisiere, egal ob Freund, Blogger, Partei, …

        Na, und über Geschmäcker lässt sich ja lt. Volksmund sowieso nicht streiten.

  2. Nö, ist bei YouTube nicht gelöscht (zur Not gäbe es aber auch noch ein paar Live-Videos) und es wäre eher Georg-Elser- als Stauffenberg-Zeit (mal ganz davon abgesehen, daß Stauffenberg dem Nationalsozialismus eine Menge abgewinnen konnten, lediglich der militärische Mißerfolg fand seine Billigung nicht).

    • Pantoufle sagt:

      Moin Dame

      Das Promo-Video, auf das ich mich bezog, ist offenbar gelöscht. Das Stück nicht – das weiß ich auch.
      Was Stauffenberg betrifft, so habe ich mich an dieser Stelle bereits des Öfteren über ihn und dem grundsätzlichen Missverständnis zwischen militärischem Widerstand und demokratischer Einstellung der Betreffenden geäußert.
      Ob nun Elser oder Graf Schenk… nebbich. Ich finde das Plakat der PARTEI witzig und bin nebenbei der Meinung, daß man in der BRD schon aus weit weniger triftigen Gründen Leute wie die der AfD aus dem Verkehr gezogen hat. Ohne Bomben. Im deutschen Herbst genügte der Verdacht der Sympathie, heute reichen nicht einmal mehr Leichen.

      • Apropos Sympathie + deutscher Herbst: Sympathisanten – Unser deutscher Herbst <-TV-Tip, ich war positiv überrascht.

        Beim Faber-Video hatte ich die Idee, daß YouTube eine Art Schluckauf hat, es steht bei Faber im Kanal, läßt sich aber nur via Suche aufrufen.

        Das Wichtigste zum Schluß: herzliche Grüße!

        • Pantoufle sagt:

          Das allerwichtigste zuerst: Hallo, liebe Dame – schön von Dir zu hören!
          Danke für den Herbstfilm – den kannte ich aber schon 🙂 Er war der Hintergrund, weshalb ich den Herbst zitierte.
          Besagtes Video ist immer noch gesperrt. Aber so ist das eben: In einer Woche ist es ohnehin vergessen. Die systemimmanente Amnesie des Internets. Es hat es nie gegeben.
          Im Übrigen bin ich sowieso beschäftigt – ich höre seit Stunden Edgard Varèse und bin von daher ohnehin nicht mehr auf diesem Planeten, selbst wenn jemand auf meinen Text und den verlinkten Artikel noch eingehen würde. Da gäbe es schon die eine oder andere Merkwürdigkeit.
          Ich jedenfalls höre mir jetzt noch mal die Ionisation an und träume von Kanninchen und rotem Wein.

          Gute Nacht

  3. Martin Däniken sagt:

    Es wird ja sehr doppelbödig wenn man die Sichtweise der AfD zur Hand nimmt oder von Rechten ganz allgemein,die da sagt sie würden wie Juden von Nazis verfolgt…
    Das sagens auch nur um ihrer angeblichen Opferrolle gerecht zuwerden und/oder mal wiederWind zumachen!
    Und ich traue der Partei “DiePartei” zu, das bedacht zuhaben.
    Denn die Partei “DiePartei” ist sehr gut.

    • Pantoufle sagt:

      Moin Martin

      Die Pointe für mich besteht im Zusammenhang mit dem Tweet von Uwe Junge: »… und der aktive Widerstand gegen ihn [Hitler] war nicht sozialistisch sondern konservativ«
      (vergl. dazu »was wurde eigentlich aus der Nachricht von letzter Woche«)

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