Sonntagmorgen

»Kandel ist nicht braun, Kandel ist bunt.«
Sehr schön, das! In dem kleinen 9000-Seelen-Kaff gingen ca. 2500 Menschen gegen die rechten Horden auf die Straße. Von Gewerkschaftler, der heiligen Mutter Kirche und sogar der hohen Obrigkeit in Form von Malu Dreyer (SPD) und von grün bis CDU-Landtagsfraktionschef Christian Baldauf kamen sie alle. Na ja – fast alle. Die AFD und Twitter feierten lieber mit den Hooligans auf der Gegendemo »Deutschland jetzt noch deutscher« und das Verbot von ausländischer Pizza. Was man bei Faschos eben so macht, wenn man am Sonntag nichts besseres vor hat.

Hier gibt’s keine Demo. Stille, bis auf den Schreckensruf der Frau des Hauses »Dem Tier geht’s nicht gut!« Und das am Sonnabend, wo doch kein Tierarzt offen hat. Die sind zwar nicht demonstrieren, dafür aber im Garten und hacken die Reste des Winters auf den Komposthaufen. Meiner auch. Also nichts wie das edle Tier ins Auto und bei Tierärztens auf den Hof.
»Gerhard, komm doch mal – dem Hund geht’s nicht so gut«
Der Eingang zur Praxis ist vier Meter neben der Gartenpforte. Heide, was sein Weib ist, schließt dann schon mal die Türe auf. Himmel hilf – leichter wird der Köter auch nicht und freiwillig laufen ist nicht. 22,4 kg stöhnt die Wage. Von wegen dreimonatiger Welpe! Auf den Behandlungstisch will er natürlich nicht und Rumo macht die Parkkralle. Hilft aber nichts – der Boden ist gefliest. Endlich oben wird der Hund dann so richtig krank. So krank und elend, daß Heide erst mal Knöcksken gibt. Schaden kann’s nicht – der Hund ist ja bereits krank. Aber jetzt siecht er mit Leckerchen. Den Tisch kennt er bereits vom impfen und chippen und den Doktor ebenfalls. Mit dem ist nicht zu spaßen! Ein hundsgemeiner Kerl, der Fohlen notfalls mithilfe eines Treckers auf die Welt zerrt. Oder Esel, wenn die nicht wollen! Kein Pardon kennt der!

Zwei Spritzen und ins Maul sieht Gerhard ihm auch! Und außerdem gibt’s fiese Tabletten für die kommende Woche! Zeit für das Tier, noch eine Schippe Siechtum draufzulegen. Seufzend legt er sich ermattet auf die Liege, öffnet unter größten Anstrengungen die Augen und sieht Heide an. Von unten mit einem kaum hörbaren Fiepen. Das müßte doch… ja, es wirkt!
Das war die blödsinnigste und vor allem durchsichtigste Schauspielleistung der letzten 3000 Jahre Theatergeschichte. Wie kann das nur funktionieren? Ist ja auch egal – Erfolg adelt. Auch die schmierigste Kommödie.
»Ne, ich zahle das gleich!« Macht … Mark und fuffzig und Rumo ist verdächtig lebendig. Der Herr Doktor ist bereits wieder in die Rabatten eingefallen und grüßt aus der Ferne. Rauslaufen kann Rumo urplötzlich von selber, um sich jetzt von der Türe nicht weiterzubewegen.

Während Vettel und Ferrari in Melbourne siegen, gehen Rumo und ich erst mal im Wald hunden. Das freut Mensch und Tier – die Spitzen brachten das Tier dermaßen zum Furzen, daß es keine Freude ist. Damit kann er jetzt den allerletzten Schnee zum schmelzen bringen. Hauptsache nicht im Wohnzimmer! Toxisch! Dagegen ist Buttersäure das reinste Rosenwasser.
Jetzt ist alles wieder sehr, sehr friedlich. Während der erste Verdacht laut wird, das russische geheimdiensttötende Geheimgift könnte ebensogut aus England selber kommen, in den USA gegen Waffenberge demonstriert wird, Puigdemont angeblich in Schleswig Holstein festgenommen wurde und der Streueffekt in Kleinbloggersdorf mit einem linken, rhetorisch brillanten und analytischen Neolierasmus… kaut Rumo friedlich im Garten auf dem Gartenschlauch.
MOMENT!! Mit seinen nadelscharfen, picksigen Zähnen auf dem mürben alten…

MOMENT!!!

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9 Kommentare zu Sonntagmorgen

  1. DasKleineTeilchen sagt:

    ah, neues aus der spezialkollumne…die ein-leser-weniger-drohung funktioniert wider erwarten gelegentlich doch ganz vortrefflich; danke duderich.

  2. OldFart sagt:

    Wenn Rumo so infernalisch furzt, wie ich das von solchen Fällen kenne, dann kann man das doch nutzen: vermiete ihn stundenweise an Leute, die renovieren. Rein ins Zimmer, ein Leckerli zur Beschäftigung, Tür und Fenster zu, eine Stunde später mit Atemschutz die Tür öffnen – et voila, alle Tapeten liegen fein säuberlich von der Wand abgefallen im Raum. Kein stundenlanges Rumschaben mehr. Also ich würde für so einen Service gut bezahlen.

    Pro Tip #1: zuvor eine kleine Probe verfurzter Luft in einem Schnappdeckelgläschen mitbringen und vorher an verdeckter Stelle gegen die Wand drücken. Wenn sich auch der Putz löst, ist von einem Einsatz i.d.R. abzuraten.

    Pro Tip #2: Fensterscheiben vorher mit Folie akkurat abkleben, es sei denn, der Kunde wünscht für nachher Milchglasscheiben.

  3. Pantoufle sagt:

    Moin, ihr Beiden

    Ja, man sollte das tiefe Bedürfnis der Leserschaft nach Katzenbildern keinesfalls unterschätzen! Und ich bin ja auch gerne dazu bereit… Aber da ist auf der einen Seite die große, weite Welt, in der so viele unkommentierte Dinge passieren und auf der anderen Rumo. Da muß man sich gelegentlich einen Ruck geben und sich für den Hund entscheiden. Vor allem dann, wenn einen die große Welt gerade überhaupt nicht interessiert. Auf Kandel bin ich eigentlich auch nur durch unsoziale Netzwerke aufmerksam geworden. Dort war die Rede von einem Armageddon zwischen links und rechts, einstürzenden Neubauten, massenweise hingerichteten Gartenzwergen und weit Schlimmeren. Und abschließend fand selbst die Tagesschau, daß es eigentlich ein netter Spaziergang gewesen war.
    Immer diese Entscheidungen!
    Da habe ich mich eben für Rumo entschieden. Immerhin war er etwas krank!

    Natürlich hätte man als progressiver Staatsbürger auch darüber nachdenken können, den Hund als chemische Waffe unter die Demonstranten zu bringen. Unter Einberechnung der Windrichtung und mangels schwarzem Block gegen die Kirche anstinken… aber die stand ja ausnahmsweise mal auf der richtigen Seite. »Ach, was für ein gesegnet niedlicher Hund!« und im nächsten Augenblick mit Sauerstoffmaske auf der Bahre.

    Jetzt stehe ich wieder vor fürchterlichen Alternativen: Mit der Mamiya in die nächste große Stadt, wo ein 72er Aston Martin Vantage restauriert wird oder die Antriebswellen eines Peugeot 105 wechseln.
    Oder mit dem Hund im Wald spazierengehen. Hmmm!

  4. pentimento sagt:

    Also, den bischen kranken Rumo muß ich in Schutz nehmen. Vielleicht saß ihm ein Knochen quer und er war verstopft? Wie soll er mitteilen, daß er Schmerzen hat, wenn nicht durch Theater? Gut, zu wissen, daß er wieder gesund ist.

    • Pantoufle sagt:

      Eine Infektion, etwas … wie heißt das? Antidepressiva für Bazillen? Ähh – Antibiotika. Genau, das wars! Die Krankheit dauerte nur Arzt + 3 Stunden. Jetzt hüpft er wieder. Vorn beide Pfoten hoch, hinten beide Pfoten hoch, nochmal und dann mit der Schnauze in den Dreck. Völlig gesund!

  5. Stony sagt:

    Schön das Bärchen in Rumo getroffen. Anbei: gz zum zwoten actionpic, der Wohlfühl-/Aktivitätsgrad des Wonneproppens scheint ja sukzessive zu steigen. Fein.

  6. flurdab sagt:

    Ich freue mich das der Hund endlich seinem Erziehungsauftrag folgt.
    Ja klar, ihr bestimmt die Regeln. (prust, gacker)
    Wird bestimmt noch spannend, wenn 90 Kilo „Zärtlichkeit“ sich ihren Weg auf die Couche bahnen.
    Ich mag Rumo!

    • Pantoufle sagt:

      Das Tier gehorcht aufs Wort! Wir suchen nur noch das richtige.
      Was das Sofa betrifft, so sind wir sicher, bis dahin einen passenden Befehl auf Lager zu haben. »Stop, Halt, nicht auf das… wirst du wohl, Misttöle, Hö ma mein Lieber: So nicht! Soooo nicht!!!«, um dann der Einfachheit halber das Sofa zu verschieben.

      Alle mögen Rumo. Vor allem die Kinder im Dorf. Ein Teddybär an der Leine.

      • flurdab sagt:

        Ihr kriegt dat schon hin, seit ja erfahren.
        Ich bin echt ein bisschen neidisch, toller Hund.
        Die homöopathischen „Knöchelchen“ der Arztfrau lassen aber Fragen offen.
        Vermutlich ein abgekartetes Spiel indem der gutgläubige Welpe zur Umsatzsteigerung eingesetzt wird.
        Ich sag nur homöopathisch.

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