Sexistisches Gedicht am Donnerstag / Nachtrag

Alleen
Alleen und Blumen
Blumen
Blumen und Frauen
Alleen
Alleen und Frauen
Alleen und Blumen und Frauen und
ein Bewunderer

Eugen Gomringer, 1951, Alice Salomon Poetik Preis 2011

Ende des Jahres soll dieses Gedicht an der Mauer der Alice Salomon Hochschule zu Berlin entfernt werden. »Die Studierendenvertretung plädierte dafür, das Gedicht zu übermalen und mit einem Werk einer weiblichen Autorin oder eines Autors mit Migrationshintergrund zu ersetzen.«
Weil:

»Dieses Gedicht reproduziert nicht nur eine klassische patriarchale Kunsttradition, in der Frauen ausschließlich die schönen Musen sind, die männliche Künstler zu kreativen Taten inspirieren, es erinnert zudem unangenehm an sexuelle Belästigung, der Frauen alltäglich ausgesetzt sind.«

Jedenfalls wird das Gedicht nun renoviert.
»Wir haben uns die Entscheidung in der Hochschulleitung und im Akademischen Senat nicht leicht gemacht. An dieser Stelle möchten wir noch einmal betonen, dass wir größten Respekt vor Eugen Gomringer, seinem Schaffen und seinem Werk haben«.
Eine Einschätzung, inwiefern das Gedicht sexistisch ist, äußerte der akademische Senat in seiner Stellungnahme nicht.
Der Dichter 93jährige Gomringer empfindet die Entscheidung als »Eingriff in die Freiheit von Kunst und Poesie«. (Ein Statement, das in der Presse leider kaum zitiert wird.)

Eine Stellungnahme der Dichterin Nora Gomringer, der Tochter Eugen Gomringers, zu dem Vorgang und ihre Interpretation des Textes:

»Das Gedicht Avenidas, das auf „un admirador“ endet, ist in den fünfziger Jahren von Eugen Gomringer veröffentlicht worden. Es ist ein Schlüsseltext der konkreten Poesie und inhaltlich eine Szenenbeschreibung der Ramblas in Barcelona. Ein namenloser Bewunderer sieht avenidas, das sind breite Straßen, er sieht flores, das sind Blumen und Mujeres, Frauen, vor sich. Es gibt kein kein lyrisches Ich; der Text ist absolut entfernt von jeder Emotionalität.
Allerdings ist die Auswahl der bewunderten Gegenstände und Menschen eindeutig. Von Menschen gemachte Straßen, von Natur gemachte Blumen und Frauen. Frauen als Wesen, als Kultur einer Rollenspielerin, das ecetera der Konnotation, die dem Text offenbar gerade das Genick zu brechen drohen. Un admirador, da ist das Spanische ganz eindeutig, das ist ein männlicher Bewunderer. Bitte beachten Sie, die sie dies anprangern! Auch der Bewunderer ist in diesem Gedicht mit dem verbindenden „Y“, dem I griega, also dem einfachen Wort „und“ angeschlossen.
Auch er wird quasi betrachtet, von außen, ist Teil der Aufzählung. Ist nicht ihr Beherrscher, auch wenn er an prominenter Stelle steht und folgerichtig ist er auch nicht der Macho, vor dessen Blick die Frauen paradieren und dessen Urteil sie fürchten müssen. Hier wird ganz in konkreter Manier alles von Außen, nichts von innen geschildert. Und Gegenstände und Inhalte der Welt werden aufgezählt und jeder ist eingeladen (nach seinem Vermögen) sich einen Reim darauf zu machen.

Ich verstehe ehrlich gesagt eine Hochschule nicht, die sich einer solchen Aufzählung gegenüber verschließen möchte und das Argument »Wir wollen unsere Fassade selbst gestalten“ darauf reimt, um ein Gedicht loszuwerden, das auf Werte verweist, die mal nicht „überirdisch“, „überzeitlich“, sondern im Leben, mitten in Berlin, 2017!!!, Gültigkeit haben und Schönheit besitzen.
Ich wünsche mir für die Stadt Berlin und vor allem für die Alice Salomon-Hochschule, diesen Text. Denn er verweist darauf, das wir verbunden sind in der Welt. Wir alle miteinander und es nur es Wörtchens „und“ bedarf, um uns gedanklich aneinander anzuschließen.
Ich wünsche Ihnen ein „Und“!«

Transkription eines Ausschnitts des Vortrages der Dichterin anläßlich einer Podiumsdiskussion1

Natürlich ist gegen die regelmäßige Renovierung von Fassaden wenig einzuwenden. Ebensowenig wie gegen ein neues Gedicht an der Hauswand einer weiblichen Dichterin mit Migrationshintergrund. der Lyrikerin Barbara Köhler.2

»Die Mitglieder des Akademischen Senats haben sich nach einer intensiven und sehr abwägenden Debatte mehrheitlich für diesen Vorschlag ausgesprochen. Für die Hochschule bedeutet dieses Votum ein klares Bekenntnis zur Kunst«

Professor Dr. Uwe Bettig, Rektor der Alice Salomon Hochschule Berlin

Die Alice Salomon Hochschule Berlin bietet Bachelor- sowie Masterstudiengänge für Soziale Arbeit, im Gesundheitsbereich sowie Erziehung und Bildung im Kindesalter an. Keine Studiengänge in Poesie, was an dieser Stelle bedauernd festgestellt werden muß. Und ein klares Bekenntnis zur Kunst sieht anders aus.

Peter Glaser nennt die StudentInnen, die diesen Sturm im Wasserglas auslösten, Text-Taliban. Dem schließt sich die Redaktion der Schrottpresse vorbehaltlos an. Als Grund für die Kritik am Gedicht Gomringers ist ausschließlich das Geschlecht des Dichters auszumachen. Wäre es eine Lyrikerin gewesen – niemand der KritikerInnen hätte auch nur eine Silbe darüber verloren. Nur ein Wort geändert (admiradoras)… Das aber würde bedeuten, daß man sich mit dem Gedicht auseinandersetzt – was offensichtlich nicht passiert ist. Nora Gomringers Textanalyse steht dafür.

Man könnte beinahe Mitleid mit den Zensoren von Facebook und Twitter bekommen. Löschen ohne jeden Sinn und Verstand: Der #Aufschrei einiger genügt, um auch Satire – oder wie in diesem Falle Lyrik – zu verbieten. Die Qualität der KritikerInnen spielt in diesem Falle (wie so oft) keine Rolle; wer war denn das eigentlich? Niemand kennt die Namen derjenigen, die den Sprengstoff unter Buddha-Statuen von Bamiyan legten. Es geschah im Namen Gottes. Na, dann ist’s ja gut.

ZEBAOTH

Gott ich liebe dich in deinem Rosenkleide,
Wenn du aus deinen Gärten trittst, Zebaoth.
O, du Gottjüngling,
Du Dichter,
Ich trinke einsam aus deinen Düften.

Meine erste Blüte Blut sehnte sich nach dir,
So komme doch,
Du süßer Gott,
Du Gespiele Gott,
Deines Tores Gold schmilzt an meiner Sehnsucht.

Else Lasker-Schüler (Na, da haben wir aber Glück gehabt, daß Else Lasker-Schüler nie Alice Salomon Poetikpreisträgerin war.)

Die Leitung der Universität beugt sich dem Druck der Straße. Nicht einmal zu einer wertenden Einschätzung über den angeblich sexistischen Inhalt reicht es, was eine intellektuelle Bankrott-Erklärung darstellt. Es ist die pure Feigheit. Ist das eine neue akademische Debattenkultur? Dieser Logik nach könnte man auch bestimmte Lehrinhalte streichen, wenn eine kleine, aber laute Anzahl der Studierenden Impfgegner wären.

1 Deutschlandradio Kultur mit der Rede Nora Gomringers

2 ASH-News Berlin

Die Dame von Welt ist ganz und gar nicht meiner Meinung, aber wie immer lesenswert.

Und bei Klaus Baum gehts auch um dieses Thema – den Leserkommentaren dort ist wenig hinzuzufügen. Außer vielleicht, daß wir das Thema schon bei Astrid Lindgren , Michael Ende und anderen hatten.


Kleiner Nachtrag:
Bei KafkaOnTheRoad, der sich ebenfalls dem Unglück widmet, steht ein bedenkenswerter Absatz, den ich gerne zitieren möchte:

»Wenn diese Studierenden die künftigen Erzieherinnen und Sozialpädagogen werden, dann bitte ich doch vor der Einstellung um einen Gesinnungstest, damit sie meine Kinder nicht mit ihrer engen Weltsicht vollsülzen dürfen.«

Daß genau das nicht passiert, wird niemanden überraschen. Auch würde ich das Wort »Gesinnungstest« nicht im Wortsinne verwenden – irgend etwas, in dem das Wort »Zurechnungsfähigkeit« auftaucht, täte es auch.

Nachtrag

24.1.2018
»Pressemitteilung zum Beschluss der Alice Salomon Hochschule Berlin

Kooperation mit der Alice Salomon Hochschule Berlin eingestellt

Das Haus für Poesie tritt mit sofortiger Wirkung als Kooperationspartner des Alice Salomon Poetik Preises zurück. Der Akademische Senat (AS) der Alice Salomon Hochschule Berlin (ASH) hat in seiner Sitzung am 23.1.2018 über die Neugestaltung der Fassade abgestimmt, mit dem Beschluss, das Gedicht „avenidas“ von Eugen Gomringer von der Fassade der Hochschule zu entfernen.

Seit 2011 ist das Gedicht des Schweizer Lyrikers und Alice Salomon Poetik Preisträgers Eugen Gomringer auf Einladung der ASH auf deren Fassade zu lesen. Im Sommer 2017 haben Angehörige der Hochschule, mit der Begründung, das Gedicht sei sexuell diskriminierend, zur Neugestaltung der Fassade aufgerufen. Die Hochschulleitung hat diesem Antrag zugestimmt.

Dr. Thomas Wohlfahrt, Leiter des Hauses für Poesie, ist entsetzt darüber, dass die Alice Salomon Hochschule diesen Beschluss umsetzt, ohne sich bei Eugen Gomringer zu entschuldigen und die aus der Luft gegriffenen Vorwürfe des Sexismus zu revidieren. Damit bleibt Eugen Gomringers Ruf beschädigt und der Preis ist diskreditiert. Das Haus für Poesie wird nicht dazu beitragen, Künstlerinnen und Künstler diesem misslichen Kapitel, für das die Hochschulleitung der ASH verantwortlich ist, auszusetzen.
Auch die Mitglieder der Preis-Jury, die nicht der Alice Salomon Hochschule angehören, erklären:

Wir bedauern den Beschluss der ASH außerordentlich, das Gedicht von Eugen Gomringer aus den bekannten Gründen zu entfernen. Wie im September 2017 in unserer Pressemitteilung angekündigt, werden wir für weitere Jurytätigkeiten nicht zur Verfügung stehen.

Dr. Friedrich W. Block, geschäftsführender Kurator der Stiftung Brückner-Kühner
Prof. Dr. Christine Labonté-Roset, ehemalige Rektorin der ASH Berlin
Dr. Christiane Lange, stellv. Leiterin Haus für Poesie
Marita Oeming-Schill, Dipl. Sozialarbeiterin und Absolventin des  Masterstudiengangs “Biografisches und Kreatives Schreiben” der ASH Berlin
Dr. Jens Stupin, Charité Berlin

Über das Haus für Poesie

Das Haus für Poesie, vormals Literaturwerkstatt Berlin, widmet sich der Dichtkunst. Es gibt Poesie aus aller Welt eine Bühne und ebnet deutschsprachiger Lyrik den Weg in andere Sprachräume. Das Jahr hindurch präsentiert es rund 150 Veranstaltungen.
www.haus-fuer-poesie.org

Über die Kooperation mit der Alice Salomon Hochschule
Das Haus für Poesie war seit 2006 dem Alice Salomon Poetik Preis als Kooperationspartner verbunden und in der Jury des Alice Salomon Poetik Preises vertreten. Mit dem Beschluss vom 23.1.2018 des Akademischen Senats kündigt das Haus für Poesie seine Partnerschaft mit der Alice Salomon Hochschule unter ihrer jetzigen Leitung auf.«

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33 Kommentare zu Sexistisches Gedicht am Donnerstag / Nachtrag

  1. Fluchtwagenfahrer sagt:

    Moin Pantoufle,
    der bäumende Klaus hatte das gestern auch auf der Agenda.
    Die Überschrift und seine beiden letzten Sätze sind imho abschließend.
    https://klausbaum.wordpress.com/2018/01/24/es-wird-immer-irrer/

  2. kalo sagt:

    Vielleicht die einzige Möglichkeit, das heiter zu kommentieren: so, wie Baums Lady in seinem Kommentarthread.

    Sonst nur noch so: ”         ?”

    • Pantoufle sagt:

      Der Beitrag von Baums Lady hat mir besonders gefallen – aber mit dem Geständnis habe ich mich vermutlich selber aus der Diskussion geschossen 😀

      • Die Katze aus dem Sack sagt:

        Dieser Beitrag hat mir auch gefallen. Denn genau um das Beschriebene geht es doch. Da scheint es ja jede Menge Probleme zu geben. Oh je.

      • Fluchtwagenfahrer sagt:

        Moin Pantoufle,
        nun als Doppelagent alias Baums Lady unterwegs? Wenn dat dinn Frau wüsst, gibbet die Papiere.
        Ich lese immer “Lende”?! “Entscheidend ist doch das, was hinten rauskommt™”
        Gebt den Fäkalhumoristen eine Chance, ihr Bücherverbrenner.

  3. Pingback: Kleinigkeiten – Fädenrisse

  4. Siewurdengelesen sagt:

    Das sind dieselben Geister, welche eine Debatte wie #metoo lostreten, die in irgendeinem Prenzl ihre intellektuellen Befindlichkeiten sortieren und in ihrem abgehobenen Ego-Trip nur noch darüber sinnen, wen, was und wie sie als Nächstes an den Karren fahren können.

    In ihrem idealistischen Wohlmeinen zugunsten aller vergessen sie ein wenig, dass es ausser ihrem marginalen Anteil noch etwa 7 Milliarden Menschen gibt, deren Prioritäten geringfügig anders sein könnten.

    Ebenso wahrscheinlich wird dadurch keine Frau weniger auf dieser Welt kein rein sexuelles Objekt, unvoreingenommen gleiches Gehalt bekommen oder einfach als Frau und Mensch wahrgenommen, ist also einfach gleichberechtigt. Stattdessen kann solches Tun doch nur ein symbolischer Mittelfinger sein und damit fallen sie auf dieselbe Stufe derer, die damit getroffen werden sollen.

    Darob versinken solche Kleinigkeiten wie wirkliche soziale Not, Hunger, Krieg, Arbeitslosigkeit und all das Ungemach unserer Zeit und Gesellschaft im Bedeutungslosen, auf dem diese Kundschaft oft selbst dahergeschwommen ist, während sie und die Medien uns jetzt mit ihren Luxusproblemen belästigen, um die Kleinigkeiten im allgemeinen Bewusstsein noch kleiner und am besten vergessen zu machen.

    • Pantoufle sagt:

      Das ist der Punkt: Es ist eine sich selbst erhaltende Debatte, die unpolitischer gar nicht denkbar ist. Es ist der Protest gegen Supermarktketten, weil’s dort kein Bio gibt. Es geht hier nur und ausschließlich um die Farbe der Karotten.

  5. Der Duderich sagt:

    Ja, manchmal fällt es schwer, Feminist zu bleiben.

    Aber das hat meiner Meinung nach, mit Feminismus nicht viel zu tun. Das ist, mehr als alles andere- Verblendung.

    Solche Aktionen sind einfach nur kontraproduktiv.

    Sie schaufeln die Furchen zwischen den Geschlechtern zu Gräben aus, und erheben sie zu Schluchten.
    Solch eine Interpretationsweise eines Gedichtes, nimmt mich nicht bei die Hand und begeistert mich für euren Feminismus!

    Da drängt sich auch schon Alice Schwarzer auf.
    Genauso frisch wie diese, und genauso wider der Sache, hyperventilieren sie ihre Auffassung von der Gleichstellung der Geschlechter.

    Aber immerhin:
    Eine Lernerfahrung habe ich:
    Man kann tatsächlich schädlicher für die eigene vorgegebene Sache kämpfen als Schulz!

    That make my day.

  6. flurdab sagt:

    Zur Aktion undVorgehen des ” Akademischen Senats” der Alice Salomon Hochschule zu Berlin, kann ich nur sagen:
    “Josef Stalin hätte es geliked”

    • Pantoufle sagt:

      Stalin ginge ja noch. Das wäre erklärbar. Aber Hexenverbrennung, nur weil der Nachbar gesehen haben will, wie er demb Teufel beigewohnet hat, ist schlicht unanständig.
      Edit: Natürlich Bücher- und nicht Hexenverbrennung. Nur die Begründung kann bleiben.

      Das war ziemlicher Bullshit

  7. pentimento sagt:

    Nachdem ich gestern die Gedichte von Eugen Gomringer, Else Lasker – Schüler, Baum’s Lady und James Joyce (auch bei Klaus Baum) gelesen habe bin ich heute im Glücksmodus aufgewacht. Zum Teufel mit den grauen Auslöschern!

  8. L´Andratté sagt:

    Das ganze erinnert mich an Szenen aus der chinesischen Kulturrevolution, bloß mit vollen Bäuchen.
    Die Einzigen die hier zu Objekten gemacht werden, sind diejenigen, die hier generalisierend als Projektionsfläche dienen müssen für die pseudomoralische Wichtigtuerei dieser menschlichen Irrwichte. Oder geht es hierbei um Macht und Kontrolle? Umerziehung?

    Denn was ist die Aufregung über dieses Gedicht, sowie die Aufregung über die Aufregung wirklich, vielleicht der Wunsch nach, die Angst vor einer neuen Kulturrevolution mit vorhersehbarer Richtung (Tip: diesmal ist es nicht der Arbeiter- und Bauernstaat)? Die ist doch schon im Gange und nimmt so langsam Fahrt auf.
    Noch ein oder zwei Generationen, und ein völlig neues Weltbild ist installiert.

    Oder auch nicht, es kommt ja immer anders als man denkt. Ich habe eine kleines Kind und ich denke so oft darüber nach, wie ich es von dem ganzen Hirngegrapsche und BS fernhalten kann dem Kinder heute ausgesetzt sind und ob ich das überhaupt darf.

  9. Pantoufle sagt:

    Guten Morgen, guten Morgen

    Irgendwie funktioniert der Morgenkaffee heute morgen nicht. @Fluchtwagenfahrer: Nö, das war ich leider nicht!
    Bildblog-Titel am Morgen: Bernd Höckes Astro-TV. Kann der jetzt auch eine braune Zukunft vorhersagen? Nochmal genau hinsehen hilft. Humorkritik. Trump will sich ein paar Bilder aus dem Guggenheimmuseum leihen (weil die teuer sind), bekommt sie nicht und statt dessen bietet ihm der Kurator das hier an:

    Das ist witzich!! würde das Känguruh jetzt sagen und einen Stempel auf Trumps Stirn hauen. Die Kurden bitten Assad um Hilfe. Das ist ebenfalls… ach, lassen wir das besser.

    Neues von der Berliner Provinzposse:

    »Zugleich ist unwahrscheinlich, dass der (Alice Salomon) Preis jemals wieder auf die Beine kommt. Das Haus für Poesie, das ihn bisher ausrichtete, kündigte seine Kooperation auf; die gesamte Jury, soweit sie nicht der Hochschule angehört, trat zurück. Thomas Wohlfahrt, der Leiter des Hauses für Poesie, zeigte sich überdies entsetzt, dass man sich bei Eugen Gomringer weder entschuldigt, noch die Sexismus-Vorwürfe revidiert habe.«
    Tagesspiegel
    Er hat Jehova gelästert in un-ge-heu-er-lich-er Weise!

    Streit um Österreichs Wiederauflage der »Maultrommel«. Jetzt war’s wieder ein Mitarbeiter, mausgerutscht bzw. »was stehen denn da für Lieder drin?«
    Gelegentlich ist man froh über Bezahlschranken. »Wintersport in der Krise „An alle Seilbahnbetreiber: Es macht keinen Sinn!“« Dem ist vernünftigerweise nichts hinzuzufügen.

    @L´Andratté
    Um hinten anzufangen: Nein, Du darfst nicht! Wenn das Kleine anfängt, beim Malbuch Wischbewegungen zu machen, erklärst Du ihm nicht das Prinzip von Doppelseitigem HTML zum Umblättern, sondern kaufst ihm ein Tablet. Ist doch klar, oder?
    Die chinesische Kulturrevolution war von oben bestimmt und folgte einem ganz klaren politischen Ziel. Das, was die da ausprobieren, ist das Ergebnis davon, wenn man »Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.« mal live ausprobiert. Man hat nur einen Halbsatz ausgetauscht: »durch die du zugleich wollen kannst« durch »bei dem Du zugleich sicher sein kannst«. Am Anfang hielt man es noch für lustig.

  10. L´Andratté sagt:

    Übrigens, falls ich das mal loswerden darf (ich weiß, Erlebnisberichte sind ja manchmal etwas hmm, aber…).

    Neulich wurde eine Frau in der vollbesetzten S-Bahn von einem betrunkenen Mann aufdringlich belästigt und verfolgt. Wie irgendwie schon öfter, war ich mal wieder der Einzige, der sich einmischte und der Frau sowie dem Mann unaggressiv aber mit aller Deutlichkeit zu verstehen gab, daß sie ihm keineswegs hilflos ausgeliefert war.

    Anschliessend wurde ich nach dem Aussteigen (!!) auf dem Bahnhof von mehreren offensichtlich deutschstämmigen jungen Leuten als Rassist und Nazi bepöbelt. Der springende Punkt: der betrunkene Mann war offensichtlich arabischstämmig, was für mich in diesem Zusammenhang überhaupt keine Rolle gespielt hatte.

    Nach dem ich es mit aller Mühe geschafft habe nicht auszurasten (Ich ein Nazi? I´m seeing red), gibt mir dieser Vorfall jedoch eine Menge zu denken. Denn hätten die jungen Leute die Situation einfach falsch interpretiert, hätten sie dem vermeintlich rassistisch Diskreminierten ja schon in der Bahn zur Hilfe kommen können/müssen.

    Das Getöse im Nachhinein diente also ausschliesslich der Selbstdarstellung. Oder?

    • pentimento sagt:

      @ L’Andratté,

      erstmal würde ich mir wünschen, jemanden wie Dich in der Nähe zu haben, wenn mich jemand in dieser Weise belästigen sollte.

      Mit Selbstdarstellung liegst Du richtig. Die jungen Leute hatten es ganz offensichtlich nötig, ihr angeschlagenes Selbstwertgefühl – vor allem voreinander! – wiederherzustellen, weil sie sich ihrer eigenen Feigheit oder Verpenntheit auch angesichts der anderen Fahrgäste schämten. Natürlich hätten sie Dir schon in der Bahn zu Hilfe kommen müssen, aber dafür fehte ihnen die Geistesgegenwart, vielleicht auch die Zivilcourage. Indem sie Dir gegenüber den dicken Max rausgekehrt haben, konnten sie ihr eigenes Versagen kompensieren, und sich wieder als richtige Männer fühlen.
      Einer allein hätte sich vielleicht ganz anders verhalten.

  11. Pingback: „Text-Taliban“ | dame.von.welt

  12. L´Andratté sagt:

    Ich bin überhaupt nicht an Jobs interessiert (;

    Das mein ich ja mit Erlebnissberichte sind hmmm, man kann sich immer selber gut aussehen lassen. Aber dieses Geschichtchen fand ich halt bemerkenswert jenseits meinerselbst.

    Andererseits auch lustig, daß mir Zivilcourage leichter fällt, als meine Post aufzumachen.

  13. der Doctor sagt:

    Ja, es gibt natürlich keine drängenderen Probleme in unserer Gesellschaft, als das ein Gedicht wegen angeblichem Sexismus von einer Uni-Mauer entfernt wird.

    Bei so einer “Studentenbewegung” braucht man sich über mangelnde Protestbewegung in diesem Land nicht mehr zu wundern,und richtig, wenn das unsere zukünftige akademische Elite sein soll, sieht es wahrhaft düster aus.

    Was mich nur wundert ist, das sich die Uni-Leitung diesem Druck beugt, anstatt diesen Leuten den Vogel zu zeigen, und zu sagen:kümmert euch mal um wichtige Dinge!

    • Pantoufle sagt:

      Moin Doctor

      »Ja, es gibt natürlich keine drängenderen Probleme«

      Ja, das sagst Du so in Deinem jugendlichen Leichtsinn. Ich habe mich darüber andernorts auf eine Diskussion eingelassen, um mich daraufhin in der AFD-Ecke wiederzufinden. Ich sag dazu überhaupt nix mehr – das wird mir zu blöde. Und sowas als »studentischen Protest« zu bezeichnen…nun ja. In Syrien wird politische Flurbereinigung von allen Seiten betrieben; gegen Vietnam ist man immerhin noch auf die Straße gegangen. Aber das war ’68, also tiefstes Germanium.
      Aber auch dieser Standpunkt ist – so habe mir sagen lassen – Whataboutism. Flatter hat das, in einem anderen Zusammenhang, schön formuliert: »Vernunft und ihre Säule “Logik” sind rhetorisch schwache Waffen – zumal in einer Atmosphäre, in der die Sache selbst nicht vor (geschürten) Emotionen geschützt, sondern einer Aufmerksamkeitsökonomie zum Fraß vorgeworfen wird. Der Fluch des Einzelfalls liegt über dem Diskurs.«

      Ich leg mich dann mal wieder aufs Sofa und lese ein wenig. HTML zum umblättern. Ist zwar etwas aus der Mode gekommen, aber gut für die Seele. Heute ist Gedenktag für die Opfer des Nazi-Terrors. Da findet sich schon ein passendes Buch.

      Na schön: Es ist ja nicht so, daß niemand auf die Straße geht.

      • Siewurdengelesen sagt:

        “Na schön: Es ist ja nicht so, daß niemand auf die Straße geht.”

        Und wenn, kommt da gleich die Buzzilei und räumt auf – ist ja schliesslich keine rechte Truppe, die es zu beschützen gilt…

        Der Einfall türkischer Truppen in Syrien, um ein wenig gegen Kurden vorzugehen, ist zum Bleistift so ein Fall, der völlig untergebuttert wird im Mediengetöse. Gemessen an der Priorität liegt das m.E. jedenfalls um Einiges über dem geblubber der Kopulationsverhandlungen unserer bunten Regierung und anderem mehr.

        Man stelle sich vor, der RUSSE wäre es gewesen, nicht auszudenken die durch´s Dorf getriebenen Säue in den Leidmedien über ob, warum, wieso und überhaupt.

  14. flatter sagt:

    Es ist wirklich entzückend. Während die Altersgenossen nach der Inspiration durch Pornhub beim Tinder-Date über Arschficken und ins Gesicht spritzen verhandeln, bekämpfen diese intellektuell bestenfalls halbstarken Betschwestern konkrete Poesie. Die Markenzeichen dieser Elite einer Studentenpolitik, die alles nimmt, was sich dafür noch interessiert, sind Wichtigtuerei, Ignoranz, Blödheit, Humorlosigkeit, Dogmatismus und Eifer. Eine Mischung, die Aufmerksamkeit nachhaltig garantiert. Man sollte sie an Journalismusschulen zum Pflichtfach machen.

  15. Pantoufle sagt:

    » Man sollte sie an Journalismusschulen zum Pflichtfach machen.«

    Sind sie das nicht schon in dem Modul »Jetzt brauchen wir nur noch die Nachricht für die Schlagzeile!«?

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