Schuld daran sei die Technik

»Sie glauben also, dass die Menschen heute intelligenter sind als früher? Vor sechzig Jahren stand im Handbuch eines Autos, wie man die Ventile einstellt. Und heute steht drin, dass man die Flüssigkeit aus der Batterie nicht trinken sollte.«

Via Gagada

Keine Ahnung, wer diese Feststellung machte, aber kürzer kann man es nicht formulieren.

Was die Welt bewegt:
Die Gorch Fock mutiert zum reinen Segelschiff. Kurz nach ihrer »Neueröffnung« fällt die Maschine aus. Na gut – das kann passieren und sollte bei einem Segelschiff kein Showstopper sein, ist aber psychologisch ein eher ungünstiger Zeitpunkt.

Saigon, zweiter Vorhang. Frontbegradigung durch vorläufigen Rückzug in vorbereitete Stellungen. Natürlich ist Afghanistan nicht Vietnam, aber ein kleine wenig darf man schon lächeln, wenn die CH-47 Hubschrauber für die Evakuierung der Letzten der Letzten der Letzten scheinbar dieselben sind wie bei der panischen Flucht 1975. Und auch bei der Wiederauflage beginnt nach dem militärischen Rückzug der weltanschauliche Angriff. In der zeitgenössischen Weltsicht beginnt die Geschichte Afghanistans 1979 mit dem russischen Einmarsch, der fast ununterbrochene Kriegszustand des Landes wäre aber mit 1839 – 2021 genauer beschrieben. Da stockt einem der Atem und der Verstand weigert sich, die »Taliban« für irgend etwas verantwortlich zu machen. Getriebene im Treibsand.

Corona, die unendliche. Dazu gießen wir den letzten Rest kalten Kaffees aus der Kanne ein, das passende Getränk. Das formvollendete Versagen der politisch Handelnden findet einen würdigen Gegenpart nur in der Phalanx der Maßnahmengegegner in Forme der selbsternannten Querdenker. Für mich der eigentliche Grund, das Internet zu meiden. Nicht zum Aushalten. Ja, Epikur! Ich meine Dich und Deine Gartenzwerge.

Kommen wir damit zu dem einzigen Thema, was mich auf dieser Welt ernsthaft interessiert. Wichtige technische Neuigkeiten in Form von neuem Papier, Filmen und Entwickler liegen herum. Ilford Delta 100 avanciert langsam zu meinem Lieblingsfilm. Erhältlich auch als Rollfilm! Damit hätte er beste Chancen, meinem geliebten FP4+ ernsthafte Konkurrenz zu machen. Neue Chemie gibt es auch – oder alt, wie man es betrachtet. Seit dem Dahinscheiden von Spürsinn in Braunschweig, meinem ruhigen Hafen der Photographie und dem Wegfall der dazugehörigen Chemie mußte ich notgedrungen auf die Klassiker zurückgreifen. D76, das ungeliebte Rodinal oder Microphen. Dahingeschieden ist zum Glück nur die Firma, nicht das Personal ( den Göttern sei Dank!!) und so mischt derjenige welcher weiterhin seine Brühe, in dem man Filme baden kann.
»Trink das, Igor! Es wird Dir gut tun!!«
»Ja Meister! Danke, Meister!!«
FG21 heißt das Zeug und es soll wahre Wunder tun. Mehr davon demnächst in diesem Theater.

Überhaupt Photographie! Eigentlich photographiere ich ja gerne Menschen. Eigentlich. Meist lohnt es sich nicht. Wegen der Menschen. Diese Maskentragerei in letzter Zeit bringt vom ästhetischen Standpunkt mehr Gutes als Schlechtes. Finde ich. Das willst du gar nicht sehen, geschweige denn photographieren. Gelegentlich doch.

Um beim Thema zu bleiben: Es soll ja wieder gewählt werden. Und im Zuge dessen hängen sich die Kandidaten an Laternenpfählen auf. Soweit, so gut. Leider nicht in persona, sondern nur ihre Bilder. Das ist schlecht. Lassen wir die unerträglichen Plattitüden ihrer Texte mal beiseite: Aber die 0,14 Megapixel Aufnahmen der Grünen, die quietschebunten Bildchen der Union und und die laienhaften Schnappschüsse der SPD – warum fragt eigentlich niemand mal einen Photographen wie man das macht? Das ausgerechnet die FDP mit ihrem Kandidaten in diesem Zusammenhang leider punktet ist unverzeihlich.
Von den Spass- und Randparteien dieser Volksbelustigung gar nicht zu reden. Bei der AFD ist die Galerie der Hackfressen beinahe schon zu loben. Sage nachher niemand, er sei überrascht.

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12 Antworten zu Schuld daran sei die Technik

  1. UT sagt:

    toller bass, wo kriegt man sowas ?

  2. Siewurdengelesen sagt:

    Jaja – die Technik…

    …und wenn dann noch KI dazu kommt, wird es ganz spannend. Aber einer muß ja schuld sein und das sind niemals Menschen oder gar einzelne Personen.

    Afghanistan ist so ein Trauerspiel, das sich nur noch als Verkacken in grossen Haufen bezeichnen lässt und das ist noch geschönt. Da weiss ich gar nicht, wo anfangen und aufhören und noch peinlicher als das grundsätzliche Versagen mit Ansage ist die Schmierenkomödie derer, denen selbst das rechtzeitige Herausholen ihrer Werkzeuge – ääh Helfer – vor Ort zuviel war, weil diese als neue Migranten nicht gewollt sind und dann auch noch eine Zweiklassengesellschaft bedeuteten, wer denn in´s gelobte Täuschland darf und wer nicht.

    Um mit Fefe zu reden: “Wenn uns doch nur jemand gewarnt hätte!”

    Bei den Wahlplakaten finde ich ja, dass die eingespart werden können. Mein Ansatz war ja mal, die alle abzulichten und/oder die Verbalkonstrukte zu sammeln und dann der Allgemeinheit zum Fraß vorzuwerfen, um herausfinden zu lassen, welche Geschmacksnote zu welcher Partei gehört. Das könnte spannender sein als das Nullinhaltsgelaber selber.

    Photochemie und Entwickeln – das ist an mir vorübergegangen, weil ich da zu spät dazu gekommen bin und vorher und auch jetzt nicht die Möglichkeiten dafür hatte und sei es nur wegen der dafür nötigen Dunkelkammer. Das Rezept und die S/W-Fotografie selber klingt jedenfalls spannend dazu.

    Und jetzt habe ich sogar dazugelernt anhand der einen Aufnahme, dass auch die Wikinger bereits Hardcore-Biker waren. Denn wozu hätten sie die dazu nötigen Handschuhe sonst gebraucht?

    • Pantoufle sagt:

      Moin, Siewurdengelesen

      Ich weiß gar nicht, wie ich auf die Überschrift gekommen bin. Der Auslöser war – soweit ich mich erinnere – die jährliche Falschlieferung irgendwelcher Wahlzettel in Berlin, so ich mich erinnere. Das wurde so und nicht anders begründet. Mausgerutscht oder zu dämlich; wer will es schon wissen.

      Afghanistan… hast Du den Link angeklickt? Sie haben irgend einen Hinkelstein ausgeflogen. 27 Tonnen schwer, mit Laster und dem Spezial-Commando (64 Tonnen brutto) und den besten Wünschen der Zurückgebliebenen. Dafür haben sie eigens ein Flugzeug gemietet! Einen gottverdammten Hinkelstein! Wenn sich Unfähigkeit mit Bösartigkeit paart…

      Ist alles so schön bunt hier… jedes Mal, wenn ich hier herumfahre, nehme ich mir vor, das Desaster zu photographieren und jedes Mal ist es mir die Mühe nicht wert! Faulheit oder Selbstschutz? Ich weiß es nicht.

      Photographieren mit Film und Brühe ist ganz klar Selbstschutz. Die Welt aus der Perspektive eines 85mm Objektivs sind Hi-Tech-Scheuklappen.

      »…die dazu nötigen Handschuhe…« sind Erinnerung daran, wo ich im Zweifel die Handschuhe wiederfinde 🙂

      • Siewurdengelesen sagt:

        Das mit dem Gedenkstein und auch der geretteten Hopfenkaltschale habe ich als ersten Hinweis schon hier gelesen, den Rest hat die Suchmaschine erledigt, welche mich direkt auf die Eigenwerbung des Trachtenvereins schickte. Lesenswert dazu ist auch dieses Blog, den Du ja auch verlinkt hast. Da muss man schon Prioritäten setzen beim Retten.

        Ich lese ja auch viel bei Thomas Ruttig mit, weil mich trotz der Ferne und wegen der Zeit der Flüchtlinge auch aus Afghanistan das Thema interessiert anz ähnlich wie Nahost, Syrien et al.

        Technisch ist es bei mir ok, die Effe ist im Mai sauber durch den TÜV und bei der Emme ist seit heute alles plaketti. Zum Glück schraube ich selbst.

        Was hältst Du vom Trioplan, da speziell das 2.8/100 und der Knipserei dazu? Mir gefällt das jedenfalls, wobei das Herangehen da ein völlig anderes ist als bei normaler Fotografie schon wegen des rein manuellen Arbeitens.

        • Pantoufle sagt:

          Moin, Siewurdengelesen

          Ach herrje – erinnere mich nicht daran! Seit gestern liegen die Räder mit neuen Reifen herum und auch eine neue Batterie. Neue Bremsscheiben, Stößdämpfer und allerlei Kleinkram… es war doch alles in allem teurer als sich eine gut erhaltene neue gebrauchte zu kaufen. Geht nächste Woche zum TÜV und dann wollen wir sehen.

          »Was hältst Du vom Trioplan?«

          Du beantwortest die Frage ja schon selber (»Mir gefällt das jedenfalls«) und da würde ich nichts hinzufügen. Füge ich natürlich trotzdem! Mir gefällt es überhaupt nicht. Das hat erst einmal gar nichts mit dem Objektiv zu tun, sondern fußt auf meiner Abneigung gegen den Begriff »Lomografie«. Du erinnerst Dich: Ein photographiertes Bild wird erst dann richtige Kunst, wenn der Kamerarücken mittels Gaffa-Tape am Platz gehalten wird und aus dem Objektiv-Bajonett die (Metall?)späne rieseln. Wenn das Objektiv dann noch bei Offenblende und Gegenlicht ein »attraktives« Blubberblasenbokeh produziert, ist es wohl echte, wahre Kunst. Und da bin ich einfach raus!

          »Das Trioplan 100, das für sein charakteristisches Seifenblasenbokeh weltweit bekannt ist, bietet Fotografen, in Zeiten von Point-and-Shoot, Instagram-Schnappschüssen und Pixelschlachten der großen Hersteller, die Möglichkeit die künstlerische Seele der Fotografie wiederzuentdecken.«
          aus Meier-Görlitz Optik-Werbung

          Historisch gesehen handelt es sich beim Trioplan (1916, Meyer-Optik) um den durchaus ehrenwerten Versuch einer renomierten Firma, aus dem arg in die Jahre gekommenen Cooke-Triplet (1890, Abbe) einen preiswerten, halbwegs leistungsfähigen Nachfolger zu kreieren. Vertretbare Baugröße bei niedrigem Preis in den zwanziger Jahren. Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Ob das hundert Jahre später die Rettung der künstlerischen Photographie ist, halte ich für fragwürdig. Da käme man mit »(wieder) sehen lernen« vermutlich weiter.

          Also ganz ehrlich: Wenn ich dringend ein um die 100mm Objektiv suchen würde, wäre mein heißester Kandidat das Zeiss ZF.2 100mm f/2 T* Makro-Planar, gefolgt von Nikkor 105mm f2.5 Sonnar (hab ich), Nikkor Series E 100mm F2.8 (hab ich auch) oder dem optisch überragenden Nikkor 85mm F/1.4 Ais (brauch ich). Selbst das Zeiss ist gebraucht billiger als das 100mm von Meyer.

          »Der Nachteil dabei ist allerdings, dass dadurch der Hintergrund zusätzlich zum bildgestaltenden Element wird und damit leider auch mit dem Hauptmotiv konkurriert. Das führt in vielen Fällen dazu, dass der eigentliche Zweck eines „weichen“ Bokehs – nämlich dem, das Hauptmotiv hervortreten zu lassen – wegfällt und das ganze Bild dadurch eine gewisse Unruhe bekommt. Es ist daher gar nicht so einfach, mit dem Trioplan ein wirklich hervorragend gestaltetes Bild zu erschaffen, zumal man den Seifenblasen-Effekt im Sucher auch gar nicht so deutlich sieht, wie nachher auf dem Foto. Das Internet ist daher auch voll von mittelmäßigen Trioplan-Fotos, bei denen man sich am „Soap-Bubble-Effect“ auch irgendwie schnell sattgesehen hat.«
          https://www.huntke.de/trioplan/

          • Siewurdengelesen sagt:

            Joaehnöjanö;-)

            “Du beantwortest die Frage ja schon selber”

            Freilich und so “schlecht” ist es jetzt nicht, wobei inzwischen das alte Teil vor der Knipse hängt. Gerade als Porträt wirken Aufnahmen auch ohne Blasen sehr schön weichgezeichnet mit dieser Optik. Das der Grat da schmal ist zwischen Kunst und Kitsch, damit muss man eben leben. Immerhin sind selbst bei f:4 die Kringel noch dezent im Hintergrund zu sehen und je nach Anwendungsfall wirken Aufnahmen damit ganz gut. Bemerkenswert ist ja wie bei vielen Altgläsern, dass eigentlich optische Fehler jetzt den Reiz ausmachen. Das Trioplan sticht da nur etwas mehr heraus.

            Einer der Treppenwitze an dem Ding ist dabei noch, dass das von mir geschossene seinen ehemaligen Besitzer in meiner alten Kreisstadt hatte, in der ich auch ein paar Jährchen zugebracht habe als Kind. SO gesehen hat das Ding sogar wieder heimgefunden;-)

            Die neu aus Kreuznach angebotene Geschichte hatte ich wegen des passenden Bajonetts auch eine Weile im Auge, habe aber dann doch den Adapter dazu genommen, um mit dem Original zu arbeiten. Da wird man vor allem wieder auf das Rudimentäre zurück geworfen und muss sich tatsächlich einen Kopf machen beim Belichten. Mit den entsprechenden Zwischenringen sind aber durchaus stilvolle Aufnahmen drin auch im Nahbereich.

            Das verhält sich mit SW vs. Farbe ja ganz ähnlich, wobei dank der Digitalen das SW bereits in der Vorschau zu sehen ist, während man früher® noch selber im Kopf umsetzen musste.

  3. M. Sobol sagt:

    Zu Afghanistan:
    “In der Politik passiert nichts zufällig. Wenn es doch passiert, war es so geplant.” Franklin D. Roosevelt (angeblich)

    • DasKleineTeilchen sagt:

      na, ist dir epikur doch zu wahnsinnig geworden, so daste deine conspiracy-kalendersprüche wieder hier ablegen musst?

      • Pantoufle sagt:

        Jetzt neu mit 9/11- Verschwörung 🙂 Da mußte ich dann doch wider Willen laut lachen; eine auf Epikurs Seite eher unübliche Reaktion. Daniele Ganser und die Verschwörung – fehlt eigentlich nur noch der Panotophia Orpanit® Orgonit Cloudbuster „Sky Beamer“.

        • DasKleineTeilchen sagt:

          Da mußte ich dann doch wider Willen laut lachen

          ging mir genauso; bezeichnend, daß unter diesem pamphlet, welches sich wie aus der zeit gefallen liest, nicht ein einziger kommentar steht…

          • Pantoufle sagt:

            Moin KleinesTeilchen

            Das ist schon ein monströses Zeichen, wenn es selbst den Hardcore-Fanmädelz- und Boys zu abstrus wird. Also schnell weiter mit dem üblichen Geschwurbel – es dauert einfach zu lange, bis sich die Gehinamputierten in das Thema 9/11 und dem Zusammenhang mit Corona eingearbeitet haben.
            Wenn ich sagen würde »traurig«, könnte man daraus schließen, daß ich eine Spur Mitleid habe. Also »fröhlich«!

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