Que sais-je

»Die Pest des Menschen ist, dass er zu wissen wähnt. Man stelle sich ein fortwährendes Bekennen von Unwissenheit vor, ein völlig unparteiisches, unter keinen Umständen irgendeiner Seite zuneigendes Denken. Wie viele Wissenschaften haben wir doch, die offen einräumen, dass sie mehr auf Spekulation als auf Erkenntnis beruhen. Wir wären daher viel besser beraten, wenn wir uns vom gewohnten Gang der Welt leiten ließen, ohne unsere Nase in alles zu stecken. Eine gegen jedes vorgefasste Urteil gefeite Seele ist auf dem Weg zur inneren Ruhe ungemein weit voraus.«

Michel Eyquem de Montaigne (28.2.1533 – 13.9.1592)

Eyquem, Eyquem??? bei dem einen oder anderen mag da etwas klingeln. Das war doch…? Genau! Château d’Yquem, die mit den berühmten (und leider, leider sehr teuren) Sauternes. Aufgrund der sehr verbraucherunfreundlichen Preisgestaltung hatte ich auch nur zwei Male in meinem Leben die Möglichkeit, von diesem Wein zu trinken, kann aber bestätigen, daß er jeden Pfennig Wert ist. 
Am heutigen Vatertage aber wird es aufgrund der nach wie vor angespannten Situation nicht mehr als einen menschenwürdigen Riesling geben, genossen in der entspannten Atmosphäre meiner Motorradwerkstatt.
Die betrete ich nach zwei Tagen auch mal wieder, nachdem ich mich von dem gelegentlich auftretenden Schrauberfrust erholt habe (ein sorgfältig an den Dichtflächen gesäuberten und gesandstrahlter Zylinderblock, bei dem sich nach Ende der Arbeiten ein Riss in der Laufbahn von Nr. 2 zeigte, der vorher durch eine dicke konservierende Fettschicht verborgen war. * grummel *)

Nehmen wir den eben den ganz linken

Na gut – der neue Block ( dieses Mal vorab genau unter der Lupe betrachtet) liegt schon bereit. Der Dichtsatz ist bestellt, noch mehr Dichtflächen säubern und dann geht’s langsam wieder an den Zusammenbau.
Vatertag beendet, Block einbaufertig. So eine Rüsselpest hat ja auch ihr Gutes.

Zeit.

Wenn man nur in kleinen Schritten vorankommt, sind das immer noch Schritte. Zwischendurch ein kurzer Spaziergang durch die Gemeinde. Siehe da… bei Flattern rutscht man über Berge von Rosenblättern, bevor man sich vor dem überquellenden Kühlschrank endgültig aufs Maul legt. Das klingt doch erst mal schön und weise, wenn man sich im Gegenzug solange nur die Ausfälle gegen die Systemmedien verkneifen soll.
Woanders ist man dagegen so sehr Alternativmedien, daß einem die Hosenbeine wehen. Hier sieht man, wer schon immer dagegen war und vor allem warum. Na gut – kein Blog kann etwas für seine Kommentatoren und irgendwo müssen auch die ihre Häufchen lassen, nur daß in der realen Welt jemand mit einem Plastiktütchen hinterherläuft.
Aber mit den Plastiktüten ist das wohl gerade wie mit Nudeln und Klopapier.

Kein Horst Köhler, kein Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Buhl-Freiherr von und zu Guttenberg oder wenigstens der Silberblick einer sanft gestörten Kristina Schröder. Wie Flatter bereits so richtig bemerkt: Es ist nichts los! Da hilft kein Kemmerich und kein alter AFD-Adel.
Statt dessen neue Ästhetik bei den Nachrichtenagenturen. Bilder aufgeräumter, klinisch saubere Home-Office, in denen eine vergnügte Kinderschar um entspannte, gelaptopte Eltern toben. »Nein, Kevin-Marielle, das stört nicht… ob ich so tue, als würde ich arbeiten oder einfach nur morgens nicht das Haus verlasse…«. Wenn es noch einer Bestätigung für John Maynard Keynes These der 15-Stunden-Woche bedurfte; hier ist sie.

Sonst noch was? »Skandal in der Billigfleischbranche«. Wer konnte damit rechnen? Und das man erst eine Pest braucht, um dahinter zu kommen. Die Berufsveganer haben den Schuldigen bereits gefasst: Die anderen! Tierleid, geschundene Kreatur, Tiertransporte – nur kein Wort über die Menschen und das System, … ach ja, bitte keine Politik mehr.

Lieber noch ein Stündchen Homeoffice. Dann hat auch ein deutscher Beamter Zeit für ein Gutachten, daß die Corona-Pandemie ein einziger Fehlalarm gewesen wäre und die Medizin schlimmer als die Krankheit wäre.

»Liebe Kolleginnen und Kollegen,
hiermit übermittle ich Ihnen die Ergebnisse der Analyse des Corona-Krisenmanagements des Referats KM 4. – Kurzfassung + Aufstellung von gesundheitlichen Kollateralschäden siehe unten, Langfassung und Anlagenband in Anlagen 1 und 2«

Das klingt ja schon mal hochspannend alternativ. Solange wir solche Denker unter uns haben, wird Atlantis West nicht untergehen. Ach, wäre er doch SPD-Vorsitzender geworden statt diesem Duumpfvirat.

Es interessiert mich nicht mehr.

Die beste Ehefrau von allen hat ihr Kommunikationsmittel am Ladegerät vergessen. Da die Kinder nicht anmutig meine Knie umspielen und wir nicht zusammen `Mensch, ärgere dich nicht` zocken (Gerüchten zufolge war der Jüngste bis heute Morgen um 6:00 Uhr mit einer langen Fernsehnacht beschäftigt), treibt mich der Teilchenbeschleuniger ins Nachbardorf zum Weingeschäft. Segnen die Götter die praxisgerechte Jobsuche meiner Frau und die wirklichen Probleme dieser Welt.
Meine schöne schwarze Maske hab ich natürlich mit, unkritisch und obrigkeitshörig, wie ich von Natur aus bin und in Gesellschaft. Alle haben, da haben Merkel 5.0 und die Verschwörung der Gesundheitsbehörden ganze Arbeit geleistet. Omchen beim Bäcker keucht und atmet schwer unter dem Lappen vorm Mund und die Brille beschlägt immer, so daß sie es an der Kasse nicht »passend« hat, sondern ungewohnt schnell mit einem Schein bezahlt. Gott segne den Virus und Oma, auf daß ihr nichts zustößt. Bei »Gott« und »Oma« wollen wir mal eine Ausnahme machen. Wenn es schon nicht hilft, dann schadet es auch nicht.

Halt meine Nase in die Luft und mach
Wuff, Wuff, Wuff!

Also zurück zum vertrauten Geruch von Öl, WD40 und Nitro-Verdünner. Meine neuen Polierscheiben- und Mittel, gestern bestellt, heute geliefert, sollen mal zeigen, was sie wert sind. [eine Stunde später. Doch, können was! Mal was anderes als mattschwarz über alles. Und wenn mir das auf die Nerven geht, reicht eine Dose wärmeresistent-mattschwarz, um das Unglück zu beheben].

Dieses trügerische Gefühl, ohne Ende Zeit zu haben, verführt zu den seltsamsten Ausbrüchen. Zum Beispiel poliertes Alu an einem Motorrad. Blöder geht’s nun wirklich nicht mehr. Macht aber erst einmal Spaß, auch wenn die Halbwertszeit der glänzenden Pracht drei Tage nur unwesentlich übersteigen wird.
Egal, wie so vieles.

In der Ordnung liegt die Kraft

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