Presseschredder 3.3.2021

Point of Interest – Urlaub auch an fernen Gestaden während der Pandemie? Die Bundeswehr, Abteilung Grauschiff, macht´s möglich.
»Ich freue mich, dass die Bundesregierung umfassende Leitlinien zum Indo-Pazifik beschlossen hat, die auch die Sicherheits- und Verteidigungspolitik umfasst. Die strategische Bedeutung der Region wird damit voll anerkannt. Eine stärkere verteidigungs- und sicherheitspolitische Zusammenarbeit füllt den für uns so wichtigen Multilateralismus mit Leben und stärkt die Partnerschaft zu Freunden in Australien, Japan, Südkorea oder Singapur.
Deutschland wird präsenter, etwa durch mehr Verbindungsoffiziere und im kommenden Jahr, so Corona das zulässt, durch ein Schiff der Deutschen Marine. Wir werden Flagge zeigen für unsere Werte, Interessen und Partner.«
AKK

Eine Postkarte hätte es auch getan. »Eine Durchquerung der Zwölf-Seemeilen-Zone Chinas in diesem Gebiet sei nicht beabsichtigt«. Das ist vernünftig! Gleich zu Hause bleiben wäre noch vernünftiger, aber man kann ja nicht alles haben. Eine Fregatte F123 oder F124 (zärtlich maritimes Freilichtmuseum genannt) soll es wohl sein, damit deutsche Seegeltung auch vor Chinas Küsten vertreten wird.
Wir erinnern uns. Nein, nicht an Sansibar und Helgoland oder Kiautschou, sondern an Horst Köhler – die älteren werden es noch wissen – das war wer? Genau! Neunter Bundespräsident der BRD zwischen 2004 bis 2010. Die »krumme« Dienstzeit gründet sich aus einem Interview gegenüber dem Deutschlandradio 2010

Nein, wir brauchen einen politischen Diskurs in der Gesellschaft, wie es kommt, dass Respekt und Anerkennung zum Teil doch zu vermissen sind, obwohl die Soldaten so eine gute Arbeit machen. […] Wir kämpfen dort auch für unsere Sicherheit in Deutschland, wir kämpfen dort im Bündnis mit Alliierten, mit anderen Nationen auf der Basis eines Mandats der Vereinten Nationen, einer Resolution der Vereinten Nationen. […] Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg. […] Es wird wieder sozusagen Todesfälle geben. Nicht nur bei Soldaten, möglicherweise auch durch Unfall mal bei zivilen Aufbauhelfern. […] Man muss auch um diesen Preis sozusagen seine am Ende Interessen wahren. […]«

– Horst Köhler: 22. Mai 2010 in einem Interview mit dem Deutschlandradio

Mit der Rechtfertigung und Befürwortung bewaffneter Außenhandelspolitik stände der Bundespräsident nicht mehr auf dem Boden der Verfassung, so der allgemeine Tenor. Am 31. Mai 2010 nahm Köhler Aufgrund der heftigen Diskussion darüber seinen Hut. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer haut dagegen unwidersprochen diese vollendeten Tatsachen auf den Tisch und die Fregatte schwimmt los (mit etwas Glück bis Helgoland). Also doch wieder Kanonenbootpolitik. Eine Idee, so dumpf und blöde, wie sie nur nach langer Kontaktsperre ohne Friseur und Einkaufsmeile zustande kommen kann.

Die Wohlstandgesellschaft sorgt sich um ihre Brut. Wie der Kollege Stefan R. in einem älteren Text bereits darlegte
»Seit Jahren bekommt das deutsche Bildungswesen in nationalen wie internationalen Studien vorgerechnet, dass in keinem anderen Land der Welt Bildungserfolg und damit auch sozialer Aufstieg durch Bildung derart eng korreliert mit sozialer Herkunft wie in Deutschland.«
Daraus folgen Überlegungen, ob die Pandemie und ihre Beschränkungen des Schulwesens so einmalig sind, wie das momentan gerne dargestellt wird. Und
»Eine katastrophale Krise wie die Corona-Pandemie könnte eine Chance sein, nicht nur über die Nöte von Gymnasiasten zu debattieren, sondern grundsätzlich über Bildungsgerechtigkeit.«
Keine Sorge – das wird nicht passieren! Aber das andere darf man sich gern in Erinnerung rufen. Deutschland als Heimat derjenigen, die gerne und oft einen Weltkrieg vom Zaun brachen, haben eigentlich ausreichend Erfahrung in »verlorenen Generationen« (und um eine solche handelt es sich bei einem Jahrgang, dem gerade mal ein Jahr Schule mehr oder weniger fehlt, schon mal nicht.) Seit 1914 sind die Erfahrungen mit Notabitur, das heißt, dem schnellen Durchschleusen von Jahrgängen, die man dringend als Kanonenfutter verbraten wollte, durchaus vorhanden. Es ist beileibe nicht so, daß aus all diesen Menschen (wenn sie denn den Krieg überstanden) nichts geworden wäre. Gut: Die Abifahrt führte nach Verdun oder Tannenberg, aber trotzdem blieb genug Personal übrig, um spezialisierte Mitarbeiter für die nächste Industrieschlächterei im Bestand zu haben. Die nächste Phase »schulfrei« dauerte dann auch etwas länger – ca. 22 Jahre! Davon 12 Jahre, in denen die Folgen des Präsenzunterrichtes, aufgeteilt zwischen Mathe und Deutsch und Weltanschauungslager, alles andere als mündige Staatsbürger heranzogen; auch die Nachkriegszeit sollte nicht mit geordneten Verhältnissen verwechselt werden. Jeder konnte mit einem noch so windigen Abitur irgend etwas werden – wem die erworbenen weltanschaulichen Grundlagen beim besten Willen nicht auszutreiben waren, dem blieb immer noch eine Karriere bei Medizin, Justiz, Polizei oder Politik – ob mit oder ohne Notabitur.
Und jetzt soll die Welt untergehen, weil man einen Jahrgang mal eben so und ohne großes Trara durchschleusen soll?
Sehe ich nicht.
Keine Abifahrt, kein Porsche, keine Fete. Die Argumente dagegen stammen vermutlich zu 99% aus der Erwachsenenwelt. Fehlt eigentlich nur, daß die Kinderlein grausam störben werden, wenn man sie Pandemie- und Homeofficebedingt nicht mit dem SUFF zur Schule fahren kann. Und ob ein Jahr weniger Unterricht dem Wissensstand so sehr schadet, wie das immer gerne dargestellt wird, sei dahingestellt.
Fazit: Stellt euch nicht so an! Einen Deppen mehr oder weniger im Regal macht an der Menge an Unzurechnungsfähigen den Kohl nicht fett.

Mein Bruder ist Boxer
Des Jahresarbeitsplanes für das Schuljahr 1955/56

Was stand noch auf dem Zettel? Orbans Fidesz-Partei verlässt Fraktion der Europäischen Rechtsradikalen. Nein,Volksparteien. Bevor sie hinausgeworfen werden. Daß dieses Land überhaupt noch in der EU ist, ist sowieso nicht erklärbar. Nachdem Orban also die Volksparteien verlassen hat, findet er sein neues Heim wo? Hauptsache in der EU.
Es geht auch ohne Ungarn.

Prima sogar. Spanien ist der nächste Kandidat.

Friseure und Buchhandlungen. Nee, is klar! Corinnas Café später. Logisch – da steckt man sich ja auch an. Konzerte, Festivals? Vergiss es einfach. Abgeschafft.
Es fällt einem nach einem Jahr Berufsverbot zunehmend schwer, die nötige Solidarität aufzubringen. Ich hab ja gar nichts gegen Friseure und Blumenhandlungen – ganz im Gegenteil! Meine besten Freunde lieben Blumen!
Nein, mal im Ernst: Ich freue mich für all diejenigen, denen man eine kleine Chance zum Überleben einräumt. Es war einfach nur die Überraschung festzustellen, wie unterbewertet Friseure in der eigenen Gedankenwelt waren. Und Buchhandlungen direkt mit Friseuren – es gibt noch Zeichen und Wunder!
Das ist ähnlich überraschend wie die Ergebnisse des erneuten Corona-Meetings des Bund-Länder-Gipfels. Jeder nur einen Schnelltest pro Woche für umme – wenn der negativ ist, dürfen sich 5 Personen aus 3 Haushalten für 2 Stunden treffen, solange keine Kinder unter 11 Jahre spielen. Wenn die Sieben-Tage-Inzidenzwerte so hoch bleiben, wie sie bis jetzt als unakzeptabel galten, dürfen die Cafés wieder öffnen, auch ohne Kinder. Dann braucht man einen Test. Natürlich braucht man auch einen, wenn man die dringend benötigten Flugstunden absolvieren will oder der Termin beim Kosmetiker lockt. Machen Söder und Spahn eigentlich gerade einen Flugschein?
Schnelltests und Impfstoff liegen in den Regalen. Vermutlich, bis sie von Fussballern und Politikern aufgebraucht werden. Und natürlich von Pflegepersonal gegen eine geringe Unkostenbeteiligung. Oder sie unkontrolliert auf dem Schwarzmarkt landen.
Man stelle sich das nur mal in einem Buch vor, in einem Science Fiction oder Krimi: Da kommt so eine Seuche daher und wunderbarerweise hat man nach einem Jahr nicht nur einen, sondern gleich mehrere Impfstoffe. Und was macht man: Man tröpfelt »Schnelltests« auf den Markt. In noch homöopathischeren Dosen als Impfungen. Fluglehrer und Blumenhändler zuerst!
Den Plot würde einem niemand abnehmen.

Sascha Lobo

Verspahnen

Genug geärgert. Die Dunkelkammer ist jetzt die Dunkelkammer mit der besten Hifi-Anlage ever! Ich wollte eine kleine, unauffällige Referenz? Ich habe eine! Die Boden(Decken)nahe , in die Ecke gedrängelte Aufstellung brachte das fehlende Maß an Grundton und auch der Rest funktionierte wie gewünscht. Ein unnütz herumliegendes Laptop mit einer USBPre-Soundcard und einem vorläufigen Sony-Verstärker sind der provisorische Antrieb bis ich ein paar Endstufen zusammengestrickt habe.
Ganz problemlos war die Montage nicht – in der ersten Version verwendete ich Schrauben für die Deckenmontage, die ein klein wenig zu lang waren. Tochter I bemerkte das als erste mit dem Hinweis, ich hätte das arme Kind »beinahe« mit an den Dielen festgeschraubt. Ein Alptraum! Nur kurz im oberen Flur verweilt und schon mit den Dielen verschraubt! Sie hätte gerade noch beiseite springen können.
Na ja.
Jedenfalls war bester Kumpel R. aus B. schon da (Theater und Studiofritze) und mußte erst mal probehören. »Oh, doch keine Breitbänder! Aber richtig räumlich. Und bei der Aufnahme hat der Engineer wohl mit Genelecs abgemischt. Bei Leyle Lovett wohl eher nicht. Die Monitore hatten keine 1 kHz, wohl aber sechse gehabt. Ami-Abhöre.« Und so weiter. Leider sind die Dinger fest mit der Decke verschraubt, sonst könnte man sie ja mal… nö, kann man leider nicht!
Ja, also auch der heilige Segen von dieser Seite – so ist es recht! Die kleinen Brüllwürfel sind ja auch wirklich erfreulich geworden.
Das nächste Projekt steht schon auf der Werkbank. Dieses Mal hat es einen kleinen Breitbänder und etwas mit Bass, damit es schiebt. Aber jetzt wieder aktiv, weil das letzte Projekt doch viel passives Weichenmaterial gekostet hat. Die ersten Messungen zeigen durchaus Potential, wenn auch die üblichen Diskrepanzen zwischen den Herstellerangaben und der blutigen Realität. Gelegentlich fragt man sich schon, ob die Hersteller ihre Messmikrophone aus alten Sprechmuscheln aus Telephonzellen zusammenstoppeln.

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7 Antworten zu Presseschredder 3.3.2021

  1. Götz sagt:

    Brüllwürfel? Bei mir heißt das Klopfkugel – wegen schön rund.
    Apropos Aktiv: Kannst wohl Butterworth berechnen?

  2. Pantoufle sagt:

    Moin Götz

    Da kannste klopfen wie Du willst, die sind so steif gebaut…
    »Butterworth berechnen?«
    Ich nicht, aber mein Taschenrechner.

  3. Publicviewer sagt:

    Es hat nie eine Pandemie gegeben!

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