Presseschredder 22.1.2018

Chulz erlebt sein Waterloo
Überschriften sind Glückssache, liebe Tagesschau.de1. Chulz ist kein Napoleon und nur weil er am laufenden Band verliert, wird man auch nicht dazu. Waterloo: Das ist das Ende einer beispiellosen Karriere, einer langen Strecke historisch einzigartiger Siege. Wie man also Waterloo mit dem Namen Chulz also in Verbindung bringen kann… bleibt das Geheimnis von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio.

Die Redaktion der Schrottpresse fragt sich seit der Bundestagswahl, auf welche Weise »Angela« Nahles ihren Martin Chulz entfernen wird. Redaktionsschwein Schnitzel vertrat ja die Auffassung des hinteren Dolchstoßes, Redaktionskampfhund Oskar die der finsteren Intrige. Ich selber hätte allerdings nicht mit einem vergifteten »Seite an Seite für die GroKo« gerechnet. Während Chulz vor den Delegierten um Zustimmung winselte, empfahl sich Nahles als volksnah keifende Nachfolgerin. Nahles Verfahren birgt jedoch das Risiko, daß einem die Zeit selbst dann zu schnell davonläuft, wenn man doch noch sozialdemokratische Politik betreiben würde. Die wäre im grau-braunen Brei der Koalition nicht erkennbar und das sehen auch rund die Hälfte der Abstimmungsberechtigten des SPD-Parteitages so. Bei der anderen Hälfte ist es vermutlich Machtgeilheit, was nicht so recht als Sachargument erscheinen mag.
Nimmt man den Durchschnitt der Umfrageinstitute bei der Sonntagsfrage Bundestagswahl, liegt die Partei jetzt bei knapp 20% – Tendenz fallend. Aber man hat ja noch gut drei Jahre Zeit, diesen Trend zu stabilisieren.

Ist das eine Nachricht? Gewissermaßen schon. Vom Sonderparteitag am Sonntag gab es einen Live-Stream2 (für Masochisten, knapp 6 Stunden lang. Den Service einer Transkription wird die Schrottpresse leider nicht bieten.)
Und dann betrat Rudolf »Bin baden« Scharping das Rednerpult. Wer Döneken aus der Frühzeit der Bewegung erwartete, wurde nicht enttäuscht; diejenigen, die einen Zusammenhang zwischen Scharping und dem oft gefallenen Begriff »Erneuerung« herstellen wollten, schon. Irre, den ehemaligen Kosovo-Wehrsportminister dort auftreten zu lassen. Weniger SPD war kaum möglich. Warum nicht gleich Gerhard Schröder?
Besonders gut gefiel der Redaktion die Rede des Abgeordneten Stefan Grüger

»…und das sage ich auch denen, die sagen, bei Neuwahlen sind wir bei 15% oder weniger – also… der Appell an den Mut, den wir haben sollten, der sollte eher an die gehen, die jetzt die Partei kleinreden so wie der Seeheimer Kreis, der sagt: 15% werden wir bekommen bei Neuwahlen. Nein! 30% werden wir bekommen, wenn wir es nur richtig angehen! […] Das Ziel muß sein, stärkste Partei in unserem Land zu sein«

Das war schon sehr lustig und im übrigen war er durchaus dagegen.
30%. In Worten: Dreißig Prozent. Wenn man es nur richtig angeht.

Überraschenderweise gab es aber auch Stimmen der Vernunft, dort, wo man es am wenigsten erwarten würde. Wir erinnern uns: Wir sind immer noch auf dem Sonderparteitag der SPD!

»Zu dem Alltag in Deutschland: Zur Stärkung der Demokratie und Zivilgesellschaft hält das (Sondierungs)Papier fest, es sollen Programme gegen Rechts- und Linksextremismus gefördert werden. Liebe Genossen in der Parteispitze – diese Gleichsetzung können wir nicht akzeptieren (verhaltener Applaus). Wir haben es noch immer mit einer massiven Welle rassistischer Gewalt zu tun, Berichte über Beschimpfungen, gewalttätige Angriffe, öffentliche Demütigungen und sogar Brandanschläge scheinen in den letzten Jahren zu einer Art vertrautem Hintergrundrauschen geworden zu sein für den Alltag in Deutschland.
Erst Ende letzter Woche habe 30 Neonazis in Wurzen in Sachsen ein Haus angegriffen, in dem geflüchtete leben. Die Liste solcher Übergriffe ist lang und sie wird auch nach wie vor auch beständig länger und es lohnt sich an dieser Stelle daran zu erinnern, daß der feige Mord an Oury Jalloh durch Dessauer Polizisten sich vor zwei Wochen bereits zum 13. Mal gejährt hat und die Justiz sich immer noch der Verfolgung der Täter verweigert. Während dessen scheint es das momentane Hauptziel der staatlichen Behörden zu sein, gegen vermeintliche Linksextremisten vorzugehen. Das haben die massive Repression und anschließende Verfolgung linker Aktivisten während und im Nachgang des G20-Gipfels letzte Jahr gezeigt (gar kein Applaus).
Wie viele von Euch wissen, wurden auch die Falken von der Polizei rechtswidrig drangsaliert. Das waren junge Genossen, die sich ehrenamtlich bei uns engagieren und sich kritisch mit politischen Geschehnissen auseinandersetzen und dafür sind sie erst mal in einer Zelle gelandet.

Und ich muß Euch ehrlicherweise sagen, daß ich es als persönlichen Angriff empfinde, wenn ich mir gemeinsam mit unzähligen Genossen den Arsch gegen Nazis aufreißen, wir dafür von der AFD aufs Übelste diffamiert werden und das von meiner Partei unterzeichnetes Sondierungspapier nun nahelegt, die G-20 Proteste seien am Ende mit dem NSU auf eine Stufe zu stellen.
Und wir verlangen von Euch als Sozialdemokraten, daß Ihr Euch konsequent gegen den Rechtsruck in dieser Gesellschaft stellt und Euch nicht von der CDU eine Gleichsetzung von Linkssein und Rechtsextremismus aufdrücken laßt, von der am Ende nur einer profitiert: Die Neonazis, Rassisten und Rechtspopulisten.
Freundschaft!«

Jana Herrmann, Bundesvorsitzende der SDJ – die Falken.

Geht doch! Schöne, blaue Uniformen haben sie auch. Wie bei der Jugendfeuerwehr. In diese Kindergruppe würde ich auch meine eigene Brut schicken.

Die Partei, die Partei, die hat immer recht… Screenshot vom Parteitag

1 Le Tagesschau.de
2 Für die ganz harten Zu Risiken und Nebenwirkungen beim Genuß dieses Videos fragen Sie Ihren Nervenarzt oder Ihren lokalen Dealer.
Burks zum Thema

Also ich mag die Mely Kiyak ja gerne. Eine Miniatur zum Nahles-Auftritt: Zwar würde ich nicht jedes Detail ihrer Deutung unterschreiben, wohl aber, wie sie deutet. Großartig geschrieben!

„Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung; dieses Recht umfasst die Freiheit, Meinungen unangefochten zu vertreten sowie Informationen und Ideen mit allen Kommunikationsmitteln ohne Rücksicht auf Grenzen zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.“ Artikel 19 der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ der Vereinten Nationen (Dezember 1948).

via fefe

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17 Kommentare zu Presseschredder 22.1.2018

  1. flatter sagt:

    Mag das wohl Stefan Grüger gewesen sein, mit „G“ wie Kroko? Der Mann ist ein alter Intimfeind von der Nahles.
    Wir haben ürigens dereinst an der Uni einmütig festgestellt, dass wir beide Arschlöcher sind. Ein Bier ging trotzdem.

    • Pantoufle sagt:

      Jo, der war das. Ich habe den Namen nur phonetisch von der Rennleitung des Parteitages übernommen.
      Bier fiel mir bei seinem Auftritt auch ein. In einem Hinterzimmer eines Etablissements mit Bundeskegelbahn. Beim kungeln mit dem Ortsbürgermeister.

      • flatter sagt:

        Passt schon. Die Unikneipe hatte auch ein gnadenloses grün-orangefarbenes Siebzigerjahredesign. Prost!

        • Pantoufle sagt:

          Ach, dann mache ich mir auch mal einz auf.

          Prost!

          • flatter sagt:

            Man sollte sowas nicht tun. Ich hab den Grüger eben mal dugeröhrt (jahaa, Wörter gibt das ….). Jünger sind wir ja alle nicht geworden, aber zwischen ihm und mir, damals und heute liegen locker 50 Kilo. Der kriegt ja keine Luft mehr. Hätte man wissen können, was so ein Funktionärssessel auf dem Land kostet.
            Morgen wieder aufs Rad. Man soll mir die Armut weiterhin ansehen 😛

          • Pantoufle sagt:

            Sag ich doch! Wenn der mir hierzulande über den Weg laufen täte, würde ich sagen Düngemittel und Saatgut bei Raifeisen. Sonnabends im goldenen Hirsch, bis ihn seine Trulla auf der Schubkarre nach Hause schubschiebt. Die andern Tage Angelverein »alle Neune«.

  2. OldFart sagt:

    Wie, was, die Falken gibts noch? In der SPD? Das letzte Mal, daß ich von denen hörte war, als meine Eltern aus ihrer Jugend erzählten. Die waren mit denen, rechne …, von jetzt ab gerechnet vor 60 Jahren unterwegs. Grundgütiger, die Falken habens all die Jahre in der SPD ausgehalten? Was muß noch passieren, bis die geschlossen austreten? Die Protestnote auf dem Parteitag respektiere ich und rechne sie ihnen an, aber die ist doch voll fürn Arsch. Merken die das immer noch nicht?

    Das muß doch weh tun, wenn man da den Quotenlinken mimen darf, aber unverhohlen das Messer ins Kreuz gerammt bekommt.

    • Pantoufle sagt:

      Ging mir ähnlich. Meine Frau Mama selig bekam sich gar nicht wieder ein, wenn sie davon schwärmte. Echten Protest mit richtigen Plakaten und Polizeikäfern mit blauer Lampe. Die schmucken Uniformen (zusammen mit Feuerwehr und THW bestellt) müssen auch die gleichen gewesen sein. Die Dame mit der ziemlich schlechten Laune trat dann auch in vollem Ornat ans Rednerpult des Sonderparteitages. Gemessen am spärlichen Applaus scheint’s den Delegierten etwas peinlich gewesen zu sein, so eine Jugendgruppe im Verein zu haben.
      Als wären man nicht schon mit den Jusos genug bestraft.

      Ja, und genau diesen Auftritt fand ich auch wirklich bemerkenswert. Tochter II ebenfalls – nun muß ich mal schnell klarstellen, daß es sich dabei nicht um die SPD handelt.

    • megatherium sagt:

      Die Falken gibts noch.
      Spd-Jugend sind davon nur wenige.
      Ich kann nur von BaWü und Thüringen sprechen. In BaWü sind die meisten Falken-Gruppen linksradikale Antifa-Gruppen, die deren Strukturen übernommen haben, um einen legalen Rahmen zu haben für linke Zentren oder um zb Gelder abzugreifen und zb ihre Leute für FSJ usw anzustellen.
      Ich weiß zb von Stuttgart, daß die Mitte der 2000er von der „Libertären Initiative Stuttgart“ übernommen wurden, als es noch 3 alte Karteileichen in der alten Stuttgarter Ortsgruppe gab. (Das weiß ich von nem Kollegen, der damals dort aktiv war)

      In Thüringen sind die Falken ja erst nach der Wende entstanden. Da gibt es Ortsgruppen in Jena und Erfurt, die sich aus dem studentischen Miljö rekrutieren.
      Dementsprechend sind ein Großteil der Aktivitäten Vorträge, besonders im Bereich der Kritischen Theorie, und Lesekreise. Zb mehrere zum Marxschen Kapital. Eine Kinder- und Jugendgruppentradition gibt es hier nicht. Das versuchen sie gerade aufzubauen.
      Das Verhältnis zu Spd und Jusos ist eine Distanz in Verachtung.

      Die Falkenlandesverbände NRW und Niedersachsen sollen sich jedoch noch in der alten Tradition als Spd-Jugend sehen.

      • Pantoufle sagt:

        @megatherium

        Danke für die Info. Ich war tatsächlich gerade dabei, mal zu googeln, ob es das bei uns in der Nähe auch gibt (Niedersachsen). Tochter II käme für die BaWü-Variante in Frage; da würde sie sich vermutlich recht wohl fühlen. Aber eventuell gibt’s auch was in der Nachbarschaft.

  3. Publicviewer sagt:

    Ich frag mich immer, wenn ich sowas lese warum man sich überhaupt noch an der SPD abarbeitet… mal ganz ehrlich..is mir schleyerhaft… 😉

    • Ex-Vermieter sagt:

      Es könnte sich dabei um ein Element der Tradition handeln.

    • Pantoufle sagt:

      …aber gelesen haben sie es dann doch…

      Jo, das Element der Tradition würde ich durchaus unterschreiben. Und Ja: Ich gestehe, daß der Livestream im Hintergrund und in einem gaaaanz kleinen Fensterchen auf Screen II mitlief.
      Zum anderen hat sich die Schrottpresse in ihren Titel auch einen bestimmten Anspruch gemeißelt. In diesem Fall »Damenmoden«. Daraus resultiert auch die Forderung, über die Frühlingsmoden der Parteien kompetent zu informieren.

      Immerhin gab da die eine oder andere Überraschung.

      • OldFart sagt:

        > Livestream

        Ich dachte bisher, daß Horrorfilme aus Jugendschutzgründen ins Nachtprogramm verbannt und trotzdem immer noch geschnitten sind. Und dann senden die, noch dazu im ÖR, fast 6 Stunden lang an hellichten Tag und ohne die ekligsten Stellen redigierende Eingriffe so einen Splatter. Denkt denn niemand an die Kinder!? Das Geplärr der Nahles hinterläßt doch grausige Traumata.

        Dann doch lieber Dschungelcamp, das wirkt im Vergleich dazu informativ, seriös und jugendfrei.

  4. Pantoufle sagt:

    Ahalso: Noch mal von vorne und ganz langsam. »…warum man sich überhaupt noch an der SPD abarbeitet…« und »daß Horrorfilme aus Jugendschutzgründen ins Nachtprogramm verbannt und trotzdem immer noch geschnitten sind«

    Was mich daran interessiert, möchte ich einmal mit einem rollstuhlfahrendem Beispiel darstellen.
    Mich erinnert das Ganze seit ein paar Jahren an die Situation der SPD bei der Bewilligung der Kriegskredite 1914. Man kann ihnen nur zustimmen, wenn man die Arbeiterklasse (und die Beschlüsse der zweiten Internationale von Stuttgart und Basel) verrät, riskiert dabei aber die Spaltung, die dann in Form der USPD 1916 auch kam. Wie immer, wenn die utopistischen Ansätze der SPD mit dem Pragmatismus der Tagespolitik kollidieren.
    Damit endet das Beispiel auch; sieht man vielleicht einmal von der Niveaulosigkeit der Debatte am Sonntag und der vor 104 Jahren ab. Na ja: Und vielleicht der Tatsache, daß der SPD tatsächlich wieder ein Verbot droht; in diesem Falle das eines des Versinkens in der statistischen Bedeutungslosigkeit. Ein FDP-Ende ohne Fallschirm.

    Gemessen an diesem Szenario überrascht der Parteitag. Die Delegierten waren sich ja der Gefahr des Absturzes nur allzu bewußt. Das schmierten sie sich gegenseitig bei jedem Redebeitrag gegenseitig aufs Brot.
    Es wurde der große Tag von Frau Nahles. Aber was war das für eine Rede? Ein schäumendes, quiekendes Gummibärchen veitstanzte

    »“Mir blutet das Herchhtz, und der Karl weiß das und die Manu“, sie schlägt mit der geballten linken Faust auf – na klar, ihre linke Brust, da wo das „Herchhtz“ sitzt, weil „der Arzt für den Privatpatienten das Zweieinhalbfache abrechnen kann und für’n AOK-Mitglied wie mich nich‘!“«

    Mely Kiyak

    Sie hat – immerhin – eine Krankenversicherung. Ihre Wünsch nach Gerechtigkeit aber sind die Wünsche ihrer eigenen Klasse, ihrer Klientel. Und natürlich kam sie, die Plattitüde auf die jedermann gewartet hatte. Die materiell unterbemittelte Frau vom Flughafen, die Frau, die (unter Zeugen) Frau Nahles ansprach, ihre Wünsche, ihre Hoffnungen… sie, deren letzte Hoffnung die SPD war! Zeugin für Sinn und Fortbestand der Sozialdemokraten – wem wurde da nicht warm ums Herchhtz? Der beherzte Griff in die allerunterste Schublade.
    Nahles chulzte die Halle, ganz so wie der noch amtierende Parteivorsitzende nach seinem Wechsel aus Brüssel. Geschreie statt Visionen. Was haben SPD-Delegierte, was ein zivilisierter Mensch nicht hat, daß sie solche Schauerstücke minutenlang beklatschen?
    Heiko Maas bedankt sich zum Abschluß für einer konstruktiven Debatte – aber was war denn da tatsächlich geschehen? Und welches konstruktive Detail hatte Maas vernommen, welches allen anderen entgangen war? Wer nur bei der AFD Populismus, Stammtisch-Parolen, Gebrülle und Niveaulosigkeit verortet, wurde hier fündig. Die niedrigsten und primitivsten Schreier bekamen den längsten Applaus und ermöglichten wohl auch das knappe Ergebnis zugunsten von Koalitionsverhandlungen.

    Und spätestens hier ist der Eingangs vorgenommene Vergleich keiner mehr: Die SPD ist bestenfalls dem Namen nach noch eine Volkspartei. In ihrer Rolle längst abgelöst von der faschistischen AFD – da ändern auch die paar Prozentpunkte mehr nichts. Hervorstechend war die Ignoranz sämtlicher Beteiligter, dieser unangenehmen Tatsache ins Auge zu sehen. Die vom oftmals zitierten Dobrindt eingeforderte konservative Revolution – sie hat doch bereits stattgefunden. Nazis im Bundestag. Wenn das keine Revolution ist!
    Bürgerversicherung und Härtefallregelung für den Familiennachzug, während deutsche Leopardpanzer Kurden töten und die AFD den Vorsitz im Bundestags-Rechtsausschuß bekommt. Man kann es der Vorsitzenden der Falken, Jana Herrmann, gar nicht hoch genug anrechnen, daß wenigstens sie hin und wieder eine Tageszeitung liest. Vom Parteivorstand? Totenstille.
    Na gut. Das war nicht anders zu erwarten. Martin Schulz tritt mit seinem Kopf unter dem Arm aus dem Parteitag in die Koalitionverhandlungen. Wem ist es zu erklären, das ausgerechnet er nun ein Ministeramt anstrebt? Geschacher unter dem sakralen Burgfrieden.

    Aber da gibt es ja immer noch Lafontaines Idee (von der schönen Sahra vorgetragen), den ganzen Haufen von Sozialdemokraten und Linken abzuspalten und was neues daraus zu formen. Etwas, was alternative Fakten schafft und keine alternativlosen. Die USPD als einzige Konsequenz, wenigstens den Namen zu retten.

    • OldFart sagt:

      Was die Nahles da abliefert ist Demagogie wie aus dem Lehrbuch. Die frühere Funktionärin für Agitation und Propaganda wird ihr sowohl in der Ausführung wie im Ergebniserfolg im Stillen sicher mindestens soviel Beifall zollen wie das euphorisierte Parteivolk der SPD.

      Wer keine Sachargumente hat, muß emotional und persönlich werden. Check. Wenn Du Zustimmung für etwas brauchst, was den Interessen der Zustimmenden zuwider läuft, beschwöre sentimetalen Corpsgeist und daß „Wir“ mit dem Vorhaben „das Gute“ wollen. Check. Lenke Sie davon ab, über den Gesamtzusammenhang und die Verantwortlichkeiten nachzudenken. Check.

      Ich halte die Nahles für intelligent genug, daß Sie das wissend und kalkuliert einsetzt. Das macht die Sache widerwärtig, abstoßend und bösartig. Da werden bei mir Erinnerungen an den Sportpalast wach.

      Das sentimentale Intro mit der Rentnerin, die für ihre armselige Rente auf die SPD hofft, ist dermaßen abgefeimt, daß es mir den Atem nimmt. Jeder, der nicht im Gefühlsrausch da mitsegelt, sollte doch mal fragen, wie es zu diesen Armutsrenten gekommen ist. Das meine ich mit emotional gepeitschter Ablenkung.
      Die Nummer mit dem Mindestlohn ist die exakte Wiederholung dieses Schemas. Man suhlt sich im „Erfolg“, diesen eingeführt zu haben und lenkt im Überschwang für „die gute Sache“ völlig davon ab, wer die Niedriglöhne und die Prekariatssklaven herbeigeführt hat. Daß der Mindestlohn obendrein ein Farce ist, kommt ja noch dazu.
      Sie geriert sich und ihre Partei als Retter der arbeitenden Menschen und lenkt im Emotionsgedusel davon ab, daß man aktiv die Gewerkschaften marginalisiert und ihnen alle Instrumente der Insteressendurchsetzung mit dem „Tarifeinheitsgesetz“ nimmt – deren natürliche Interessenvertretung ist ja die SPD.
      Sie beklagt zutiefst aufgebracht die Zweiklassenmedizin, echauffiert sich über lange Wartezeiten beim Arzt und in dieser bei den Betroffenen geschürten berechtigten Empörung entgeht den emotional Verführten glatt, wer die Krankenversorgung kommodifiziert, kommerzialisiert und geschleift hat.

      Das ist das Grundmuster ihres Auftritts. Noch kein Sportpalast, aber sehr gefährlich dicht dran. Wollt ihr die totale Regierungsbeteiligung? Ja!!

      Man muß um jeden Prozentpunkt dankbar sein, den diese Bande verliert. 17 Prozent derzeit für die Verführer. Vielleicht ist das ein Hoffnungsschimmer. Daß alle anderen genauso sind, ist dann Thema des nächsten Aufsatzes …

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