Presseschredder 2.9.2020

 

Tot
Auf der Suche nach dem überflüssigsten Nachruf zum 100. Geburtstag von Charly Parker. Vorläufiger Gewinner**!!: Franziska Buhre in der taz.
»Nicht abwegig ist daher, anzunehmen, dass eine Ursache für seinen seit der Jugend anhaltend exzessiven Drogen- und Alkoholkonsum auch in der Krankheit Rassismus begründet liegt.«
Unschuld, holde Unschuld! So eine gewagte und mutige Unterstellung! Da nehmen wir am besten ein paar Zuckerkügelchen, dann paßt das wieder mit dem Weltbild der heren Kunst. Oder lesen die taz-Artikel „Tod einer Saisonarbeiterin”, „freie Fahrt für Erntehelfer“, „Bauer ist für die Ermittler unschuldig“ oder „250mal Corona, 6 Euro Stundenlohn“ in der selben Ausgabe durch und überlegen, ob es da eventuell Gemeinsamkeiten gibt. Oder ist das zu abwegig?

Noch wer tot?
Ja, der der Photograph Jürgen Schadeberg. *18. März 1931 in Berlin; † 29. August 2020 in La Drova, Spanien. Ein sehr außergewöhnlicher Mann mit außergewöhnlichen Bildern. Leica natürlich – seis drum, man muß nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und irgend eine Kamera dabei haben.
Etwas Glück gehört auch dazu. Zum Beispiel, in der richtigen Zeit zu leben. Also tunlichst vor 2016, seit dem Personen nur mit einem Balken vorm Gesicht photographiert werden dürfen. Und vor Twitter, damit man nicht zum Rassisten wird, weil man sich als Weißer in den Slums von Johanisburg rumtreibt. MIT EINER KAMERA!! Rassist wie Mahatma Gandhi ( nur der eben ohne Kamera.) Quelle: Hashtag #ichwillauchmal!
Friede seiner großen Seele. Man hätte ihn dicht neben August Sander begraben sollen.

Noch nicht tot
Die Tour de farce in Berlin ist vorüber und es kehrt wieder Ruhe ein. Pantoufle konnte sich selbst davon überzeugen, als er aus einer Laune heraus mal wieder im Pasternak koscher essen war. Die Plakate sind verschwunden, die Idioten nach Hause gefahren. Geblieben waren nur die Wespen, die sich auf meinen gefillten Fisch stürzten.

Seither habe ich viel in den merkelgesteuerten Medien gelesen und mich informiert (überflüssig zu betonen: In den völlig falschen Publikationen).

Ja, da war die eine oder andere (Deutsche-Reichsfahne) zu sehen. Das stimmt. Da haben wir dann die Deeskalationsteams hingeschickt und haben die Teilnehmer dann gebeten, die Kundgebung zu verlassen, wobei die Deeskalationsteams mir auch zurückgemeldet haben, dass die Fahnen wohl irgendwo verteilt wurden und die Teilnehmer teilweise gar nicht wussten, was das für eine Fahne ist.
Michael Ballweg

Interessanterweise fühlte sich offenbar auch keines der »Deeskalationsteams« willens oder imstande, dort Nachhilfe zu geben. Vermutlich wußten auch die nicht, was es mit den Fähnlein auf sich haben könnte. Da man – soweit ich das verstanden habe – nebenher ein neues Grundgesetz zusammenschmieren erschaffen wollte, gibt dies Aussage zu den schönsten Hoffnungen Anlass. Mal sehen, was die noch alles nicht wußten.
Soviel zu den ganz Doofen.
Aber da muß es doch ein paar geben, bei denen die verflüssigte Murmel noch nicht völlig aus den Ohren rausgelaufen ist. Ja, der demokratische Widerstand! (endlich schlank dank Bulimie.)

»Liebe Kinder,
DIE MASKEN SIND QUATSCH. DIE REGIERUNG HAT ALLE ANGELOGEN.
Batseba N‘Diaye
[…]
Der Corona-Virus ist zum Beispiel fast nur für alte Menschen über 80 Jahren gefährlich. Oder für Menschen, die schon sehr, sehr krank sind. […] Denn jedes Menschenleben endet einmal mit dem Tod. Wer schon sehr alt geworden ist, sogar über 80 Jahre, der hat in der Hinsicht bereits viel Glück gehabt. «

Da kann man nur froh sein, daß es sich nicht um HIV handelt oder einem Reichsbürger, der der Eugenik hinterhertrauert. Oder daß die Verfasserin eventuell Altenpflegerin ist… Viel Glück jedenfalls von dieser Stelle.

»Aber auch die Diktatur finden manche Menschen gut. Sie sind zumeist sehr verzweifelt und fühlen sich dann selbst wie Ärzte in einem Operationssaal, die allen sagen dürfen, was sie zu tun und zu lasen haben und wie alle gesund werden. Dabei sind sie selber sehr schwach. Für sie ist das Leben in Freiheit ein einziger Schmerz. Sie haben große Probleme mit sich selbst und wollen gern zu den totalen Bestimmern gehören. Sie lieben das Leben nicht, haben wenige Freunde und zumeist keinen Kontakt zu Kindern wie der Laborarzt und der Rinderherdenarzt (soll vermutlich Veterinär heißen. Veterinarius = „zum Zugvieh gehörig“. Also durchaus passend für Hygienedemos).
[…]

Batseba N‘Diaye ist gelernte Seniorenpflegerin, Mutter und Mitherausgeberin dieser Zeitung.«

Upps!
Ja, liebe Kinder: Wie Ihr seht, solltet ihr nicht nur Masken vor Mund und Nase tragen, sondern sicherheitshalber auch Ohrenstöpsel. Sonst habt ihr auch bald keine Freunde mehr.

Alternative Medien? Blogs, unsoziale Netzwerke?
»Wow! Was für eine Bewegung. Wahnsinn!«
Wackelige Youtube-Videos mit üblen Licht und noch schlechterem Ton, Quelle: Twitter. Kein Zitat, das den Tag überlebt. Bevor man sich an Zwölftonmusik versucht, sollte man die klassische Harmonielehre beherrschen. Und zwar aus dem Eff-Eff! Erst mal gerade denken, danach quer. Das Schlimme daran ist: Es gibt genügend Gründe, die hastig hervorgestoßenen Vorschriften und Ideen in Bezug auf Corona zu hinterfragen – aber nicht mit diesem Blockflöten-Knabenchor (ich kriege wieder die Gendersternchen nicht unter).

höchst lebendig
Asteroid (2011 ES4) verfehlte Erde knapp!
Puhhhh! Sonst hätten wir mal ein richtiges Problem.

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18 Antworten zu Presseschredder 2.9.2020

  1. Stefan R. sagt:

    Wow, dass dieser Demokratische Widerstand eine begnadete Comedy-Veranstaltung ist, war mir ja schon klar, als ich Anselm Lenzens Schilderung der Kinderhölle Berlin las, aber Frau N’Diayes Kinderkram ist noch mal eine Numme für sich. Respekt übrigens, dass du da in Epikurs fröhlichem Sprallostüberl für etwas Farbe sorgst, ich habe das schon vor Wochen drangegeben.
    Mein momentaner Kommentarfavorit übrigens: “Professor Backtie macht es sehr traurig, wenn er sieht, wie schlecht sich seine Anhänger im Netz benehmen.” ( Hermann).

  2. Pantoufle sagt:

    Moin Stefan R.

    »Ich sehe nur noch Trauer, Armut und Verlendung. Nachts in unserer Siedlung, einem Ensemble von Dreigeschoss-Mietwohnungsbauten im Bezirk Pankow, das für Verhältnisse der Berliner Innenstadt immer sehr ruhig war, höre ich Menschen in verschiedenen Sprachen schreien, weniger aggressiv, eher leidend. Dann unsere Nachbarin: »Ich halte das nicht mehr aus«, »aaaahh!« und »Tötet Angela Merkel!«.
    Vor allem »aaaahh!«
    Diese Gonzo-Reportage aus der Geisterbahn meinst Du? Ja, dafür ist Mechthild gar nicht genug zu loben, die sich das ganze Affentheater Wort für Wort antut und auch im Zweifel noch transkribiert. Ich habe ihren Text Nichtdenken 0815 leider erst nach dem Schreiben gesehen, sonst wäre das »und haben die Menschen dazu mal befragt, ob sie denn wissen, was das für eine Flagge ist.(wir wissen das auch nicht so genau!)« mit in den Text eingeflossen. Das verrät ja ein noch debileres Umfeld, als ich unterstellt habe. Aber Mechthilds »Und wer sich mal ein paar stündchen videomaterial auf unterschiedlichen kanälen bei youtube reinpfeiffen mag…« verstehe ich als Aufforderung zur Selbskasteiung, der ich nicht folgen mag.Nein, ich mag nicht! Mein Bedürfnis nach Masochismus hat dann doch Grenzen. Eine halbe Stunde ist jedenfalls unzumutbar genug.

    Was Frau Batseba N‘Diaye da absondert, würde eigentlich allein ausreichen, die gesamte Veranstaltung nachhaltig zu diskreditieren. Die Aussage, das sein »für Kinder«, halte ich für eine Schutzbehauptung. Da wird versucht, sich das selber plausibel zu machen – und auf diesem Niveau ist es dann auch. Zivilisatorische Tünche – wasserlöslich.

    »Respekt übrigens, dass du…«
    Den Respekt verdiene ich nicht. Mir sind einfach nur die Nerven durchgegangen, weil die Menge an Ignoranz und dem völligen Fehlen Allgemeinbildung mir mittlerweile körperliche Schmerzen bereitet. Und keiner sagt etwas dazu und nennt diese Schlümpfe beim Namen. Sie können unwidersprochen ihren faschistoiden Schleim verbreiten und darauf vertrauen, daß sie kein zivilisierter Mensch ernst nimmt. Bis auf diejenigen, die nicht wissen, was für Fähnchen sie eigentlich in der Hand halten.
    Und das sind erwiesenermaßen viele.

  3. Andy Bonetti sagt:

    Könnt ihr zwei beiden was für euch behalten? Ich bin “Hermann”. Man wirft eine Stinkbombe ins Proteststüberl und sie toben eine Stunde wie die Berserker. Ich war schon als Kind schwierig.

  4. Siewurdengelesen sagt:

    Ich checke es ja auch nicht, was da so abgeht.

    Mit “Kritik” an den Einschränkungen und Wiedererwerb der dadurch kastrierten Grundrechte hat das eher weniger zu tun, dazumal in der breiten Öffentlichkeit kaum noch jemand den Virenschleier länger trägt als nötig und nur dort, wo es unbedingt sein muss. So richtig anders war das eigentlich auch nie, jedenfalls spätestens seit dem Zeitpunkt, als erstmalig “gelockert” wurde.

    Die Demoteilnehmer, die angeblich nicht wissen, welches Gedankengut mit den Reichsflaggen und ähnlicher Symbolik vertreten wird, sind vermutlich auch die, welche nicht wissen, dass man in den Öffis einen Fahrschein braucht und das Waren an der Kasse zu bezahlen sind. Angesichts so mancher Äusserungen müssen nach Ansicht der “Ordner” und anderer Teilnehmer Rechte wahrscheinlich in voller Montur auflaufen und am besten noch ein Schild umhängen, damit sie sicher als solche erkannt werden.

    Alleine dieser Teil des Interviews Ballwegs ist so glaubhaft wie nochmal etwas. Das der sich jetzt mit seiner Show in die heimischen Gefilde zurückzieht und eine Menschenkette um den Bodensee initiieren will, statt am 03.10. Berlin erneut aufzumischen, kann ich mir schon vorstellen.

    Erstens liefe er dann tatsächlich Gefahr, dass aufgrund der gegebenen Tatsachen und nicht ganz zufälligen Auflagen für die nächste Demo selbige diesmal nicht vom Gericht freigegeben wird. Und (hoffentlich) bekommt er wie der Zauberlehrling so langsam Spundus vor dem, was er hier losgetreten hat.

    Jedenfalls ist unter den Umständen, welche die 2 Auftritte bisher begleitet haben, nahezu völlig klar, dass an einem Tag der deutschen Einheit dieser Mummenschanz in Berlin nicht stattfinden wird.

    Traurig stimmt mich dabei die Tatsache der vermeintlichen Schnittmengen von rechts und links, die eben nicht dazu führen, dass linker Protest als solcher separat wahrgenommen wird, sondern dass man sich stattdessen teils bemüssigt fühlt, sich diesem medial präsenteren Gedöns anzuschliessen um diesen Widerstand.

    Wal B. hat das auf Feynsinn sehr treffend beschrieben und genau das findet derzeit irgendwie statt.

    Statt einfach froh zu sein, dass uns dieser Virus nicht so frisiert hat wie anderswo und auf einer sachlichen Ebene die gemachten Fehler mit der Politik auszukaspern und zu beheben und das notfalls eben auch per Demo von wirklich unten, macht man die Diktaturnummer und will mal eben eine Regierung ablösen und ein neues Grundgesetz/Verfassung schreiben. Wenn diese dann so erstellt und durchgesetzt wird wie die Auflagen auf der Demo, dann herrscht in diesem Neudeutschland mehr Anarchie wie in jeder Punker-/Antifa-Clique.

    So etwas macht ma ja auch einfach so aus dem Lameng. Ein paar Zeilen Gesetzestext, etwas Weihwasser als Segen eines Gerichts drüber und fertig ist das Postulat. Angeischts so mancher Lichtgestalten bei diesem Protest hätte Sisyphos das Ding wahrscheinlich eher fertig.

    Und wenn ich ähnlich wie bei den ganzen Gidas dann noch den Spruch der Wendezeit höre: “Wir sind das Volk!”, dann könnte ich gleich wieder aus dem Jackett hüpfen.

    • Pantoufle sagt:

      Moin Siewurdengelesen

      Erst mal zur Begriffserklärung:
      »Die Linke« spielt mangels Sichtbarkeit keine Rolle. Den Rest hat Wal gut formuliert.
      »Die Demoteilnehmer« gibt es als Sammel-Begriff gleich welcher (politischen) Aussage nicht. Es sei denn, als Spaziergänger, die die zufällig am Wegesrand herumliegenden Fähnchen Gassi geführt haben.

      Die Erklärung Ballwegs ist ungefähr so überraschend wie Vizeadmiral Nagumos Angriff auf Pearl Harbour. Ballwegs 4711-Grüppchen ist das, was sie über sich sagt: Eine bürgerliche (also nach rechts offene) Bewegung, die wenig überraschend Torpforte für all möglichen Klüngel aus dem rechten Lager wird. Die sieht sie als solche nicht, wie eben seit 75 Jahren ausschließlich von der Gefahr von links geschwafelt wird. Von dieser Chimäre distanziert er sich gerne; bei dem Zulauf von rechts wüßte er gar nicht, wovon genau.
      »Oder eben mal drüber nachzudenken, welche Symbole sie da zeigen und dass sie damit letztendlich unserer Bewegung damit schaden, indem sie Symbole verwenden, die gewissen politischen Spektren zugeordnet werden.«
      Legt die »Symbole« weg, dann könnt ihr gerne mitlatschen! Oder wie Mechthild richtig bemerkt:
      »Es geht nicht darum, daß personen, die mutmaßlich eine menschenverachtende gesinnung haben, abgelehnt werden. Es geht drum, daß drüber nachgedacht werden soll, daß bestimmte symbole der bewegung schaden. Da merkt man doch, wes geistes kind diese figuren sind.«
      Die »Bewegung« ist eben frei für alle Menschen, nur nicht für alle Symbole. Darauf muß man erst einmal kommen. Das muß dieses Querdenken sein, von dem sie alle reden.

      Als ich das mit der Spontanverfassung gelesen habe, dachte ich ja für einen kurzen Moment, die könnten doch auch die Thermodynamik mal eben neu schreiben. Das wäre doch das Mindeste nach 20 Semestern University Youtube und dem großen Twitter-Konversationslexikon.

      • Siewurdengelesen sagt:

        Tscha – was ich vergessen habe:

        Ballweg ist ja auch noch OB-Kandidat von Stuttgart. Da wird doch das ganze Querdenkergedöns nicht noch Publicity in eigener Sache sein?

        Da gäbe es zwei Punkte zu bedenken:

        1. Hoffentlich wird er nicht OB.

        2. Wenn doch – dann kommt er ebenso hoffentlich nie in die Verlegenheit, eine Demo verbieten zu wollen, die ihm nicht in Parade passt.

        Fakt ist auf jeden Fall, dass er sich zu Höherem berufen fühlt.

  5. flatter sagt:

    Ihr macht das schon gut. Euer Gehalt ist unterwegs. Die Server bei Gates waren überlastet wegen der Testläufe mit den MCs. Weiter so, dann gibt es bald mehr.

    F.

    • Stefan R. sagt:

      Wird auch langsam Zeit. Der Plebs macht sich ja kein Bild, was ein Leben als Elitenzäpfchen so kostet. Megayachten, Koks, Nutten,… Allein das Personal! Und der QAnon-Vorrat geht auch langsam zu Neige.

    • Pantoufle sagt:

      Dem höheren Wesen sei Dank
      666.666 Bucks waren jetzt genau das, was mir gefehlt haben!
      Nur eine Frage: Wer oder was sind diese MCs? Master of ceremonies? Monsignor Guido Marini, the Master of Ceremonies for Pontifical Liturgy, oder doch für HipHop? Fragen die das Leben an Dich stellt. Und an Dich, an Dich und Dich auch!

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