Presseschredder 18.1.2021

Es ist ja nicht so, daß überhaupt nichts mehr passiert. Jetzt soll sogar geimpft werden, hört man. Nicht jeder und nicht sofort – dazu war die Vorbereitungszeit von März letzten Jahres dann doch zu kurz. Damit konnte man beim besten Willen nicht rechnen! So wenig wie BioNTech-Pfitzer, die gleich zu Beginn des Impfstarts erst mal die Fassade ihres Werkes in Belgien renovieren und 12 neue, barrierefreie Toiletten nachrüsten wollen. Daß sich dabei die vertraglich zugesagten Impfstoff-Lieferungen in Europa sich etwas verzögern… wer konnte damit rechnen?
Einmal mit Profis arbeiten!

»Die Bundeskanzlerin will offenbar das Bund-Länder-Treffen vorziehen. Es müsse verhindert werden, dass sich die hochansteckenden Virusvarianten ausbreiteten.«

Es fehlt ja nicht an gutem Willen, nur an einem Mindestmaß an Fähigkeiten und Voraussicht. Ungefähr wie an der Schule meines Jüngsten: Der stand bei Schulbeginn nach den letzten Sommerferien überraschenderweise nach 2 Stunden wieder zu Hause am Frühstückstisch mit der Nachricht, daß sich der Schulbeginn um 2 Tage verzögern würde. Unter anderem die Toiletten seien vollkommen verdreckt, so sehr, daß sich selbst die sonst ziemlich schmerzfreie Lehrerschaft geweigert hätte, unter diesen Umständen einen »Präsenzunterricht« abzuhalten. Im Jahre 2020 wohlgemerkt. Nach sechs Wochen Ferien, Maskenpflicht und wunden Händen vom Händewaschen-Marathon.
Nach einem lokal begrenzten Shitstorm rang man sich zu der Erklärung durch, daß es der Reinigungsfirma aus finanziellen Gründen unmöglich gewesen wäre, die Scheißhäuser bei Ferienstart und Ferienende, also zwei mal, zu reinigen. Konsequenterweise wurde also sechs Wochen gar nicht gereinigt. Die Logik der Erklärung läßt tief in die Seele von Pädagogen blicken, die (mehr als fragwürdige) Unterstellung von Geldknappheit, tief in die Ernsthaftigkeit von Seuchenbekämpfung ganz allgemein.

Der 2014 Jahrgang des Castel del Monte Rosso Riserva »il Falcone« muß zu meinem größten Bedauern als Versager gewertet werden. Wer ihn noch bekommt, sollte unbedingt den Jahrgang 2013 saufen.

Alter Wein in noch älteren Schläuchen: Nun ist es doch Laschet geworden. Zur Wahl gestellt, entschieden sich die CDU-Mitglieder für die Teddybärchen-Variante. Für Farbe im Wahlgeschehen sorgte allein der zu erwartende Ausraster des Kandidaten Merz, der zum Ausgleich zur verlorenen Wahl zum Parteivorsitz auf den Posten des Wirtschaftsministeriums bestand. Wenn schon nicht die Prinzessin, dann doch mindestens das halbe Königreich. Bei diesem wenigstens voraussehbaren Aussetzer stellt man sich die Frage, wie marode die hochgelobte CDU in Wirklichkeit ist, wenn sie solche Kandidaten überhaupt zur Wahl zuläßt. Dschungelcamp mit Plastik-Krokodilen in der Doppelgarage 

»Die Lage ist schlimm, aber ohne alternative Medien wäre sie schlimmer. So manche Leserzuschrift, die wir bekommen haben, besagte ungefähr: „Ohne euch wäre ich verzweifelt.“«

Pantoufle ist zwar nicht verzweifelt, aber etwas alternative Medien kann ja auch ganz nett sein. Roberto J. De Lapuente erweitert seinen Leserkreis beim »alternativen« Medium Rubikon. Nun lese ich die Blase um ihn und Tom Wellbrock zu selten, um beurteilen zu können ob er das öfter macht. Da muß ich schon sämtliche Folgen von buten und binnen und »Treckerfahrer dürfen das« in der Mediathek fertig gesehen haben sowie die gesammelten Formel 1 Rennen von 1978 – 1999 auf Youtube, dann lese ich auch mal auf Rubikon. Alternativ zur Formel 1.
»Wer sich nur bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten, bei privaten Sendern oder den Druckerzeugnissen der sich selbst als Qualitätsjournalismus bekennenden Verlage informiert, hat einen ganz anderen, staatstragenden, ja unkritischeren Kenntnisstand der Lage. Er blendet ganze Handlungsstränge aus, wie eben die zunehmende soziale Deprivation oder die wachsende Schieflage am Arbeitsmarkt.«
So, tut er das – Belege? Ach, lassen wir das – wer fragt schon nach solchen Kinkerlitzchen. Das war jedenfalls mein Start in die bunte Welt der alternativen Medien für einen Nachmittag. Rubikon, Anti-Spiegel, Rationalgalerie, blauer Bote und wie sie alle heißen. Da war schon viel Schönes, nur leider so gar nichts über »soziale Deprivation oder die wachsende Schieflage am Arbeitsmarkt.« Das fiel auf: Die Schreiberlinge scheinen materiell doch recht unbeschadet die Krise zu meistern. Verglichen mit einigen Erfahrungsberichten von Künstlern, »Soloselbständigen« oder dem Einzelhandel und Gastronomie sozusagen auf duftende Rosenblätter gebettet. Von wirtschaftlichen Sorgen war dort jedenfalls nirgends die Rede. Weder den eigenen noch den der anderen.
Dafür batallonsweise Leute, die sich schon seit einigen Wochen intensivst mit Statistik, Virologie und Epidemiologie beschäftigen. Ob Roberto J. De Lapuente die Bremsen seines SUV von einem Mechaniker reparieren lassen würde, der mit stolzgeschwellter Brust auf so eine Expertise verweist? Unfallchirurg von der Tele-Uni, Fluglotse im Volkshochschulkurs?

Und dann war ich so richtig in Schwung, einen Rundumschlag zu starten, die Analyse zu beenden alle Analysen (die auch dieses Mal im Sande verlaufen wäre), da ritt ich zur Entspannung die »fliegenden Bretter« (dringende Empfehlung!)  vom Kollegen Stefan R. an. Ich sah das Bild, ich hörte das Lied und dachte ehrlich erschüttert: Das ist sie wohl, diese aufgeklärte Gegenkultur, diese Menschen, die nicht verzweifelt sind, diese Kasslerinnen, die an keiner noch so kleinen Bühne vorbeihüpfen können ohne dem Ruf des Scheinwerfers zu folgen.
Es fällt schwer, danach noch die Konzentration zum Weiterschreiben aufzubringen. Wenn der Ekel dich peitscht und du glaubst, es kann nicht schlimmer kommen… dann kommt SIE!

Ich kann nicht mehr – es ist noch schlimmer als ich dachte… Das nächste Mal mehr, wenn ich mich von diesem Schock erholt habe. Alles nur nur Ad Hominem, VT-Keule oder Kontaktschuld.

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8 Antworten zu Presseschredder 18.1.2021

  1. BerndH60 sagt:

    Der Irrsinn, der mich mittlerweile am Meisten nervt, das Virus an sich zu negieren, strahlt wohl auf schlichte Gemüter eine morbide Faszination aus.
    Das Chaos, das sich hierzulande Pandemie-Bekämpfung nennt, bietet doch mehr als genug Anlässe zur Kritik.
    Aber was rede ich, ohne Corona wäre doch alles schön.

    @Stefan R. :
    Unter Ihrem Beitrag zum Tode Ennio Morricones hatte ich einen kurzen Kommentar mit einem Link zu einem Youtube Video geschrieben, den Sie auch veröffentlicht haben.
    Seitdem verschwindet Alles im Nirwana, habe ich was falsch gemacht?

    • Stefan R. sagt:

      Bedaure, ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, einen Nachruf auf Morricone verfasst zu haben. Hätten Sie vielleicht einen Link? Könnte es sein, dass Sie den Kollegen Kurbjuhn meinen?
      Für Unannehmlichkeiten beim Kommentieren kann ich mich nur entschuldigen, ich habe keine Spielräume, da irgendwas via Einstellungen zu ändern.

      • BerndH60 sagt:

        Vielen Dank für die Antwort.
        Irrtum meinerseits mit dem Nachruf. Es war beim “Abfall aus der Warenwelt”.
        Ich habe unter dem aktuellen Blog mit der “Freiheitskämpferin” den Kommentar “Test” geschrieben, vielleicht kann man ja was machen, oder moderieren Sie die Kommentare nicht selbst?

        • Stefan R. sagt:

          Tut mir leid, der scheint in irgendeinem Google-Orkus verschwunden zu sein. Ist auch nicht im Spam-Ordner gelandet.

        • Pantoufle sagt:

          Ja, die Leute reden viel zu wenig miteinander!

          Auch ich habe nachgesehen, wo Kollege Rose etwas über Morricione geschrieben haben soll. Weil ich doch gerade den ausgezeichneten Artikel »Lass mal Welt retten« genossen und mir daraufhin gleich Georg Seeßlens Buch »Is this the end« bestellt und heute geliefert habe (dieses “habe” ist sozusagen ein grammatikalisches Hurenkind und ich habe es sehr lieb.)
          An dem kaue ich nun genüßlich herum, neben mir der schnarchende Köter, und freue mich sehr. Wenn er nur nicht so entsetzlich furzen würde… Und sage jetzt keiner, die Welt wäre eben nicht vollkommen.
          Von Morricionen jedenfalls fand ich nichts, wohl weil der auch nicht geschrieben hat, jedenfalls nichts textlastiges. Und Stefan eben auch nicht; vielleicht kommt´s ja noch oder Phil Spector, wenn ich ihm damit nicht zuvorkomme.

          Dafür wütet ein neuer Lyrik-Star am Himmel über Österrrrreich in den Kommentarspalten des Stefan R.; wirklich beeindruckend, was dieses Volk noch in der Krise der Welt zu schenken vermag.

          Mal ehrlich: wer die bange Welt
          mit solcherlei Gesange quält,
          gehört, möcht’ man beinahe sagen,
          so lange, bis er’s lässt, geschlagen.

          Wer fühlte denn nicht auch so? Und diesmal keine Frage, was der Dichter uns damit sagen wollte! Da ist er einmal, der Qualitätskommentar, den sich jeder Blogger wünscht, ausschneidet und über das Bett nagelt. Leider ach so selten! Es wird viel zu wenig gedichtet.

  2. GrooveX sagt:

    ich dachte, auf feen muss man mit dem besen, mehrmals, und danach noch ein paar mal, bis es ausgefeehet hat.

    ist besser als kein buten und binnen

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