Presseschredder 11.3. 2018

https://www.schoenescheisse.de/

«Weitere Städte sollen von Terroristen gesäubert werden. 1
Mit der am 20. Januar gestarteten “Operation Olivenzweig” will Ankara die kurdischen Milizen im Norden Syriens zerschlagen und insbesondere die YPG aus dem Grenzgebiet vertreiben. In einer in der südlichen Stadt Mersin gehaltenen und im Fernsehen übertragenen Rede kündigte Erdogan weitere Maßnahmen an.
Nach Afrin würden auch die Städte Manbidsch, Kobane, Tal Abjad, Ras al-Ain und Kamischli von Terroristen gesäubert. Die YPG sind mit den USA im Kampf gegen den IS verbündet. Deshalb sorgt Ankaras Offensive für Irritationen zwischen und Ankara, die beide Partner in der Nato-Militärallianz sind.«

»Im Osten nehmen die Operationen ihren vorgesehenen Verlauf. Die im Raume von Bjalansk eingeschlossenen Kräfte des Gegners sind in mehrere Gruppen zerschlagen. Ihre Vernichtung in den schwierigen Waldgebieten schreitet stetig fort. Bereits gestern war die Zahl der in der Doppelschlacht von Brjansk und Wjasma eingebrachten Gefangenen auf mehr als 350.000 gestiegen. Sie ist noch ständig am Wachsen.
Kampfflugzeuge bombardierten in der Nacht zum 14. Oktober mit guter Wirkung kriegswichtige Anlagen in Leningrad. Schnellboote stießen in der Nacht zum 13. Oktober gegen die britische Küste vor und griffen einen durch Zerstörer, Schnellboote und Flugzeuge stark gesicherten Geleitzug an.«

Tja, finde den Unterschied! Zwei völkerrechtswidrige Angriffskriege, zwei Diktatoren, zwei zusammenhanglose Berichte. Wobei der zweite Bericht noch entschuldbar wäre – er entstammt dem Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, ist also von hirn- und gewissenlosen Militärs verfasst 2.
Querfront mal anders.
Unvergessen: noch bis vor Kurzem galt die YPG als erfolgreichste Waffe gegen den IS. Und jetzt das völlig grundlose Bündnis mit »Schlächter« Assad (das waren lustvolle Gänsefüße!) Die Geschichte der Kausalität ist eine Geschichte von Mißverständnissen.

Bildungsferne Schichten wie Julian Röpke veröffentlichen derweil im Minutentakt abwechselnd Bilder von verbrannten (oder wenigstens schwerverletzten) Kindern und russischen Kampfflugzeugen. Bomber – Kind – Bomber – Kind. Zwischendurch zur Erholung Maybritt Illner. Irgendwie auf die Dauer doch enttäuschend, daß sich der brave, deutsche Feldgraue nur durch das verwendete Tötungsmaterial vertreten läßt. Aber noch besteht Hoffnung: Putin läßt wählen (»die Deutschen verkennen Russlands wahre Ziele«)

An dieser Stelle begrüße ich besonders herzlich die (3) Leser vom Twitter-Link und bedanke mich, daß sie ihr intellektuelles Nordic-Walking wegen mir unterbrechen 🙂

Seit gestern kaue ich an einem Blog-Eintrag des Kollegen Doctor. Vergesst R2G 3 Kein Sorge – schon geschehen!

»Nachdem nun also sich die SPD-Basis für den Selbstmord aus Angst vor dem Tod entschieden hat, stellt sich die Frage, wie soll die Linke damit umgehen. […] Es kann nicht linke Politik sein, die Anti-Establishment-Wähler den Rechten zu überlassen.«

Lassen wir mal des Synonym »SPD« beiseite und konzentrieren uns darauf, daß die Alternative von Links in diesem Falle der Faschismus ist. Das ist eben keine Alternative, sondern das genaue Gegenteil. Die Alternative zu Glycerinseife ist Gallseife, nicht aber Chlortrifluorid. Die Alternative von Humanität und Demokratie ist… eben nicht AFD oder NSDAP.
Das eigentliche Versagen der Linken (oder auch der SPD) besteht doch in dem Stunt, dem »Wähler« verkaufen zu wollen, es gäbe »etwas Humanismus« oder »ansatzweise demokratisch«. Das ist so offensichtlich danebengeglückt, daß es mittlerweile auch der Dümmste begriffen hat. Deswegen das »Projekt 12%« der Spezialdemokraten. Aber auch der Rest der ehemaligen Anhängerschaft von R2G scheint das tief im Innersten begriffen zu haben. Niemand nimmt diesen Figuren noch irgend eine Aussage zu ihrer Gesinnung ab. Vielleicht noch zum Thema »Armenspeisung« oder »öffentlicher Personennahverkehr«, nicht aber (mangels Masse) ihre Weltanschauung – man beachte den Unterschied.

»… zumal der Sozialdemokrat Gabriel dasselbe Problem hat wie meine Lieblingscharge Maybritt Illner, der stets ein stilles Entsetzen darüber im Gesicht klebt, mit welch komplettem Irrsinn („Maybritt Illner“) sie ihre Tage hinbringt, die aber mit dem Irrsinn nicht aufhören kann, weil sie ja bloß solange da ist, wie der Irrsinn anhält. […] In Zeiten, wo Hunderttausende aus Syrien und sonstwo fliehen, soll man, in seinem warmen Arbeitszimmer sitzend, sowenig sagen, man sei auf der Flucht, wie daß vorm Fenster Krieg herrsche, wenn die Panzer im Viertel noch Alufelgen haben. Doch als Bilanz eines sozialdemokratischen Frührentners ist die Befreiung Deniz Yücels aus despotischer Haft zwar mehr als nichts, aber zu wenig, um nicht finden zu müssen, daß, wo man selbst nicht bleiben kann, rein nichts geblieben ist. «

Gärtners Sonntagsfrühstück 4

Nachtrag:

»Niemand müsste in Deutschland hungern, wenn es die Tafeln nicht gäbe« Mit Hartz IV habe »jeder das, was er zum Leben braucht […] Hartz IV bedeutet nicht Armut, sondern ist die Antwort unserer Solidargemeinschaft auf Armut. […] Wir haben eines der besten Sozialsysteme der Welt.«

Jens Spahn (CDU), designierter Gesundheitsminister des angedrohten Kabinetts Merkel IV.
Na, das verspricht ja spannend zu werden…

1 Spon, Türkische Truppen stehen kurz vor Afrin

2 GLB, Die Wehrmachtsberichte 1939 – 1945, Band 1, S. 697

3 Doctors Gedanken

4 Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück

Die Tafeln und ihre Bedeutung im sozialen Gefüge der Bundesrepublik Deutschland Kleine Anfrage der Abgeordneten Jan Korte, Frank Tempel, Matthias W. Birkwald und weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE. – Drucksache 18/13311

…und zu guter Letzt

self-fulfilling-prophecy

Loden-Kalle?

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22 Kommentare zu Presseschredder 11.3. 2018

  1. lattjamilln sagt:

    1,5 Millionen werden in Hamburg täglich durch die Tafeln gespeist. Es gibt ein Kärtchensystem, so das Jeder mal vorn ist, weil die, die sich hinten anstellen nix mehr abkriegen.Frauen mit kleinen Kindern und Alte zuerst.

    • OldFart sagt:

      Kleiner Realitätsabgleich:

      Hamburg hat 1,8 Millionen Einwohner. Da fällt die Zahlenangabe schon durch die Plausibilitätsprüfung.

      Die Tafeln nördlich der Elbe versorgen wöchentlich 20.000 Bedürftige in 26 Ausgabestellen (zuzüglich weitere Sozialdienste).
      http://www.hamburger-tafel.de/daten-und-fakten.html

      Die Tafeln südlich der Elbe sind getrennt organisiert, da finde ich auf die Schnelle nur die Bergedorfer mit 4 Ausgabestellen, aber sonst kaum ergiebigen Zahlen auf ihrer Internetseite.
      http://www.bergedorfer-tafel.de/ausgabestellen/

      Ich finde die Lage völlig zum Kotzen, so weit so schlimm. Aber man sollte nicht mit unglaubwürdigen Zahlen hantieren. Selbst bei offensiver Abschätzung liegt zwischen dem, was man so hochrechnen kann und der oben proklamierten Zahl eine ganze Größenordnung.

  2. Pingback: Aufgelesen und kommentiert 2018-03-11 – "Aufgelesen und kommentiert"

  3. Pantoufle sagt:

    Vollkommen richtig, OldFart.
    Gar nicht so einfach, an konkrete Zahlen zu kommen. Ein klein wenig steht auf der Website von Tafel aber auch:

    > Allein die Ausgabestellen (Hamburg) versorgen pro Woche 20.000 Bedürftige.
          > Über 40 Tonnen Nahrungsmittel verteilt die Hamburger Tafel pro Woche.

    Die deutschen Tafeln unterstützen regelmäßig (pro Woche) bis zu 1,5 Millionen bedürftige Personen, davon
    • 23 Prozent Kinder und Jugendliche,
    • 53 Prozent Erwachsene im erwerbsfähigen Alter (vor allem ALG-II- bzw. Sozialgeld-Empfänger, Spätaussiedler und Migranten),
    • 23 Prozent Rentner und
    • 19 Prozent Alleinerziehende.

    Die Tafeln in Deutschland
    • 934 Tafeln mit mehr als 2.100 Tafel-Läden und Ausgabestellen (Gründung der ersten Tafel 1993 in Berlin).
    • Etwa 60 Prozent der Tafeln sind Projekte in Trägerschaft verschiedener gemeinnütziger Organisationen (z.B. Diakonie, Caritas, DRK, AWO); rund 40 Prozent der Tafeln sind eingetragene Vereine (e.V.).
    • Deutschlandweit engagieren sich ca. 60.000 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer für die Tafeln.
    • Über 2.000 Fahrzeuge sind im Einsatz; davon haben rund 59 Prozent eine Kühl-und rund 8 Prozent eine Tiefkühlfunktion.
    • Der Dachverband der Tafeln ist der Tafel Deutschland e.V., gegründet 1995.

    Oder anders herum: Die Tafeln füttern einmal pro Woche München komplett durch. Allein das symbolisiert wie nichts anderes das Totalversagen des Sozialstaates.

    @lattjamilln
    Ich weiß wo Dein Haus wohnt. Du kommst an die tatsächlichen Zahlen mit einem Wimpernschlag heran. Die Schrottpresse nimmt gerne auch vertrauliche Mitteilungen in ihre Meldungen auf, ohne ihre Quellen sofort zu verraten 😉
    Gerade solch verantwortungslos kriminellen Aussagen wie denen von Jens Spahn muß entschieden, aber sachlich unanfechtbar entgegengetreten werden.

  4. OldFart sagt:

    In seinen beiden kleinen, aber feinen Büchern “Programming Pearls” und “More Programming Pearls” singt der Autor Jon Bentley das hohe Lied der “Back of the Envelope Calculation”. Der computrige Teil mit konkreten Programmierungsfragen ist zwar total antiquiert (1980er), aber die Überlegungen zum Algorithmenentwurf sind zeitlos. Da führt er sich anhand eines eigenen mißlungenen Programms selbst vor, daß man mit einer Überschlagsrechnung von I/O und zugehörigem Zeitbedarf gleich hätte sehen können, daß es so nicht gehen kann.
    Dann widmet er in beiden Büchern jeweils ein Kapitel ganz allgemein den Überschlagsrechnungen und Abschätzungen, mit netten Beispielen und Anekdoten aus dem Alltagsleben. Er betrachtet die Fähigkeit als essentiell dazu, all das, was uns so passiert und erzählt wird, kritisch auf Plausibilität zu prüfen. Man kann dem Mann nur beipflichten und das beherzigen.
    Leseempfehlung für Computernostalgiker und -veteranen (falls es echt Veteranen geben sollte, die diesen Klassiker nicht gelesen haben), für Nerds, und solche, die es sein wollen.

    • Pantoufle sagt:

      Moin OldFart

      Huiuiuiui: Die rufen aber noch amtliche Tarife für die alten Schinken auf! Da kann man nur noch auf einen Antiquariatsfund hoffen. Auf der anderen Seite müßte ich mal meine kleine Bibliothek durchforsten; vielleicht modern dort noch echte Schätze für EBay. Heimsoets »Turbo-Pascal 3.0 Compiler Handbuch« von ’85 oder Rodnay Zaks »Programmierung des Z80« von 1980.
      Ist jemand an einem Original-Handbuch für CPC128 interessiert?

  5. Hagnum sagt:

    “etwas Humanismus”

    Wie wäre es denn mit “marktkonformen Humanismus”?
    Ich glaube ich schreib’ das mal dem neuen Vize meiner Lieblingskanzlerin, dem Herrn
    Scholz.Vielleicht können die Sonderdemokraten damit Punkten bei ihrem Neuaufbau,
    verlorenes Vertrauen zurückgewinnen.

    Ich meine, dem Versicherungsvorstand in Spe, Jens Spahn, könnte das auch gefallen.

    lg

    • Pantoufle sagt:

      Moin Hgnum
      Ich denke zwar nicht, daß der Vorschlag den Herren viel neues sagt, aber versuchen kannst Du es natürlich.
      Der Spahn kommt als bewährter Pharma-Lobbiyst in sein hohes Amt. Bei denen ist das sowieso Hausgebot.

      Edith:
      Gerade lese ich, daß Jens Spahn 15.311€ pro Monat erschleicht. Ich kenne mich ja nicht so genau aus… aber wieviele Rentner, Syrer, Kinder und Armenier kann man dafür eigentlich wie lange tafeln lassen? Jeden Monat?

    • OldFart sagt:

      … wieviele Rentner, Syrer, Kinder und Armenier kann man dafür eigentlich wie lange tafeln lassen?

      Das hängt schwer davon ab, ob es bei den Tafeln statt Brot auch Kuchen gibt, wenn ersteres alle ist.

  6. OldFart sagt:

    RT hat schon vor ein paar Tagen einen heftigen Rant über die neofeudalistische, dem Leben des Fußvolks entfremdete Politik und die Tafeln als Sozialstaatsersatz vom Stapel gelassen. Das war noch BEVOR sich der Spahn zu Wort gemeldet hat. Seine widerwärtige menschenverachtende Attitüde ist in dem Rant noch gar nicht eingepreist. Andersherum gesehen ist Spahn die beste Bestätigung für das, was in dem Artikel beschrieben wird. Man kann von RT halten was man will, aber wo sie Recht haben …

    https://deutsch.rt.com/inland/66270-marie-antoinette-momente-vom-zustand/

    Falsch liegen sie m.E. damit, das als Politikversagen einzuordnen. Nein, das ist kein Versagen, das ist zielgerichtet herbeigeführt. In dem Sinne ist auch der Neoliberalismus nicht gescheitert, wie RT das formuliert, sondern im Gegenteil höchst erfolgreich. Mission accomplished.

    Außerdem greift es deutlich zu kurz, sich nur auf die Merkel zu kaprizieren – ihre ganze politische Entourage, die Spezialdemokraten eingeschlossen, haben ihren fetten Anteil an der Etablierung der aktuellen Situation. Das ist kein Einzelverschulden, sondern bandenmäßig organisierte Sozialstaatsabschaffung durch die politische Klasse. In dem Sinne ist die Gröko der Worst Case. Erst die willige Zuarbeit der Verräterpartei macht es möglich, daß solche Gestalten wie der Spahn weitere 3 1/2 Jahre lang ihr unheilvolles Werk verrichten können.

  7. Pantoufle sagt:

    Moin OldFart

    Den RT-Artikel hatte ich gelesen. Nun mag ich den Stil Gerd Ewen Ungers überhaupt nicht – ganz gleich, ob er für RT oder den Freitag schreibt. Und ich halte es für Blödsinn, die Marionette für etwas verantwortlich zu machen, was der Puppenspieler auf dem Gewissen hat.
    Gestolpert bin ich in besagtem Artikel eigentlich über etwas anderes: »Nach dreißig Jahren neoliberaler Doktrin lässt sich nur eins feststellen: Der Neoliberalismus ist als gesellschaftliches und ökonomisches System gescheitert.« (1988: Der Wendehals (Jynx torquilla) ist Vogel des Jahres.) War da sonst noch was? Na gut – er meint ’89, und unterstellt, daß mit diesem Ereignis eine Systemwende auch im Westen stattfand. Ist das wirklich so? Den Zusammenbruch der kenianischen Wirtschaftssteuerung sehe ich Anfang der siebziger Jahre.

    Als Folge von diesem unterstellten Wechsel fordert er: »Und ein solches System gibt es ja. Es ist der keynesianische Wohlfahrtsstaat. Dieses Modell müssen wir wieder aufnehmen, daran anknüpfen und an die aktuellen Gegebenheiten anpassen.« Alter Wein in noch älteren Schläuchen. Dieser Wohlfahrtsstaat mit seiner Gewährleistung von Vollbeschäftigung und generalisiertem Massenkonsum ist ein Modell von Vorgestern. Das kann man nun wirklich niemandem mehr erklären – weder mir noch Frau Merkel.

    In gewissem Sinne habe ich sogar Verständnis für die Aussagen Jens Spahns. Vermutlich glaubt er das tatsächlich. Daß ihm der Zynismus solcher Gedanken nicht in den Sinn kommt, ist eigentlich konsequent. Ich habe oben nachträglich die Antwort einer »kleinen Anfrage« der Linken »Die Tafeln und ihre Bedeutung im sozialen Gefüge der Bundesrepublik Deutschland«nachgetragen. Die am häufigsten vorkommende Formulierung lautet »Der Bundesregierung liegen hierzu keine Erkenntnisse vor.« Sie wissen es wirklich nicht! Das ist erst einmal ganz unabhängig davon, ob es sie interessiert. Parteiübergreifend lebt eben die Vorstellung, daß bei so viel Wohlstand automatisch auch sehr viel Wohlfahrt herrscht. Welches Weltbild vermutet man bei Menschen, die pro Monat über 10.000, 15.000€ verfügen? Dabei ist es vollkommen gleichgültig, ob die Maas (SPD) oder Spahn (CDU) heißen. Sie denken und handeln im Sinne ihrer Klasse.

  8. Siewurdengelesen sagt:

    “In gewissem Sinne habe ich sogar Verständnis für die Aussagen Jens Spahns. Vermutlich glaubt er das tatsächlich.”

    Und ich glaube, Spahn weiss ganz genau, was er da vom Stapel lässt und hat einfach nur wieder gezündelt!

    Die erwartete Wirkung ist doch eingetreten, denn alles zerreisst sich das Maul ob der HartzIV-Sätze, statt das System an sich in Frage zu stellen. So nebenbei diffamiert er noch die Tafeln nach dem Eklat in Essen.

    Eine wirklich menschenwürdige Gesellschaft bräuchte unabhängig vom finanziellen und materiellen Besitz niemand Tafeln und Hartz-IV, geschweige denn, dass man sich dafür noch so erniedrigen und verhöhnen lassen müsste.

    Dieser ‘Zynismus’ ist jedoch parteiübergreifend gegenüber den Beziehern von Sozialleistungen nach SGB II, die sich dafür dann noch sanktionieren und von Amts wegen in den Hintern schauen lassen müssen bis zum Zäpfchen, obwohl doch der H-IV-Satz bereits das angebliche Existenzminimum sein soll.

    Von der Kaffekocher-Partei darf man dann so etwas vernehmen wie hier von Simone Lange. Das klingt jetzt auch nicht so, als ob sie das Diskriminierende dieses Systems wirklich erfasst oder gar verstanden hätte und nach wirklichem Entschuldigen sieht´s auch nicht aus.
    Wer die existenzielle Kastration gesellschaftlicher Teilhabe durch H-IV als “durchaus humanistischen Ansatz” von “Fördern und Fordern” bezeichnet, hat jedenfalls den Schuss noch nicht gehört…

    • Pantoufle sagt:

      Moin, Siewurdengelesen

      »…weiss ganz genau, was er da vom Stapel lässt«

      Jo, kann schon sein. So oder so weiß er aber auch etwas ganz anderes: Diese Art von Aufregerchen haben selten eine Halbwertszeit von mehr als 3 Wochen. Und praktisch nie Konsequenzen. Weidels Silvester-Tweets? Noch irgendwas gehört? Siehste! Ob irgend ein hirnverbrannter Hashtag, ein Tweet oder eine Verlängerung von BER – die Aufmerksamkeitsschwelle sinkt mit jedem Bäuerchen. Eine Differenzierung, was dabei gesellschaftlich relevant ist und was ein Fall für den Papierkorb, findet nicht mehr statt. Aber genau das ist es, was eine »wirklich menschenwürdige Gesellschaft« am nötigsten hätte. Und eine adäquate Reaktion darauf! Nur mal zur Erinnerung: Gegen den NATO-Doppelbeschluß gingen 1983 bundesweit 1,3 Millionen Menschen auf die Straße.

      Kommen wir jetzt zu dem Kapitel »früher war alles…! Nein, natürlich nicht. Was allerdings stark gelitten hat, ist die Differenzierung zwischen »relevant« oder »kann das weg?« Von daher braucht sich Spahn keine Gedanken zu machen.

      Was die Spezialdemokraten betrifft, so kann ich nur eindringlich auf meine Verlinkung der »kleinen Anfrage« verweisen. Sie haben es alle miteinander nicht begriffen. Nicht im Ansatz! Daß es die SPD besser wissen sollte, ist seit 1919… ach, lassen wir das.

      • Fluchtwagenfahrer sagt:

        Pantoufle,
        zum Thema Aufmerksamkeit folgendes Experiment.
        Mit Frau im Kino. Ich rufe nach 15 Min. mehrfach laut das ist ne Bombe. Panik, Verwirrung, alles rennt raus. Dabei fällt das ein oder andere Portemonnaie in meine Hand, gemütlich schlendernd auf dem Weg nach draußen an der Popkornmaschine vorbei, Kasse, Garderobe. Nachher beim Italiener zum Schluss noch nen Grappa. Von den Großen lernen, heißt Siegen lernen.

    • Fluchtwagenfahrer sagt:

      OOOOch Mönch, alles nich so schlimm.
      Mir und minn Fru hat der Besuch der Tafel doch einiges gebracht.
      So konnte ich doch massich sparen um mir das hier zu kaufen:
      Mein Auto:
      http://t1p.de/770m
      Meine Finka auf Malle:
      http://t1p.de/bxvx

      u can call me Rolf

      p.s. wer übrigens der Meinung wäre, ALG I Bezieher wären fein raus, der irrt.
      Selbe Schexxx in grün.

  9. Siewurdengelesen sagt:

    Über das Wichtige so mancher Meldungen lässt sich immer streiten. Die Filter sind inzwischen sehr durchlässig, was angesichts der Fülle und der “Darreichungsformen” kein Wunder ist.

    Insofern ist so eine Aussage mediale Homöopathie, wenn sie nicht wie hier aufgegriffen und zur Sensation gemacht wird.

    Aufregen kann ich mich schon jeden Tag über das, was in der Zeitung verballhornt wird. Heute tönt es beispielsweise, wie doch die arme “Wirtschaft” unter einem Brexit leiden würde oder ob sich die Fusion von E.ON und RWE in günstigeren Energiepreisen auswirken wird. Immerhin kommt man bei zweitem noch bis zur Konsequenz, betriebsbedingte Kündigungen vermeiden zu wollen.

    Waaaaahnsinn – denn da wird es dann eben andere Wege geben, die Arbeiter nicht zu entlassen zu müssen zu tun…

    In Ba-Wü steckt der Herr Strobl wegen der Probleme mit Flüchtlingen ebenfalls solche Bolzen heraus wie Spahn zu den Tafeln, statt so etwas auszusitzen, kommt das grüne Landesväterchen und applaudiert noch.

    Dieselkrise – war da was? Nö – VW macht erneut Gewinn. Bezahlen sie deswegen aus eigener Tasche das Umrüsten der betroffenen Fahrzeuge? Natürlich nicht, sondern das möchte man wie beim alten Katalysator dem “Kunden” an die Backe nageln oder gleich nach dem neuen Wagen einen Neuwagen per “Umweltprämie” verkaufen.
    Weil ja ein neues Auto vor allem für den Hersteller ein Gewinn ist, für die Umwelt dagegen nicht, sondern noch ein Blechsarg mehr auf den Strassen. Da kann ich selbst meinen alten Fuhrpark mit überall zweistelligen Jahreszahlen noch einmal dieselbe Zeit fahren lassen und bin trotz schlechterer Verbrauchswerte und teilweise zweitaktend umweltfreundlicher.

    So könnte man denn jeden Morgen wieder im Dreieck springen und wenn wir nicht gestorben sind, so springen wir noch weiter. Die Schizophrenie hört nicht auf und wie immer ist das wirklich wahre Leben härter, als jede Phantasie es sich ausmalen könnte. Es ist ja nicht so, das jeder auch noch die normalen Sorgen und Probleme hätte.

    Was die öffentliche Resonanz betrifft, kann man die auch in die Tonne kloppen. Friedensbewegung oder allgemein irgendwelche Formen von Protest gibt es nur noch rudimentär, das juckt schlicht keinen mehr. Sieht man von den Protesten wie Blockupy oder G20 ab, ist da nicht mehr viel los. So wie beim Doppelbeschluss sind die definitiven Kriegsvorbereitungen gegen Russland Grund genug, die Massen auf die Strasse zu bringen und zumindest ich habe echte Angst, dass einer der durchgeknallten Regierungsneurotiker wie zu Zeiten des Kalten Krieges versehentlich den Knopf drückt. Da ist man froh, das endlich die AKW abgeschaltet werden, stattdessen fangen diese Kinder im Körper von Erwachsenen wieder an mit dem Aufrüsten.

    Zum 1.Mai brauche ich mich auch nicht hinzustellen. Das ist inzwischen doch auch nur noch Feigenblatt für eine SPD und deren eingeriehten DGB-Gewerkschaften. Weder bin ich in einer solchen noch muss ich mir das antun, selbst dort vor Wut zu platzen, wenn ein Quasselkopp aus dieser Partei genau das Gegenteil faselt, was diese am Ende veranstaltet.

    Zu diesem Zustand passt Otto Reutters “Ick wunder’ mir über jar nüscht mehr”

    Ick hör’ ja schon uff…

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