Mit Sicherheit ein Update

[[Imagem:Ken Thompson (sitting) and Dennis Ritchie at PDP-11 (2876612463).jpg|thumb|180px|Legenda]]

»Schalten Sie Ihren Rechner auf keinen Fall aus! Das Einspielen des aktuellen Updates kann etwas dauern und danach sind die Hälfte der Treiber Datengrütze, Ihr Passwort wurde neu ausgewürfelt und nach dem dritten Reboot erwartet Sie ein Bildschirm in einem warmen, vertrauenserweckendem Schwarz.«

Wie ich darauf komme? Der lieben Annika hat es den Rechner zerschossen und ein sogenannter PC-Doctor bekam seine Chance. Nichts gegen einen PC-Notdienst in der Passerelle, aber der Begriff »persönliche Datensicherheit« wird hier aufs Schafott geführt. Das Vertrauen in die ethisch-moralischen Werte von wildfremden Mitmenschen startet hier zu vollkommen unerwarteten Höhenflügen. (Jaaaa! Sagt es! Komm – nur mir zuliebe. Ein einzige Mal noch! »Ich habe nichts zu verbergen!«)

Microsoft trifft dieses Mal keine Schuld. Meldung von Heise am 23.11.2018:

»Intel hat zum zweiten Mal in wenigen Wochen Treiber-Probleme. Diesmal verhindern diese auf betroffenen Systemen das 1809-Update für Windows 10.«

Das kann man jetzt so oder so sehen. Natürlich schuld, denn bei Intel handelt es sich nicht um den Hersteller eines Nischenproduktes der dritten Garnitur. Das kann man also vorher durchaus vorher testen. Weiter im Text:

»Erst im Oktober hatten Microsoft-Mitarbeiter darauf hingewiesen, daß Version 09.21.00.3755 des Intel-Smart-Sound-Treibers die Audiowiedergabe unter Windows 10 unbrauchbar macht.«

Ach, sie haben es also ausprobiert! Die Schwierigkeiten mit dem Soundtreiber kann ich übrigens aus eigener Erfahrung bestätigen. Bei meinem ASUS waren nach genau diesem Update die Treiber für Sound, Maus und Grafik unrettbar zerschossen.
»…nachdem Nutzer die Probleme gemeldet hatten.«
Gemeldet habe ich es nicht, aber um das Problem ein für alle Mal zu erledigen, ein Debian auf die Platte gespielt. (Siduction, um genau zu sein. Ein Sid mit ein paar Homebrew-Scripten; nix dolles.) Linux, wenn es trotzdem weitergehen soll. Egal: Es ist lediglich ein Netbook, hauptsächlich zur Medienwiedergabe und E-Mailverkehr. Also 75% aller Durchschnittsanwendungen. 
Beruflich zeigt sich mir das selbe Bild: Das einzige was bei uns im Dauerbetrieb  und auch nach einem Update problemlos läuft, sind RedHat- und Unixmaschinen. Ja, liebe Leute! Da kann man sogar Hardware im laufenden Betrieb wechseln (AIX)
»AIX (ab Version 5.2L) unterstützt das dynamische Repartitionieren, das heißt, dass bei Verwendung von LPAR-fähiger Hardware dem laufenden Betriebssystem Prozessoren, Speicher und I/O-Adapter hinzugefügt oder entzogen werden können. Ein Neustart ist nicht notwendig.«
Nur soviel zu dem Thema was technisch möglich ist.

Warum also Microsoft (oder – genau so schlimm – Apple) und was macht man eigentlich auf seinem eigenen Rechner? Ein wenig Internet, die private Porno- und Bildersammlung, etwas Schriftverkehr und stundenlanges sinnloses Gedaddel. Nichts also, was nicht mit jedem X-beliebigen Rechner nach 1990 und jedem anderen Betriebssystem denkbar wäre. Ok: Das Gedaddel ist eine Kernkompetenz von Microsoft… sei’s drum. Nur alles andere, was mit produktiver Arbeit zu tun hat, eben nicht!

Es ist diese alles beherrschende Monokultur, die man beim besten Willen nicht mehr nachvollziehen kann. Ich mag mir den Aufschrei gar nicht vorstellen, gäbe es nur noch Fiat Puntos zu kaufen oder ausschließlich weißes, schlabbriges Toastbrot beim Bäcker. Und das mit dem Argument, daß Zündschlüssel auf der linken Seite des Lenkrades mechanisch nicht beherrschbar wären und Graubrot nicht in den Toaster passt. Aber im Kernbereich des Lebens eines vernetzten Mitteleuropäers kommt man damit durch. Der will die Heizung zuhause aus der Straßenbahn anstellen und durch seinen Kühlschrank ausspioniert werden. Beides ginge ja nur mit Android-Geräten.
Select finger from hand where id=2;

Und da hört mein Mitleid mit Annika und ihren Leidensgenossen eben auch auf. Anstatt sich auch nur für einen Vormittag mit Alternativen zu den von windigen Groß- Konzernen angebotenen Produkten zu beschäftigen, aalt man sich in einer Opferrolle. Opfer ja, aber die Eintrittskarte zur Kreuzigung hat man hier selber bezahlt. Logenplatz sozusagen, wären Kreuze jemals in einer Loge aufgestellt worden.
Aber da kann man vermutlich reden soviel man will: In einer Kultur, in der die Farbe eines Computers wichtiger ist als sein Betriebssystem oder die verwendeten Programme.

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33 Kommentare zu Mit Sicherheit ein Update

    • Pantoufle sagt:

      Jaja – jeder nur ein Kreuz! Aber es sind ja bereits zu viele Kreuze die es da zu schleppen gibt. Und was den freundlichen Tonfall des Kreuzeverteilers betrifft, hat auch der sich in den letzten 2000 Jahren stark gewandelt. Nicht »aber jeder nur ein Kreuz!«, sondern »was verwenden Sie auch für eine beschissene Hardware!«

  1. Publicviewer sagt:

    Na, vielleicht kommst du ja auch noch dahinter.
    Die Richtung stimmt schon mal….

    • Pantoufle sagt:

      Moin Publicviewer

      Ich will mal versuchen es ganz diplomatisch zu formulieren. Höflich zurückhaltend, freundlich konziliant und mit der der Schrottpresse eigenem Charme.

      Also: Sag doch mal – wer hat Dir eigentlich ins Gehirn geschissen?

      • Publicviewer sagt:

        Ich bekomme mit meinen Essays, vor allem dem passiven Widerstand und dem über die Überbevölkerung in letzter Zeit immer mehr positives Feedback.
        Interessanter Weise aus allen Richtungen.
        Selbst von Leuten die mich vor vielen Jahren aus ihren Foren geschmissen hatten lese ich jetzt ganz ähnliches.
        Auch weil mich die Leute des öfteren tatsächlich für einen der Ihren halten- 😉

      • DasKleineTeilchen sagt:

        ???

  2. Juri Nello sagt:

    Das Dumme ist dabei, die Vielfalt ist völlig einerlei.
    Denn ob Susi, Arch und Rex – keiner von den’ will Safer Sex.
    Ob Apple, Linux, Google oder Microsoft, alle wollen nur das große Loft.
    Seiest Du nun Anwender oder User, Du bist und bleibst immer der Looser!
    Wäre die IT, wie in den 90ern – eine Freakshow – wie Nocturn
    oder wie die ander’n, kein Virus würde wandern!
    Drum sei es schlicht aufgeklärt: Technik nicht überall hingehört!
    Weder beim Reisen noch beim Wandern – ohne Smartphone hörst Du die ander’n.

  3. Juri Nello sagt:

    Das andere Menschen das auch lesen, darum macht man nicht ein Blog – es sei gewesen!
    Damit man mich – willffährig nür – allein belobigt bei der Kür, darum texte ich fortan alles nur in Fortran!

  4. Annika sagt:

    Ich möchte noch mal darauf hinweisen, dass mir die Farbe meines Rechners wurscht ist und dass selbst mehrere Vormittage zwecks Alternativensucherei zwecklos wären, da mir das ganze Geschissel nix sagt. Ich bin also minderbegabt in diesem Sektor und habe dein Mitleid aber sowas von verdient.

    • Pantoufle sagt:

      Liebe Annika

      Heile, heile, heile… *kopfstreichel*

      Ich habe doch leid mit Dir! Schreckliches sogar. Aber mal im Ernst: Ich würde mich eher vierteilen lassen, bevor ich meinen Rechner irgend welchen wildfremden Nerds zur »Reparatur« vorlegen würde. Mache ich einfach nicht. Will nicht, kann nicht. Ein absolutes NoGo.

      Es klingt ja gemein und schrecklich, aber es gibt doch tatsächlich Programme und Tools, mit denen auch ein Laie seinen Rechner wieder zum Laufen bekommt. Voraussetzung wären allerdings regelmäßige Backups, also Datensicherungen. Das kann man prima machen, während man bei einer dieser ungeheuer spannenden Fernseh-Serien mit der allerbesten Freundin vor der Röhre sitzt und darauf wartet, ob er sie jetzt küsst oder nicht.

      Das Sicherungsmedium (eine interne oder besser noch externe Festplatte) kostet nicht mehr viel Geld und sollte in keinem Haushalt fehlen.
      Acronis True Image zum Beispiel. Wenn einem Datensicherheit nicht so wichtig ist, kann man damit die Sicherheitskopien damit auch »in der Cloud« hinterlegen. Was dieses Tool aber zum Beispiel kann, ist das spiegelbildgleiche Abbild der originalen Festplatte in kürzester Zeit wieder herstellen. Mit allem drum und dran! Das geht zeitlich um Längen schneller als ins Auto zu steigen und in die City zum PC-Doctor zu fahren. Von Geld und generve mal ganz abgesehen: Es könnte ja auch mal die Festplatte physikalisch kaputtgehen und muß getauscht werden. Dann ist man mit Acronis ganz weit vorn. Inklusive der Windows-Installation,Treibern, Daten und allem Pipapo wieder genau an dem Zeitpunkt, wo man zuletzt gesichert hat.

      Wenn man auf Cloud verzichten kann (und das kann man prima!), gibt es als kostenlose Alternative zum Beispiel Paragon Backup & Recovery. Auch gut – Hauptsache, es ist ein Programm daß irgend ein Bootmedium zur Verfügung stellt (USB-Stick, CD, DVD u.Ä.) um auch dann retten zu können wenn die Installation auf dem Rechner vollkommen zerschossen ist und die Kiste überhaupt nicht mehr startet.
      __________________________________________

      Externe Festplatte 2TB: Lidl 69.90€ + Versand

      USB-Stick: Anna Tanke

      Paragon Backup & Recovery: Für lau aus dem Netz runterladen und die Betriebsanleitung lesen.

      Das ist alles keine Raketenwissenschaft.

      • DasKleineTeilchen sagt:

        regelmäßige Backups

        vorsicht! wespennest ahead.

        edit/ Paragon Backup & Recovery.

        hm. meine empfehlung wär ja driveImage xml …ooch für umme und benutz ich seit schon imma weil so umme+schnell+zuverlässig+perfekt. die ham auch extra ne eigene knoppix-startumgebung für die wiederherstellung zum download. komplettes klonen direkt ausm laufenden betrieb raus. alles pretty easy.

  5. R@iner sagt:

    OT: Noch ‘ne freie Software: Macrium Reflect 7

    Mit dem Programm kann man
    – unter Windows direkt einen bootfähigen WinPE-Stick mit der Software drauf erstellen,
    – einzelne MBR und EFI-Partitionen sichern und wiederherstellen und
    – ganze Festplatten klonen.

    Das Ding kommt auch mit Linux-Partitionen und Dual-/Multi-Boot Konfigurationen klar und die Free-Edition (wie in ‘free beer’) kost’ eben nix.
    Mehrfach selbst benutzt und für hervorragend befunden.

    Viele Grüße

    • Pantoufle sagt:

      Moin R@iner

      Besten Dank. Ist auch nicht OT, sondern für jemanden, der das glaube ich dringend braucht.
      Ich bin da auch gar nicht so bewandert darin. In der Firma hatten wir Acronis; das funktionierte wie es soll und privat habe ich ein tar-Script. Das funktioniert auch.
      Aber Macrium oder Paragon ist eher was für Annika, denke ich.

      Gruß, Gruß

      oder dd für diejenigen, die sich die Bäume zum heizen selber fällen.

      • Siewurdengelesen sagt:

        Und für die Fälle, bei denen es eigentlich schon zu spät ist, gibt es dann sogar noch ddrescue😉

        Das hätte zwar Annika auch nichts genützt, sondern eventuell eher die Systemwiederherstellung aus dem Recovery-Modus oder von einem Installationsmedium heraus, aber schief ist schief.

        Eine weitere kostenlose Alternative ist noch der Aomei Backupper, der überzeugt z.B. immer wieder mit schönen Stilblüten durch´s Übersetzen, ist aber ansonsten ganz brauchbar.

        Im Prinzip auch egal, wenn nur mit irgendeinem dieser Tools vor jedem grösseren Update ein Backup gemacht wird.

        Unter Linux sichere ich ohnehin meist nur /home, der Rest ist mir eher egal, weil oftmals schneller installiert…

        Für die E-Mails und den Browser (ich setze jetzt Firefox/Thunderbird voraus) genügt es ebenfalls, die Profile zu sichern und nach einer Neuinstallation wieder hinein zu kopieren. Selbst dafür gibt es meines Wissens ein Addon, auch wenn der neue Rechner der alte ist.

        • Pantoufle sagt:

          Moin Siewurdengelesen

          Neuinstallation ist fast in jedem Falle schneller – und ganz nebenbei so furchtbar up to date! Ach siehst, ich sollte mal wieder.
          Aber wie gesagt: Annika hätte das alles wenig geholfen. Ungefragtes Update, Unsicherheit bei »Wiederherstellung« sowie ganz allgemeine Unsicherheit mit Datenrettung a la Microsoft.
          Was sie nun letztlich für ein Backup-Programm nimmt , ist ziemlich wumpe. Hauptsache überhaupt irgend eines! Bei dem Unsinn den Microsoft sich in den letzten Monaten geleistet hat, sollte man via Registry diese ganze Updaterei sowieso ganz abschalten.

          • Siewurdengelesen sagt:

            “Bei dem Unsinn den Microsoft sich in den letzten Monaten geleistet hat, sollte man via Registry diese ganze Updaterei sowieso ganz abschalten.”

            Über den ganzen NoSpy-Kram wie O&O Shutup usw. lässt sich bei der Home-Version so etwas zwar hinauszögern, aber m.E. nicht mehr ganz verhindern, was die grösseren Releases betrifft.

            So fasse ich das jedenfalls auf und per se ist Windows Update nicht dauerhaft zu unterbinden.

            Herumschrauben in der Registry halte ich bei den von mir mal so vermuteten Kenntnissen Annikas und anderer User eher nicht für sinnvoll – sorry für den harten Ausdruck.

            Neben MS gehören ja immer zwei dazu wie in diesem Falle Intel und beide haben das Fixen und/oder Verhindern des Updates nicht für nötig gehalten. So nach dem Lesen tippe ich eben auf den verkackten Intel-Treiber.

            Ein Umstieg auf Linux oder die andere proprietäre Seuche Marke angebissenes Obst lässt sich halt nur mit Willen des Users machen.

  6. DasKleineTeilchen sagt:

    aw, fuggid; ge-löscht! sorry der überflüssige.

  7. daMax sagt:

    IDs beginnen bei dir mit 0? Dascha man ungewöhnlich… 🙂

  8. daMax sagt:

    Ach und zum Thema Backuptools werfe ich noch EaseUS Backup in die Runde. Leider proprietär und nicht-offen, aber wohl ganz brauchbar. Einziger echter Haken: es meldet sich nach jedem Backup mit einer Notification, die Fullscreenanwendungen wie Spiele mal eben minimiert! Das kann schon mal zu einem Herzkasper führen…

    Ach ja und wer „nur“ Dateien sichern will ohne das komplette System daraus wieder herstellen zu können, dem sei Cobian Backup empfohlen.

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