Macron reloaded

{Was wäre eigentlich passiert, wenn Friedrich Merz französischer Präsident geworden wäre?}

Dem einen oder anderen werden vielleicht noch die Purzelbäume vulgär-demokratischer Gesinnungsartisten wie Robert Misik und anderer * anläßlich der französischen Präsidentschaftswahlen 2017 im Gedächtnis geblieben sein. Es wäre Zeit sich daran zu erinnern. »Macron ist ein neues Gesicht mit einer gewissen Erfahrung auf oberster politischer Ebene« ( Eileen Keller, Deutsch-Französisches Institut)

»Unterschlau dagegen die silly left, also der unterschlaue Teil der Linken. Der übernimmt dieses Wording von Le Pen, Trump, Putin zu Gänze, stellt Macron als neoliberalen Finsterling dar was in dieser grotesken Übertreibung überhaupt nicht stimmt.«
Robert Misik **

Wir erinnern uns: Wer vor Macron warnt und links wählt, ist von Putin bezahlt! Macron, der letzte rechtsstaatliche Damm gegen die Flut der Front National.

»… macht sich zum Steigbügelhalter von Marie Le Pen, weil, wäre ich Le Pen oder Putin, würde ich jetzt natürlich alle Kanäle anwerfen, um den verbliebenen Linksliberalen Kandidaten bei seinen potentiellen Wählern und Wählerinnen schlecht zu machen. Und ich würde drauf hoffen, daß die silly left gleich darauf anspringt und mein Geschäft erledigt.«
Robert Misik ***

Macron 2017 war das, was man in Börsenkreisen als einen Leerverkauf bezeichnet. Bezahle für einen Basiswert, der nicht Eigentum des Verkäufers ist. Macrons Sieg bei den Präsidentschaftswahlen zeigte vor allem eines: Das Ausmaß der Zerstörung des Parteiensystems. Nicht anders als Le Pen präsentierte sich Macron als bemühter Anti-Systemkandidat. Emmanuel Macron gegen die »Verkrustung« des französischen Sozialstaates, die Verkommenheit von Parteien und Eliten und die angeblich hochmoralische Pflicht, den neoliberalen Schuljungen gegen jedes bessere Wissen an die Macht zu hieven – koste es was es wolle. Der Selbstbetrug über den »linksliberalen Kandidaten« überlebte nicht den Wahlabend. Seither präsentierte sich der Kandidat als die bewährte (und von seinen Gegnern prognostizierte) Marionette der Besserverdienenden. Business as usual in rauen Fahrwassern, aber wenigstens gab es keine Überraschungen.
Natürlich wäre es verfehlt, Macron allein dafür verantwortlich zu machen, daß dem Kapital in seinem Lauf ausgerechnet Bauwesten auf die Füße fielen. Gelbe Warnwesten sind billiger als eine Muskete. »Kauf Dir eine – so preiswert war es noch nie, Teil einer machtvollen Bewegung zu sein!«
Ein Aufstand wegen des Benzinpreises. Daran wird man sich wohl gewöhnen müssen. So wie an die faktische Zwangsenteignung der Fahrer von Dieselfahrzeugen. Die nächsten Opfer fahren mit Benzin.

Es hätte ja genau so gut ein wildgewordener Politiker der Grünen sein können: »Wenn der Porsche Cayenne eines jeden Grünenwählers ein Elektrofahrzeug ist, haben wir die Elektrifizierung des Individualverkehrs vollbracht!« ****
15 Milliarden Euro sollte die euphemistisch »CO2-Abgabe« genannte Steuererhöhung pro Jahr in die Kassen spülen. Nun zahlt Macron die aufsässigen Gelbwesten erst einmal aus, damit endlich wieder Ruhe herrscht. Das läßt er sich immerhin 10 Milliarden Euro kosten.

  • Mindestlohnempfänger sollen eine zusätzliche monatliche Sozialhilfe von 100 Euro erhalten.
  • Rentner sollen erst ab 2000 Euro Rente, und nicht wie bisher ab 1200 Euro Rente, höhere Sozialsteuern zahlen.
  • Überstunden werden nicht mehr besteuert.
  • Unternehmen können unversteuerte Weihnachtszulagen zahlen.

Fröhliche Weihnachten! Aber irgendwoher mußte das Geld für die Steuererhöhung ja kommen. Hat irgend jemand mitgerechnet und ist auf eine Differenz von 5 Milliarden Euro gekommen? Der Gedanke ist naheliegend, aber unfruchtbar. Es ist in jedem Falle nicht Macrons eigenes Geld, mit dem er da jongliert. Es ist der selbe Kurzschluß wie die massive Erhöhung von Benzinpreisen, um die Menschen zur Benutzung von umweltfreundlichen Verkehrsmitteln zu zwingen, die bestenfalls auf den Zeichenbrettern der Verkehrsplaner existieren.

Ein interessantes Gedankenspiel, den absaufenden Macron gegenüber dem neoliberalen Schildbürgerstreich Friedrich Merz… eigenartig, daß dieses Schaustück so schnell zu Ende ging. Wirklich erstaunlich. Normalerweise ist das scheue Kapital ausdauernder. 

»Er kommt aus einer sehr alten Demokratie, weißt du . . .«
»Du meinst, er kommt von einem Eidechsenplaneten?«
»Nein«, sagte Ford, »so simpel ist es nicht. Nicht ganz so unkompliziert. Auf seinem Planeten sind die Leute Leute. Die Anführer sind Eidechsen. Die Leute hassen die Eidechsen, und die Eidechsen regieren die Leute.«
»Merkwürdig«, sagte Arthur. »Ich meine, du sagtest, es wäre eine Demokratie.«
»Sagte ich«, sagte Ford, »ist es auch.«
»Und warum«, sagte Arthur, der hoffte, er höre sich nicht lächerlich begriffsstutzig an, »schaffen sich die Leute dann die Eidechsen nicht vom Halse?«
»Das kommt ihnen ehrlich gesagt nicht in den Sinn«, sagte Ford. »Sie haben alle das Wahlrecht, und so nehmen sie schlichtweg an, daß die Regierung, die sie gewählt haben, mehr oder weniger der Regierung nahekommt, die sie sich wünschen.«
»Du meinst, sie wählen tatsächlich die Eidechsen?«
»Aber ja«, sagte Ford achselzuckend, »natürlich«
»Aber«, sagte Arthur und stürzte von neuem auf die Kernfrage los, »warum?«
»Weil, wenn sie keine Eidechse wählen würden«, sagte Ford, »käme vielleicht die falsche Eidechse ans Ruder.«

Douglas Adams, Per Anhalter durch die Galaxis, Band 4

* z.B. Daniel Cohn-Bendit 

** Aus den Werken eines österreichischen Journalisten. Erinnerungen wie Rasierklingen auf der Klobrille.

*** Es wurde dann doch Österreich und nicht Frankreich unter Le Pen. Das Schicksal ist ein Arschloch!

**** Oder elektrische Hubschrauber. Die Wahrnehmungsstörungen der Futuristen sind mittlerweile pathologisch.

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4 Antworten zu Macron reloaded

  1. Siewurdengelesen sagt:

    Es war schon immer falsch, dass kleinere Übel zu wählen. In D ist das in so einem Fall die inzwischen fast selbstversenkte SPD, denn hier können sie Kaffee kochen…

    • Pantoufle sagt:

      Jo! Es gibt nur noch die Wahl zwischen Wut, kleinerem Übel oder Protest. Parteien gibt’s keine mehr.
      Kandidat möchte ich allerdings auch nicht sein. Die Twitterfurz-gestärkte Aufmerksamkeitsschwelle des Publikums ist vermutlich eine mittlerweile unüberwindbare Hürde für jeden ernsthaften Gedanken.
      Ich schrieb oben: »Das Ausmaß der Zerstörung des Parteiensystems.« Die Beschreibung ist natürlich unvollständig. Aber graduell besteht in der Wahl Trumps oder Macrons kein Unterschied. Lokale Provinzfürsten, grüne Bengels und »influencer«, die sich auf offener Bühne die Hand so fest drücken bis einer weint. Mein Gott, wie peinlich!

      • Siewurdengelesen sagt:

        “Jo! Es gibt nur noch die Wahl zwischen Wut, kleinerem Übel oder Protest. Parteien gibt’s keine mehr.”

        Mein Reden seit der Steinzeit;-)

        In diesem System namens Kapitalismus ist es so oder so wurscht, welche Truppe gerade regiert, da reicht die Demokratie immer genau so weit, dass sich die Herrschenden nicht einschränken müssen und die Parteien und ihre Politiker sind lediglich Aushängeschilder. Meist dienen diese eehr noch dazu, die “Demokratie” so zu verformen, dass für den Demos weniger und für das Kratos mehr herumkommt;-)

        Parteiengetriebene Politik/Demokratie wird nie als wirkliche Lösung funktionieren, sondern wenn schon, dann eher eine zeitgemässe Form der Räterepubliken, bei denen jeder unabhängig von irgendeiner politischen Überzeugung oder Parteimitgliedschaft sich einbringen kann.

        Das ist so ansatzweise wirkliche Volksherrschaft, bei der die Fähigen ihren Platz an der richtigen Stelle haben und nicht per Kalkül an die jeweils passende gehievt werden.

        Ist hier nicht möglich und selbst in einer anderen Ordnung ist das scher, sich immer wieder auf die Allgemeinheit zu fokussieren. Genau dieser Punkt ist nämlich einer, der auch im real existierenden Sozialismus leider nur kurz nach dem Kreig angesetzt hat und dann die Macht- und Wahrheitsfrage der jeweils führenden Partei oblag. Ab da war es weider Murks und die Teilhabe aller am Prozess Geschichte.
        Das ist übrigens für mich als ehemaliger DDR-Bürger ein viel grösserer Aspekt für das Scheitern als die westliche Sicht des reinen Versagens der Wirtschaft.

        Freilich spielt da noch viel mehr hinein wie Überwachen, die “Unfreiheit” beim Reisen, Büchern, Zeitschriften und Kritik als gegenteiliger Meinung.

        Wie man allerdings auch hier am Beispiel der Regierung Macron sieht, steht da der erste längere Versuch des Sozialismus nicht alleine da, auch wenn´s jetzt viel OT war dazu…

  2. Hey Leute! Ihr alle, wirklich ihr alle seid das, was ich dringend brauche: meine Hoffnung befördernde MitDenker, Propheten und Otimisten!!!

    Danke und bitte weitermachen: some will revolt, most will obey. But: Love is for sure what both of them need. She‘s the Key!

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