Lex Barker ist tot

Es gibt Dinge, die einen zu spät erreichen. Lex Barker ist nicht mehr. Unter den Lebenden. Ich wünschte, ich könnte sagen, er wäre der Held meiner Jugend gewesen, Vorbild wie Konrad Kennedy, Jimi Hendrix oder ein zugedröhnter Elon Musk. Das war er nun leider nicht. Eher einer dieser Gegenschurken. So gutaussehend, so edel und gegen Ende der Aufführung zunehmend erfolgreicher. Im Gegensatz zu dem zu bekämpfenden Bösen, welches zunehmend Anfängerfehler begehend, verlieren muß. Winnetou, die Fortsetzung – ein fetter Geschäftsmann sitzt im Büro; seine Gesichtszüge erinnern vage an Old Shatterhand über den Bärentöter visierend. Nur jetzt eben nicht mehr im Forst streifend mit Chingachgook, der großen Schlange, sondern Bruder im Geiste Martin Winterkorns. »Helene, würden Sie bitte zum Diktat…«. Ein guter Chef ist er ja und so gutaussehend, der CIO.

Dann lieber Elon Musk. Allein diese Idee! Jimi Hendrix liefert eines seiner unsterblichen Soli ab, danach Mr. Spacemann von den Birds und dann hatte Elon nach dem Genuß des unübertrefflichen Kali Haze diese knalligen Einfall. »Ey Leute« gröhlt Elon » Das Erdöl geht zu Ende und ist sowieso total schädlich für den Planeten. Wie wär’s, wenn alle Autos mit Strom aus der Steckdose fahren würden? Strom ist unheimlich sauber, kommt aus der Wand und geht nie alle.« Geile Idee! »Und anschließend kippen wir einen halben Liter LSD ins Trinkwasser von München, damit die endlich mal gut draufkommen!«
Schlagzeile: »Selbst die CSU rätselt über Seehofer.«

Wie die Schrottpresse nun feststellen mußte, ist Lex Barker aber überraschenderweise tot. Wie üblich erfahren von Annika, nie verlegen um Personen, die sie ebenfalls attraktiv finden würde… wären die nur nicht immer tot, unheimlich erfolgreich oder Spinnenforscher. Und Ihr Verhältnis zu Spinnen ist in etwa das von Goldfinger zum Bürgerlichen Gesetzbuch. Eines Tages kommt der richtige – ganz sicher! Dann rufe ich sie an und verabrede mich mit ihr auf eine Buddel Remy Martin Louis XIII. Das Wundertier will ich sehen und nach ein paar Gläsern stellt sie es mir vor, ihr Tier. Ich bringe mein Hündchen mit, unsere Tiere.
So wird es sein!

Don Vito Cascio Ferro erwartet bis Montag Erklärung von Lucky Luciano. Eigentlich wollte ich ja etwas über das Syndikat schreiben, aber das hat Kollege Flatter bereits getan. Also spare ich mir die Mühe. Maaßens Putschversuch. Ganz verstanden habe ich es sowieso nicht. Wenn ich das richtig interpretiert habe, wurden verdächtige Pixel in der Wetterkarte der ARD entdeckt, die darauf schließen lassen, daß es sich beim Wetterbericht um Fake-News handelte. Statt Sonne ergiebige Regenschauer. Ob es sich bei dem Wasser, das vom Himmel fiel, um Regen handelte, wird zur Zeit kriminaltechnisch untersucht.
Bis zum heutigen Montag wird Maaßen Beweise dafür vorlegen, daß die ihm zur Last gelegten Äußerungen möglicherweise gezielten Falschinformationen waren. Bundesproblemminister Seehofer merkelte dem scheidenden Verfassungsschutzpräsidenten prophylaktisch ein »Herr Maaßen genießt mein uneingeschränktes Vertrauen« hinterher. Ein politisch kluger Schachzug, nachdem sich der Neueinsteiger der Hitparade »Die Migration ist die Mutter aller Probleme!« überraschend auf Platz 13 wiederfand. »Der Tag, an dem du Dir wünschst, daß Helene Fischer Innenministerin wird.«

Old Shatterhand stellt für einen Moment den Asbach Uralt ins Fensterregal und greift sich den Problembärentöter. »Winnetou, du alter Alibi-Emigrant: Turnstunde! Lass uns etwas politisch motivierte Gewalt anwenden!«

Nachtrag

Nachdem sich Horst Seehofer eine Woche später ein erstes Bild von der Lage in Chemnitz macht, maulrutscht sein oberster Verfassungsschützer von einem Fettfass ins nächste. Seine bananenweichen Ausreden vom Montag lagen noch weit unter dem Niveau, das zu erwarten gewesen war.
Jedenfalls das, was durchsickerte. Der Rest von Maaßens Ausführungen scheint dermaßen von der Rolle gewesen zu sein, daß man es bis zur endgültig veröffentlichbaren Version als geheime Kommandosache im Giftschrank verschloss. Soweit bekannt, bezogen sich seine Äußerungen ohnehin nur auf Dinge, nach denen ihn niemand gefragt hatte. Kein Wort über seine »Beweise«, keine Antwort darauf, wie der oberste Verfassungsschützer auf die wahnsinnige Idee kommt, einem berüchtigten Revolverblatt seine irren Phantasien zu unterbreiten – geschweige denn darüber, welche Verfassung Maaßen nun genau schützen will.
So etwas kann man als Verfassungsschutzpräsident nur dann liefern, wenn man den Innenminister zum Komplizen hat.

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14 Kommentare zu Lex Barker ist tot

  1. L´Andratté sagt:

    “Soli”. Sorry, aber meine klassische Ausbildung.

    Ansonsten hab ich nicht soviel kapiert, aber es wird schon seine Richtigkeit haben.
    Beste Grüße, lieber Pantoufle!

    PS: könnt Ihr nicht in Hamburg auch ein bißchen LSD ins Trinkwasser machen?

    https://www.youtube.com/watch?v=L5v2aXQGbgo

    • Pantoufle sagt:

      Ich habe die Idee mit dem Lysergsäurediethylamid im Trinkwasser immer schon für eine schwachsinnige Idee gehalten. Da kommt genau so etwas wie Seehofer und Söder dabei heraus.

      Ja, das mit der Verständlichkeit – aber manchmal tropft es eben genau so aus der Feder und dann hat man selber gerade so verstanden und dann ist es für eine allgemeinverständliche Übersetzung zu spät. Und was Hans-Georg Maaßen da gerade abliefert, versteht er vermutlich selber nicht so ganz.
      Gruß zurück

  2. Eike sagt:

    “Ich? Antiamerikaner? Ich habe geweint als Winnetou gestorben ist!”

    Tarantula war allerding vor meiner Zeit, hatte aber ein schönes Filmplakat.

    • Pantoufle sagt:

      Und ich habe geheult, als der Döner-Imbiss in der Karmanstraße umzog! Wovon sollte ich nun nach 22:00 Uhr leben?
      Das war allerdings nicht der Grund für mein Misstrauen gegenüber der türkischen Regierung. Obwohl ich das damals sehr persönlich genommen habe.

  3. GrooveX sagt:

    von kayseri aus sag ich einfach mal aha.

    die welt ist so viel anders, wenn man einmal weg ist…

    • Pantoufle sagt:

      Kayseri mußte ich erst mal googeln. »die Welt ist so viel anders…« kann ich nur bestätigen. Aber ich muß nicht weit verreisen, um zu der Überzeugung zu kommen, daß man die Welt am besten durch einen umgedrehten Feldstecher betrachten sollte, um die tatsächlichen Größenverhältnisse zu erkennen.
      Viel Spaß noch im Urlaub – wenn es denn einer ist. Oder hast Du Dich abfällig über den Mufti geäußert?

      • GrooveX sagt:

        ach, die herzallerliebste verwandtschaft will auch mal was von mir haben – und ich von ihr (als ihre buck…) den mufti nimmt hier nicht jede/r so furchtbar wichtig, ein schnitt von 80% ist aber auch was. na ja.

        In Kayseri lohnt sich tatsächlich nen feldstecher, da der erciyes ein ganz hübscher steinhaufen im anatolischen hochland ist, und als namensgeber für die uni hier und wolkenmacher von allahs gnaden und wintersportdingens kann man ihn schon mal angucken vom balkon aus.

        es ist allerdings wirklich schön, hin und wieder aus einer gehörigen räumlichen und kulturellen distanz den ganzen kladderadatsch mal wieder an sich abperlen lassen zu können.

        ps. die checkbox nervt

  4. Annika sagt:

    Pantoufle, Lex Barker ist doch schon seit 1973 tot. Im Grunde verjährt. Das wusstest du doch. Dass es sein Doppelgänger nicht wusste, hatte ich unter Ulk verbucht. Genauso, wie mal eine Freundin sagte, Humphrey Bogart habe auch schon lange keinen neuen Film herausgebracht. Leute gibt’s…

    Tja, der Richtige. Schätze, es handelt sich hierbei um eine urbane Legende. Ruf lieber vorher an.

    • Pantoufle sagt:

      1973. So lange schon! Echt jetzt? Ja, natürlich dachte ich mir so etwas. Vielleicht nicht so lange, vielleicht nicht so tot.
      Na gut: Meinetwegen einigen wir uns darauf, daß er tot ist. Obwohl einiges, für das Karl May und Kara Ben Nemsi stehen, ganz und gar nicht tot ist. Ich denke da an das bedingungslose schwarz-weiß vieler Weltsichten, das Fehlen jeglicher Grautöne. Oder die Überzeugung der Überlegenheit der weißen Hautfarbe, bei der auch der edelste Häuptling der Apachen nur dann mitreiten darf, wenn er sich dieser Meinung ausdrücklich anschließt. Kurz: Das ganze postkoloniale Getue, was sich auf die Superiorität des Westens gegenüber jeder anderen Lebensform inklusiver der Abweichler in den eigenen Reihen gründet.

      Ich glaube fest an Dein Glück!

  5. flatter sagt:

    Verteidige ich jetzt Karl May und gebe mich als Leser zu erkennen? Komm, das war unser JFK Rowlings, also …

    Die Figur des Old Wabble etwa ist ein widerlicher Rassist, an dem nix Gutes ist und der daher auch bald nicht mehr mitreiten darf (er kommt auch schlymm, aber gerecht grausam zu Tode), insofern ist das Karomuster zumindest unregelmäßig. Für grünes Jungvolk ist May sicher pfui, aber er ist eigentlich nicht nazitauglich, obwohl Lieblingsautor des Führers. Unentschieden. Kann denn nix einfach mal einfach sein?

    p.s.: pff … “human verification failed” – scriptheini!

    • Pantoufle sagt:

      »Verteidige ich jetzt Karl May und gebe mich…« Ach nee – lass nur. Dann müßte ich ja eine Lanze für Leutnant Hornblower von C.S. Forester brechen, Seeheld meiner Jugend. So haben wir alle unsere Reaktionäre im Hinterzimmer.

      Ob die nun immer nazitauglich sind, ist sowieso dahingestellt. Denn dazu müßte es erst einmal etwas originäres geben, was die Nazi-Bande auszeichnet. Ich meine: Im Jahr 2018 »Heil Hitler« zu schreien … das ist schon ziemlich einfallslos. Haben die nichts markanteres als eine Leiche, die alles andere als heil ist? Blut, Boden, Ländereien – die basteln sich aus allen herumliegenden Begriffen ihre kleine Welt zusammen.
      In sofern kann man weder Karl May noch Forester dafür verhaften geschweige denn deren Leser.
      Karl May und die Realität. Nun ja! Einigen wir uns darauf, daß er einen an der Waffel hatte. Auch wenn Berta v. Suttner ein paar lobende Worte über ihn verlor. Eine andere Zeit, eine andere Art Hochstapler.

  6. Annika sagt:

    Im Februar 2015 schrob ich:
    Er wandte sich wieder an den sinnlichen Mund “Weißt du eigentlich, dass Karl May zur Hochliteratur gehört?” – “Unbedingt! Die haben doch seine ganzen Romane kindgerecht zusammengekürzt, bis nichts mehr von übrig war, wenn du die Originale liest…” – Sag ich doch!” – “Und dann kam dieses Schwein Rudolf Lebius und machte ihn fertig. Da hat er sich nie wieder von erholt.” – “Genau. Zwingt der ihn vor Gericht, englisch zu sprechen, aber er konnte ja kein englisch.” – “Furchtbare Sache. War der nun verrückt oder nicht?” – “Der war verrückt. Hat aber trotzdem gut geschrieben.”

    https://annikahansen7.blogspot.com/2015/02/mannerbekanntschaften-2.html?m=1

  7. nömix sagt:

    Ehrlich gesagt: meistens verstehe ich Ihre Texte nicht, aber lese sie dennoch stets gerne.
    (@ Karl May: ich glaubte immer irrtümlich, der Titel “Unter Geiern” wäre ein Ortsname wie etwa Unter Oberndorf o.ä.)

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