Kurz und dreckig 60

Schöne runde Zahl.
Deswegen also ein etwas ungewöhnliches Thema: Fussball! Mesut Özil und Ilkay Gündogan (das sind wohl Fussballer) lassen sich aus patriotischen Gründen zusammen mit dem türkischen Diktator Recip Erdoğan ablichten. Aus mir nicht ganz nachvollziehbaren Gründen wächst sich das gerade zu einem Skandal aus.

Am 8.5.18 geisterte die Meldung durch die Gazetten, ThyssenKrupp und andere Kriegsgewinnler – also die bundesdeutsche Industrie – würden sechs hochmoderne U-Boote an die türkische Marine verklitschen. Desweiteren freut sich die türkische Regierung über die Herstellung und Modernisierung von 1000 Panzern eigener Produktion (Altay) mit Hilfe germanischer Industrie. Von den Milliarden Euros für den Schutzwall gegen die »Flüchtlingsschwemme« gar nicht zu reden.

Aber erst wenn sich deutsche Fussballer zum Büttel von irgend einem heruntergekommenen Dritte-Welt-Potentaten machen, gehen die roten Lampen an. »Das war keine glückliche Aktion. Wenn man für Deutschland spielt, dann vertritt man das Land und die deutschen Werte«.
Wie schade, daß das nur im Fussball oder der rhythmischen Sportgymnastik gilt und nicht in der Politik.

Endlich mit Video-Beweis. Die TAZ liegt sabbernd am Boden. Zwischen Nahtoderfahrung und Hausmeister auf Kokain wird das Fehl-Urteil des Bundesgerichtshofes für die Beweisfähigkeit Billigstkameras am Fahrradlenker (oder dem Autorückspiegel, Kinderwagenlenker, Sackkarre oder Gamaschen des gemeinen Fußgängers) als gerichtsverwertbares Beweismittel gewürdigt.
Nahtot: »Es sei denn, alles ist auf Video festgehalten. Technisch gibt es dafür verschiedene Möglichkeiten: das Handy am Lenker, eine Action-Cam auf dem Helm oder sogar Fahrradlichter mit USB-Anschluss und integrierter Kamera.«
Das ist so pervers und grottig, daß einem der Atem stockt. Die Hausmeister überwachen sich gegenseitig. Man könnte das durchaus noch erheblich militanter beschreiben.

»Das Vorgehen von Präsident Trump verglich der Historiker mit der Ostpolitik unter Brandt und Scheel ab 1969: „Die beiden deutschen Politiker haben damals die Wirklichkeit anerkannt und haben damit viel erreicht.“«
Der Miethistoriker Michael Wolffsohn hadert. Als Historiker hat er sich zwar gerade unsterblich blamiert, aber für seine Hörbücher auf Amazon ist es natürliche der Burner.

Darauf muß man erst mal kommen: Die Ostpolitik Willy Brandts mit Donald Trump zu vergleichen.

DSVGO und kein Ende (wir stehen sowieso erst am Anfang dieses »Datenschutz«-Dramas). Enno Park schreibt einen Artikel passend zum bayrischen Polizeigesetz über die DSVGO und fragt, vor wem uns diese Verordnung eigentlich schützt. Kritik an diesem undurchsichtigen Verordnungsmonster wird von den Befürwortern gerne als Panikmache abgetan.
»„Jammert nicht, immerhin hattet ihr zwei Jahre Zeit, euch mit der DSGVO auseinander zu setzen“, sagen sie und übersehen dabei völlig, dass die allermeisten für Erika Mustermann halbwegs verständlichen Texte, Zusammenfassungen und Leitfäden überhaupt erst im Frühjahr 2018 zur Verfügung standen. Das ganze erinnert an das Vorgehen der Vogonen in der Satire „Per Anhalter durch die Galaxis“, die die Erde für eine Hyperraumumgehungsstraße in die Luft jagen wollen. Dass die Menschheit wenig amüsiert reagiert, können die Vogonen überhaupt nicht verstehen, schließlich hätten die Pläne ja lange genug auf Alpha Centauri zur Einsicht ausgelegen, das ja auch nur 4,3 Lichtjahre entfernt sei.«
In einem Keller verborgen, bewacht von einem giftigen Säbelzahntiger.

Enno Park schreibt das, was ich gerne zu dem Thema formuliert hätte, wenn ich denn gekonnt hätte. Es bleibt spannend, wann die ersten lauten Stimmen zu vernehmen sind, daß die DSVGO nur eines ist: Murks. Ganz großer Murks.

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8 Kommentare zu Kurz und dreckig 60

  1. Peinhart sagt:

    DSGVO – Erinnert mich an diese völlig überzogenen Hygieneanforderungen, mit denen man ua die kleinen Landschlachtereien zur Aufgabe gezwungen hat. Man glaube bloß nicht, dass nur Unfähigkeit sowas ausbrütet…

    Überhaupt ist ‚Datenschutz‘, Enno Park reisst es schon an, wenn auch nur in einem Nebensatz, eigentlich nur dort relevant, wo Menschen weiterhin Macht über andere Menschen haben, und auch noch alle in mörderische Konkurrenz untereinander gezwungen werden. Der beste Datenschutz bestünde also in einer anderen Gesellschaftsstruktur, einer in der sich für diese Daten schlichtweg keiner mehr interessiert, weil keiner sie mehr gemissbrauchen kann…

    • Pantoufle sagt:

      »Man glaube bloß nicht, dass nur Unfähigkeit sowas ausbrütet…«
      Nö, daß war schon Bosheit gepaart mit Unfähigkeit.

      Ich habe echt so wenig Zeit! Aber den muß ich noch hinterherschmeißen: »Wer keine Daten verarbeitet, der muss nichts fürchten.«! Runde zwei im Bullshitbingo.
      Reicht noch nicht?
      »Ich kenne mich auch nicht mit Technik aus, meine Kinder lachen mich deswegen sogar aus. Ich versichere Ihnen aber, dass selbst ich die Regeln der DSGVO umsetzen kann.«
      Das Interview mit Věra Jourová, EU-Kommissarin für Justiz, Verbraucherschutz und Gleichstellung, zeigt ein Huhn bei Gewitter. Man steht fassungslos vor diesem Gebirge an Hohlheit. »Ich weiß nicht, was ein Browser ist« für Fortgeschrittene.

      1:48 Uhr. Ich muß jetzt schlafen. im Gegensatz zu Věra Jourová muß ich morgen früh arbeiten.

  2. Siewurdengelesen sagt:

    Die Fussball“profis“ haben einen entscheidenden Fehler gegenüber der Rüstungsindustrie und der Türkei beim Flüchtlingsabkommen mit der BRD gemacht! Anzunehmend haben sie sich nicht bezahlen lassen. Das ist sicher auch der Grund warum sich Vertreter des DFB so darüber echauffieren, denn das ist mit dessen „Werten“ nicht zu vereinbaren.

    DSGVO=Kommerzialisieren des Internets per Gesetz. Datenschutz ist da wie beim inziwschen beschlossenen bajuwarischen „Was-dürfen-Polizisten-tun-und-stehen-trotzdem-unter-Naturschutz-Gesetz“ nur einer der Hebel. Sonst vernichtet das zu viele Arbeitsplätze im Bereich der Abmahnanwälte und es reicht dann bei denen nicht mehr für den dritten Schlechtwetter-Porsche:-(

  3. ein anderer Stefan sagt:

    Der Fehler unserer Fußballheroen lag darin, sich öffentlich mit dem türkischen Potentaten ablichten zu lassen. Schmutzige Panzerdeals macht man im Hinterzimmer. Natürlich ist das was „ganz anderes“ ™, wenn in wenigen Wochen die Gladiatorenkämpfe in Russland ausgefochten werden – immerhin hat AltBuKa Schröder uns ja versichert, dass der dortige Potentat ein „lupenreiner Demokrat“ ™ sei – als SoZe muss er es ja wissen, da riecht man Autokratie ja 1000 Meilen gegen den Wind. (Wer hat da Blutnoske gesagt?)
    Falls unsere Heroen dort wieder siegreich sein werden, werden sie natürlich die 30 Silberlinge gerne aus der Hand des Herrschers annehmen. Fußball und Sport generell ist ja unpolitisch. Das werden die Damen und Herren Sportsoldaten und -polizisten, die ja in vielen Bereichen Medaillen holen, sicher gerne bestätigen.

  4. Publicviewer sagt:

    Darauf einen pangalaktischen Donnergurgler und vegesst eure Handtücher beim nächten Mal bitte nicht. 😉

  5. Publicviewer sagt:

    Fußball ist ein eminenter Bestandteil der Politik.
    Ohne die Spiele würde schon lange eine Revolution sich ausbreiten.

    • Siewurdengelesen sagt:

      „Ohne die Spiele würde schon lange eine Revolution sich ausbreiten.“

      Dann fände sich genügend anderer Müll, mit dem Massen besoffen gemacht werden. Bei Fussball ist´s nur leichter…

      Diejenigen, die sich wie bei Pegida und ähnlichen Vereinen revolutionär darstellen, sind lediglich reaktionär. Die wollen nicht anders, sondern nur wieder wie „früher“ und das idealerweise nur für sich selbst.

      Der grosse Rest dazwischen will…

      …Fussball und ansonsten in seiner Nische nix hören, nix sagen und nix sehen, solange er selbst nicht betroffen ist?!

      Bis dahin verschieben wir die Revolution auf morgen – wie jeden Tag;-)

    • Pantoufle sagt:

      Ohne die Spiele würde schon lange eine Revolution sich ausbreiten.«

      Müll

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