Kurz und dreckig 58

Agent von russischem Geheimdienst getötet! Tot! Russisch! Der Agent und sein Mörder. Beide. Diplomatische Krise. Cui bono?
Keine Ahnung. Wem nützt der Tod eines ausgemusterten Doppelagenten in diplomatisch unsichtigem Wetter?

Man fühlt sich wohlig in die Zeiten des kalten Krieges zurückversetzt. Nur daß James Bond niemals eine ernsthafte diplomatische Krise auslöste, wenn er ohne Verstand irgend einen Geheimagenten der Gegenseite abknallte; genau so wenig wie umgekehrt. Und wenn es gar zu dramatisch wurde, dann schloß man sich eben mit den Russen zusammen, um den designierten Weltbeherrscher auszuschalten. Das waren noch goldene Zeiten: James Bond jagt Dr. No. Agentin Rosa Klebb tritt mit vergifteten Schuhspitzen nach allem, was nicht bei »3» auf den Büroschränken ist. Mit dem Sexappeal eines Erich Mielkes mordet sie … nein, nicht für den Russen, sondern für eine geheime Geheimorganisation.
Überhaupt strahlt jede Bond-Schmonzette mehr Realitätssinn aus als eine britische Premierministerin bei ihrem Versuch, Gehirn durch Twitter zu ersetzen.

Was wurde eigentlich aus…? Heute: Sigmar Gabriel. Deniz Yücel ist in Freiheit und die deutschen Waffenexporte in die Türkei steigen wieder. »Wir haben keinerlei Rüstungsgüter geliefert wegen der Auseinandersetzung im Norden Syriens. Das ist in Deutschland verboten, selbst einem Nato-Partner wie der Türkei Rüstungsgüter zu liefern« (Gabriel am 16.2.2018). Stimmt! Es ist verboten, einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg zu unterstützen. Das war real auch nicht ganz einfach. Dafür mußte man erst die Kurdenmiliz YPG zum Abschuß freigeben, was mit Hilfe von Twitter und Facebook… siehe Theresa May.
Nun ist er weg, der Außenminister und niemand will sich an ihn erinnern. Außer vielleicht in Friedrichshafen, wo Gabriel sich ein Denkmal gebaut hat. Dort modert im Dornier-Museum die Boeing 737 als Mahnmal, daß die Bundesregierung nicht mit Terroristen verhandelt, vor sich hin. Zwei Millionen hat die Rückführung des Symbolfliegers gekostet, der sich unauslöschlich mit dem Namen GSG9, Mogadischu und deutschem Terror verbindet. Ordre de mufti: In Friedrichshafen wollte niemand das Wrack haben, geschweige denn ausstellen. In Berlin vor dem Reichstag auch nicht – zwei Mal am Tag gestürmt von einer Abordnung der Verkehrspolizei zum Gaudi der Touristen. Zwischen Pizza und Berliner Weiße eine Erstürmung – bei schlechtem Wetter im Zelt.
Wie die EU-Kommission mitteilte, bekommt die Türkei erneut 3 Milliarden Euro Finanzhilfe im Zuge des sogenannten Flüchtlingsdeals.
Sigi: Ich werde Dich vermissen, Du Original-Außenmister-Imitation!

Vermischtes aus aller Welt:
Hund Rumo entwickelt sich prächtig!
Gibt es eigentlich eine Facebook-Fanseite BER?

Tilo Jung macht zurecht darauf aufmerksam:
Migrationshintergrund der Bevölkerung: ~20%
Migrationshintergrund der Nationalmanschaft:~1/3
Migrationshintergrund des neuen Bundeskabinetts: 0%

Störerhaftung. Störerhaftung. Störerhaftung:
Gibt es eines Urteils des Oberlandesgerichts München zufolge möglicherweise endgültig nicht mehr. Wurde ja auch Zeit bei einer solch bescheuerten Wortwahl.

Es gibt nun endlich GEMA-Abgaben auf CD- und DVD-Rohlinge. Endlich! Für eine pauschale Vergütung für Privatkopien. Wurde ja ebenfalls mal Zeit! Ja, die Meldung ist vom 14.3.2018! via fefe

 

Hund Rumo

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24 Kommentare zu Kurz und dreckig 58

  1. Eike sagt:

    „Cui bono?“ Die Frage stellt sich doch gar nicht mehr!

    Die Frage ist doch eher, warum die Mehrheit in Deutschland Kriegssehnsucht teilt und meint, diesmal tierisch gewinnen zu können.

    30 jähriger Krieg, 1. Weltkrieg, 2. Weltkrieg – da lassen sich Potenz und Tendenz doch gut erkennen.

    Mich wundert es nicht und ich bin froh, keine Kinder produziert zu haben.

    • Pantoufle sagt:

      »… die Mehrheit in Deutschland Kriegssehnsucht teilt«

      Sagt wer? Umfragen? Zahlen? Hintergründe?
      Nur weil es bei SpOn oder in der WELT steht, spiegelt es noch lange nicht die allgemeine Gemütslage. Man muß doch sehr unterscheiden, ob BILD Volkes Stimme repräsentiert oder eine eigene Umfrage im Café oder an der Arbeitsstelle. Ich will nicht bestreiten, daß es genügend freilaufende Idioten gibt, die so etwas tatsächlich glauben. Ich bestreite aber, daß es sich um die Mehrheit handelt.

      • quercus sagt:

        Mich hat in fast 70 Jahren Leben noch nie jemand um meine Meinung gefragt, und ich würde denen die Statistik so gerne versauen! Wer entscheidet, wo wer gefragt wird? Wer formuliert die Fragen so passend zum Ziel?
        Ich kenne viele Menschen die ähnlich wie ich denken, die selbst denken und handeln.
        Nix mit Kriegssehnsucht, eher Sehnsucht nach Verstummen der hektischen Nachrichtenflut, hin zu Denkpausen.

        • Siewurdengelesen sagt:

          „Wer entscheidet, wo wer gefragt wird? Wer formuliert die Fragen so passend zum Ziel?“

          Das ist eine interessante Frage!

          Derzeit z.B. ist mir nicht anz klar, warum laut eben einer solchen Umfrage in Frankreich eine Mehrheit dem Teilprivatisieren der SNCF zustimmt und damit die Streiks der Eisenbahner für unbegründet hält.

          Ob dann selbst bei den Umfrageinstituten Profile hinterlegt sind, anhand derer schon nur diejenigen gefragt werden, die aller Wahrscheinlichkeit nach das gewünschte Umfrageergebnis liefern? Mal ganz abgesehen von den Vielen, die zwar bei Umfragen eine andere Sicht haben dürften, aber bei solchen Nerv-Nummern einfach auflegen oder gar nicht erst abheben?

          Wundern würde es mich nicht.

          Speziell vor Wahlen halte ich das beinahe tägliche Ausposaunen von Prognosen anhand solcher Umfragen sogar für manipulierend, wenn sie so zustande kommen/kämen.

          Immerhin kann dadurch Meinung in zwar eher kleinen, aber unter Umständen entscheidenden Bereichen gedreht werden und aus dieser Sicht hielte ich es für sinnvoller, wenn ab einer fiktiven Zeit vor den Wahlen weder Umfrageergebnisse noch Wahlplakate oder personenabhängiges Beeinflussen durch Politiker der einzelnen Parteien stattfände.

          Soll doch ein jeder Bürger eines Landes anhand der „Leistungen“ und Ergebnisse einer/s Regierung/Partei/Politikers wählen. Zumindest wären dann weitesstgehend die Schlammschlachten der Politiker und Medien untereinander aussen vor, weil dann nicht „rein zufällig“ kurz vor oder nach solchen Events etwas „herausgefunden“ wird, was bestimmte Kandidaten als nicht zu wählen stigmatisierte oder direkt vor oder nach der Amtsübernahme zum designierten Rücktritt brächte.

          Nicht das es jetzt am Grundübel der Politik etwas änderte, aber der Ausgang von Wahlen wäre dann evtl. etwas objektiver oder die Wahlbeteiligung noch geringer, weil es wenig gäbe, wofür es sich lohnte, überhaupt irgendwo ein Kreuz zu machen;-)

      • Pantoufle sagt:

        Moin quercus

        »Wer formuliert die Fragen so passend zum Ziel?«

        »Diese „Was gehört gerade zu uns?“-Debatte ist die des fiebrigen Mannes, der sich ein Thermometer rektal einführt und nach Messung die Klimakatastrophe für eröffnet erklärt.«

        Diese schöne Erklärung fand Friedrich Küppersbusch. So entstehen vermutlich ‚Mehrheits-Meinungen‘.
        Im übrigen geht es mir ähnlich. Die Mehrzahl der mir bekannten Menschen leiden darunter, daß Fragen um ganz alltägliche Probleme unbeantwortet bleiben. Vielleicht noch, warum die deutsche Bank bei einem Verlust von 735 Millionen Euro knapp 2,3 Milliarden Euro an Boni auszahlt. Ob es vor dem Kreml genügend Parkplätze für deutsche Panzer gibt, gehört ganz klar nicht dazu.

        Ja, und mich persönlich hat ebenfalls niemand gefragt – wohl der Hauptgrund dafür, ein Blog zu unterhalten.

    • pentimento sagt:

      @ Eike, der Kommentar ist mir irgendwie verrutscht.

      Das stimmt einfach nicht. Die Mehrzahl der Deutschen möchte Frieden und Handel mit Rußland! Die meisten Deutschen interessieren sich nur nicht für Politik. Sie wollen ihre Ruhe haben und merken deshalb noch nicht, daß diese stetige Hetze in den Medien Methode hat. Aber viele wachen langsam auf, das ist meine Erfahrung in meinem Bekanntenkreis, Familie und selbst in der Nachbarschaft.

  2. Mecki sagt:

    Ob Kabinett oder gar das Parlament: Beides nicht im Ansatz representativ.
    So viele Anwälte kann es hier gar nicht geben.
    Tilo Jung nehme ich immer noch übel, wie gut er Gauland, wenn auch unbeabsichtigt, im Interview seinerzeit hat aussehen ließ. Da war ihm Jung nicht gewachsen.

    • Pantoufle sagt:

      Da kann man geteilter Meinung sein, auch wenn ich ebenfalls nicht der Meinung bin, daß es sich dabei um eine seiner Sternstunden gehandelt hat. Aber.

      Das hat auch viel mit der Erwartungshaltung seines Publikums zu tun. Gauland erwies sich nicht als mit Hakenkreuzen um sich werfender Berserker? Ein »normaler« älterer freundlicher Herr? Ja, das kann passieren. Der Faschist steckt eben nicht immer in beglatzter Bomberjacke und trinkt Billigbier.
      Auf der anderen Seite kann man diesen Herren ja auch einfach mal reden lassen so ganz ohne sensationelle Enthüllungen. Dann muß sich eben jeder selbst seinen Reim darauf machen und ihn sich nicht vorkauen lassen. Und um das mal ganz realistisch zu sehen: Jung hätte nicht einen Bruchteil dessen aus Gauland an Aussagen herausbekommen, wenn er ihn offensiver angegangen wäre. (Oder Gegenfrage: Wie hättest Du es gemacht?)

  3. Alan sagt:

    Es ist so traurig…

    […daß gelegentlich der Satz »keine kommerziellen Links« im Impressum überlesen wird. Ist natürlich geändert! Der Säzzer]

  4. Marc sagt:

    Unter Umständen war ein Leonberger beteiligt. Glückwunsch.
    Jetzt hat mich ein Hund in meinen ersten Kommentar getriggert.

  5. Eike sagt:

    Hat eigentlich der Esel oder der Hund gewonnen? Wurde Werkzeug benötigt um die Kiefer wieder zu trennen?

    • Pantoufle sagt:

      Ich wurde Zeuge des Beginns einer wunderbaren Freundschaft. Hund Rumo murmelte ganz leise: »Mami, Mami!« Was auch erklärlich ist, wenn Hund zum ersten Mal wieder einem Tier begegnet, das von Größe und Gewicht so sehr sehr an Mami erinnert.

  6. Marc sagt:

    Der Großmut, die Gelassenheit und Toleranz dieser Sorte Tiere sind nur einige der zauberhaften Eigenschaften, die in diesen Zeiten helfen, die Bedeutung des Lebens zu erahnen.
    Lebewesen wie Spahn, Maschmeier oder Lindner wird diese Erfahrung niemals erreichen, welch arme Kreaturen sie doch sind. Trotzdem kann ich mich wunderbar über die Genannten aufregen und die Schrottpresse hilft mir vorzüglich dabei.

  7. Stony sagt:

    Welche Bewandtnis hat es denn mit dem blauen Dingens am Leinenende des zwoten Rumo-Bildes?

    • Pantoufle sagt:

      Das ist ein Scheißebeuteldingens. Zum Glück läßt sich Rumo hauptsächlich durch dichtes Unterholz zur Haufenbildung animieren.

      • pentimento sagt:

        Hatte auch mal einen Hirtenhund,der die volle Deckung für seine Haufenbildung suchte. Wenn das mal nicht ging drehte er den Kopf weg, so als wollte er nicht gesehen werden. Es war ihm sichtlich unangenehm. Wenn der wüßte, wie sehr er uns fehlt. Lieber Pantoufle, wenn Du für Rumo mal eine Pension brauchst…meine email hast Du ja.

        • Pantoufle sagt:

          Die E-Mailadresse habe ich – nur keinen Scanner, um Rumo als Anhang zu versenden. Aber danke für das Angebot. Sollte ich irgendwann einmal Urlaub machen, freue ich mich schon darauf, das Tierchen mitzunehmen.

      • Stony sagt:

        Ahh… thnx, kannte ich noch nicht.

  8. flurdab sagt:

    Gott, wächst Rumo schnell.
    Erschreckst du dich nicht morgens, was aus dem Hund von gestern Abend geworden ist?
    Aber schön plüschig scheint er ja zu bleiben.
    Warum lese ich eigentlich gerade lieber Homestorys von „Welpen“, als mich über „Politik“ zu erregen?
    Wenn sich der Redaktionshund- Praktikant mit Eseln verständigt, ist dies ein gutes Zeichen.
    Arte: „Dem Esel auf der Spur“. Heute 18.35 Uhr. Sehr interessant.

    Grüße

    • Pantoufle sagt:

      »Warum lese ich eigentlich gerade lieber Homestorys von “Welpen”, als mich über “Politik” zu erregen?«

      Vielleicht, weil die Politik in ihrer Flegelphase verharrt, während jeder Welpe schneller lernt als beispielsweise ein Seehofer-Pudel.

  9. Pantoufle sagt:

    @Siewurdengelesen

    Die »Wahlprognosen« und ihre Wetterfrösche sehe ich auch mit großem Mißtrauen. Wie deren »repräsentativen Befragungen« aussehen, ist tatsächlich nicht nachvollziehbar und sollen es vermutlich auch nicht sein. Natürlich haben diese Prognosen den Charakter einer Entscheidungshilfe. Nur wird man es aber aus den Menschen nicht herausbekommen, daß sie Prognosen zu ausstehenden Ereignissen machen. Es ist ein Spiel, eine Wette. Man wettet auf Pferde, Rennautos und eben auch auf Parteien. In diesem Punkt unterscheiden sich die Wahlprognosen in nichts von den schwachsinnigen Kommentaren zu einem Formel-1-Rennen.
    Man sollte es aber auch nicht überbewerten: Der CSU-Ortsbürgermeister und seine Schergen werden in jedem Falle CSU wählen. Auch dann, wenn die Außerirdischen bereits den Reichstag besetzt halten. Oder der Russe™.

    Daß es so etwas wie eine manipulative Informations-Industrie gibt, will ich gar nicht bestreiten. Nur, daß ihre Breitenwirkung gelegentlich deutlich überschätzt wird. Am Schein dieser Bedeutung arbeitet man aus naheliegenden Gründen selber fleißig. Auf der anderen Seite werde ich hellhörig, wenn ich lese, daß Procter & Gamble ihren Online-Werbeetat um 100 Millionen Dollar reduziert, weil »vorher einiges Geld in den digitalen Kanälen schlichtweg verschwendet war.« Manchmal entpuppen sich die großmäulig angepriesenen Dienstleistungen eben auch als als reinrassige Scheißidee.

    Ich denke, daß die stärksten Impulse für die Wahl eines Politikers immer noch von den Parteien selber ausgehen, nicht von Forsa oder dem Institut für Demoskopie Allensbach. Das Wunder besteht doch darin, daß aufgrund dieser angenommenen Tatsache überhaupt noch ein Politiker gewählt wird.

    Die wirkungsvollste Wahlmanipulation ist meist das Blättchen auf dem Frühstückstisch – ob nun ein Revolverblatt von Springer oder der WAZ-Gruppe. Gefolgt von der Mittagspause mit den Kollegen, wenn die dort beschriebenen schrecklichen Ereignisse der Weltgeschichte gemeinsam durchgekaut werden. Und dann hat der Lokalteil bereits eine weitaus höhere Priorität als die Wahl eines Staatsoberhauptes in den USA. Wähler, die sich ihr Weltbild in der FAZ, ZEIT oder der TAZ zusammenlesen, sind doch eine klare Minorität. Gemessen an der offen faschistoiden Bildzeitung verschwindet das Maß der Beeinflussung durch ein Umfrageinstitut unter die Schwelle des meßbaren.
    Ob Facebook noch eine Rolle spielt, ist mittlerweile äußerst umstritten – Rülpser von Twitter liefern im besten Fall den Witz für die Latrine. Ich finde das immer wieder äußerst belustigend, wenn man zum Beispiel RT überhaupt einen Einfluß zurechnet. Gemessen am Gros der Wähler… ach gottchen!

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