Kein Gedicht am Dienstag

 

© Walter Moers

Leider, leider – aber manchmal zwingt einen die aktuelle Nachrichtenlage, kurzfristig das Thema zu wechseln.
Ja, wie soll ich beginnen? Älteren Lesern ist ja bekannt, daß hinter den Inhalten der Schrottpresse ein junges, dynamisches Team verschiedener Autoren steht. Das Redaktionsschwein ’Schnitzel’, Redaktionskampfhund ’Oskar’ und nicht zu vergessen Redaktionsfaschist ’Hurra@Patriot’, zuständig für Inhalte von PI, Achgut und Twitterstalking.

Nun ist es so, daß die eherne Stütze des feinfedrigen Qualitätsjournalismus der Schrottpresse, Redaktionskampfhund ’Oskar’, bereits vor einiger Zeit verstarb. Er bekam zeitgleich mit dem Chefredakteur den Schlagfluß, den Chefredakteur Pantoufle im Gegensatz zu dem treuen Tier überlebte. † In stillem Gedenken, Oskar! Die schwere, die redaktionskampfhundlose Zeit begann.
Das ist nun zu Ende! Die verständliche Trauer um Oskar verhinderte lange Zeit allein den Gedanken an ein neues Tier – was verkörperte so vollkommen die Gattung Redaktionkampfhund, wie will man ein Familienmitglied ersetzen? Die Zeit aber hat uns gelehrt, daß ein Leben ohne Hund möglich, wenngleich auch sinnlos ist.
Manchmal sind es die kleinen Dinge, die einem weiterhelfen. In diesem Falle war es eine kleine Postkarte von Susanne Eggert unter dem Weihnachtsbaum, die den entscheidenden Stimmungsumschwung bewirkte.

Der neue Redaktionskampfhund ’Rumo von Zamonien’ oder auch kurz ’Rumo’ vom Stamme der Wolpertinger! Wie auch sein Vorgänger ’Oskar’ handelt es sich bei ’Rumo’ um einen zusammengesetzten Hund, der die verschiedenen Vorzüge unterschiedlicher Rassen vorbildlich in sich vereint. In diesem Falle die von Bernhardiner und Hirtenhund. Sollte sich Rumo in Größe und Gewicht ähnlich entwickeln wie seine Eltern, so wird er auch bei schlechter Sicht oder Dunkelheit eindeutig als »Hund« zu identifizieren sein.

Momentan allerdings entfallen ca. zwei Fünftel seines Körpergewichtes auf Charakter. Der Rest teilt sich in Magen und dem eigentlichen Hund auf. Um all das in einem Tier unterzubringen, wiegt er jetzt bereits um die 10kg. Nach 11 Wochen Lebenszeit setzt er sich vor dem Überqueren der Straße zwar folgsam hin, hat allerdings noch Defizite im Umgang mit seinem Nahrungsmittelkreislauf. Aber das wird schon!

Bereits jetzt zeigt Rumo viele der Vorzüge, die man seiner Rasse nachsagt und bei denen Ruhe und Gelassenheit an erster Stelle stehen. Das macht es leider auch einigermaßen schwierig, ’dynamische’ Bilder von ihm zu knipsen. Die Hauskatzen nimmt er genau wie Rehe oder Hühner wahr, ohne sie jedoch mit potentieller Nahrung zu verwechseln. Gleiches gilt für die Alten im Wald oder kleine Kinder.

Ach, ist das schön! Die schwere, die hundelose Zeit ist endlich vorbei.

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21 Kommentare zu Kein Gedicht am Dienstag

  1. ninjaturkey sagt:

    Gratulation zum gelungenen Nachwuchs. Schon jetzt zeigt das intelligente Tier den lakonischen Gesichtsaudruck des feinfedrigen Qialitätsjournalisten.

    • Pantoufle sagt:

      Ha! Ein Fachmann! Vollkommen richtig: Die Anlage zum Denker steht ihm ins Gesicht geschrieben, die Fragwürdigkeit jeder Art von Autorität stellt er bereits bei jedem Spaziergang zur Diskussion.
      Es ist zwölf Uhr – Zeit, wieder hunden zu gehen (das Tier auswringen).

  2. Schwarzes_Einhorn sagt:

    Hach, süßer Kerl (der Hund natürlich…)! Er hat richtige Denkfalten auf der Stirn. Und ein literarischer Name, wie schön und passend!

    Ich mußte leider Ende 2016 nach fast 21 Jahren feststellen, daß ein Leben ohne Pferd auch ziemlich sinnlos ist. Als hätte es nicht genug traurige Tode in 2016 gegeben…

  3. Peinhart sagt:

    @Hurra@patriot – Meinten Sie ‘meiden’…?

    • Pantoufle sagt:

      Ja, die beiden sind sich noch nicht warm. Hurra@Patriot springt nur winselnd und widerwillig über die Stöckchen, die man ihm hinhält. Ganz wohl ist ihm nicht und er wikipediat ausdauernd, wie groß Wolpertinger werden 🙂

  4. pentimento sagt:

    Was für ein prachtvolles Knuddelchen! Trotz seiner 10 Kilo. Mir scheint, er ist der geborene Anarchist und ein würdiger Nachfolger für den Redaktionskampfhund Oskar.
    (Man sagt ja, dass nicht die Familie sich den Nachwuchs aussucht, sonder dass der Neuzugang sich SEINE Familie auswählt.)

  5. flatter sagt:

    Hundehalter … kleine Faschos, die etwas zum Kommandieren und Unterdrücken brauchen und selbst an einer Spezies scheitern, deren zerebrale Kapazität doch eigentlich nicht zu hoch angesetzt ist. Das Viech dient allenthalben als Surrogat für eine menschliche Beziehung, die den Halter aber regelmäßig überfordert, sodass er seine kommunikative Unfähigkeit an einem Wesen auslebt, das er nicht einmal zu verstehen sich bemüht (“der weiß das ganz genau …”).
    Widerlich. Habe ich hier nicht anders erwartet.

    • Pantoufle sagt:

      Andere halten sich zu diesem Zweck Kinder. In etwa derselbe EQ (wenigstens die ersten 3 Monate), bevor das Tier gnadenlos davonzieht. Während sich Besitzer von Menschenwelpen in gepanzerten Fahrzeugen verbergen, Kindergärtnerinnen unterdrücken und Restaurants, Cafés und ruhige Hotels verschandeln, gehen Hundefreunde geruhsam spazieren.
      Ob sich der EQ von Kindern und Hunden irgendwann wieder annähert, ist umstritten. Einem gut integrierten Hund gibt man keine Befehle, sondern Tipps und Hinweise, die jener im Normalfalle versteht und umsetzt. Auch darin eine riesige Diskrepanz zu Menschenwelpen. Von der Futterfrage ganz zu schweigen! Hunde sind grundsätzlich Allesfresser – was sich nicht nur in den Unterhaltungskosten niederschlägt.

      Kinder als Redaktionskampfhunde? Undenkbar!

  6. Stony sagt:

    Hach, was ‘n Prachtkerl! Glückwunsch an Familie* & Redaktion. (*Rumo gehört da wohl schon zu, kann ja garnich’ anders.)

  7. Pjotr56 sagt:

    Rumo trägt den Redaktionskampfhund schon in den Genen, das sieht man auf den ersten Blick!
    Jetzt wächst in der Schrottpresse zusammen, was zusammen gehört.
    Mir macht das Hoffnung!
    Vorschlag: Trainier’ Rumo auf das Kommando “bätschi”, falls ihr mal auf die Nahles trefft.
    Dann kann er sein Potential mal so richtig entfalten – nachher bitte hier Fotos vom Einsatz.
    Zur Einführung ein kleiner Lehrfilm am Dienstag:
    https://de-de.facebook.com/mannsieber/videos/10155444572473262/

  8. Annika sagt:

    Allerliebst! Der wird riiiieeesig, das sieht man an den Pfoten. Aber wenn er dann immer noch so zum Steinerweichen guckt wie jetzt, dürfte das kein Problem darstellen.

    • Pantoufle sagt:

      Moin Annika

      Ja,dem Kurzen kann man im Moment beim Wachsen zusehen. Ich bin von Haus aus ja große Hunde gewohnt, aber als ich die Eltern von Rumo zum ersten Mal sah, war ich ehrlich beeindruckt. Sowas schiebst Du in der Küche nicht mit einem Fuß vom Kühlschrank; es ist leichter, den Kühlschrank vom Tier wegzuschieben. Ich hatte irgendwo gelesen, daß die keine »Beißer« sind, sondern ihren Gegner einfach mittels Masse umrennen. Als ich sie zum ersten Male ausgewachsen sah, erschien mir das plötzlich vollkommen einleuchtend.

  9. oblomow sagt:

    Na, so wie der guckt, sieht das doch nach ‘so´n ganzen treuen schluffen’ aus, womit er dann gut zu pantoufle passt, n´est-ce pas? Und weil es kein gedicht zum dienstag gibt, will ich´s auch lassen und hier stattdessen “Das Märchen vom blauen Hund” hinsetzen, zumindest den anfang desselben und wer es weiterlesen mag, der klickt einfach den link am ende:

    Das Märchen vom blauen Hund

    Der Ritter Knut Lemcke von Bullerstein hat endlich ausgeschlafen, hat gleich sein Panzerhemd angezogen, Stahlhaube auf den Brummschädel gestülpt und sein Schwert in die Hand genommen.

    Mit dem rechten Fuß stößt er die Tür zum Altan grimmig auf und saugt die frische Abendluft in langen Zügen schmunzelnd ein.

    Da steht er nun auf seinem Altan. Die Sonne geht drüben über’m Birkenwäldchen grade unter.

    »Lange geschlafen!« sagt der Knappe und setzt den Morgenimbiß auf den Tisch – Eier, Schinken, Butter, Brot, sauren Aal und eine Kanne Moselwein.

    Der Ritter ißt und trinkt und denkt an die wüste Nacht, die nun auch hinter ihm liegt.

    Die Sonne geht unter – der Mond geht auf.

    Der Knappe bringt ein gebratenes Huhn nebst rotem Wein und verschwindet wieder – lautlos wie ein stiller Schatten.

    Knut beugt sich über die Brüstung des Altans und schaut in die tiefen, bewaldeten Abgründe; er denkt an was, vergißt es aber gleich wieder. Die Spitzen der Tannen, Fichten, Buchen, Erlen und Eichen sind tief, tief unter Knut. Der Mond bescheint die welligen Waldberge und auch die stramme Burg.

    Der Ritter beißt ins Huhn und läßt die Wälder das sein, wie sie sind. Doch plötzlich hört er’s bellen da unten.

    »Wetter!« ruft er, »ist das nicht mein toter Hund? Der bellte doch grade so.«

    Er erhebt sich und brüllt: »Hopsmajor!« – denn so hieß der Hund bei Lebzeiten.

    • Pantoufle sagt:

      Moin Oblomow

      Ja, ist ja gut – überzeugt: Bei nächster Gelegenheit kaufe ich mir die ’Die große Revolution’ und ’immer mutig’.
      Ich gebe gerne zu, daß ich eigentlich versucht hatte, Hundegedichte am Dienstag zusammenzustellen. Ging nicht. Der Welpe in der der Lyrik ist hoffnungslos unterbesetzt; der Hund sowieso ganz allgemein. Aquaristik wäre ergiebiger gewesen und Turnergedichte sowieso.

      Scheerbart hatte ich überhaupt nicht auf dem Radar, eine wirkliche Bildungslücke. Und der Hopsmajor ist eine blaue Dogge. Wie schön, sowas hatten wir auch mal zu Hause. Doggen sind eigentlich mein Ein und Alles, eine Kindheitserinnerung. Seelen wie Vögelchen in den Körpern von Kampfmaschinen. Die idealen Kinderhunde. Nur ist mir für das Gedicht am Dienstag außer Jack Londons Wolfsblut nichts verwertbares in den Kopf gekommen und Susi und Strolch sollte es dann auch nicht werden.

      Danke jedenfalls für die Leseempfehlung.

  10. Fluchtwagenfahrer sagt:

    Moin Pantoufle, Oblomow,
    das war es was ich meinte, nen Knaller die Story vom blauen Hund.
    Meiner heißt Flegel, Malteser mit Frisur vom Idefix. Gebraucht erstanden, schielt leicht und hieß Hegel, fand ich nicht so doll den Namen, darum Flegel. Er flegelt sich gerne rum und kuschelt einen zu Tode.
    Ebenfalls, Danke für die Leseempfehlung.

  11. Pantoufle sagt:

    Ich lache mich nach dem hunden gerade tot. Julian Reichelt und die gloriose Bildzeitung im Höhenflug:

    Die TITANIC hats zuerst gesehen – man sehe sich nur mal die verlinkten Mailkontakte an. Wie blöd muß man sein, um das auf die Titelseite zu bringen? Reichelt sollte sich lieber auf Röpkes »Syrien-Berichterstattung« konzentrieren. Copy&Paste bei CNN mit AFD-Kommentaren 😀

    Edith:

    Redaktionell gehen die Meinungen allerdings etwas auseinander. Der Rächer der Enterbten, Witwen und Waisen wirft sein ganzes Fliegengewicht in die Sache an sich

  12. Pingback: Kleinigkeiten – Fädenrisse

  13. flurdab sagt:

    Oh je, da wird jetzt bestimmt das ABO teurer.
    Wenn man allein die Personalkosten bedenkt, größere Kantine, extra große “Verdauungsendprodukt- Recycling- Beutel”, zusätzlicher Fuhrpark, um die VRBs abzutransportieren.
    Aber einen netten Eindruck macht er ja (elendes Kindchenschema).
    Viel Spaß mit dem “Kerlchen”.

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