Ja, was denn nun? / Update

Da hat man endlich eine neue Regierung und dann sowas. Seit Monaten treibt SMS Deutschland in schwerer See, das Lotsenversetzboot hat die neue Mannschaft an Bord gebracht und nun streiten man sich über die Farbe der Vorhänge auf der Latrine. Weniger Islam und Internet, mehr Urlaubsparadies Syrien. Die vorläufig auf Bewährung herumlaufenden Volksparteien beweisen ihre Geistlosigkeit.
Kein Hoffnungsschimmer? 1

Aber klar doch! Lufthansa-Vorstand 2 Thorsten Dirks macht die Glaskugel zum Fall des Flughafens BER: »Meine Prognose ist: Das Ding wird abgerissen und neu gebaut.« Jetzt rudert die Lufthansa sanft zurück; man würde ja nur ein bisschen abreißen wollen, wenn man denn dürfte. Oder sich einfach noch mehr Zeit lassen, dann wäre die Bauruine schon vor der Fertigstellung veraltet. Daß sich das Problem so einfach von allein auflösen würde, hatte auch niemand auf dem Radar. Es merkelesiert sich sozusagen.

Als Sperrspitze des Antifaschistischen Widerstandes entpuppt sich gerade der Schlagschwirl. Der Schlagschwirl ist trotz seines militanten Namens ein kleiner Piepmatz, der Rechtsrockkonzerte in Thüringen allein dadurch verhindert, daß er brütet. Wie der Name des Vogels bereits nahelegt, ist das Tierchen selten und bedroht und darf keinesfalls durch Springerstiefel und NPD-Politiker bei der Eiablage gestört werden. Dank der verehrten Kollegin Mechthild Mühlstein 3 verschönt diese kleine Geschichte den Tag.

Was mich ebenfalls erfreut: Die Gorch Fock 4 wird dann doch restauriert. Natürlich wird es ein wenig teurer als geplant und natürlich gäbe es genügend andere sinnvolle Möglichkeiten, das Geld auszugeben… es freut mich aber trotzdem. Und sei es nur, damit die deutsche Industrie beweisen kann, daß sie wenigstens die Technik aus den frühen dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts verstanden hat. Segelschulschiff 0.31 (unstable).

Was die Menschen wirklich bewegt: Das völlig nutzlose Bestreben, die Welt im Kleinen zu einem besseren Ort zu machen. Früher – das war die Briefträgerin Bettina. Bettina wußte, daß die Tür nicht abgeschlossen ist und legte die Pakete folgerichtig in den Flur, wenn niemand Zuhause war. Auch die von den Nachbarn; das verteilte sich dann schon von selber. Irgendwann war Bettina nicht mehr rationell genug. Briefträgerin 1.0. Nach Ansicht von Fachleuten (Experten) würde die Post viel besser ausgetragen, wenn die Person »Briefträger« 4mal pro Woche wechselt. Vorzugweise Menschen, die hart unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns diese Tätigkeit als Hobby mit Aufwandsentschädigung betreiben. Ein schickes Jäckchen, ein gelbes Auto – fertig ist der Zusteller!

Das ist eine Glocke! Sie weckt Tote auf! Man muß sie nur ganz leicht betätigen. Das geht aber nicht, weil sie analog ist. Man nimmt eine Hand vom Paket, führt die Finger zu dem für diesen Zweck angebrachten Lederbändchen und bewegt den Klöppel in Richtung Metall. Dann hört man sie und alle wissen, daß die Post da ist (wenn man schon zu dämlich ist, die Zustellungsbedingungen zu lesen: Bei Abwesenheit bitte in die Scheune legen!)
Ein Quell ewiger Freude ist es, den Briefträger abzupassen und ihn kurz vor verlassen des Hofes zurückzupfeifen.
»Sie, hallo! Warum haben Sie nicht geläutet?«
»Ich hab die Klingel nicht gefunden!«
»Für was halten sie das hier?«
»… äh, … hab ich nicht gesehen«.
»Aber die Haustür – die haben Sie gefunden, ja?«
»Ja, das kann man ja nicht wissen…«
»Was kann man nicht? Außerdem: Warum nehmen sie das Paket wieder mit?«
»Es war ja niemand da!«
»Woher wissen Sie das? Sie haben ja nicht mal geläutet!«
»Ja, weil ich die Klingel nicht gefunden habe«
»Wenn ein Hund vor Ihrem Auto über die Straße läuft: Was machen Sie dann?«
»Hupen!«
»Steht auf ihrer Hupe im Auto in goldenen Lettern „Hupe?«
»…«
»Und steht hinter meinem Namen in dürren Worten »Bei Abwesenheit in die Scheune legen?«
… ja, aber…«
»Und warum haben Sie das Paket unter dem Arm und laufen zu Ihrem Auto mit der beschrifteten Hupe?«

Man kann dieses Spiel mit niemals endender Begeisterung wiederholen – es ist ja beinahe täglich ein anderes Opfer. Für den Zeitungsbringdienst (die Kinder verteilen Zeitungen) habe ich in besagter Scheune ein Regal an die Wand geschraubt. Gleich links und in Stehhöhe, damit sich niemand bücken muß. Darüber ein Schild: »ZEITUNGEN!« Bei Regen bildet sich leider eine Pfütze vor dem Regal.
Ratet, wohin sie die Zeitungen legen.

Aber unterirdische Bahnhöfe wollen sie bauen.

 

Update:

Stichwort: »Das völlig nutzlose Bestreben, die Welt im Kleinen zu einem besseren Ort zu machen.«

Der verlängerte Arm der AFD, das neu geschaffene Amt des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat, verhindert aus »verfassungsschutzrelevante Bedenken« eine Preisvergabe des Bündnis für Demokratie und Toleranz. Eigentlich sollte der antifaschistische Ratschlag in Thüringen damit für sein Engagement geehrt werden. Daraus wird dann wohl nichts, da dem Verfassungsschutz der Abbau von Demokratie gar nicht schnell genug gehen kann. Der Amtsinhaber aus dem Gau Bayern Hotte Seehofer kippte jedenfalls die Auszeichnung. Sie stehe »im Widerspruch zu einer Strategie der ganzheitlichen Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus«.

Dazu der Tagesspiegel von heute.

Wer ein wirksames Brechmittel benötigt, sehe sich auf Twitter und Facebook die Jubeltänze der braunen Horden an. Eigentlich beruhigend, daß sie nur eine – wenn auch sehr laute – Minderheit darstellen. Beunruhigend, daß sie für ihre Belange jetzt sogar einen eigenen Minister haben. Einen für Innenextremismus.

Ach ja: Bei der dem Verfassungsschutz so ins Auge stechenden »Roten Hilfe« kann man übrigens auch Mitglied werden.

1 Deutschlands Ansehen in der Welt wächst

2 Abreißen! Sofort abreißen!

3 Schlagschwirl schlägt Rechtsrocker

4 Sanierung der Gorch Fock wird bis zu 135 Millionen Euro kosten

Für den stetig wachsenden Freundeskreis von Hund Rumo, des Wolpertingers hier ein weiteres Zeugnis seines hefeteigartigen Wachstums.

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15 Kommentare zu Ja, was denn nun? / Update

  1. Annika sagt:

    Des Hundchens rechtes Auge sieht aus, wie von Dürer gemalt. Es gibt ein Selbstportrait von ihm, da guckt er genauso aus der Wäsche. Faszinierend. Wahrscheinlich wiedergeboren

  2. Pantoufle sagt:

    Moin, Annika

    das hier?

    Jo! Vor allem das Fell 🙂

  3. pentimento sagt:

    Danke,Pantoufle, für ein paar gute Nachrichten, wenn wir im Großen schon nichts ändern können. Wie schön, die ‚Gorch Fock‘ wird repariert! Auf meinem Schulweg vom Kieler West – zum Ostufer mit dem kleinen Dampfer ‚Hertha‘, hab ich sie jeden Tag an ihrem Platz liegen sehen. Die anderen beiden Schiffe der ‚Blauen Linie‘ hießen Heinrich und Ute. Ja, früher! Der Käptn betätigte ein paarmal die Hupe zum Zeichen, daß er uns gesehen hatte und auf uns warten würde, wenn wir zu spät kamen. Deine Klingel sieht ja aus wie eine Schiffsglocke. Hach, und Hund Rumo, also, wenn das auf dem anderen Foto ein ausgewachsener Esel ist, dann wird er wirklich riesig.

    • Pantoufle sagt:

      Als ich noch gaaanz klein war, vor der Schule, mußten wir da auch immer rüber. Der Kapitän hatte ein kleines Fußbänkchen, auf das ich mich draufstellen und am großen Rad richtig steuern durfte.
      Die Glocke ist von der SMS Emden (KzS Karl von Müller), die nach heldenhaftem Gefecht gegen die HMS Sidney vor den North Keeling-Islands auf Grund gesetzt wurde. Natürlich die einzig echte Glocke!

      Der Esel ist jetzt etwa 1,5 Jahre. Also noch nicht ganz ausgewachsen.

      • pentimento sagt:

        Ach guckmal, steuern durfte ich auch. Den rettenden Schlagschwirl mit Kollegen, vielleicht ein Zilpzalp?, könnte ich mir gut als antifaschistischen Button vorstelle.

  4. Hagnum sagt:

    Zum BER.

    Wie wäre es denn damit, der BER wird zur Nationalen Lehrwerkstatt, und die Bundeswehr könnte gelegentlich dort ein paar Brunnen bohren.

    So, nun noch einen virtuellen Hundekeks für den drolligen Hefeklops.
    Ich gehe mal davon aus, er leistet schon wertvolle redaktionelle Dienste,
    so sachkundig er dreinblickt.

    lg

    l

    • Pantoufle sagt:

      Moin, Hagnum

      Wenn man nur kurz darüber nachdenkt, fallen einem sofort Anwendungen ein, für die sich BER exemplarisch eignen würde. Ich habe da mal – völlig unverbindlich – mit db-audio Noizcalc herumsimmuliert: Das gäbe ein absolut problemloses Open-Air-Gelände für Berlin. Alles da, was man braucht: Verkehrsanbindung, Toiletten, Strom, VIP-Area-Aussichtsplattformen, großzügige Backstage-Area für Produktion und Bands, Parkplätze für Nightliner und genügend baulicher Abstand zu bewohnten Gebieten. Catering-Installation ist bereits vorhanden und mit etwas gutem Willen gibt’s auch einen akzeptablen Crew-Bereich. Besser geht’s fast gar nicht. Man könnte mit etwas Aufwand auch eine Bühne fest installieren (ca. 1,5 Milliarden Euro oder 250.000€, wenn man es einen Profi machen läßt).

      Der halbstaatliche Konzern Airbus könnte dort seine überflüssigen A380 bis zum St.Nimmerleinstag parken und ihre Hubschrauber völlig ungestört von der Weltpresse ihre Rotorblätter verlieren.
      In dem Schrottplatz, den sie hinterlassen, könnte Bundeswehr und GSG9 ihren robusten Abenteuerspielplatz einrichten. Wartungshallen und Nebengebäude werden von Autonomen besetzt und in Wohnraum, Ateliers und Kitas umgewandelt. Da wächst zusammen, was zusammengehört. Was in Tempelhof funktioniert hat, sollte mit Brandenburg nicht scheitern.

  5. Pingback: Kleinigkeiten – Fädenrisse

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