In eigener Sache / DSGVO

Also, guten Tag erst mal! DSGVO: Die Datenschutz-Grundverordnung. Diskussionen darüber, wessen Daten hierbei vor wem geschützt werden sollen und wem man für Missbrauch schon lange Blanco-Schecks ausgestellt hat, ermüden und führen nicht weiter.
Tatsache ist, daß sich auch für die an sich harmlose bloggerei einiges ändert.

Der Kollege Stefan Rose hat auf den fliegenden Brettern vor einiger Zeit darüber philosophiert, ob man angesichts der irrationalen Strafen, die man bei Verstößen gegen diese Verordnung befürchten muß, das Blogggen nicht lieber gleich unterlassen sollte. Eine durchaus überdenkenswerte Folgerung. Damit käme man dem Grundgedanken derjenigen freiwillig nach, die das angerichtet haben: Mit der Bullshit-Bingo-Behauptung »Kundenfreundlichkeit« die Meinungsfreiheit in die gewünschten Bahnen zu lenken.
Wenn ich der Meinung wäre, dem unwidersprochen nachkommen zu müssen, würde an dieser Stelle kein Text zu lesen sein.
Stefan hat in seinem Artikel darüber alles nennenswerte erwähnt – lest es Euch bei Bedarf durch.

»Eine simple, unbürokratische Möglichkeit, meinen Senf dazuzugeben, mich mit anderen (‚Kleinbloggersdorf‘) auszutauschen und gelegentlich auch zu streiten. Ferner, weil es – gewiss nicht ganz uneitel, das – ein cooles Gefühl ist, gelesen zu werden und die regelmäßige Schreiberei einen sprachlich fit hält. Möchte ich eigentlich nicht missen. Wenn ich das hier irgendwann beenden sollte, so war von Anfang an der Plan, dann aus eigener, freier Entscheidung heraus und nicht, weil ich mich wegen irgendwas dazu gezwungen sehe.«

Stefan Rose

Also weitermachen. Eine Datenschutzerklärung wurde in die Titelleiste gesetzt, einige Dienste abgeschaltet, andere nicht. DSGVO-relevante Facebook- und Twitterbuttons hat hier nie gegeben, ebensowenig Micro-Payment oder Instagram. Seit dem Umzug der Schrottpresse von WordPress.com auf eine Installation von 1&1 liegt ein Teil der datenrechtlichen Verantwortung in Deutschland bei einem deutschen Konzern. Das macht die Sachlage hoffentlich überschaubarer.
Ich drehe also an ein paar DSGVO -Schräubchen auf dem Blog. Wenn irgend etwas nicht mehr funktionieren sollte, sagt mir bitte Bescheid.

Ich möchte mich nicht zu der Aussage »wird schon alles nicht so schlimm werden!« versteigen, aber wie ich meinem letzten Text schon sagte: Es ist kein Gesetz, sondern eine Gesetzeslücke.

»Das hält den Datenschutzbeauftragten schon ganz gut in Atem und verschafft der ganzen Branche auch ungeahnte Einkommensmöglichkeiten. Ein Kollege aus Österreich hat das so schön genannt: „Das ist das Gesetz, das mich und meine Kinder die nächsten 10 Jahre ganz hervorragend ernähren wird!“«

Jörg Heidrich, Justiziar bei Heise

Nicht nur die Datenschutzbeauftragten. Dieser Goldgräberstimmung werden sich auch die üblichen Verdächtigen der Justiz anschließen – jeder grindige Abmahnanwalt wird sich in Zukunft Datenschutzbeauftragter nennen. Scherenschleifer, Kesselflicker und Datenschutzbeauftragte werden Seit an Seit in lausigen Planwagen über die Dörfer ziehen und ihre Dienste feilbieten. Denn es ist ja so: Im Grunde weiß kein Mensch etwas über dieses Gesetz. Der Bäcker mit seiner Kundenliste, an wen er morgens die Brötchen ausliefert oder der Installateur mit seinem (digitalen) Telephonverzeichnis. Das sind in erster Linie diejenigen, die existentiell davon betroffen sein werden. Handwerker, Kleinbetriebe und Selbständige. Denen droht am meisten Ungemach. Die paar Blogger, die das ebenfalls betrifft, zählen da eigentlich nicht richtig. Zumal die vermutlich informierter darüber sind als der Zweimannbetrieb »Gas, Wasser, Scheiße«.
Wie Leser und Blogger »Morgi« so schön albträumte: »Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, können wir zumachen.«
Zumachen kann man natürlich, aber ebenfalls ein ein paar andere Dinge ebenfalls.

Was ich gestern getan habe, ist folgendes. Lesen, lesen, lesen! Und danach durch die Plugins des eigenen Blogs fegen.
Facebook, Twitter, Instagram und sonstige »Teilen-Buttons«? Brauche ich nicht. Raus damit. Ebensowenig Akismet-Schlangenöl. Da gibt es rechtlich unbedenklichere Alternativen. »Like« und Abonierfunktionen sind hübsch und praktisch, fliegen aber bis auf weiteres raus. Warum die unbedingt auf Nicht-EU-Anbieter zurückgreifen, ist mir sowieso schleierhaft.
Jetpack bleibt drin. Von den ganzen Funktionen braucht man bestenfalls 2,3, aber auf die mag ich nicht verzichten – vernünftige Alternativen habe ich nicht gefunden.
Neu dazugekommen sind »WP GDPR Complance« und »Remove Comment IP« (wohlgemerkt: Das hier ist eine WordPress-Installation!)
Danach rennt man zu Dr. Thomas Schwenke. Der hat freundlicherweise einen Datenschutzgenerator aufgesetzt, der für Privatpersonen und Kleinunternehmer kostenlos nutzbar ist. Sorgfältig lesen (Informationen zeigen)!
»Haftungsausschluss: Es handelt sich um ein Muster, das keinen Anspruch auf Richtigkeit, Beständigkeit und Vollständigkeit erhebt.«
Aber immerhin schon mal besser als gar nichts.
Das Spielchen habe ich ein paar Male wiederholt. Je weniger Plugins und Features man in seinen Blog einbaut, umso kürzer wird die Erklärung. Ich will nicht sagen, umso sicherer kann man sich fühlen – ich bin kein Jurist und all diese Hinweise sind juristisch vermutlich belanglos.

Aber es ist erst einmal ein Anfang. Wie das weitergeht, wird die Zukunft zeigen und auch die Hoster von WordPress oder Blogspot werden irgendwann nachziehen und mehr Informationen zur Verfügung stellen, wie sie sich das mit der DSGVO gedacht haben. Bis zum 25. Mai sollte jedenfalls jede popelige Webseite so eine Erklärung bereithalten.

»Die Datenschutz-Grundverordnung gilt für Personen und Körperschaften jeglicher Größe, die personenbezogene Daten von EU-Einwohnern verarbeiten, unabhängig davon, wo der Verarbeiter sich befindet. Diese Regelungen gelten ebenso für Datenrechner und Datenverarbeiter, einschließlich Dritter wie Cloud-Provider. Auch ist es unerheblich, welche Art Dienstleistung oder Produkte Unternehmen oder Organisationen anbieten. Entscheidend ist allein, ob hier personenbezogene Daten von EU-Bürgerinnen und Bürgern erhoben und verarbeitet werden.[…] Wichtig: Sofern der von Ihnen genutzte Drittanbieter nicht DSGVO konform ist, so gelten Sie automatisch auch nicht als konform. In diesem Fall drohen Ihnen die gleichen Strafen.«

Ich gehe mal davon aus, daß die größte Gefahr eines Webseitenbetreibers darin lauert, daß ihn der böse Konkurrent durch den Hinweis auf angebliche Vergehen gegen die DSVGO ausschalten kann. Das werden in erster Linie Kleinbetriebe und selbstständige Gewerbetreibende sein – so übel wie das ist. Blogger sind wahrscheinlich nicht die vorrangigen Ziele – vom Gehampel der üblichen Denunzianten einmal abgesehen.

Also erst mal abwarten.

Datenschutz-Erklärungs-Generator

Heise zum Thema

Das Wichtigste auf einem Blick

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17 Kommentare zu In eigener Sache / DSGVO

  1. Pingback: Der guten Ordnung halber | dame.von.welt

  2. Stefan R. sagt:

    Nun, ich denke, im Hause Google tüftelt man schon an einer Lösung. Der automatische Cookie-Hinweis wurde seinerzeit auch automatisch und ohne Zutun implementiert. Nach meinem Verständnis gibt es außer einer Datenschutzerklärung eigentlich nur zwei Baustellen: Die Kommentarfunktion muss, wie hier unten bereits der Fall, eine Checkbox enthalten, in der der Kommentator zustimmen muss, dass seine Daten teilweise übermittelt werden und die Frage nach dem Recht auf Auskunft bzw. Löschung personenbezogener Daten.

  3. pentimento sagt:

    Lieber Pantoufle,
    schönen Dank für das viele Lesen und die ermutigenden Ergebnisse. Ausser ab und zu die Leica oder die Rolleiflex wieder zu benutzen, in der Tasche und mit Drahauslöser, werde ich keine weiteren Konzessionen machen. Die können mich mal. Da vergeht einem ja sonst aller Spaß an der Freude.
    Die Fotos von Salomon waren die ersten, die ich gesammelt habe. Der Kongress schläft…

    Einen Extragruß an Josi, 8 Autostunden von hier. 🙂

  4. Josi sagt:

    Man soll ja Blogs nicht dazu benützen, andere Menschen zu grüssen, aber ich grüsse Pentimento auch ganz herzlich zurück, denn immerhin teilen wir eine ganze Menge miteinander, scheint mir (Soziusse zumindest).

  5. pentimento sagt:

    Ach, soll man nicht? Sorry! Es wird nicht wieder vorkommen.

  6. Pantoufle sagt:

    Wer sagt denn so einen Blödsinn? Natürlich darf man hier! Mit dem Anhaken der Checkbox darf Josi Pentimento ungehasht grüßen und um Übersicht über Grüße zu gehalten und Mißbrauch zu verhindern, jederzeit diesen Gruß auch wieder löschen. Ich weise darauf hin, daß die Grüße gar nicht mehr ungehasht an Pentimento grüßen, sondern gar nicht mehr an Automattic weitergeggrüßt werden, sondern nur von mir mitgegelesen werden.

    Haken

  7. flatter sagt:

    Hash? Grüße?
    Ein Leser weniger!!!!!1!

  8. pentimento sagt:

    @flatter, das sagst Du zwar manchmal, aber zum Glück meinst Du es nicht so. Hoffen wir, daß der gute Pantoufle wieder gesund wird! Liebe Grüße 🙂

  9. Josi sagt:

    Liebe Pentimento, das hoffe ich auch.

    @flatter: gehst Du Patrouille bei den Nachbarblogs, ob wir auch hier auf der Plattform von Pantoufle uns strikt von Blümchen am Küchentisch, überreicht vom Schwibschwager, fernhalten (das berühmte Narrativ am Küchentisch)? Und dann auch noch impertinenterweise nicht nur zum Fenster rausgrüssen, wo draussen irgendein Duderich vorbeigeht, der erfreut mit den Armen wedelt und das alles ausdrücklich vom – leider derzeit abwesenden – Hausherrn bedauerlicherweise geduldet sei, was aber keineswegs als Freibrief von uns aufgefasst werden sollte, andere damit zu belästigen, die aus welchen Gründen auch immer sich bis zu diesem traurigen Punkt meinten durchlesen zu müssen? (Btw. : was bedeutet eigentlich dieses !!!!1!!!!?).

    Das Problem, liebe Pentimento, ist nicht, dass flatter es nicht so meinen könnte (merke: Der Kontrollfreak an Deiner Seite meint es immer so), sondern dass ich befürchte, dass sich alles ganz, ganz anders verhält. Ich habe Pantoufle geschrieben, er könne Dir meine Mailadresse weitergeben, vielleicht drücken wir dann beide die Daumen für den Hausherrn.

    Ich glaube ja ans Daumendrücken und auch ans Grüssen.

    • Pantoufle sagt:

      Ein Sümbol. liebe Josi, ein Sümbol! Die !!!!1!!!!? Einz steht für den einen Leser.
      Muß man natürlich wissen.

    • Stony sagt:

      »Btw. : was bedeutet eigentlich dieses !!!!1!!!!?«

      Satzzeichenmassaker dieser Art dienen, kurz gesagt, der Überhöhung.

      • Stony sagt:

        Nachtrag: Falls die Frage als solche ernstgemeint war – ansonsten bitte ich darum, mir diesen Fauxpas nachzusehen (15h Schlaf scheinen bei mir ähnlich zu wirken wie 40h ohne; kommt auf meine verlegte Ausschlußliste, versprochen.).

        • Josi sagt:

          Welchen Fauxpas?

          Klar war die Frage ernst gemeint, ich lese so etwas immer wieder und wie bei fremden Sprachen auch, die ich massenweise auch nicht spreche, höre ich mich rein, was der andere gemeint haben könnte und baue mir notfalls auch den Satz so um, dass er für mich passt – das setzt sich dann auf meinem Wahrnehmungsboden ab und verfestigt sich.

          Und manchmal frage ich dann einfach nach, auf die Gefahr hin, sofort auf 180 sein zu müssen, weil ich um die Erkenntnis nicht herum komme, beleidigt worden zu sein. Und jetzt stelle ich fest, es geht eigentlich nur um Überhöhung.

  10. pentimento sagt:

    Liebe Josi,

    ich hab das Gefühl, !!!!!1!!! oder so hat etwas mit unterdrücktem Zorn zu tun, wie er bei Leuten vorkommt, die sich leicht aufregen, warum auch immer.

    Lieber Pantoufle,

    Wie schön, daß Du wieder da bist, Mensch! Hope you are well! :- o

  11. Stony sagt:

    Moin Josi,

    als ich die Antwort auf Ihre Frage tippselte, tat ich dies unbedacht, folgte meinem ersten (oberflächlichen) Eindruck. Sowohl was Sie betrifft, und damit den Beweggrund für die Frage, als auch den Punkt, daß sie an flatter gerichtet war. Zudem machte ich mir kaum Gedanken darüber, wie meine Antwort bei Ihnen ankommen könnte und, vllt. noch wichtiger, ob sie für Sie hinreichend informativ sei.

    Wie dem auch sei. Einen schönen Sonntag wünsche ich, das Wetter verspricht ja einiges und lockt mich jetzt (wieder) raus. 🙂

    • Josi sagt:

      Lieber Stony, das ist ja mal eine perfekt formulierte Stellungnahme.

      Tatsächlich ist es mir bei Feynsinn auch schon mal passiert, dass ich eine Frage gestellt habe und mir der Adressat (nicht @flatter) tatsächlich als Antwort einen Auszug aus Wikipedia gepostet hat. Nicht bedenkend, dass ich die Frage gar nicht hätte stellen können, wenn ich Wikipedia nicht selbst bedienen könnte. Das habe ich dort dann nicht mehr kommentiert, sondern mir gedacht:

      Irgendwie hat der sich jetzt auf meine Kosten selbst überhöht, denn er hat nicht geschnallt, dass ich 1. den Erfinder des Begriffes im Original gelesen habe, 2. den Fall doch nicht aufklären konnte und wahrscheinlich auch sonst keiner, nur sich keiner getraut hat bisher, das auch auszusprechen und 3. Wikipedia da nicht weiter hilft, sondern höchstens ein so perfekt formuliertes kleines Schriftstückchen wie das Ihre oben.

      War aber nicht so.

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