Ich habe das Privileg, es nicht zu wissen.

Wie das Leben so spielt: Vor nicht allzulanger Zeit hatte ich mir in einem Kommentar noch gewünscht, in einem Repaircafe meine Nachmittage sinnvoll vertrödeln zu können, da erwischt mich ganz überraschend eine Festanstellung, die diesen Wunsch bezahlterweise Wirklichkeit werden läßt. Sachen gips…

An der Werkstattausrüstung müssen wir noch ein wenig arbeiten, aber das Fehlende kann ich fürs Erste aus dem eigenen Fundus bestreiten. Konzerte finden natürlich erst einmal nicht statt, wenn auch die eine oder andere »Online«-Veranstaltung. Mit Video, Internet und dem verkrampften Bemühen so zu tun als wäre das immer schon so gewesen.
Jedem sein Hygienekonzept. Brave Hausmütterchen denken es sich aus und wachen mit Argusaugen darüber, daß sich auch ein jeder ihren ganz persönlichen Vorstellungen der Rüsselpest beugt. Was wäre dieses Land ohne den Freifahrtschein, sich selber Benimmregeln zu verpassen, denen man sich glückselig lächelnd unterwirft.

Es sollte ja auch viel mehr getestet werden. Und immer lockt das »Zentrum« – geht eigentlich noch irgend etwas ohne »Team«, »Zentrum« oder »nachhaltig«? Mit einem »Testzentrum« war ich vor 2 Wochen beschäftigt. Über eine ISDN ziemlich lahme Netzleitung mit der Außenwelt verbunden, versucht man alles, was die naive Vorstellung der Spätgeborenen mit »Internet« verbindet, zu realisieren. Telephon, Drucker und den WoW-Account über eine Standleitung, die ihrem Namen vollkommen gerecht wird, spontaner, unabgesprochener Server-Umzug mitten in der Nacht und das große Staunen am nächsten Tag, daß so ziemlich gar nichts mehr läuft. Nicht mal der Netzwerkdrucker für den Faxempfang! Wir brauchen viel mehr Testzentren – da stehen noch ein paar Container mit Fenstern herum. Mit ein paar Dreiersteckdosen aus dem Baumarkt und etwas Netzwerkleitung könnte man doch… Willkommen in der Landeshauptstadt! Wir verhüten nicht mehr – einmal pro Woche testen ist sicherer.
Nächste Woche steht diese Idiotie auf dem Arbeitsplan. Aber ich wollte ja unbedingt ein Repair-Café.

Guy Peelaert / Rock Dreams Kinder in Deutschland; Teil 50: Kindeswohlgefährdung

Auf Freitag.de wird wieder einmal über den Tod von Metal philosophiert. Jetzt stirbt er aber ganz bestimmt! Es sind schon viel weniger als noch vor zehn, zwanzig Jahren die ihn hören, weil – oh Wunder! – die Zuhörer älter geworden sind. Auf die naheliegende Tatsache, daß Elvis-, Pink Floyd- oder gar Jerry Lee Lewis-Fans mittlerweile mehr als tot sein müßten, geht der Artikel bedauerlicherweise nicht ein. Dafür auf Cannibal Corpse, die werden wenigstens indiziert…gäääähhhn!! Metallica dagegen fast den halben Artikel. So tief muß man sich dann ja nicht in das versenken worüber man schreibt. Keine Meshuggha, keine Tessaract, keine Opeth, kein Edge of Sanity geschweige denn Rush oder King Crimson. (Nu-Metal: Schon mal was davon gehört?)
»…Metallica seien keine echte Metal-Band mehr, sind sie vermutlich der einzige Act der Szene, der sich einen überragenden Platz im Rock-Mainstream gesichert hat.«
Und die Skorpions – die sind immerhin mal mit dem Bundeskanzler erschienen.

Diese ganze Rock’n’Roll Berichterstattung findet mittlerweile nur noch auf einem Level statt.: Das, was man selber hört und reingewaschen hat von allem, was Kritik von jedem noch so obskuren Weltverbesserer hervorrufen könnte. Rock’n’Roll mit Elektroantrieb. Kein Sex auf dem Rücksitz, keine Schlägerei vor der Concert-Hall. 

»Ja, meine Mucke ist das ja nicht so. Ich fresse ja lieber Biogemüse und bin achtsam.  Nur immer dieses schlechte Gewissen, wenn ich bei Rot über die Ampel gehe…«

P.S. Warum Kid Rock? Ich war mit dem Kerl mal auf Tournee und kann mich nicht erinnern, jemals bei der Arbeit so viel gelacht zu haben. Ein Supertyp mit einer närrischen Liebe zu Kindern und dem Rock’n’Roll. Ohne seine Crew fehlt ihm etwas – allerbeste Hotels inklusive. Die Nacht in der Villa Kennedy und ihren 3 Flaschen Geheimrat J extra für mich ist unvergessen.

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15 Antworten zu Ich habe das Privileg, es nicht zu wissen.

  1. Stefan R. sagt:

    Pah, die sind doch alle nur neidisch auf Metal, weil die nicht so viele Stilrichtungen und Subgenres haben (hier ein Überblick über die wichtigsten).

    • Pantoufle sagt:

      Moin Stefan R.

      Jaja… is ja schon gut. Dafür ist es noch nicht ganz so schlimm wie in der House-Music, Techno, Deep, Acid, Future, Ghetto, Tribal, Detroit, Future, French, Afro… und alle lassen sich bis zu Bismarcks Zeiten zurückverfolgen. Mindestens!
      Ich hatte mich auch nur darüber geärgert, daß da jemand offensichtlich wieder über etwas schreibt, das er nicht kennt. Während ich das las, übersetzte ich mir den Text im Hinterkopf dahingehend, daß es sich um Jazz handeln würde. Ohne Miles Davis, Thelonius Monk und Duke Ellington.
      Ärgerlich.

  2. Siewurdengelesen sagt:

    Hihi – Metal ist tot, es lebe der Metal;-)

    Ich frage mich nur, was das alles für Gestalten sind, die Tendenz zunehmend auf diesen ganzen Festivals herumturnen, die derzeit leider nicht stattfinden dürfen? Für die Zombie-Apokalypse sehen die jedenfalls ziemlich oft ziemlich jung aus.

    Oder wie mein Töchterlein sagen würde: “Ich trage solange schwarz, bis es etwas dunkleres gibt.”

    Waaaaaaacken…..

    • Pantoufle sagt:

      Moin Siewurdengelesen

      Zusammen mit der schönen Sitte, daß jeder meiner Familie einen Tag in der Woche die anderen verköstigen muß, gesellte sich die Benutzung der Hifi-Anlage im Nebenzimmer beim Kochen. Da diese eine gewisse Durchschlagsfähigkeit auch durch dickere Mauern garantiert, stellt sich mir öfter die Frage, ob die »jungen Leute« überhaupt etwas anderes als Metal oder metalartiges hören.
      Aber so ist das eben: Zwei AC/DC Songs am Stück gehört, sich für den Metal-Halbgott haltend zur Schreibmaschine gegriffen und einen fetzigen Artikel über den Tod des Metal in die Welt geschissen.
      Da fragt man sich schon, wie tot eigentlich der Schreiberling ist.

      • Siewurdengelesen sagt:

        So sind sie halt.

        Wie immer ist es bei Musik wie mit vielen Dingen. Die Geschmäcker sind verschieden und Musik ist eben nicht nur Ballermann-Mucke und die singende Sagrotanflasche (bei der sich auch Jugend begeistert). Aber da halte ich es mit Frau Kebekus: “Wir haben auch gegen die Alten protestiert, aber mit Rage Against The Machine!”

        Vielleicht hat sich da nur einer seine Aversionen vom Leib geschrieben, dann sei es ihm gegönnt.

        Selber wüsste ich gar nicht wo anfangen, aber die ollen Komponisten waren in ihrer Seele nach heutigen Maßstäben m.E. alle Rocker;-)

        Und Klassik und harte Mucke hat so oder so etwas wie bei Blind Guardian mit Twilight Orchestra oder Haggard uswusf. Da gibt es ja so vieles.

  3. flatter sagt:

    Ich habe alle ‘Konzerte’ von Lucifer’s Heritage für fünf Mark verpasst, sonst wär ich jetzt für den Rolling Stone qualifiziert. Ich könnte aber so tun als ob, dann reichte es noch für deutschen Mittelschichts-Q-Journalismus, zumal ich wen persönlich kenne, der eine Metal-Radiosendung macht. Könnte sogar sein, dass ich mit einem der Jungs mal bekifft im Proberaum dilettiert hab (das waren so viele damals). Problem: Metal interessiert mich nicht. Bin mehr so der Holztyp.
    Irgendwas habt ihr nicht kapiert. Du trittst nämlich auf der Stelle, wenn du dich verweigerst, z.B. der Einsicht, dass echt® und authentisch® eine Frage der Ausleuchtung und der richtigen Antworten auf eingeübte Fragen ist – und natürlich früher®, wovon ihr keine Ahnung habt, weil ihr dafür zu vorgestrig seid, ihr loser. Step aside, progress is marching.

    • Pantoufle sagt:

      Moin Duke

      »progress is marching
      Das ist ja das, was ich jeden Moment des Tages fürchte. Jedes Mal wenn ich die Tagesschau aufschlage und gespannt nach dem Artikel Artikel »grüne Bundeswehr« Ausschau halte. » Erstschlagfähigkeit mit Erdgas« und »taktische Kurzstreckenraketen mit erneuerbarer Energie«. Finde nichts und denke »Frontbegradigung dank Holzvergaser« und dann fühle ich mich immer sehr alt.
      »Metal interessiert mich nicht«
      Das ist eine Altersfrage (und eine des guten Aussehens).
      Wie man Musikjournalist wird, hat mich immer schon interessiert. Das heißt, weniger das wie, als vielmehr das »warum ausgerechnet DER?« Das nicht jeder ein Joachim-Ernst Berendt oder Wolfgang Welt sein kann – geschenkt! Aber etwas mehr als »Ich kriege umsonst Backstagekarten und ihr nicht!« darf es dann schon sein. Es muß wohl ein allgemeines Desinteresse an Musik sein, daß dieses Fach so unter die Räder gekommen ist.

  4. R@iner sagt:

    Mit dem Metal ist das halt so eine Sache. Mancher gute Gitarrist wandert einfach ab in Richtung Jazz/Fusion, der unbegrenzten Möglichkeiten wegen.
    Mir gefällt ‘Flametal’ recht gut, also Metal auf Flamenco-Gitarren.
    Beispiele:
    FLAMETALLICA Full Album – Ben Woods Flametal
    Toxicity (System of a Down) – Heavy Mellow – Flamenco Bulerias

    @pantoufle: Herzlichen Glückwunsch zum neuen Job – Ich wünsche dir viel Spaß damit!

  5. da]v[ax sagt:

    Erstmal: Glückwunsch zur neuen Festanstellung. Möge sie länger Bestand haben als die letzte 😉

    Und dann: You cannot kill The Metal! 😉

    • Pantoufle sagt:

      Danke für die Danaerwünsche. Alles, was mir über die nächste Woche hilft, hilft.
      Edith:
      Das Problem hätte sich nach dem Ende von Lockdown -light,-laschet, -nagging doubts, -wir sind einfach nur doof ohnehin erledigt.

  6. WAAAAH!!!!!! Das Video da oben geht GAR NICHT!!!! Dreads sind Rassissmus!!!!! *geifer*

    PS: ja, das Recht auf Nichtwissen muss man sich schon manchmal rausnehmen, sonst wird man echt irre hier.

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