…hat ein Brüderchen bekommen…

Guten Abend, guten Abend. Schon wieder nichts über den durchaus bedenklichen Zustand dieser Welt, keine Impfgegner, keine Erkältungskrankheiten, Trolle (warum gibt es eigentlich kein Diminutiv von Troll oder kenne ich es nur nicht) – nein, es gibt wieder was zum basteln!
Die Lautsprecher in meiner Dunkelkammer haben (endlich) einen passenden Verstärker gefunden! Und den wollte ich kurz als Bastelei fürs Wochenende vorstellen. Wer sich also noch nichts vorgenommen hat…

Bis jetzt habe ich mich mit einem Sony-Trümmer beholfen, der sehr viele Knöppe und Leuchten hatte (damit man auch leuchtend hell sieht, was man gedrückt hat. OK, einige Menschen brauchen das, die können es nicht hören. Das erinnert mich an Jeff, den Tonmann von Yes: Der hatte auf seinem XL4 ein paar überflüssige Fader mit »less«, »more«, »Talent«, »louder«, »better« und ähnlichem beschriftet. Für jeden, der vorbeikam und und ihm während der Show eine echte Verbesserung für seinen Mix anbot, hatte er einen Fader. Bei 99,7% der Ratgeber hat das anstandslos funktioniert).
Also, der Sonytrümmer war nicht nur wegen der Bordellbeleuchtung zweite Wahl. Geklungen hat er auch etwas siebzieger, da rettete ihn auch nicht der DAT-Eingang (kennt das noch jemand?) Allein die Illumination disqualifizierte ihn für die Dunkelkammer. Also weg damit!

Die nächtelange Grübelei über look and feel nehme ich dem geneigten Nachbauer gerne ab; mein Design über überzeugt durch Übersichtlichkeit und und Ökonomie. Noch Fragen? Eine Netzkontrollleuchte gibt es aus naheliegenden Gründen nicht – wir befinden uns in einer Dunkelkammer! Ja, ich weiß, man hätte auch eine rote nehmen können, aber sicher ist sicher und keine Leuchte ist völlig sicher. Und wenn man eingeschaltet hat, ist er an (und wenn nicht, muß man sowieso nachsehen – da nutzt die Leuchte also auch nichts. Den Duspol raus und prüfen).

Die Überlegung war folgende: Alle Teile sollten im Hause vorhanden sein, keine Exoten, kein Hi-End-Gedödel und sehr gut klingen sollte es auch. Gehäuse war da, Trafo auch (leider nur einer) und Leistung braucht es nicht wirklich (ehrliche 2 x 30W sind vollkommen ausreichend). Platinen und Elkos rummeln hier genug herum, und los! Die »Anlage« besteht aus einem popeligen ASUS-Netbock mit einer Steinberg USB-Soundkarte. Die klingt recht ordentlich und kostet nicht viel. Die symetrischen Ausgänge liegen leider nur als Stereo-Klinken vor, aber das ist bei dem Preis zu verschmerzen.
Also symetrische Eingänge!
Die Lautsprecher sind nicht gerade die Bass-Monster (Audax MHD17BR25), also gemäßgt Netzteil-Elkos.
40.000µF reichen dicke.
Damit die Kanaltrennung etwas besser wird (wenn ich es liegen gehabt hätte, hätte ich 2 Trafos genommen), gibt es getrennte Gleichrichter für links und rechts. Die bauen wir diskret mit BYW80-200 auf. Die sind recht schnell und können mehr Strom und Spannung als gebraucht wird und kosten nicht viel.
Keine Elkos im Signalweg! Wichtig! Erfahrungsgemäß klingen die WIMA MKS-4 zufriedenstellend; es gibt natürlich auch von Mundorf die Supreme Evo silber/gold-Öl seltene Erden mit Biberpenisleder und angerauhten vernickelten Platin-Anschlüssen, aber wir wollen ja kein Hi-End.
Nein!
Also MKS4! Die sind gut genug – so gut sind meine Bilder nicht!

Bei dem Endstufen-Design habe ich etwas länger nachgedacht. Mos-Fet fiel wegen des vorhandenen Trafos unter den Tisch, den alten NDFL-Entwurf aus der ELRAD…ja, vielleicht, groß,aufwendig, zuviel Leistung, Trafo paßt nicht, alles umrechnen, Nein!, den noch und das gibt’s auch noch – der Mensch ist faul und träge: Wir stellen uns dumm und machen das gaaaanz einfach. LM 3886, das wunschlos-glücklich-Paket in einem IC. Der kann was und klingt ziemlich ordentlich. Spannung passt, Kühlkörper auch, eine halbe Handvoll Bauteile und der Drops ist gelutscht. Machen wir so!
Die Symetrierung am Eingang ist der Soundkarte geschuldet. Braucht man das? Bei Entfernungen von mehr als 10 Metern ist es empfehlenswert. Meine beträgt 20, 30 cm. Also symetrisch, damit einem niemand vorwerfen kann, man hätte nicht alles versucht. Außerdem brauche ich gelegentlich zum experimentieren einen symetrischen Amp in der der Werkstatt.
Und damit ist die Planung beendet.

Der Schaltplan hält sich ziemlich genau an die die Texas-Instruments Empfehlungen, vielleicht bis auf R11, R12, C21, C30. Die geben unter Laborbedingungen etwas mehr Stabilität im HF-Bereich. S1,S2 sind 10R/ 2W Metallwiderstände mit 0,7mm CUL-Draht umwickelt. C2 und C13 sind natürlich wieder WIMA-MKS4 wie auch die Kondensatoren über der den Gleichrichtern. Alle Widerstände Metallfilm, alle Kondensatoren von guter Qualität… was soll man dazu sagen!
Ein  Boucherot-Glied gips nicht. Bei meinen Lautsprechern machte sich das gehör- und Messtechnisch nicht bemerkbar. Bei anderen mag das anders sein. Die können dann ja eines über die Lautsprecherklemmen löten (da gehört es nebenbei auch hin).
Womit wir bei einer Besonderheit des LM3886 kommen. Das kleine Teil ist ab Werk richtig gut und in der Klasse bis 40W vom Nutz-Aufwandverhältnis kaum zu schlagen. Es reagiert aber ziemlich allergisch auf unsachliche Masseführung! Bei dem von mir verwendeten Layout laufen 3 getrennte Massebahnen zum zentralen Massepunkt: Signalmasse, Versorgungsmasse und Pin 7 vom LM3886. Deswegen auch die doppelseitige Platine. Das mag man für überflüssig halten, bringt aber wirklich was! Sieht man sich das Innenschaltbild des IC’s an, wird nicht völlig klar, ob man Pin 7 dem Versorgungslayer oder der Signalmasse zurechnen soll. Ich habe mich von daher entschieden, es als eigenständige Masse zu behandeln und das Ergebnis gibt mir recht. Eine Brücke zur Signalmasse ergibt einen hörbaren Unterschied!
Alle Massen (Signal, Versorgung, Gehäuse) haben zwingend und ausnahmslos zum zentralen Massepunkt zu führen.

Aber das sind eigentlich auch die einzige Änderungen gegenüber den Herstellervorgaben.
Überflüssig zu betonen, daß auch von der Symetrierungsplatine 2 getrennte Masseverbindungen geführt werden.

Noch ein paar Kabel, Handvoll Löcher ins Gehäuse und der Spaß kann beginnen. Ach ja, Löcher! Das sehr schicken Gehäuse von Hifi2000 aus Italien sind leider so sorgfältig eloxiert, daß man die Masseverbindung zwischen Deckel, Boden, Seiten, Front und Rücken mühsam selber herstellen muß. Ärgerlich! Aber wenn es dann fertig ist, klingt es auch gaaaaaanz toll. Ist ja selbst gebaut und klingt sowieso besser als alles andere!
Hab ich was vergessen?
Wer die Platinenlayouts haben will, schreibe mich privat an. Zweckform 3491, einen Laserdrucker, eine UV-Quelle und belichten. So einfach ist das!

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10 Antworten zu …hat ein Brüderchen bekommen…

  1. DasKleineTeilchen sagt:

    öhm, “tröllchen”?

  2. L´Andratté sagt:

    Genau mein Geschmack, Minimalismus ohne Borniertheit.
    Du tust aber so, als wär es ein Kinderspiel beidseitige Platinen zu belichten, ich muß dafür immer erst eine halbe Stunde meditieren und sämtliche handwerkliche Pingeligkeit heraufbeschwören, die mir zu Gebote steht. Dann klappt´s jedes zweite mal… (:

    • Pantoufle sagt:

      Moin L´Andratté

      Also der Trick ist recht einfach, ich versuche es mal anschaulich zu beschreiben. Normalerweise würde man versuchen die beiden Folien auf einem Leuchtetisch genau übereinander zu kleben (Tesa, Patex, was weiß ich.) Einmal »Schicht«seite oben, einmal unten. Anschließend auf die Platine tapen. Da kann man pingelig sein, wie man will, grundsätzlich liegt man ein µ daneben. Für die meisten Fälle bei »Lochbauteilen« reicht die erzielbare Präzision aber.
      Die Ungenauigkeit kommt dadurch zustande, daß die beiden Folien dicht an dicht übereinander liegen, die Platine aber 1,5 mm dick ist. Es kann sich also ein Winkelversatz ergeben, wenn man die Platine dazwischenzwängt (untere Folie ist gerade, obere »biegt« sie sich etwas o.ä.). Das kann man dadurch minimieren, indem man sich aus alten, blankem Material eine Art Rahmen sägt, der etwas größer als (wie in diesem Fall) eine Euro-Card ist, Da soll die Platine genau (!) reinpassen. Erst die untere Folie festkleben, dann die obere mit Tesa an einer Seite ausrichten. Platine reinlegen, belichten, freuen. Den Aufwand betreibe ich aber nur wenns wirklich darauf ankommt. Wenn man ordentlich arbeitet, ist das nicht nötig. Mehr als einen viertel Millimeter Ungenauigkeit gibt das nicht, wenn man nur mit den Folien agiert. Ordentlich arbeiten sollte man aber trotzdem.

      P.S. Ich habe ein doppelseitiges Layout gewählt. Das muß man natürlich nicht. Die Schaltung ist von so schlichter Einfachheit, daß man mit etwas Mühe sicherlich auch einseitig arbeiten kann. Dann gibt es eben ein paar Brücken oder freifliegende Litze. Scheiß drauf!
      Ich wollte halt nicht, das ist alles.

  3. L´Andratté sagt:

    Ok, das probier ich nächstes mal, ich hatte es bisher mit Registrierkreuzen gemacht (und meine Platinendesigns sind immer völlig zugepflastert mit Bauteilen).
    Danke für die ausführliche Beschreibung.
    Der Tip mit den ZWEI Gleichrichtern war auch interessant für mich…mit Leistungsverstärkern kenn ich mich noch nicht so aus.

    • Pantoufle sagt:

      Moin L´Andratté

      Ohne das Thema endlos ausweiten zu wollen, nur soviel zum Thema ungeregeltes Netzteil (gilt nicht nur für Leistungsverstärker):
      Man kann zwischen 3 Typen unterscheiden, die gängig sind. Nr. 1 ist der Normalfall und dagegen spricht grundsätzlich auch nichts. Im Zusammenhang mit Leistungsverstärkern ist es aber so, daß deren Betriebsspannungsunterdrückung (abhängig vom Grad der Gegenkopplung) meist weniger gut ist, als sich der Konstrukteur sich das wünscht (von den Marketing-Affen gar nicht zu reden). Wenn sich ein Endverstärker einen Schluck aus der Pulle genehmigt, wird das der andere Amp mit Sicherheit zu spüren bekommen. Ob man das nun hört…

      Bei Beispiel 2 gibt es wenigstens eine Trennung über den Gleichrichter. Auch die zweite Hälfte für den anderen Kanal wird bei Belastung zucken (und wenn es nur dadurch ist, daß der Trafo in die Knie geht), aber wenigstens bei höheren Frequenzen ist die Trennung besser. Gemessen sind das unter extremen Bedingungen gut 3 dB auf der Betriebsspannung. Das kann aber auch mehr werden, abhängig von den verwendeten Kapazitäten und den Leiterbahnwiderständen. Unabhängig davon »halbiert« man die verfügbare wirkende Kapazität (also die Glättung der gleichgerichteten Wechselspannung) natürlich gemessen an Beispiel 1, wenn man die Gesamtkapazität nicht verdoppelt.

      Beispiel 3 ist eigentlich nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Die Ladeströme der Elkos lassen sich so recht elegant auf den zentralen Massepunkt bringen und durch die »doppelte« Gleichrichtung gibst ein winziges Wenig mehr an Spannung am Ausgang. Überschlagsmäßig Faktor 1,5 statt 1,41.

      Für die 100nF Kondensatoren über den Gleichrichtern in meiner Schaltung verweise ich auf diese Seite. Deswegen auch »schnelle« Dioden und keine 0815 Brücken. In meiner Schaltung liegt dazu parallel ja der Gleichrichter der Vorstufe. Da habe ich den Aufwand nicht getrieben, da ich davon ausgehe, daß die Spannungsregler LM317/337 den Rotz schon irgendwie wegregeln.

      »Danke für die ausführliche Beschreibung.« Das war jetzt ausführlich. Da ja man nich füar!

  4. Götz sagt:

    Sehr schön, gefällt mir, würde ich glatt nachbauen, hätte ich nicht eine ganze Stange TDA 7293 herum liegen. Und da hab ich mit doppelseitig richtig viel Spaß – Toner aufbügeln!
    Die Rückseite der Endstufenplatine hat hoffentlich Drahtstützung zwischen Elkos und pins 1 4 5 oder? Nur weil man’s nicht sehen kann …

    • Pantoufle sagt:

      Moin Götz

      So habe wir alle unsere kleinen Probleme. Meines war für heute erst mal der Schnellverschluß der Benzinleitung, der immer gegen den Choke gedrückt hat und für Verbrauchsrekorde sorgt. Behoben!
      Den 7293 hatte ich auch auf dem Schirm, aber das wäre die Kanone auf Spatz. Und 70, 80W brauchte ich einfach nicht. Abgesehen von den 20 Stk. 3886, die noch rumlagen 🙂
      Abgesehen davon, daß es in der Klasse wieder diskrete Lösungen gibt, die besser sind.

      Ich mache ja viel für meine Leser, aber nicht alles. Zum Beispiel die Platine für die Photos noch mal rausschrauben. Da hätte man – unabhängig von den massiv verzinnten Leiterbahnen – den Anwendungsfall für überalterte Sauglitze gesehen, bei der das Flußmittel eingetrocknet war. Damit kann man prima Leiterbahnen verstärken. Gibts in allen Stärken.
      Von allen Techniken habe ich mir »aufbügeln« Zeit meines Lebens geschenkt. Dazu bin ich wohl zu sehr Photograph. Ich habe davon gehört, es aber nie ausprobiert.

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