Harvey Phillip „Phil“ Spector

Schon gehört? Phil Spector ist tot! Am 16. Januar 2021 ist er mit 81 gestorben, an oder mit Corona – wer weiß das schon so genau? Und selbst, wenn es ihn nicht dahingerafft hätte, wäre sein Leben vermutlich so oder so hinter Knastmauern zu Ende gegangen. Der Soziopath Spector hatte es einfach übertrieben und 2003 eine Frau erschossen.

Seine besten Zeiten lagen ohnehin mehrere Jahrzehnte zurück und seine mehr oder wenige unappetitlichen Angewohnheiten vermisste auch niemand. Weder ein Comeback oder seine Freilassung waren jemals ein Thema.
Wer war Phil Spector?
Spector war ein Musik-Produzent. Ein Musikproduzent ist so eine Art künstlerischer Leiter bei Plattenaufnahmen. Eine Schnittstelle zwischen der Technik und »dem Künstler«. Gelegentlich auch derjenige zwischen Plattenfirma und Künstler. Er ist ebenfalls derjenige, der den ach so begabten zu verstehen geben muß, daß „wenn wir dich an den Knöpfen drehen lassen, kann es am Ende eigentlich nur suboptimal klingen.“ Das sind die Enormst-Begabten, die schon mal die Netz-Anzapfung des Verstärkers von 230V auf 110V heruntersetzen, weil es dann (wenn auch nur überschaubar kurz) »mehr Leistung« gibt . Grund genug also, wenigstens in technischer Hinsicht jemanden zwischen sündhaft teure Studiotechnik und Selbsterfahrungsgruppe zu setzen.

Auch in künstlerischer Hinsicht ist das empfehlenswert, da Musiker massiv dazu neigen, das zu tun, was andere vor ihnen auch schon getan haben. Sie sind (zu 99,87%) was ihre Hörgewohnheiten betrifft, vorsichtig ausgedrückt, äußerst konservativ. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Hätte man diese Frage des Fortschritts allein den Plattenfirmen (geschweige denn Musikern) überlassen, würde die Musik immer noch klingen wie zu Hank Williams Zeiten. »Der letzte Hit von Glen Miller klang so, also klingen die Beatles jetzt auch in dieser Richtung.«
Es gibt also durchaus gute Gründe dafür, einen Musik-Produzenten zu beschäftigen!

Meine erste »Begegnung« mit Phil Spector hatte ich, bevor ich eine Bühne auch nur aus der Entfernung sah. Ich war jung, unverschämt gut aussehend und lötete was das Zeug hielt. Oder schraubte an Motorrädern, die Hits der Siebziger und Achtziger am Ohr des Transistorradios. Meine Helden waren Led Zeppelin, Emerson, Lake and Palmer, the Who und Yes.
Wenn ich mir nicht die Hände schmutzig machte, las ich wie besessen. Unter den vielen Büchern befand sich eines, das mir unvergessen ist ( und das ich mir für diesen Text nach langem Suchen wieder gekauft habe) namens »Rock Dreams« von Nik Cohn und Guy Peelaerd. Ein wunderschönes Bildbändchen mit sehr ausdrucksstarken Bildern (Guy Peelaerd) und Texten von Nik Cohn. Texte – oder besser: Fragmente – die man in ihrer knappen Treffsicherheit nur dann schreiben kann, wenn man wirklich weiß, wovon man redet.
Eines der Bilder zeigt ein spindeldürres Männchen mit überdimensionalen Kopfhörern und einem Drink und einer Zigarre in den Händen auf einem Doppelbett. An anderer Stelle schreibt Cohn dazu prophetisch wie einen Lebenslauf zusammengefasst:

»Phil brachte seine Probleme mit in die Klasse. In der Bronx aufgewachsen, der Vater tot, hatte er, um ganz ehrlich zu sein, ein paar ziemlich unappetitliche Gewohnheiten aufgelesen. Außerdem war er ziemlich klein, Jude, und sprach mit einer komischen Quiekestimme. Zweifellos war er begabt, doch passte er nie so richtig rein, und als er, nach nur einem halben Jahr, dem College den Rücken kehrte, atmete die Klasse insgeheim auf.«

Das könnte so um 1956 herum gewesen sein. Der Siebzehnjährige war von New York nach Los Angeles gezogen und schrieb nach seinem Highschoolabschluß 1958 mit den »The Teddy Bears« den Song „To Know Him Is To Love Him“ , der elf Wochen in den Top Ten stand.
Man hört Chuck Berry, Little Richard, Jerry Lee Lewis, den frühen Elvis oder Buddy Holly. Man konnte so aussehen (und das war nicht besonders toll) wie Buddy Holly und trotzdem standen die Mädchen am Bühnenausgang Schlange oder heiratete seine 13-jährige Großcousine (wie Jerry Lee Lewis), ohne daß es der Karriere einen Abbruch tat.
Goldene Zeiten für den personifizierten Minderwertigkeitskomplex wie Spector!

Die Bands klangen so wie sie eben klangen. Kontrabass, Schlagzeug, Gitarren aus unverzerrten Röhrenverstärkern und sehr mono. Phil Spector liebte mono! Stereo gab es zwar seit Mitte der 1950er Jahre zu kaufen, aber nur weil etwas existiert, hat es noch lange nicht jeder. Rein technisch gesehen gab´s »Stereo« zwar bereits seit 1931, aber gelegentlich braucht es seine Zeit, bis sich etwas in der Breite durchsetzt. Sidney Frey, Chef des Plattenlabels Audio Fidelity Records, brachte 1957 die erste Stereo-Schallplatte heraus. Die ARD strahlt erste Stereo-Sendungen 1963 aus. Wer jedenfalls 1958 etwas in Stereo hatte, war unverschämt reich oder Studiotechniker und hörte sicher keinen Rock´n´Roll. Sollte es aber eines Tages  eine Wette geben, ob jemand die Bands dieser Tage an ihrem »Klang« auseinanderhalten kann, wird es wohl eine große Überraschung geben. Sie klingen alle gleich schlecht!

Und auch die damalige Aufnahme-Studiotechnik war Lichtjahre von dem entfernt, was heute selbst im Billigsegment »Homerecording« als unverzichtbar gilt. Wenn 1958 jemand bei einer Aufnahme mehr als den Umständen nach unvermeidbar daneben lag, mußte die Stelle eben wiederholt werden. Aber was macht das schon? Die Musiker konnten in der Regel Noten und eine Partitur lesen und waren auch sonst Kummer gewohnt..

Jedenfalls machte sich Spector mit dem Geld seines Radiohits der »Teddy Bears« 1961 selbstständig und gründete sein eigenes Plattenlabel Philles Records in der sicheren Erkenntnis, sich dort als Alleinherrscher und größenwahnsinniger Mogul aufspielen zu können. Und das war nach den Jahren als Klinkenputzer und der Erkenntnis, daß alle anderen ausnahmslos besser aussahen und auch am Strand mit einem hübschen Mädchen im Arm eine weit bessere Figur machten als er, bitter nötig. Jetzt konnte er sich rächen, jetzt kam seine Stunde. Alles, was sich an Frustration und Mangel an Lebensfreude angesammelt hatte, brodelte unter einer sehr dünnen Schicht gesellschaftlicher Konventionen. Der Cecil B. DeMille der Popmusik.

Sein erstes Opfer war die Girl-Group »The Crystals«. There’s No Other (Like My Baby) /YT und gleich ein Nr.1-Hit, ein Millionenseller – nicht schlecht für den Anfang! Und der Beginn dessen, was zu Spectors Markenzeichen werden sollte: Die »Wall of Sounds«. Die Idee dahinter war simpel und aus der Biographie Spectors naheliegend: Mach es groß! Größer!! Gigantisch groß!

Etwas aus der technischen Not geboren war sie auch, diese Idee. Viel mehr anders konnte man es zum damaligen Stand der Technik kaum machen als »groß«. Die Möglichkeiten zur elektronischen Verfremdung von Klängen existierten so gut wie nicht und die kleinen Helferlein mit dem Knopf von Linksanschlag Toilette bis rechts Taj Mahal waren auch noch nicht erfunden. Von Wunderkisten, mit denen man selbst einen Goldhamster zum Singen bringt, ganz zu schweigen.
Dafür gab es einen Tontechniker namens Larry Levine und die Gold Star Studios in Hollywood. Spector beschrieb Levine, wie groß er es haben wollte (sehr groß!) und Larry Levine legte los. Ein betoniertes Kellergewölbe mit einem Lautsprecher an einem Ende und einem Mikrophon am anderen erzeugt einen prima Hall, wenn man es dem Originalsignal hinzufügt und das Studio besaß gleich zwei dieser Hallkeller.

Wo andere Produktionen glaubten mit einem Schlagzeug auskommen zu können, reichten Spector zwei nur selten. Vier Gitarren durften es dann schon sein, eine handvoll Klaviere, ein paar Bässe und soviele Bläser wie das jüngsten Gericht eben braucht.
Ein gewisser Mr. Les Paul (bürgerlich: Lester William Polsfuss und keine Gitarre) hatte es vorgemacht und initiiert: Wenn man ein Tonband mit 2 Spuren hatte, konnte man die Signale von der einen auf die andere Spur überspielen und dabei sogar noch etwas hinzufügen. Die Gold Star Studios verfügten über gleich mehrere Maschinen mit sogar 3 Spuren (Ampex 340-3), womit sich noch erheblich mehr Unsinn anstellen ließ. Und Spector ließ!

Zwei Aufzeichnungsmaschinen ließen sich weitgehend synchronisieren. Weitgehend. Spielte man sie zusammen ab und mischte das Ergebnis auf eine dritte, so ergab sich irgend etwas, was mehr Informationen beinhaltete als zuvor. Und bei jedem Abspielen beinahe das Selbe! Jedenfalls klang es groß, wenn aus vier Gesängen auf einmal acht oder mehr wurden, die, durch den Keller gejagt, noch ein wenig gewaltiger klangen, wenn ein Orchester zum Tutti ansetzte und ein vielarmiges Schlagzeug dazu vibrierte. In den batteriebetriebenen Transistorradios am Strand klang es jedenfalls gewaltig. Oder denen im Auto, wenn man zur Viertelmeile vor dem Café den V8 aufheulen ließ. Beinahe so, als würde man selber aufs Gaspedal treten.
Das war sie wohl, die Geburtsstunde des »Sounds«!

Vor Spector klangen sie eigentlich fast alle gleich etwas dünn und es ging hauptsächlich um die Musik, nach ihm fett, überproduziert und die Musik trat langsam in den Hintergrund. Der Größenwahn hatte Einzug gehalten und bis heute will jede drittklassige Tanzkapelle wenigstens ein einziges Mal mit einem 65-köpfigen Orchester auftreten. Am Besten in der Royal Albert Hall oder wenigstens einem Fußballstadion, weil es dort noch etwas gewaltiger klingen soll.
Der Tontechniker Larry Levine wußte wie es geht und Phil Spector wie es klingen sollte. Oder wie ein bekannter Produzent (Hugh Padgham) unserer Tage einmal sagte

»Ich spiele nicht zu viel herum. Wenn ich einen guten Techniker habe, sage ich ihm, was ich will, und er muss es finden. Wenn es nach mir ginge, ich würde es nie finden! Es sei denn, es wäre ein Versehen.«

Spector wußte jedenfalls, was er finden wollte. Und wenn der Musiker das nicht begriff,so lag schon mal ein geladener Revolver vor ihm auf der Konsole, um dem Wunsch nach Leistung Nachdruck zu verleihen. Zusammen mit Spectors Alkohol- und Drogenkonsums eine durchaus ernstzunehmende Medizin gegen Müdigkeit und Unlust. Das kommt dabei heraus, wenn man verkrüppelten Seelen Macht verleiht.
Für den Fall, daß »der Künstler« beim allerbesten willen nicht mehr konnte oder doch einmal ins Bett wollte, hielt sich Spector eine eigene Studioband namens »the wrecking Crew«. Studiomusiker sind an sich nichts Außergewöhnliches und für den Fall, daß das Material der Songs den entsprechenden Bandmusiker überfordert, ein probates Mittel, den Produktionsvorgang zu beschleunigen. Phil Spector machte ausgiebig Gebrauch von diesem Werkzeug. Ob das Bild auf dem Plattencover mit den Musikern der Band da noch der Realität entsprach, ist eine andere Frage, die sich allerdings nicht nur bei Spector-Produktionen stellt. Dieser Aspekt der Aufnahmetechnik hat bis zum heutigen Tage Bestand.
Im Übrigen kann man wohl sagen, daß es sich bei Phil Spector um ein sogenanntes »One Trick Pony« handelte. Mehr als »Groß« beherrschte er genau genommen nicht, was sicherlich auch mit seinen überschaubaren Erfahrungen als Musiker zusammenhing. Verglichen mit einem Quincy Jones, Hugh Padgham oder einem Nile Rodgers muß man ihn wohl sogar als regelrechten Pfuscher einordnen. Das wird wohl nirgends mit solcher Peinlichkeit sichtbar wie gegen Ende seiner Karriere, als er aus völlig unerfindlichen Gründen an die Ramones (End of the Century) gerät. Er hatte zwar begriffen, was er wollte, den Rock´n´Roll an sich jedenfalls nicht. Und die Ramones brauchten Orgel und Streicher so wenig wie AC/DC Knaben-Kirchchöre.

Phil Spector ist nicht allein der Erfinder der Wall of Sound – er erfand die Idee des Pop-Produzenten, die bis zu den grotesken Karikaturen wie Dieter Bohlen bis heute Bestand hat. Der Klang ist das Produkt, die Musik spielt eben dazu. Was damals in den Musicboxen, portablen Plattenspielern am Strand oder den Transistorradios für einen komprimierten, fetten Ton sorgte, beherrscht heute jede Waschmittelreklame (oft besser) und konkurriert so mit jeder Pop-Musikproduktion. Das ist kein gutes Gegenmittel gegen Größenwahn, wenn die ganze Welt einen kopiert.

Immer noch in seiner Wahlheimat Californien ließ sich ein Gespenst von seinem Chauffeur in seinem Rolls-Royce durch die nächtlichen Straßen fahren. Die Welt gibt dir niemals zurück was du glaubst ihr gegeben zu haben. Schon gar nicht als Produzent, das andere Wort für »zweite Geige«. Dieser Mord als Mittel, noch ein letzte Mal im Zentrum des Rampenlichts zu stehen.

Tja, Mr. Phil Spector. Soviel hat sich doch nicht geändert. Du siehst immer noch scheiße aus und die Damen beginnen erst zu lächeln, wenn ihnen jemand sagt, wer du bist. Das eine Million Dollar Grinsen nennen sie dann Lächeln. Die eine, die auf das Prinzip reinfällt, der steckst du den Lauf einer Waffe zwischen die Zähne. In irgend einer Disko aufgelesen und in dein monströses Schloß verfrachtet „Ich glaube, ich habe jemanden umgebracht“ und dein Chauffeur sieht auch nicht glücklich aus der Wäsche. Egal was du glaubst – tot ist tot. Wärst du mal besser Politiker oder Idi Amin geworden, dann wärst du vielleicht damit durchgekommen. So aber verknacken sie dich zu 19 Jahren wegen Totschlag – mehr als angemessen, nach dem was du so angestellt hast. Es war ja nicht nur die unglückliche Lana Clarkson, Ex-Ehefrau Ronnie oder hunderte andere, die du misshandelt hast. Da trifft es sich beinahe perfekt, daß Mit-Insasse Charles Manson sich 2009 noch bei dir meldete, um die Chancen einer gemeinsamen Musikproduktion nach der Zeit im Knast mit dir zu erörtern.
Mit der Knarre herumgefuchtelt hast du immer schon. Bei den Ramones, Leonard Cohen oder John Lennon und hier und da. Hier ein Schuß in die Decke und dort als Wachmacher nach einem langen Arbeitstag im Studio.
2028 wärst du eventuell frei gekommen, mit 89. All zuviel hättest du dann auch nicht mehr anstellen können. Wahrscheinlich! Eine düstere Ikone der Popmusik.

Die ganze Geschichte hat mehr als nur zarte Anklänge an Orson Wells Film »Citizen Kane« von 1941. Bis hin zu einem düsteren Schloß Xanadu, das bei Spector dann »Pyrenées Castle« heißt, im Gegensatz zum berühmten Vorbild aber in der Hauptsache aus Pappwänden und Tapettentüren besteht. Selbst Marion Davies (Susan Alexander) taucht in der Gestalt der aktuellen Ehefrau Rachelle Spector wieder auf. Es ist geradezu ein Remake des Filmklassikers.

Nun ist er jedenfalls tot und ich weiß nicht genau, ob ich mich freuen oder ein wenig trauern soll. Gene Vincent, Ray Charles, Billy Gibbons, Miles Davis, Alice Cooper, Marc Bolan, Frank Zappa und wie sie alle heißen. Es ist eine Kultur entstanden. Und davon war er ein Teil.
Das kleine, dürre Männchen mit den viel zu großen Headphones auf dem Bett.
Es hat es ganz schön weit gebracht.

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35 Antworten zu Harvey Phillip „Phil“ Spector

  1. GrooveX sagt:

    hast du irgendwie allzu kürzlich sin city geguckt?

    und mal genz ehrlich, war dein held von dunnemals hawkwind wirklich so viel anders oder der – ach, egal, 50% der leute, die an diesen goldtopf kommen, fangen irgendwie an zu michaeln, und dass das auch mal richtig beschissen schief geht, ist schon fast zwangsläufig – tät ich mal sagen.

    die bittere ironie liegt in dem stück der stones, das ich vor tagen verlinkt habe und das von ihm bespielt worden sein soll – 40 jahre vor seinem freakout. und in altamont liegen eh die scherben einer schönen neuen welt. das war auch 40 jahre davor.

    schau dir spaßeshalber mal wieder ‘fritz the cat’ an.

    • DasKleineTeilchen sagt:

      ralph bakshi ist robert crumbs phil spector…and we know how well that went along, dont we?

        • DasKleineTeilchen sagt:

          well, not exactly, and thats precisely what I meant:

          page one

          page two

          this movie has nothing to do with the self-centered asshole fritz was meant to be. its the overdriven “wall of sounds”-version with piano and lots of violins…

          • GrooveX sagt:

            so ab minute 52 wird es langsam aber sicher spannend. “ah, winston, mein liebling. endlich brausen wir über den großen, einsamen highway – einfach wild, hah!” aber so richtig los geht es dann erst mit blue. böse ist immer hässlich.

          • DasKleineTeilchen sagt:

            böse ist immer hässlich

            ja eben

            und jetzt erinner dich bitte an die gleiche szene im film und wie fritz das moralisch-integer-identifikations-modell für den zuschauer abbildet. ich geb einen scheiss auf heroin-junkie-karnickel-in-der-wüste-am-chopper-rumschraub-frauenverprügler, das misogynie-arschloch ist fritz. und so wars auch gemeint. der film ist scheisse.

          • GrooveX sagt:

            für welchen gottverdammten scheiß zuschauer? mich etwa?

            ich geb ja immer mal wieder gerne die projektionsfläche für jemanden, aber immer mal wieder ist nicht immer.

            ist jetzt fritz scheiße, der film scheiße, phil oder bob fripp? grace slick in altamont? oder brad als stuntchauffeur für leo?

          • DasKleineTeilchen sagt:

            ralph bakshi hat mit dem film genau das gemacht, was er damals dem hollywood-establishment vorgeworfen hat und sich auf kosten von crumb gesundgestossen.

            ich gehe doch davon aus, daß crumbs fritz gelesen wurde?

            (alles ausser der hauptsite scripte verbieten, banner links wegklicken, lesen)

          • GrooveX sagt:

            holzweg! ich habe weder einen film gutreden wollen noch eine comicanalyse vor.

            ich war auf nem ganz anderen dampfer. vielleicht hat das wort ‘spaßeshalber’ dich aufs abstellgleis gelockt.

            und das da:
            “ich gehe doch davon aus, daß crumbs fritz gelesen wurde?”
            echt jetzt?

            eigentlich verbietet sich darauf eine antwort. aber sagen wir’s so, ich habe so ziemlich alles von crumb gelesen, wenn auch vor jahrzehnten, und natürlich von shelton, und wenn wir dann zur undergroundliteratur gehen auch den burroughs, auch so ziemlich alles, zumindest das im blauen schlangenlederimitat-einband. ist auf dem dachboden, unter noch ganz anderem.

            nebenkriegsschauplatz galore – piece 😉

          • DasKleineTeilchen sagt:

            eigentlich verbietet sich darauf eine antwort. aber sagen wir’s so, ich habe so ziemlich alles von crumb gelesen

            hey, tut mir leid, aber in diesen weirden zeiten frag ich halt…dafür liefer ich ja auch. peace.

          • GrooveX sagt:

            hey, alles gut.
            es war nicht die frage an sich, es war der imperative stil.

            gehe nie davon aus, dass etwas getan wurde, solange du nicht boss bist!

    • Pantoufle sagt:

      Moin GrooveX

      Ja, habe ich. Einer dieser Filme,die ich in regelmäßigen Abständen sehe.

      Und ob jemand in diesem Geschäft auf die Dauer »normal« bleibt, darüber habe ich mir nie ernsthaft den Kopf zerbrochen. Weder Lemmy noch Miles Davis noch Marlene Dietrich.
      Ich hab da ja eine Lieblingstheorie: Jeder, der auf einer Bühne steht, sollte zuvor einen Abendschul-Kurs besuchen, in dem die Zusammenhänge zwischen Menschenaufläufen, dem hirnlosen Zujubeln und Faschismus gelehrt würde. Konsequenterweise wäre das zwar das Ende von Twitter, Instagram und Facebook, aber niemand würde mehr mehr als 10 Sec auf das Geschwätz eines Dieter Bohlen oder Campino verschwenden.

      Und heute Abend werde ich (mal wieder) wild, wild West ansehen. Steampunk, Du verstehst?

    • Pantoufle sagt:

      Moin GrooveX

      Was ich noch dazu bemerken wollte: Ich sehe da schon einen gewaltigen Unterschied zwischen jemandem wie Spector und einem Hansel, der auf der Bühne die Laute schlägt oder in eine Blockflöte pustet. Die Intensionen, sich mit Musik zu beschäftigen, sind bei beiden Gruppen doch von sehr unterschiedlicher Art und man tut sich keinen Gefallen, wenn man annimmt, den Musiker mit dem »Markt« gleichzusetzen den er bedient.

      Und zum anderen ist da immer noch die Funktion, die das Publikum ausfüllt. Ich bin kein Soziologe, der den Zeitpunkt bestimmen kann, an dem dieses »ich möchte auch mal berühmt sein« von denen da unten an die da oben auf der Bühne begann, eine Rolle zu spielen. Vermutlich immer schon. Jedenfalls ist es grundsätzlich eine schwierige Situation, wenn man Ansprüche erfüllen muß – zumal dann, wenn diese nicht klar formuliert sind.
      Und dann ist Altamont eben auch das Publikum vor der Bühne und nicht allein Jagger und die Hells Angels.
      Das ist schon eine komplizierte Gemengelage, bei der keiner der Beteiligten ungeschoren davonkommt.

      • GrooveX sagt:

        moin moin
        “ch sehe da schon einen gewaltigen Unterschied zwischen jemandem wie Spector und einem Hansel, der auf der Bühne die Laute schlägt oder in eine Blockflöte pustet.”
        Klar. die gibt und gab es natürlich auch und immer…

        flöte, fidel und klampfe in concert

        wie hieß nochmal die plattenfirma, die dem frontshulman gehörte?

        du hast völlig recht damit, dass die damalige gemengelage gehörig durcheinander war: zu viel freiheit, zu viel vietnam, zu viel dope und viel zu viele stars und starlets und starletleinchens. wer oder was da alles sämtliche kompasse hat missen lassen – wenn man da anfängt aufzuzählen, hört das ja nicht mehr auf. mir ging es in meinem kommentar eher darum, der allgemeinen dämonisierung einerseits und herabwürdigung andererseits etwas aufmerksamkeit zu schenken. dass er dabei ein mistkerl war, bleibt ja unbestritten. es war halt schon so, dass man auf der bühne ‘four dead in ohio’ trällerte (nichts gegen csn&y), bevor man sich gemeinsam mit phil in seiner villa die speedballs knallte, knarre hin oder her.

        irgendwann gehen alle idole zu bruch, und das ist gut so!

        edit: das hatte ich ganz vergessen bei dem ‘zu viel’, zu viele waffen!

        • Pantoufle sagt:

          Moin GrooveX

          ATCO Records

          Jetzt hab ich mir doch am frühen Morgen Gentle Giant reingepfiffen. Vor dem Frühstück!
          Bei denen habe ich mich immer gefragt, welcher Typus von Groupies dort wohl Nachts die Hotelflure bevölkerte (Groupies → siehe dieselben).
          Und dabei habe ich mir gestern Nacht doch erst Zappas civilization phaze III bestellt – auch so ein musikalischer Stacheldrahtverhau. Mußte aber sein. Weniger Flöten, mehr Synclavier.

          »du hast völlig recht damit, dass die damalige gemengelage…«

          Tja…damalig? Wenn die Aufforderung, mal die Füße ruhigzuhalten und Zuhause zu bleiben mit »Ich fühle mich wie Sophie Scholl« beantwortet wird, fragt man sich schon,ob sich die Zeiten so sehr geändert haben (was den Schwachsinn betrifft).

          • GrooveX sagt:

            🙂
            zu zappa: you can’t do that on stage anymore…
            obwohl, als ich ihn in heidelberg erst proben, dann spielen gesehen habe, dachte ich das auch – in verschiedener hinsicht!

            aber ne tolle anregung für den fortgeschrittenen vormittag!

  2. Frau Lehmann sagt:

    Ich hab zum Kriminalfall “Spector” mal ne Dokumentation gesehen und gedacht: Wieder so ein Fall, in dem jemandem seine Macht zu Kopfe gestiegen ist. Manchmal denke ich, solche Menschen legen es geradezu darauf an, neben mit dem Leben anderer, weil sie die Macht haben, auch mit dem eigenen zu spielen.
    Ich bin kein Mann (der nicht den gängigen Attraktivkriterien entsprechen muss) und nicht extrovertiert genug, um das alles hundertprozentig nachvollziehen zu können, aber ich kanns irgendwie verstehen. Gibt ja genügend andere Beispiele von Männern, die glauben sich beweisen zu müssen, um mithalten zu können.

    “Das kommt dabei heraus, wenn man verkrüppelten Seelen Macht verleiht.”

    Genau. Und was hat seine Seele verkrüppelt? Scheißwelt.

    Danke für die zusätzlichen musikhistorischen Informationen, von denen ich so gar keine Ahnung hatte.

    • Pantoufle sagt:

      Moin Frau Lehmann

      Da ich ja nun mehr als genug Zeit habe, darüber nachzudenken, was meinen Beruf eigentlich ausmacht, kam mir Phil Spectors Tod recht gelegen. Wenn man selber 2,3 »Revolutionen« innerhalb dieser Branche miterlebt hat, stellt sich die Frage natürlich, warum das alles so gekommen ist und nicht anders. Spector ist auf jeden Fall ein massiver Nagel in diesem Sarg.

      Dabei spielt die Kriminalgeschichte gar nicht so sehr die erste Geige – die mag für die Yellow Press oder Hollywood verwertbar sein, aber mir persönlich geht es natürlich erst einmal um Musik. Oder besser gesagt den »Great Rock´n´Roll Swindel«, diese unglaubliche Diskrepanz zwischen Bühnenlicht und Realität.
      Die halte ich nebenbei für vollkommen geschlechtsunabhängig. Die »wahre« Geschichte einer Maggie Thatcher sieht da auch nicht weniger blutig oder pervers aus als die von Spector. Nur habe ich zu Spector ein direkteres Verhältnis und weiß eher, wo man etwas suchen kann. Und ganz ehrlich: Ich misstraue jeder Pipi Langstrumpf im Rentenalter genau so sehr wie einem abgehalfterten Rock´n´Roller. Die Menschen sind schon alle recht gleich.

      Und diese Scheißwelt haben wir immerhin alle zusammen erschaffen. Jeder hat sein Legobausteinchen dazugetragen. Im Falle von Phil Spector könnte man sagen, daß die Welt ein Stück besser gewesen wäre, hätte man solchen Soziopathen beizeiten etwas mehr Widerstand entgegengesetzt. Jedem von ihnen und siehe da: Es sind gar keine Einzelfälle! Die Scheißwelt ist voll von denen. Männlein und Weiblein.

      Aber dennoch Danke fürs Lesen. Ich hatte meine liebe Mühe, mich dieser Figur zu nähern.

      • Frau Lehmann sagt:

        Nix da mit “Danke fürs Lesen”. Alles, was du schreibst, ist lesenswert. Einfach weil du gut schreibst. Ich hab zu danken.
        Immerhin ist dir aufgefallen, dass ich mit dem Begriff “Scheißwelt” meinen Schreibstil verlassen habe. Aber im Moment empfinde ich das genau so. Und nein, ich habe zu dieser Art Welt nicht beigetragen. Ich komme aus einer anderen Welt, bin völlig anders sozialisiert. Ich habe auch nicht Hurra geschrien, als es um die “Wiedervereinigung” ging. Ich konnts mir einfach nicht vorstellen. Es mag undankbar klingen, aber die einzigen Vorteile, die ich dabei für mich sehe, sind die Tatsachen, dass ich meinen Hund aus Andorra holen konnte und dass ich, wenn gestattet und ich es mir leisten kann, einmal im Jahr nach Italien fahren kann.
        All das Konkurrenzgebaren, dieser Hype um die Selbstoptimierung, die Floskeln von Freiheit und Wohlstand – ach geh mir weg damit. Ich kanns nicht mehr hören. Es ist alles falsch, und zwar so falsch, dass ich damit einfach nicht mehr klar komme. Im Moment bin ich jedenfalls nicht in der Lage weiter mitzuspielen.

        Ich bin auch nicht der Meinung, dass es da keine Unterschiede zwischen Männlein und Weiblein gibt. Dieses System ist von Männern in Machtposition für Männer in Machtposition erdacht. An Frauen hat da noch niemand gedacht und an Männer in nicht privilegierten Verhältnissen natürlich ebenso wenig. Und wenn Frauen wie bsw. Frau Thatcher in Machtpositionen agieren, dann im Sinne von männlichen Denkweisen, weil diese, so denke ich, noch immer dominieren.
        Spector war ein “Kind” seiner Zeit – Außenseiter mit Ambitionen, der sich und der Welt etwas beweisen wollte – ist das nicht eher ein männliches Verhaltensmuster? Siegen oder Verlieren.

        Ach, ich schreibe wahrscheinlich auch viel Unsinn. Siehs mir nach. Würde ich in Bayern leben, gälte ich wahrscheinlich als Gefährder.
        Liebe Grüße

        • Pantoufle sagt:

          lehmännin (find ich hübsch)

          »Ich bin auch nicht der Meinung, dass es da keine Unterschiede zwischen Männlein und Weiblein gibt.«

          Ich kenne auch niemanden, der das glaubt.

          »Spector war ein “Kind” seiner Zeit – Außenseiter mit Ambitionen, der sich und der Welt etwas beweisen wollte«

          Das sind zwei verschiedene Dinge. Dem Kind seiner Zeit kann ich mich notfalls nähern, dem Arschloch, der mit der Knarre herumfuchtelt und seinen Ambitionen nicht. Und was solche Leute der Welt beweisen wollen, ist selten von Interesse.

          • Frau Lehmann sagt:

            “was solche Leute der Welt beweisen wollen, ist selten von Interesse.”

            Richtig, nicht in unserem Interesse.

            Übrigens: Den Kontakt mit dir möchte ich auch nicht missen, auch wenn ich dich in meine Arbeit als Lehrerin für Abiturienten wohl nicht mehr “integrieren” kann, weil die Schule zugemacht wird.
            Ich hoffe, wir bleiben in Kontakt.

            Liebe Grüße

          • Pantoufle sagt:

            »…als Lehrerin für Abiturienten wohl nicht mehr “integrieren” kann…«

            Ich hätte da noch einen Sohn anzubieten 🙂
            Das tut mir aufrichtig leid, das mit Deiner Schule. Aber die Schrottpresse wird es wohl noch etwas geben, unter anderem deswegen, weil ich auf Leser wie Dich nicht verzichten mag.

            Liebe Grüße zurück und noch einen schönen, verregneten Tag

            Pantoufle

  3. Frau Lehmann sagt:

    @ GrooveX

    Na, du bist als Kommentator ja auch nicht mehr so oft zu finden.
    Aber schön. dass es dich noch gibt.

    Liebe Grüße

    • GrooveX sagt:

      hey lehmännin,
      du weisst ja, wie du mich erreichst.
      zur zeit habe ich nicht viel rumzusarkasten. das ist auch mal ne ganz gute übung, etwas selektiver und zurückhaltender zu werden. aber helfen tut’s auch nichts…

      tatsächlich schreib ich kurz und wenig als anonym bei’s nachbars. andere habe ich völlig aufgegeben und abgeschrieben mangels hopfen & malz.

      • Frau Lehmann sagt:

        Ja, Hopfen und Malz sind bei einigen verloren (gegangen).

        “aber helfen tut´s auch nicht” Wobei?

        “du weisst ja, wie du mich erreichst.”

        Leider, leider nicht (mehr). Mein alter PC hat seinen Geist aufgegeben und da konnt ich nicht alles retten.

        Wenn du noch weißt, wie ich zu erreichen bin – würd mich freuen (wenn ich dir nicht zu sehr auf den Geist gehe, versteht sich).

        • GrooveX sagt:

          tust du nicht, tatest du nie. du kriegst post…
          solltest jetzt welche haben. ich weiss nicht, ob sie abgeschickt wurde. ich habe da ne blöde fehlermeldung. prüf das bitte mal.

  4. Götz sagt:

    Bildungsauftrag erfüllt! Man grüßt in Dankbarkeit und hätte gern mehr davon.

    • Pantoufle sagt:

      Moin Götz

      Hm – an Bildungsauftrag als Tag hatte ich noch gar nicht gedacht. Dafür ist hier eigentlich Frau Lehmann zuständig…
      Aber dann starb Spector eben und als Fachblatt für gut abgehangene Neuigkeiten dacht ich, ich könnte ja auch mal. Und da ich mich berufsbedingt meist von der Seite des Lötkolbens solchen Dingen nähere… Aber vielleicht haben wir ja Glück und die Alten sterben jetzt wie die Fliegen.
      Hm…

      • Frau Lehmann sagt:

        “Dafür ist hier eigentlich Frau Lehmann zuständig…”

        What?

        Stell mal dein Licht nicht so unter den Scheffel und nimm das Lob einfach an. Es ist berechtigt 🙂

  5. R@iner sagt:

    Jetzt ist auch noch Chick Corea gestorben. Schon seltsam, wenn die eigene Vergangenheit nicht einfach blasser wird, sondern de facto wegbröckelt.

    • Pantoufle sagt:

      Moin R@iner

      Ja, das dachte ich `19 schon, als er Drummer von Rush starb. Vor allem deswegen,weil ja auch nichts nachkommt. Heute Morgen wollte ich eigentlich was dazu schreiben, aber dann kam mir ein fehlender 5.Gang vom Golf dazwischen. Autoschrauben bei der Witterung ist aber auch fies!

    • Pantoufle sagt:

      Antwort:Man muß sich erinnern und die Erinnerung nicht durch die Schreihälse kaputtmachen lassen.

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