Grundrecht auf Ruhe

Ein wenig Gender (sprich: Dschender) muß sein. Aber nicht auf dem Wahlzettel. Bei der Wahl hat der Bürger das Recht, »in Ruhe gelassen zu werden«. Das jedenfalls meinen die Richter des Verfassungsgerichtshofes Rheinland-Pfalz.
Was war passiert?
Bei der Kommunalwahl für den Mai 2014 sollten auf den Stimmzetteln Angaben über den Frauenanteil der Gremien angegeben werden, zusammen mit einem Hinweis auf den Artikel des Grundgesetzes zur Gleichstellung. Überflüssig zu erwähnen, daß auch das Geschlecht des zu Wählenden vermerkt werden sollte. Das hätte dann vielleicht so ausgesehen:

Anita Berger, CDU, weiblich!
Sven-Harald Brunft, die PARTEI, männlich (buhhhh!!)

Hinweis: Im Stadtrat von Unterhölzing gibt es erst 2 Frauen bei 5 männlichen Abgeordneten.
Das Grundgesetz schreibt im Art.3,2: Männer und Frauen sind gleichberechtigt.

[*Nein, so sollten die Zettel natürlich nicht aussehen! In Wirklichkeit war das erheblich unübersichtlicher. Der Säzzer*]

Wem das eigenartig vorkommt, der befindet sich in rechtsstaatlicher Gesellschaft. Genau so wenig wie ein Werbebanner »Diese Demokratie wurde Ihnen präsentiert von Krauss-Maffei Wegmann!« muß der Wähler Hinweise beschäftigungsloser Gender-Beauftragter an der Wahlurne hinnehmen. Fehlt eigentlich nur der Hinweis auf einen Aschenbecher , ein Getränk nach Wahl und die Wahlkabine würde zum Ort der Entspannung.
Es ist doch immer wieder schön, wenn Richter Politikern erklären, wie das funktioniert, das mit der Demokratie. Jedenfalls nach Ansicht des Verfassungsgerichtshofes verläuft die Willensbildung vom Volk hin zu den Staatsorganen, ein Urteil, das Schule machen sollte. Von selbst scheint man das nicht zu begreifen und dieser Mangel an Erkenntnis ist vollkommen unabhängig vom Parteibuch.

In diesem Fall haben es SPD und Bündnis 90/die Grünen verbockt. Vor übereilter Schadenfreude sollte man sich dabei allerdings hüten, auch wenn das Geschrei militanter Minderheiten, die den Wähler mit aller Gewalt und idiotischen Gängelungen zu einem höheren Wesen formen wollen, nach den Grünen riecht. Gleichstellungsbeauftragte gibt es bald an jeder Ecke und das Studium verlangt weniger als Sozialpädagogik ab. So hätte es noch erheblich schlimmer kommen können. Als kleines Beispiel hier Ausschnitte aus einem Traktat der HU Berlin, wo man sich das Forschungsgebiet Gender intravenös spritzt:

»In Reaktionen auf die Forderungen des offenen Briefes tauchte auch ein mehr als problematisches Argument, seitens einer weißen Studentin, auf. “Wir” könnten “unsere” Geschichte ja nicht mehr er_forschen, wenn “wir” diese Autoren nicht mehr lesen würden, schrieb sie. Wir* fragen, wex denn in diesem Argument das “wir” ist. Aussagen wie diese setzen das weiße Europa als allgemeingültige Norm und ent_erwähnen auf diese Weise Schwarzes und PoC Wissen, welches durchaus auch andere Auffassungen von Pädagogiken hat. Auch erbitten wir* ausdrücklich eine Er_forschung solch eurozentrischer Texte und zwar eine kritische, die nicht gleichzeitig europäische Normen re_zentriert.«

Noch einen?

»Auch Platon oder Humboldt, der kolonialrassistische Reisen unternahm, sind nicht außerhalb ihres problematischen historischen Kontextes zu betrachten. Genauso wenig sind sie außerhalb ihrer heutigen zumeist durchgängigen unkritischen Einlesung, die sie als “zeitlos” und zeitübergreifend “wichtig” herstellen zu betrachten, denn auf diese Weise werden ihre massiven Diskriminierungen re_produziert und autorisiert. Diese Autoren unabhängig davon verstehen zu wollen, das erscheint uns* unwissen_schaft_lich. Gleichzeitig führt diese Ent_nennung der weißen_ableisierten_typisierten Norm zu einer Ent_wahrnehmung von Diskriminierungen.«

[»diese Autoren« sind ja wohl ein geradezu faschistoid_ex RechtschreibfehlerIn!! einzelfzig!! Der Säzzer]

Soviel zum Thema »gendergerechte Rechtschreibung«. Wen es interessiert, wie das funktionieren soll, kann sich das hier ansehen. Sehr interessant ist das Kapitel zu Argumentation mit Gegnern dieses Pidgins-Dialektes.

Einwand: Ist denn das wissenschaftlich alles überhaupt bestätigt?
Gegenargument: Ja, ist es.

Ungekürzte Wiedergabe! Man beachte die Differenziertheit der Argumentation. Wissenschaft, wie sie leibt und lebt!

Einwand: Diese geschlechtergerechte Sprache macht alle Texte so lang, die Formen sind alle total aufgebläht/kompliziert/anstrengend.
Gegenargument: Für wex ist es aufgebläht und zu lang? Wex aber findet die Formen angemessen, hat das Gefühl, zum ersten Mal angesprochen zu sein? In dem Argument von Länge re_produziert sich sehr häufig eine androgendernde Normsetzung. Für Personen, die durch kurze Formen diskriminiert sind, kann die Ausdrucksform gar nicht lang genug sein, um auch anwesend zu sein, um gemeint zu sein, um explizit angesprochen zu sein. […] Und es macht Spaß, Begriffe und Phrasen so umzuformulieren, daß sie antidiskriminierend sind.

Man (sic!) ist verwirrt und hat vielleicht gar keinen Spaß an diesem Massaker der Grammatik. Nix da: Das hat Spaß zu machen

Einwand: Was kann und darf ich denn überhaupt noch schreiben?
Gegenargument: Möglichst viele neue kreative herausfordernde, anwesende Sprachformen kann ich schreiben! Es gibt keine festgelegten, dauerhaften Regeln, keine Eindeutigkeiten, sondern die Möglichkeit, sich immer wieder über die Handlungsdimension des eigenen Sprachgebrauchs bewußt zu werden, kontinuierlich und in jeder Situation. […] Ein kreativer Umgang mit Sprache macht Spaß!

Menschen, denen das vielleicht keinen Spaß macht, kommen in dieser kruden Gedankenwelt offenbar nicht vor. Und selbst wenn, sind sie mit Sicherheit männlich.

Wenn man glaubt, eine Steigerung wäre undenkbar, kommt die Feministin Luce Irigaray mit der Frage, ob die Gleichung E=mc² sexistisch sei.

»Vielleicht stellen wir die Hypothese auf, daß sie es in sofern ist, als sie der Lichtgeschwindigkeit gegenüber anderen Geschwindigkeiten, die für uns elementar notwendig sind, den Vorrang gibt.«

Einstein: Ein* Fall für dix Gende*be_auftragtx!
Man kann ja über die abendländischen Wissenschaften denken, was man will – aber das hat sie nicht verdient!

Dagegen stellen sich die gender-gepimpten Wahlzettel noch als Kinderlektüre dar. Ich ahne Schlimmes! Das ist erst der Anfang, wenn SIE nach der Macht greifen. Ich hatte mir SIE immer ganz anders vorgestellt… kleiner, grüner (Hautfarbe, verdammt noch mal! Hautfarbe!), mit mehr Antennen auf dem kahlen Kopf und in lustigen Untertassen mit Überlichtgeschwindigkeit. Aber SIE sind bereits unter uns. Jede könnte es sein. SIE, SIE oder auch SIE!

Ich habe Angst!

Etwas polemische, aber vergnügliche Lesestunde mit Hadmut Danisch

Das Aus für Gender. Norwegen hat sich von dem Unsinn bereits verabschiedet.

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0 Kommentare zu Grundrecht auf Ruhe

  1. flatter sagt:

    Dieses organisierte Getrolle einer umfassend reaktionären Struktur, die sich fortschrittlich gibt, einer alle wissenschaftlichen Ansprüche konterkarierenden ‘Wissenschaft’, einer sich ‘herrschafstfrei’ gerierenden autoritären Ideologie, eines Sprachtotalitarismus, der von “Kreativität” spricht, Zwang meint und sich tatsächlich anmaßt darüber zu befinden, was allgemein noch gesagt und geschrieben werden darf, davor soll man Angst haben? Solchen Sprachterror hat es in diversen autoritäten Staaten gegeben, sie konnten sich aber nicht einmal mit der Macht und Gewalt der Nazis durchsetzen. Auch ein friedfertiger pragmatischer Ansatz wie Esperanto hat gezeigt, dass Sprache nicht konstruierbar ist, weil niemand ein Konstrukt spricht. Die Technik, sich als Vertreter von ‘Opfern’ aufzuführen, um fröhlich jede Gewalt auszuüben, die einem in den Sinn kommt, ist ebenfalls nichts als Trollen. In einer Aufmerksamkeitsökonomie halt eine durchschlagende Strategie, weil sich zu viele auf diesen Stuss einlassen.

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  2. pantoufle sagt:

    Moin Flatter

    Da gibt es noch den Drüberleger: im Jahre 2011 drehte der in Norwegen sehr bekannte Komiker und Soziologe Harald Eia einen sehr ernst gemeinten Dokumentarfilm zum Thema Genderstudien. Dieser Film wurde … ich zitiere mal eben:

    »Er organisierte ein Kamerateam und stellte bekannten norwegischen Wissenschaftlern kritische Fragen zur Gendertheorie im Vergleich zu Erkenntnissen aus den klassischen Wissenschaften. Es waren Fragen über sexuelle Orientierung, Geschlechtsrollen, Gewalt, Rasse und Erziehung. Er tat dies mit seinem fundierten Vorwissen in einer geplant naiven, aber humorvollen Fragetechnik. Solche Art Fragen waren die Wissenschaftler nicht gewohnt, besonders nicht bezüglich der bis dato sakrosankten Gendertheorie. Viele Interviewte merkten erst danach, was da eigentlich abgelaufen war. Ehe sie sich beschweren konnten, gingen seine Interviews im Frühjahr 2011 beim staatlichen TV-Sender NRK in der Sendereihe „Gehirnwäsche“ auf Sendung. Die Öffentlichkeit war schockiert und die Wissenschaft entsetzt.«

    In der Fernsehreihe »Gehirnwäsche« wohlgemerkt!
    Im Zuge der darauf folgenden Debatte in der Norwegischen Öffentlichkeit wurde der staatlichen Genderforschung ab 2012 der Etat von 56 Millionen Euro auf Null Euro gekürzt – sprich: Der Laden wurde geschlossen. Der Spuk war auf Dekret von einem zum anderen Tag verschwunden. Glückliches Norwegen!

    Quote:

    Der Council begründete seine Entscheidung damit, dass es dem NIKK mit seinen Genderstudies nicht gelungen sei, weder zur wissenschaftlichen Debatte in allen nordischen Ländern beigetragen, noch mit Umsetzung ihrer Ergebnisse die Brücke zur Gesamtgesellschaft geschlagen zu haben. Und das in dem „Genderland Nr. 2“ auf der Welt (nach dem Global Gender Gap Index 2011)! Auch der Versuch, die Genderstudies durch sinnvolle [dieses Wort bitte zweimal lesen!] Projekte zu ersetzen, wurde von dem Council abgelehnt.

    Nicht nur diese übergeschnappten Hysterien, die gar Grausiges der teutschen Sprache antun; nein, auch diejenigen, die derley Gebräu für achtungswürdige Wissenschaft halten. »Hinweg mit Euch, Furien!«

    Alles in voller Länge, Video und Schönheit hier.

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  3. flatter sagt:

    Naja, vielleicht trägt das Exponieren dieser Ideologie im Einzelfall dazu bei, dass die logische Konsequenz des Rauswurfs der Scharlatane aus der Wissenschaft sich beschleunigt. Der Schuss kann aber auch nach hinten losgehen. Da dieser Quatsch in dieser Gesellschaft nicht als Herrschaftswissen oder -technik taugt und keinerlei Erkenntnis generiert, wird er über kurz oder lang absterben. Hätten wir wirkich kritische Wissenschaften, würden die “Wiwi” gleich mit zur Hölle fahren. Da die aber ideologisch allzu nützlich sind, werden sie uns noch eine Weile erhalten bleiben.

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  4. pantoufle sagt:

    Wiwi? Ach so: Die Telephondesinfizierer…

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