Fundstücke und Wünsche

Die liebe Annika schreibt wieder mehr – Schreibblockade ade, hoffe ich. (sagt ausgerechnet Pantoufle). Aber streng genommen habe ich gar keine Schreibblockade, sondern nur keine Lust und was anderes zu tun.

Jedenfalls war Annika Anfang letzter Woche oder das Wochenende davor (oder ihre Geschichte ist ganz und gar erlogen und erstunken) in einem Konzert mit selbstgemachter Musike. Und weil sie so schön anschmiegsam schreibt, saß ich beim Lesen gedanklich neben ihr und war durchaus leicht genervt.

Das kommt bei mir schnell, wenn man zum Beispiel während eines Konzertes sitzen muß. Mein unterdrückter Fluchtreflex, wenn der Deutsche an den unpassendsten Stellen wieder taktlos mitklatscht oder das Dargebotene seinem Sitz-Nachbarn kommentiert. Wer sagt eigentlich, daß man bei Steve Reich nicht mit einer Buddel Bier in der Hand an einen Pfeiler gelehnt mit dem Fuß mitwippen darf? Kommentarlos bitte – es reicht ein unauffälliges Klatschen am Ende der Show.

Fürderhin handelte es sich bei dem von Annika beschriebenen Konzert um ein Drei-Generationen-Orchester. Auch seine böse Falle. Generationsübergreifend, weil sich nicht genügend Begabte in einer Altersklasse fanden. „Hier darf jeder mitmachen!“ Wie bei solchen Klangkörpern üblich, versuchte sich der Dirigent nach Aussage Annikas dann auch an selbstverbrochenem; in diesem Falle einer Neuinterpretation von „alle meine Entchen“. Ein Dirigent ist ein Dirigent, weil er dirigiert, ein Komponist ist ein Komponist, weil er… Genau! Daß ein Orchesterleiter mit so einem Floh-Zirkus noch ganz andere (organisatorisch-technische) Probleme hat, ist ein weiteres Kapitel. Es muß in der Tat herzzerreißend gewesen sein. Der multifunktionale Dirigent führte auf und niemand konnte wegen der engen Bestuhlung weglaufen.

Ebenfalls herzzerreißend stellt sich die Schrottpresse den Auftritt des unvermeidlichen Überraschungsgastes vor. Immer wieder diese Überraschungen! Peter Maffay holt sich aus optischen Gründen jemanden auf die Bühne, der noch nicht so mumifiziert aussieht wie der Meister, Aerosmith jemanden ohne Rollator und bei der Death-Metal-Fraktion gastbesucht jemand, dessen Tattoo ins Bild passt und der nur durch ein völlig überflüssiges Gitarrenriff auffällt.
Unterste Stufe und dem Abend angemessen ist ein überraschungsgegasteter Heiratsantrag auf der Bühne, auf die Spitze getrieben nur noch durch den Versuch eines Liedvortrags (Das Ritterkreuz mit goldenem Eichenlaub, Schwertern und Brillanten wäre natürlich die öffentliche Absage der Anbeteten).
Annika heulte wie bestellt und fand das ausgesprochen romantisch anstatt „Buuhh“ zu rufen. Dabei wäre ein wohlmeinendes und kollektives „Buuuhh“ der Anfang vom Ende solcher Fremdschäm-Erfahrungen und der richtiger Schritt in die richtige Richtung. Bühnenmissbrauch ist eine Straftat nächst dem Totschlag. (Denkt doch auch mal an die Kinder!)

Ach, was bin ich froh, daß ich nicht dabei war.

Braucht die SPD eine neue Führungsriege zum Scheitern? Schiffsuntergang nur echt mit Kapitän.

Gute Aussichten fürs neue Jahr! 12% aller Tweets nicht ausländerfeindlich. Quelle:Internet.

In der nächsten großen Stadt war heute ein Nazi-Kongreß. Eine meiner Töchter war zum protestieren da. Ich gestehe: Ich nicht! Tochter 1 hat die Familienehre für uns alle verteidigen müssen; armes Kind! Ich war am Abend vorher dort und habe versucht, die Stadt zu verlassen. Überall blaulichtige Strecken-Kontrolle, sämtliche wichtigen Zufahrtsstraßen gesperrt und undokumentierte Umleitungen. Und ich mit meinem kotzenden Motorrad mitten im Stop&NoGo-Verkehr inmitten von 150.000 Autofahrern die alle raus wollten. Eine bessere Aktion gegen die AFD kann man sich überhaupt nicht ausdenken.

Nota bene: Natürlich keine Nazis, sondern besorgte Nazis. Oder auch faschistoide Wutbürger. Es gibt ja so viele Worte!
Worte wie »meinungsstark«. Warum gibt es eigentlich kein populär-griffiges Synonym für »viel Wissen«?
Der Hl. Thomas von Aquin schrieb im 13. Jahrhundert: „In mehreren aus dem Arabischen übersetzten Werken werden die Wesen, die wir Engel nennen, als Intelligentia betrachtet, vielleicht weil sie gut denken können“. Vermutlich deswegen.
Wem nutzt eine Meinung?

Berlin bekommt einen Rio Reiser Platz. Das wurde ja auch mal Zeit. Höchste Zeit, bevor eine Partei besorgter Bürger ihn zurück benennt in »Wilhelm-Keitel-« oder »Benito-Mussolini-Platz« (wir haben ja gar nichts gegen Ausländer!)

Advent, Advent… Noch nichts für die Lieben daheim? Ist noch Platz unter dem BAUM? Die Weste, warm und kuschelig im Winter und kleidsam auf dem Parkplatz ist zwar schon verkauft, aber wo die herkommt, gibt es noch andere schöne Dinge. Blockhead in Braunschweig bietet dem Herz des Bikers vieles, was das Fest verschönt. Deswegen also ausnahmsweise mal (unbezahlterweise) Werbung in der Schrottpresse.
…meine Tochter!…

Ein schönes Wochenende Euch allen!

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