Freischwimmer

Gorch Fock (* 22. August 1880 in Finkenwerder; † 31. Mai 1916 in der Seeschlacht am Skagerrak; eigentlich Johann Wilhelm Kinau)

Hurra, sie schwimmt wieder! Was der seebiforne Fahrensmann natürlich sofort bemerkt, ist der neue weiße Anstrich des Traditionsseglers, der außerdem dichtend zu sein scheint, denn wie man auf dem Videomaterial der Tagesschau unschwer erkennen konnte, lag das Schifflein nach einer halben Stunde ebenso hoch im Wasser wie zuvor. Auch mannte niemand sichtbar dicke Schläuche außenbords, aus denen Seewasser sprudelte.
Sie schwimmt.
Sehr viel weiße Farbe.


Da sage noch jemand, Großprojekte hätten in Deutschland keine Chance mehr. 2015 – 2021 und 135 Millionen Euro später. Da könnte man eigentlich eine Hubschrauberplattform, eine elternorganisierte Kita sowie Rollersaveties an allen Masten erwarten. Eine Art maritimes Bällebad für die Generation Nullerjahre. Daraus wird wohl nichts. Es bleibt ein Segelschiff, um Kulturtechniken der Vergangenheit nicht vollkommen zu verlernen. In den Mast klettern zum Beispiel.
Stichwort Kulturtechniken:

Renovierung Gorch Fock
Renovierung: Ende 2015 – 2021
Kosten: ca. 130 Millionen €

Dagegen:
Kiellegung: 24. Februar 1958
Stapellauf: 23. August 1958
Indienststellung: 17. Dezember 1958
(was konnten die, was heute niemand mehr kann?)

Vielleicht hätte man ein neues Schiff in Peru bestellen sollen. BAP Unión (BEV-161), in Größe und Farbe durchaus vergleichbar für lausige 41,8 Mio €. (Auftrag 2010, Stapellauf 2014)
Man hätte 3 Schiffe ein Jahr früher für den selben Tarif bekommen. Zuzüglich Überführungskosten.

Oder in China.

Sie habe die Mittel, sie haben die Wahl. Völlig überraschend kam jemand auf die Idee, die gerade fälligen Impfungen auch von Hausärzten durchführen zu lassen. Revolutionär!!!
Aber gemach, gemach… erst einmal »Testzentren« errichten. In stillgelegten Autohäusern, zugigen Turnhallen oder Fußballstadien (ole, ole, oleolehhhh). Damit im Mai vielleicht so viele Menschen geimpft sind wie in Peru.

Die Größe des Versagens kann gar nicht überschätzt werden.

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11 Antworten zu Freischwimmer

  1. Stefan R. sagt:

    War der Namensgeber des Kaputnik-Kahns nicht auch der Schöpfer des unsterblichen Epos ‘Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist not’ ? Oder war das sein verschollener Bruder Forch Gock?

    • Pantoufle sagt:

      Moin Stefan R.

      Das originale Original! Ich weiß ja nicht, ob Du ihn schon mal gelesen hast, aber er war auf jeden Fall zu gut dafür, um der SMS Wiesbaden beim untergehen zuzusehen. Na gut,bis auf gaaanz wenige Ausnahmen ist jeder zu gut dazu. Aber trotzdem!

  2. Siewurdegelesen sagt:

    Gibt ja noch die “originale” Gorch Fock. Da ist der Geldsegen für knapp 11 Millionen Euro nicht ganz so reichlich…

  3. Pantoufle sagt:

    Moin Mechthild

    Da hast Du aber verdammtes Glück gehabt! So etwas wunderschönes wie ein großes Segelschiff! Sowas wird heutzutage gar nicht mehr gebaut…öhhh, ja. Wenn die Menschheit nicht so größenwahnsinnig wäre, würde es noch gebaut. Weil es so praktisch ist. Antrieb ist umsonst, man kann viele Leute damit beschäftigen und kommt überall hin. Aber nein: Sie wollen ja unbedingt 1000 große Keksdosen auf einmal transportieren und die Fahrgeschwindigkeit ist dabei wieder unter die von Segelschiffen gefallen, weil der Sprit so teuer geworden ist.
    Dabei kommt auch der sportliche Aspekt völlig unter die Räder: Statt Formel 1 lieber ein Rennen der Donald McKay II und der Taeping 2.4 und Wetten darüber, wer am schnellsten das billige Plastikspielzeug aus China an der Columbuskaje in Bremerhaven abliefert. Suezkanal gildet nicht.

    Aber darüber hinaus steht die Geschichte mit der Gorch Fock (1958) als leuchtendes Beispiel dafür, was sie alles nicht mehr können. Planen, organisieren, Handwerk, eine Idee durchführen ohne eine Trümmerlandschaft zu hinterlassen.

    • Moinsen,

      für so ne olle landradde, wie es eine bin, ein wirklich unvergeßliches erlebnis. Nach dem zusammenbruch der Sowjetunion lag das schiff in einem Deutschen hafen, ein jeder durfte es kostenlos besichtigen. Und für die leute, die geld für das essen der mannschaft über hatten, gab es rundfahrten. Selten habe ich fünfzig mark (das war für mich damals sehr viel geld) besser angelegt.

  4. Götz sagt:

    “gildet nicht” – ich bin konsterniert. Wie hat es derartige Sprachverhunze aus dem halleschen Rotwelsch bis in diesen Blog schaffen können? Meine Großmutter (Witwe eines Reichsbank-Obersekretärs) lässt euch eine Woche lang nicht runter zum Spielen!

  5. Publicviewer sagt:

    Es hat nie eine Pandemie gegeben!

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