Dienstagsspaziergang

Verkehrstechnisch günstig gelegen (Mittellandkanal in 300m Entfernung), Einkaufsmögichkeiten für die ganze Familie (Bäcker nur 1,5 km entfernt) und gediegenes Restaurant (geschlossen von Januar bis Dezember).

Einstmals war der Acker eine wahre Goldgrube. Um 1665 herum entdeckten Hirten (der Hauptindustriezweig dieser Region für kommenden ca. 400 Jahre) in der Feldmark eine »gar wunterthätige Quelle«, die auch im Winter nie zufror. Die weggeworfenen Gehhilfen, Rollstühlen und Tragen der plötzlich Genesenden trugen einen durchaus gutgehenden Holzhandel – bis die Herrlichkeit um 1910 herum durch den Bau des Mittellandkanals urplötzlich endete. Der sinkende Grundwasserspiegel ließ die Quelle versiegen und damit die Pilger zuhause bleiben. Die Landschaft wurde wieder so öde wie zu Zeiten der großen Pest von London.

»Die Zahl der Todesfälle schwoll an, wobei freilich oft Fieber und Fleckfieber als Ursachen angegeben wurden. Denn wer nur die Wahrheit verheimlichen konnte, tat es, um nicht von den Bekannten und Nachbarn geächtet zu werden und auch, um der Absperrung der Häuser durch die Behörden zu entgehen, eine Maßregel, die damals zwar noch nicht in Kraft war, aber angedroht wurde und in der bloßen Vorstellung die Leute mit dem äußersten Entsetzen erfüllte.« (aus: Daniel Defoe, Die Pest zu London)

 

Wenn Türen das Gesicht der Häuser sind und Häuser das ihrer Besitzer, dann stehen wir also von Angesicht zu Angesicht, meine äußerst charmante Begleiterin und ich. Jetzt stehen sie stumm vor Wut hinter ihren Türen. Zwar haben sie einen Security, der seit drei Wochen auf einer Luftmatratze im Heizungskeller haust, aber das ist eine Einmal-Waffe. Geht er raus, um uns zum Weggehen aufzufordern ist er auch schon verseucht und muß anschließend nach Hause geschickt werden.
Die Grenzen sogenannter künstlicher Intelligenz zeigen sich bei ihren Gedanken daran, die autonomen Rasenmäher auf uns zu hetzen. Dieses intellektuelle Äquivalent zu einem AfD-Wähler und anderen Nazi-Trollen sind zwar zahlreich wie die Heuschrecken, aber vollkommen unerschreckend.

Eine Palette ultrahocherhitztes Toilettenpapier, eine mit schockgefrosteten Nudeln und 150kg Ragout fin. Damit läßt sich das Ende der Seuche mit Gelassenheit abwarten und anschließend sind die da draußen alle tot und die hinter den schützenden Mauern nicht.

»Jedes infizierte Haus ist mit einem roten Kreuz zu markieren, einen Fuß lang, in der Mitte der Tür und den Worten ‚Herr, sei uns gnädig‘ darüber geschrieben.«

»Aber Gott, wie traurig das ist, keine Boote auf dem Fluss zu sehen, und Gras wächst im Hof von Whitehall, und niemand auf der Straße als ein paar arme Teufel.«

Wenn Du 20 Minuten Zeit hättest zu fliehen – was wäre Dir das Liebste und Wertvollste, was Du auf Deine Flucht mitnehmen würdest?

Eigentlich wollten sie in ein altes Bauernhaus ziehen. „Aber wenn man einmal hier gestanden hat, dann kann man nirgendwo anders mehr bauen“

»Genießen Sie das maritime Flair des Hafens und entspannen Sie am Ufer. In der Sommer-Gastronomie Immerzu können Sie den schönen Blick genießen.«

»Störtebecker Biere, kleine feine Tagesgerichte und ein außergewöhnliches Ambiente. Mediterranes Flair mit Möwengeschrei, Wasser und Sonnenterasse – ein Naturerlebnis mit Urlaubsgefühl.«

»Trotz Reservierung eines Liegeplatzes und Bestätigung des Betreibers und vereinbarter Voranmeldung war außer einer Mailbox niemand zu erreichen. Auch ein Rückruf erfolgte nicht. Unprofessionalität in Vollendung. Die Einfahrt in die Marina war nicht möglich. Schön, dass es in der unmittelbaren Umgebung gute Alternativen gibt.«
»Voll langweilig«

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5 Antworten zu Dienstagsspaziergang

  1. M. Sobol sagt:

    Is ja zum fürchten, wo is datt denn? :/

    • Pantoufle sagt:

      Moin M.Sobol

      Das ist so ganz grob im Dunstkreis des VW-Werkes in Wolfsburg. Ganz grob.
      Im Grunde ist es aber ganz egal. Es ist jedenfalls eine gute Vorstellung davon,wie sich eine Klasse vor der Pest versucht in Sicherheit zu bringen. Es erinnert an Erzählungen wie die zitierte von Daniel Defoe und anderen, bei denen sich die Wohlhabenden bei Ausbruch der Pest auf ihre Latifundien zurückzogen, um dort die Seuche auszusitzen.
      Nun muß man der Gerechtigkeit anmerken, daß die dort natürlich schon vorher gewohnt haben – da war es einfach nur peinlich. Ihre Gartenarchitektur wie Familiengräber, die bemühte Abwesenheit jeder Vergangenheit und eine vollkommen geschmacklose Vorstellung davon, wie Reiche angeblich zu wohnen haben. 2009 hat man die ehemalige Kiesgrube als Neubaugebiet für »gehobene Wohnanlagen« einem Rudel zugekokster Architekturstudenten überlassen und das ist nun dabei herausgekommen.

      • M. Sobol sagt:

        Moin Pantoufle: Danke für die geografische und literarische Beschreibung, so hatte ich den Text verstanden. Wenn ich mit der ixjot (rp2) durch das sächsisch-brandenburgische brülle, sieht das um die ehemaligen Kohletagebauen eben mittlerweile genauso aus. Ich dachte die spielen nur hier im Osten so verrückt, mit Trafohäuschen-Architektur hinter Festungsmauern… Wer muss da die Mülltonnen bei Abholung rausstellen und sich kontaminieren? 😉
        Ich muss da immer an Stoppok denken ‘So’n Zaun’ hieß da, glaube ich. Trost ist, wenn ringsum alles erstickt, kriegen die auch keine Luft mehr. 🙂

        • Pantoufle sagt:

          »Wer muss da die Mülltonnen bei Abholung rausstellen und sich kontaminieren?«
          Eine gute Frage! Die Kinder? So ein Kind ist schnell gemacht und außerdem sind die ja weniger risikobehaftet als ihre Besitzer.

          Motorräder gibt’s da auch 🙂 Als ich gerade abrauschen wollte, fuhren da zwei Indian auf den Parkplatz (also Parkplatz ist da überall: Hielten also an). Der vordere war offensichtlich ein Verkäufer, der andere ein potentieller Kunde. »Gut gefahren!« sagte der Verkäufer zu dem vor Angst und Kraftverschleiß schlotternden Kunden und half ihm, den Motor abzuwürgen. Drei,vier intuitive Wischbewegungen auf dem 20` Monitor und schon stoppte die Maschine. Eine Chieftain mit allem PiPaPo, die Hirnschale sehr knapp oberhalb der Verkleidung, Lederschnüre am Lenker, Packtaschen so groß wie Müllcontainer und »Zwei Hochleistungslautsprecher liefern kristallklaren, hochwertigen Sound. Die aerodynamische Frontverkleidung hält den Wind ab, so dass Sie auf der Autobahn Ihre Lieblingstitel ungestört genießen können.«
          Ich bin sicher, das Männchen hat gekauft. Zumal ihn der Anblick meines Mad-Max-Renners davon überzeugt haben dürfte, daß er es ihn viel, viel schlimmer hätte erwischen können 🙂

          • M. Sobol sagt:

            Ah jetzt versteht ich das, die fahren mit dem Hightec-Indianerfahrrad den Müll in den großen Taschen selbst zur Deponie… Rrrrespekt! B)

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