Deutsch gutt

Niema Movassat, Bundestagsabgeordneter (DIE LINKE), Jurist, Rechts- und Innenpolitik, Parlamentarischer Geschäftsführer

Das ist sicherlich gut gemeint, aber das Regime unter Ruhollah Chomeini (der Schulterschluß von Mullahs, Bürgerlichen und Linken) ist eben nicht das »jetzige Regime«. Chomeini löste 1979 das des Mohammad Reza Schah Pahlavi Schahanschah ab. Der Terror von dessen Regime ist übrigens historisch betrachtet der Hauptgrund dafür, warum Niema Movassat heute da ist, wo er sitzt. Klingt jetzt kompliziert, ist aber ganz einfach zu begreifen.1

Gibt es eine islamische Regierung, die nicht Regime ist? Unausgesprochen ist es die Gleichsetzung der Begriffe Theokratie und Regime. Es ist der falsche Gott, dessen politisches Gestaltungsbild dort herrscht. Und zumindest in dieser Beurteilung unterschieden sich die Hetzer der Bildzeitung wenig vom Bundestagsabgeordneten der Linken.
»Nieder mit den USA«, »Nieder mit Saudi-Arabien« und »Nieder mit Israel«. Das geistige Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, scheint wenig gewillt, ein paar Milliarden Dollar für einen Ablaßbrief bei US-Rüstungskonzernen zu hinterlegen. Das unterscheidet den Schurkenstaat von einer verbündeten Erdöl-Kuh. Führt man sich die Menschenrechtslage des Nutzviehs vor Augen, kann das kein Argument für irgend eine, wie auch immer geartete Intervention sein; lies: Wirtschaftliche Sanktionen. Ein Blick auf Saudi-Arabien genügt da. Die UN-Botschafterin Nikki Harley las am Mittwoch in einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates die englische Übersetzung der Forderungen von Demonstranten im Iran nach Chancen und Freiheit vor. Iranische UN-Vertreter nannten das nicht ganz zu unrecht »widerliche Krokodilstränen«.

»TEHRAN – Presidents of Iran and Russia have stressed the importance of accelerating the development of bilateral relations in all fields.
In a meeting in the Azeri capital city of Baku on Monday, Iranian President Hassan Rohani and his Russian counterpart, Vladimir Putin, said Tehran and Moscow need to make more efforts to speed up the development of all-out cooperation, Press TV reported. Putin pointed to his key visit to Iran last November and his meetings with senior Iranian officials, particularly with Leader of the Islamic Revolution Ayatollah Seyed Ali Khamenei, saying that Tehran and Moscow have managed to take very good steps toward the expansion of relations and that the two sides will continue to maintain their consolidated ties.
The Russian leader said that Moscow-Tehran ties have turned into an all-out strategic cooperation in different sectors, including politics and economy, the Kremlin website reported.«

Ein Schelm, wer Böses dabei…2

Die mit so unterschiedlichen Ellen gemessenen Menschenrechte wie denkbare politische Allianzen hinterlassen bei der Bewertung der Demonstrationen im Iran einen schlechten Beigeschmack. Genau wie die Verwendung des Begriffs »Regimewechsel«. Als würden die Demonstranten im Iran deswegen auf die Straße gehen, um sich einer andersfarbigen Knute zu beugen.

Fahndungsaufruf via Twitter

Das erfolgreiche Bemühen des Regimes, westlichen Vorbildern zu folgen, ist jedenfalls erkennbar.

»Die Iraner haben ein Anrecht darauf, friedlich zu protestieren. Selbst Präsident Hassan Ruhani sagt, dass viele Anliegen der Demonstranten berechtigt sind. Dann muss der Staat auch dementsprechend auf die Kundgebungen reagieren.«

Omid Nouripour3

»The protests (2009) rocked the Islamic republic to its core. Around 150 people were killed, thousands were arrested, and intellectuals, journalists and politicians were tried in Stalinist-type mass proceedings, many of them forced to make humiliating public confessions of wrongdoing. Two protesters were executed.

In those days, Ali Sabzevari, now 33, joined every protest. “We were fighting for our rights and our future, but we had structure and a plan,” he said. But this time around, older, a bit heavier and wiser, he said the protests held no attraction for him.

“Those people do not know what they want. They have no clear idea, and I don’t like their slogans,” he said. “I want our society to open up, more democracy, but I don’t see how violent protests will achieve that.”

Others shared that view, and worried about playing into the hands of widely detested Western leaders like President Trump and Israel’s prime minister, Benjamin Netanyahu. “These people definitely have the right to protest,” Shervin Bashari, 32, said of the Iranian demonstrators, “but I do not want to join something and have Trump and Nethanyahu exploit it for their own purposes.”

Mr. Trump has posted several Twitter messages supporting the protesters, saying the United States will come to their aid at the right time.

“I don’t want to support chaos either,” said Mr. Bashari, who sells imported heating equipment. “Protest should be peaceful and with minimal costs. Now 21 people, including two children, have died, and for what?“«

nytimes.com4

Formulieren wir es einmal so: Es gibt auch kleinere Erdbeben und die Sehnsucht nach mehr sozialer Gerechtigkeit und Freiheit ist nicht auf den Iran beschränkt. Der Versuch allerdings, im Iran daraus einen Anspruch nach westlicher Wirtschafts-Hegemonie abzuleiten, ist durchsichtig. Außerdem:

»Die westliche Sanktionspolitik, die wir ja vier Jahre erlebt haben und die immer noch in Teilen besteht, hat ja dazu geführt, daß die Mullahs im Iran noch stärker geworden sind. Weil die Revolutionsgarden mittlerweile ja nicht nur ein militärischer Arm des Landes sind, sondern die auch ganz stark wirtschaftlich tätig sind. Die haben viele Wirtschaftsbereiche besetzt im Zuge der Sanktionen, weil sie diejenigen waren, die auch auf die Schwarzmärkte rankamen ect. Und in sofern hat die westliche Sanktionspolitik eigentlich das Gegenteil erreicht. Sie hat das Regime bestärkt; sie hat es auch ideologisch gefestigt gegen den Feind nach außen. Man muß als Regime ja auch immer sehen, wie man die Menschen hinter sich vereint und der böse Westen, der ihnen die Sanktionen erläßt, ist sozusagen das Feindbild, mit dem das Regime gut arbeiten kann.«

Niema Movassat im WDR5 , transkription Schrottpresse

1 wikipedia.org Mohammad_Reza_Pahlavi

2 Ettelaat.com

3 tagesspiegel.de

4 nytimes.com

5 wdr.de

P.S. Bei der herrschenden Nachrichtenlage ist deutsch nichgutt. Man muß zwangsläufig auf nichtdeutschsprachige Quellen zurückgreifen, um den Normsätzen und Weichspülerformulierungen zu entgehen.

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16 Kommentare zu Deutsch gutt

  1. OldFart sagt:

    Das ehemalige Nachrichten- und jetzige Meinungsmagazin begibt sich mit einer seiner Berichterstattungen in Sachen Iran versehentlich in äußerst gefährliches Fahrwasser und merkt es nicht mal. Man berichtet:

    „Es ist kein Geheimnis, dass die wirtschaftliche Lage für einen wesentlichen Teil der Bevölkerung schlecht ist. […] Die Arbeitslosigkeit liegt laut IWF weiter bei über zwölf Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit ist Schätzungen zufolge mehr als doppelt so hoch. […] Hinzu kämen „Korruption und Vetternwirtschaft. All das erschwert die Lage sehr. […] Es gebe ein Gefühl, dass Insider mit Verbindungen zur Macht tun könnten, was sie wollten, dass sie niemandem Rechenschaft schuldig seien. Die Anliegen der einfachen Iraner fänden hingegen bei staatlichen Institutionen kein Gehör. […] Der Staatshaushalt […] sieht Kürzungen bei Subventionen für Lebensmittel und Sprit sowie Einschnitte bei Hilfsprogrammen für Arme vor.“

    Lassen wir das als Komponete der Proteste einfach mal so stehen. Höhepunkt ist jedoch der kolportierte Protestschrei „Wir leben wie Arme, sie wie Fürsten.“

    Ich frage mich wie man gestrickt sein muß, um sowas zu schreiben und kein Deja-vu zu haben. Wieviel orwellsches Doppeldenken braucht man, um keine kognitive Dissonanz zu empfinden?

    Spotlicht an:

    Die Bundestagsabgeordneten beziehen ZUSÄTZLICH zu ihrem üppigen Grundgehalt („Diäten“), das sie sich selbst gerade großzügig und für die Zukunft automatisiert erhöhten, noch eine „Aufwandspauschale“, von 4.339,97 € monatlich. Dieser Zuverdienst ist steuerfrei und ohne Abzüge für Rentenversicherung, also faktisch brutto für netto. Wohlgemerkt: ZUSÄTZLICH und damit alleine schon höher als der deutsche Durchschnittsverdienst von monatlich 4.078 Euro brutto von dem dann rund die Hälfte an Steuern und Sozialabgaben abgezogen werden.
    Richtig derb wird es, wenn man nach weiter unten schaut: Der Mindestlohn, den sie uns zubilligen, beträgt 1.532,24 € monatlich – brutto natürlich. Hartz4-Opfer sollen von 409 Euro leben – nein, halt ich lüge, seit Jahresbeginn wurde das üppigst aufgestockt um feiste 7 Euro auf 416 Euro monatlich.

    Das ist, wie gesagt nur EIN DETAIL, von der kostenlosen 1. Klasse-Beförderung in allen öffentlichen Verkehrsmitteln und der obszönen und steigenden Altersversorgung, in die sie nichts selbst einzahlen, will ich gar nicht erst anfangen. Ob Bund, Land, oder Kommune, ob Versorgungsposten bei den Stadtwerken, feudalistische Selbstbedienung so weit das Auge über die politische Klasse schweift, derweil sie bei uns und in die von uns selbst finanzierten Systeme zur Alters-, Arbeitslosigkeits- und Krankenvorsorge drakonische Kürzungen verfügen.

    „Wir leben wie Arme, sie wie Fürsten.“

    Was ein Ruf! Wenn das Schule macht … gut, daß wir hierzulande den Survivor R haben. Ganz demokratisch und volksnah. Weit weg von irgendwelchen Regimes und Juntas.

    [Nu gib mir doch ein wenig Zeit, bis ich die vielen Links genehmigt habe! Der Zensor]

    Ist ja gut, ich editier noch Typos.

  2. Pantoufle sagt:

    Wo wir gerade bei Treu und Glauben sind… Baustelle Glauben.

    Edith quengelt und möchte noch folgenden Hinweis loswerden. Recht hat sie ja: Jammern auf eigenartigem Niveau

  3. Lesenswert fand ich Juan Cole – Are Iran’s protests Economic or Political? – der sich u.a. mit der NYT und dem Disput zwischen Erdbrink und Abrams beschäftigt – „One problem with the debate between Abrams and Thomas Erdbrink of the NYT is that separating out economic and political discontents is not easy, especially in Iran, where the government (as in most petro-states) owns some 80% of the economy. I think we may conclude that some voices in some of the protests have begun speaking of overthrowing the government, and the question for many protesters no longer seems to be high priced food but rather the clerical regime itself.

    Und Josepha Ivanka Wessels, The Conversation – Protests in Iran could spell trouble for the Middle East at large.

    Von Tagesaktualitäten abgesehen stellt sich immer auch die Frage, wo Iran heute gesellschaftlich, menschenrechtlich, ökonomisch, religiös, geopolitisch wäre, hätte man sich die Operation Ajax verkniffen, Mossadegh nicht gestürzt, die iranischen Ölquellen wären iranisch geblieben und Savak hätte nicht 25 Jahre nach Kräften gefoltert.

    Ich glaube nicht, daß es die ‚Islamische Revolution‘ ohne die Operation Ajax je gegeben hätte.

  4. Pantoufle sagt:

    Moin, Dame

    Das ist natürlich wahr. Wie Wessels Anmerkungen feststellen, sind die Demonstrationen ohne den andauernden Syrienkonflikt nicht zu verstehen. In ihrem Artikel habe ich nur ein Problem mit den »syrischen Oppositions/pro-Demokratieaktivisten«. Ich wage mal zu bezweifeln, daß sich diese immer wieder gerne zitierte Gruppe nach dem wünschenswerten Sturz Assads als homogene Gruppe darstellt.
    ( Der Juan Cole drückt ja unmißverständlich auf die Tube. Ein Vergnügen zu lesen!)

    Wg. abseits von Tagesaktualität: Man kommt nicht drum herum, immer wieder auf das Sykes-Picot-Abkommen zu verweisen. Darin liegt für mich die Wurzel allen Übels. Unbegabter Kolonialismus der übelsten Sorte unter dem Stern, daß sich die Welt von kohleatmend zur Benzinsäuferin wandelte. Die Auflösung des osmanischen Reiches hinterließ unter Federführung Englands und Frankreichs einen Flickenteppich, der nicht zu regieren war – weder innerhalb dieser willkürlich gezogenen Grenzen und schon gar nicht von Europa aus. Rücksichtslos gegenüber ethnischen und kultureller Grenzen, der nahe Osten: Ein (für die westliche Kultur überlebenswichtiger) Selbtbedienungsladen der Kolonialmächte. Die von Dir zitierte Operation Ajax: Eigentlich bereits der zweite Akt des iranischen Dramas (wenn man das Sykes-Picot-Abkommen einmal nicht mitzählt)… ach, ich blättere gerade in Monika Gronkes Geschichte Irans: Von der Islamisierung bis zur Gegenwart… das Elend ist ein treuer Begleiter dieses Landes! Nicht der zweite Akt, nur ein weiterer.

    »Ich glaube nicht, daß es die ‘Islamische Revolution’ ohne die Operation Ajax je gegeben hätte.«

    Da bin ich mir nicht so sicher. Die erste Verfassung Irans 1906 kam unter anderem auf Druck von Geistlichen zustande, die neben den westlichen Vorbildern (Gewaltenteilung, Volkssouveränität) auch die Verankerung der Scharia und eine Kontrollinstanz von Geistlichen vorsah. Der politisch aggressive Islam ist also älter. Eher stellt sich die Frage, warum man das solange übersehen hatte. Mein etwas flapsiges »Es ist der falsche Gott, dessen politisches Gestaltungsbild dort herrscht« berührt doch seit Ende des 19. Jahrhunderts einen diplomatisch wichtigen Punkt. In der Vorstellung der westlichen Herrschaftseliten spielen religiöse Mächte politisch praktisch keine Rolle mehr. Die Vorstellung, sich mit einem religiösen Führer über Handelsverträge oder Herrschaftsansprüche zu einigen, ist in der neokolonialistischen Vorstellung bis zum heutigen Tage regelrecht »mittelalterlich«. Man kann diesen Standpunkt durchaus vernünftigerweise teilen, aber wie realistisch ist das tatsächlich? Die Idee des IS, des islamischen Staates, ist ja erwiesenermaßen keine Chimäre, sondern real. Man kann sie nicht ignorieren. Und sie stirbt nicht, in dem man versucht, den idiotisch militanten Teil davon in die Steinzeit zurückzubomben.
    Jetzt wird’s kompliziert.

    • Der politisch aggressive Islam“ war und ist *auch* eine anti-koloniale Entwicklung, zur „Idee des IS“ gehört nicht zuletzt die Aufhebung des Sykes-Picot-Abkommens (interessant dazu fand ich Yassin Musharbash 2014 aus jordanischen Grenzgebieten) und there is no such thing as „die“ Scharia – Sie meinen vermutlich Scharia als staatliches Strafrecht, das 1. immer und überall im Fluß ist und 2. nur einen kleinen Teil der Scharia ausmacht, der ganze große Rest sind religiöse Gebote zum Essen, Beten, Wallfahrt, Almosen usw. Laut Wikipedia wurde übrigens die erwähnte „Kontrollinstanz von Geistlichen“ mit Vetorecht vor der ‚Islamischen Revolution‘ „nie gewählt und konnte daher seine Funktion auch nicht ausüben.

      Die Katastrophe der Auflösung des Osmanischen Reiches liegt weniger im (von Europa aus unregierbaren) Flickenteppich, sondern in dessen Abschaffung, zugunsten von Nationalstaaten mit willkürlich gezogenen und zunehmend hermetischen Grenzen. Man wäre besser beraten gewesen, den osmanischen Flickenteppich zu belassen, der hat ziemlich gut funktioniert.

      Iran ist eine jahrtausendealte Nation, im Gegensatz zu fast allen Gegenden, die unter „arabisch“ gefasst werden, was sich nicht nur in den Konflikten zwischen Schiiten und Sunniten manifestiert. Es gibt sowieso nicht „den“ Islam oder „die“ muslimische Welt, sondern mindestens 3 unterschiedliche Strömungen: „die vom Mittelalter geprägte traditionelle Kultur, die Salafiyya-Kultur und eine an Europa orientierte laizistische nationalistische Kultur“ – aus einem sehr lesenswerten Artikel von Muhammad Sameer Murtaza über die Reformation im Islam namens Salafiyya, beginnend vor knapp 300 Jahren, die Parallelen zur christlichen Reformation sind augenfällig.

      Will sagen: Religion war und ist oft nur das Etikett, das auf ganz andere Begehrlichkeiten und Konflikte geklebt wird.

  5. Pantoufle sagt:

    Wie in der Tagesschau.de heute morgen zu lesen ist, verhängen die USA weitere Sanktionen gegen den Iran. Wie das Außenministerium mitteilte… wer ist da gerade Außenminister?… werden alle Verantwortlichen zur Rechenschaft… Ohne Worte. Das ist nun so strunzdumm wie man es sich nur denken kann. »Den Opfern des Regimes rufen wir zu: ‚Ihr werdet nicht vergessen‘.« Im Klartext: Die Sanktionen sind wieder in Kraft. »Raketenprogramm – Sie verstehen schon!«

    Feuerzeug und Benzinkanister auch in Pakistan. »Zudem setzt die US-Regierung Sicherheitshilfen für Pakistan aus, um den Druck auf das Land zu erhöhen. […] weil Pakistan nicht vollständig bei der Terrorbekämpfung kooperiere.«
    Wer sich die Geschichte der »Terrorbekämpfung« von Pakistan und den USA der letzten zehn Jahre ansieht, wundert sich sowieso darüber, daß Pakistan noch kein Stern auf der US-Flagge ist. »Nicht vollständig kooperiere…« kann nur als Aufforderung verstanden werden, die Regierungsgewalt vollständig in die Hände des US-Senats zu übergeben.

    Da wünscht man sich doch die weise, wohlüberlegte und angemessene Kolonialpolitik von Queen Victoria und ihres Außenministers Palmerston zurück. Nicht diesen Weltenbrand.

    • OldFart sagt:

      Die Tagesschau zitiert US-Vertreter:

      Das Raketenprogramm sei „dem iranischen Regime wichtiger als das wirtschaftliche Wohlergehen“ der Bevölkerung.

      Mein Gott, noch nie war aufklärender Journalismus einfacher als heute bei solchen Steilvorlagen. Man müßte nur Fakten© daneben stellen:

      Im Jahr 2012 bezogen 47,8 Millionen Amerikaner, im Jahr 2016 durchschnittlich 44 Millionen Amerikaner Leistungen der Lebensmittelhilfe, also etwa jeder siebte Einwohner. Die Gesamtkosten des Programms betrugen in diesen Jahren rund 75 bzw. 71 Milliarden Dollar.
      Das derzeitige Regime betreibt die weitgehende Abschaffung der Hilfe für die Bedürftigen. Zeitgleich betreibt es eine „historische Steigerung“ (O-Ton des Regimes) des Militärhaushalts um 54 Milliarden Dollar.

      Herr Gniffke, übernehmen sie!

      • Pantoufle sagt:

        »Der amerikanische Senat hat eine deutliche Anhebung des Verteidigungshaushalts auf 700 Milliarden Dollar (586 Milliarden Euro) bewilligt. Mit 89 Ja-Stimmen bei nur acht Nein-Stimmen gewährte die Kongresskammer am Montag (Ortszeit) sogar fünf Prozent mehr Geld für den Verteidigungsetat als die von Präsident Donald Trump geforderten 668 Milliarden Dollar.«

        FAZ

        Da fragt man sich doch, ob es den 8 Nein-Stimmen nicht genug war. BTW: Die selbsternannten Freunde Israels ticken auf Twitter und FB gerade völlig aus und feiern Trump als Retter des Abendlandes. Kann man sich gar nicht ausdenken, sowas.

      • OldFart sagt:

        Man vergißt so schnell. My bad. Ich hatte nur die geplante Erhöhung von 54 Milliarden Dollar abgespeichert – daß die scheinparlamentarische Junta der USA im Bemühen, den Machthaber zu übertreffen, das mit einer Erhöhung von 611 auf 700 Milliarden Dollar, also am Ende einem Budgetzuwachs von 89 Milliarden Dollar noch überbieten mußte, hatte ich schon verdrängt. Da wird die Streichung der Armenspeisung noch nicht mal ausreichen, um das gegenzufinanzieren. 89 Milliarden Dollar MEHR, das langt schon für die eine oder andere Rakete zusätzlich. So viel zu den Prioritäten des Regimes.

        Immer noch keine Wortmeldung von Herrn Gniffke?

        • Pantoufle sagt:

          Herr Gniffke sieht und weiß alles! Auch wenn es mit dem Verstehen hapert.

        • OldFart sagt:

          Da sehe ich förmlich vor mir, wie Saurons allsehendes Auge von Barad-Dur aus über die lebensfeindliche Wüstenei Mordors schweift und nach Renegaten späht, um sie der fälligen Mißbilligung, Bekehrung und Bestrafung zuzuführen.

          Bei Lichte besehen ist die Assoziation mit Sauron aber definitiv zuviel Ehre für einen so devoten Apparatschik, der einfach nur willfährig die Herrschaftsnarrative verbreitet. Clanchef einer marodierenden Uruk-Hai Patrouille käme aus diesem Blickwinkel vielleicht eher hin.

          • Pantoufle sagt:

            Nur nicht zuviel Licht in die braune Öffnung. Es handelt sich bei dem bekennenden D. Trump-Fanboy um die sexuelle Verirrung des Untertanen nach der Knute. Heinrich Mann hat diesem Typus einmal ein Buch gewidmet.

            »Fürchterlicher als Gnom und Kröte war der Vater, und obendrein sollte man ihn lieben. Diederich liebte ihn. Wenn er genascht oder gelogen hatte, drückte er sich so lange schmatzend und scheu wedelnd am Schreibpult umher, bis Herr Heßling etwas merkte und den Stock von der Wand nahm. Jede nicht herausgekommene Untat mischte in Diederichs Ergebenheit und Vertrauen einen Zweifel. Als der Vater einmal mit seinem invaliden Bein die Treppe herunterfiel, klatschte der Sohn wie toll in die Hände – worauf er weglief.«

            Jeden Tag aus neue auf der Schwelle zu unerhörten Fortschritten; jeden Tag aufs neue die alten Feinde: Die Socialdemokratie, Kevin Jebsen und der gesunde Menschen-Verstand.

  6. Pantoufle sagt:

    Moin, liebe Dame

    »Die Katastrophe der Auflösung des Osmanischen Reiches liegt weniger im (von Europa aus unregierbaren) Flickenteppich, sondern in dessen Abschaffung, zugunsten von Nationalstaaten mit willkürlich gezogenen und zunehmend hermetischen Grenzen. «

    Sag ich doch.
    »“A. T. Wilson und ich verbrachten einen großen Teil der Zeit damit, akzeptable Grenzen zu planen“, schrieb die Britin Gertrude Bell 1919 aus dem heutigen Irak nach Hause. „Es ist ein amüsantes Spiel, wenn man sich im Land auskennt.“«
    Bei aller Hochachtung vor Gertrude, die nun eine wirklich interessante Vita hat: Ganz so gut kannten sie sich dann doch nicht aus. Wenn auch besser als die meisten ihrer Landsleute. Der Zeit-Artikel ist allerdings sehr interessant.

    »…das 1. immer und überall im Fluß ist und 2. nur einen kleinen Teil der Scharia ausmacht, der ganze große Rest sind religiöse Gebote […] mit Vetorecht vor der ‘Islamischen Revolution’ “nie gewählt und konnte daher seine Funktion auch nicht ausüben.”«
    Formulieren wir es einmal so: Laut Grundgesetz leben wir hier in einem laizistischen Land. Außer Bayern natürlich. Die CSU ohne Herzjesus? Undenkbar! Dann bliebe ja nur SU und das war schon vergeben.
    Das »revolutionäre« an der iranischen Verfassung von 1906 war natürlich, daß nicht mehr der Koran Quelle irdischer Gerichtsbarkeit ist. Man sollte sich das allerdings nicht wie einen Bismarckschen Kulturkampf vorstellen. Der hätte sicherlich nie eine Chance gehabt. Das Zurückdrängen des klerikalen Einflusses bedeutet ja nicht automatisch seine Abschaffung. Siehe Bayern. Ich gestehe allerdings, daß mir die Nichteinsetzung des »Kontrollrates« entgangen war, da die Geistlichkeit in den Ständen des Wahlsystems auftaucht. (»…des am 5. August 1906 erlassenen Königlichen Dekret wurde die Bildung eines Parlaments angeordnet, dessen Delegierte in einem nach Ständen gegliederten Wahlsystem gewählt wurden. Stände waren die Prinzen der königlichen Familie, Doktoren der Geistlichkeit (ulama), Familienmitglieder der Kadscharen, Mitglieder der Adelsfamilien, Großgrundbesitzer, Kaufleute und Mitglieder der Zünfte.) Wie auch immer: So ganz ohne Einfluß werden sie nicht gewesen sein.

    [»Der politisch aggressive Islam” war und ist *auch* eine anti-koloniale Entwicklung«. An dem Wort »aggressiv« habe ich lange gekaut, es aber dann doch stehen lassen. Da hat meine Abneigung gegen Religion über die politische Korrektheit gesiegt. »relevant« wäre die vernünftigere Formulierung gewesen.]

    Daraus folgert, daß ich auch kein Islam-Experte bin und den Unterschied zwischen Scharia und Fiqh kenne. Kenne ich nicht und will ich streng genommen auch nicht kennen. Wenn über Menschenschicksale mithilfe irgend welcher Götter geurteilt wird, lehne ich das ab. Völlig unabhängig des Namens der jeweiligen Gottheit. Auch wenn diese Wissenslücke bei der Betrachtung von Dingen wie dem IS wenig hilfreich ist. Aber man muß nicht das alte Testament aufsagen können, um die Rolle des Papstes zu beurteilen.

    So, und nun fliegt DER BAUM aus dem Wohnzimmer! Morgen ist Fete und da stört er nur. Obwohl: Da passen mit etwas gutem Willen zweit der Gäste meiner großen drunter, die sich erfahrungsgemäß innerhalb der ersten Stunde abschießen.

    • Das »revolutionäre« an der iranischen Verfassung von 1906 war natürlich, daß nicht mehr der Koran Quelle irdischer Gerichtsbarkeit ist.

      Für sehr viel entscheidender halte ich den durch die iranische Verfassung von 1906 festgeschriebenen Übergang von der absolutistischen zur konstitutionellen Monarchie.

      Wenn über Menschenschicksale mithilfe irgend welcher Götter geurteilt wird, lehne ich das ab. Völlig unabhängig des Namens der jeweiligen Gottheit.

      Was denn nun? Entweder gibt es Gott/Götter, dann ist es völlig egal, ob Sie die und deren Urteil ablehnen, weil die sind größer und stärker als Sie. Oder es gibt keine und es sind immer Menschen, die über andere Menschen urteilen (wovon ich auch im Falle einer Gottesexistenz ausgehe).
      Ihre Meinung über Religion sei Ihnen völlig unbenommen, solange Sie Religiosität als Menschenrecht achten und sich Ihrer eigenen kulturellen Prägung bewußt sind. Und die ist in unserem Kulturkreis nun mal christlich und niemand ist frei davon, Abneigung hin oder her.

      Ich wünsche eine herrliche Party!

      • Pantoufle sagt:

        Danke, ich fürchte, es wird ein rauschendes Fest.

        »den durch die iranische Verfassung von 1906 festgeschriebenen Übergang von der absolutistischen zur konstitutionellen Monarchie. «
        Vorbild Großbritanien. Andere Teile lehnten sich an die Preußischen Verfassung an. Ähnlich wie die Meiji-Verfassung. Man muß das Rad ja nicht zweimal erfinden.

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