Der nationale Schriftverkehr und die Grundgesetzhüter

60.000 E-Mails der NPD geleakt – der NDR hat sie wohl, die Taz auch- und die Damen und Herren von der NPD sind durchaus besorgt.

Steht was überraschendes drin? Nein, eigentlich nicht. Jedenfalls nichts, was sich nicht jeder normale Mensch selbst zusammenreimen konnte. War vielleicht die Primitivität der Sprache noch ein Augenbrauenhochziehen wert: Der Inhalt mit seinen rassistischen Aussagen kann eigentlich niemanden überraschen. Das dort noch das eine oder andere steht, was eigentlich jedem Staatsanwalt das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen müsste; Nein, im Westen nichts neues.

Als Gesine Lötzsch vor ein paar Wochen in der Jungen Welt ihren Aufsatz “Wege zum Kommunismus” veröffentlichte, jaulten grosse Teile Deutschlands   – nachdem sie ihre Hechelatmung unter Kontrolle hatten – wie geprügelt auf.

Sie hatte das “K” – Wort gebraucht! “Jehova, Jehova”! Sie hatte es gesagt. Endlich mal wieder eine! Nun kann man den Aufsatz bewerten, wie man will: So viel revolutionäres stand ja eigentlich nicht in dem Artikel. Man könnte es notfalls als eine Wiederauflage des Heidelberger Programms der SPD verstehen, angereichert mit Elementen, von denen klar war, das sie einigen Leuten etwas Schienenbeinschmerzen verursachen. Der Ruf nach dem Verfassungsschutz und einem Verbot der Linken erfolgte umgehend. * Fußnote: Die arme Frau Lötzsch musste zur Schadensbegrenzung sogar “Welt.de” Rede und Antwort stehen! Dieses Interview war dann auch so abgrundtief dämlich von Seiten der “Welt”, daß ich an dieser Stelle ausdrücklich nicht darauf verlinkte! *

Das Leaken der NPD – Mails verursacht da doch erheblich weniger Staub. Die Wächter der Freiheit von CxU und SPD sind so merkwürdig ruhig.  Ja: Geschenkt! Natürlich beobachtet der Verfassungsschutz schon seit Jahren diese rechten Gruppierungen – so sehr, das man sie gar nicht mehr vor den Richter bringen kann, weil man die Übersicht verloren hat, wieviel von den eigenen Leuten man dabei mit hops nehmen würde. Aber ein wenig mehr Entrüstung hätte ich mir doch schon gewünscht. Erwartet? Nein, erwartet habe ich es nicht. Nur gewünscht!

Nein, sie werden die NPD nicht verbieten. Sie werden feinsinnige Argumente hervorkramen, warum eine echte Demokratie auch solche Aussetzer ertragen muss und Blödsinn über freie (siehe Gesine Lötzsch) Meinungsäusserung verbreiten. Und auch die Wähler der NPD werden sich nicht dadurch beeindrucken lassen – eher im Gegenteil. Seit Thilo Sarazin gezeigt hat, wie man jede noch so absurde rechte These gesellschaftsfähig bekommt, sollte sich auch diese Affäre unter den Teppich kehren lassen.  Ja, Familienministerin Kristina Schröder (CDU, schwanger)  darf derweil weiter an ihrem freiheitlich-demokratischem Schnüffelgesetz basteln, um endlich, endlich die “linke Gewalt” unter Kontrolle zu bekommen.

An dieser Stelle noch ein Gruß an die ca. 20.000 Menschen, die heute in Dresden für eine nazifreie Stadt demonstriert haben! Das Ihr zur freiheitlich-Demokratischen Grundordnung steht, habt ihr damit bewiesen! (auch ohne Frau Schröder)

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