Das Leben – ein negatives Nutzererlebnis

Kindeswohl

Helge Schneider („Fitze fitze fatze“, „Katzeklo“) bricht völlig unerwartet Strandkorbkonzert ab. Anstatt sich zu freuen, daß er endlich wieder live auftreten kann, verläßt Helge Schneider („Fitze fitze fatze“, „Katzeklo“) kommentarlos die Bühne und läßt verdutzte Kellner neben den Strandkörben stehen.

»Von bargeldloser Gastronomie mit Lieferung zum Strandkorb, über kontaktlosen Einlass bis hin zu Desinfektionsmittel am Sitzplatz, ist alles durchdacht. Mit allen Vorrausetzungen, die es 2021 einzuhalten gibt, wollen wir für Sie den perfekten Rahmen schaffen und Freude bringen, sodass wir wieder etwas mehr gemeinsam feiern, tanzen und lachen können.«

Helge Schneiders („Fitze fitze fatze“, „Katzeklo“) Auftritt beim Festival mit Teilnahmemöglichkeit an einer Verkaufsveranstaltung jedenfalls irritierte den Künstler („Fitze fitze fatze“, „Katzeklo“) dermaßen, daß (»Durch gut organisierte „Einbahnstraßen & Wegeführung“ wird der Kontakt zu anderen Besuchern vermieden.«) sich das Festivalfeeling nicht einstellen wollte.
Der Blick von der viel zu hohen Bühne herab auf die Strandkörbe und die wuselnden Verkäufer von Gummibären und Dosenbier. Ein Clown auf dem Betriebsfest von Eisen-Müller und Partner, der Possenreißer zwischen den Pausen der Reden von Betriebsrat und Vorstandsvorsitzendem.

SPIEGEL: Haben Sie und Ihre Mitmusiker von Element of Crime sich je über schlimme oder unzumutbare Auftrittsbedingungen aufgeregt?

Sven Regener: Ja schon. Aber eher gegenüber dem Veranstalter vor oder nach dem Gig. Das Publikum kann ja nichts dafür. Warum soll man das damit behelligen?

Das ist wohl die Frage – ob und was es dafür kann? Immerhin läßt es sich bei der Benutzung der Toilette auf der Autobahn das Geld aus der Tasche ziehen oder das Recht auf Wasser „privatisieren“. Strandkörbe, Zelte oder gleich kuschelige 3-Mann/Frau-Betonbunker sind doch nur ein anderes »Format«, das unverbindlich vorgeschlagen wird, »sodass wir wieder etwas mehr gemeinsam feiern, tanzen und lachen können.«

Es twittert darauf natürlich sehr schön (nichts Zitatwürdiges, aber jeder darf mal ran), wobei Helge Schneider („Fitze fitze fatze“, „Katzeklo“) nur das getan hat, was Sven Regener bestreitet: »Warum soll man das damit behelligen?« Schneider hat behelligt und jetzt stehen sie bedröppelt vor der leeren Bühne und fragen sich, warum der Clown nicht mehr lustig ist.
Die Frage müssen sie sich wohl selber beantworten.

Eine gute Gelegenheit, um sich selber zu fragen, was das für einen selber ist, diese Kunst. Das Schauspiel, die Musik, ein Bild zu betrachten. Als Zuschauer, Konsument oder seelisch Abhängiger davon, daß es so etwas überhaupt gibt. Wie das Wasser oder das Recht, sein Bein an einem Baum zu heben.

Merkel muß wech!!

Ja, das wollte ich kurz anmerken, auch wenn ich sonst nicht mehr viel zur Lage beizutragen habe. Es ist doch alles ziemlich hoffnungslos. Kritik an den Verhältnissen wird von gehirnamputierter Seite zu schnell in den eigenen Kanon übernommen, den der »Impfgegner«, »Coronaskeptiker« und anderer »Querdenker«. Damit will ich nichts zu tun haben. Freiwillige Selbstzensur: Ich bin nicht »kritisch«. Ich hab meine eigenen Sorgen. Hund Rumo ist gestorben (nicht an Corona, Impfung oder Vereinsamung) und ich bin selber krank, vermutlich zu viel »besorgte Bürger« am Arbeitsplatz. Kurzarbeit bei 55,60 Stunden pro Woche, Tendenz steigend – die zuständigen Behörden sind ja so blöd, das merken die nie! Noch so eine Corona-Nebenwirkung, freidrehende Arbeitgeber.

»Ich hätte gerne 10 Päckchen Turner halbschwarz und die gleiche Menge Gizeh Blättchen«
»Wieviel Päckchen Tabak?
»Zehn«
»Welchen?«
»Turner«
»Halbschwarz?«
»Ja!«
Mein Happy-Place ist eine Wiese mit einer Unmenge Sonnenblumen und Opiumanbau.
»Sonst noch was?«
»Ja, Zehn Päckchen Zigarettenpapier«
»Welche?«
»Gizeh Special«
»Sie rauchen aber viel!«
»Nein, nicht auf einmal. Aber dann muß ich mir den Kauf nicht jeden Tag antun«
»Rauchen ist ja auch sehr ungesund!«
Strafender Blick.
»Vor allem während Corona!«
»Nein, auch nicht ungesünder als zu normalen Zeiten«
»Mumpf, mumpf!«
Man kommt wieder ins Gespräch. Masken haben auch ihr Gutes. 

Und dann noch was für Mechthild

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17 Antworten zu Das Leben – ein negatives Nutzererlebnis

  1. DasKleineTeilchen sagt:

    Hund Rumo ist gestorben

    (goddamit!)

    …..

    “Kurzarbeit” bei 55,60 Stunden pro Woche

    bitte was?!?

    …..

    “Rauchen ist ja auch sehr ungesund!”

    “entschuldigung, verkloppen sie hier tabak in ihrer buchte oder nicht?”

    ich drück dich, pantoufle. mehr gibt meine allgemeine entfremdung gerade nicht her.

    • Pantoufle sagt:

      Kurzarbeit” bei 55,60 Stunden pro Woche
      bitte was
      ?!?

      Ja, und gleitende Arbeitszeit: Beginn und Ende werden willkürlich festgesetzt. Wie es dem Herrn Chef gerade gefällt. Das macht echt keinen Spass.
      Da kam das mit Rumo nur noch als zusätzliche Strafe.
      Drücke zurück.

  2. BerndH60 sagt:

    Kurzarbeit ist Unternehmers Freund.
    Ein Bekannter hatte im Herbst 2020 Kurzarbeit Null.
    Ein Betrieb mit immerhin 117 Mitarbeitern. Während der Bekannte und die Kollegen auf schmale Kost gesetzt wurden, nutzte der Chef die vollen Auftagsbücher um mit einer osteuropäischen Mannschaft den Laden weiter laufen zu lassen, mit 65% der normalen Lohnkosten. Aufgefallen ist das Ganze erst, als der Gierschlund Gewinnausfälle bei der Corona-Hilfe geltend machte.

  3. Schwarzes_Einhorn sagt:

    Oh nein, Mann – ich dachte/hoffte, das lange Schweigen heißt einfach: alles im grünen Bereich – und dann sowas.
    Es tut mir echt sehr leid um Rumo. Und es schmerzt, zu lesen, daß Du krank bist. Und dann auch noch Probleme im Job. Da vergehts einem echt, bei dem, was da alles zusammenkommt.

    Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute.

    • Pantoufle sagt:

      Moin, schwarzes Einhorn

      Außer dem Garten ist hier leider gar nichts grün. Meine stille Hoffnung ist ja, das am Ende so viel Stoff zum Erzählen übrig bleibt, daß der Mangel an schönen Geschichten dadurch ausgeglichen wird.
      Wir werden sehen!

      Immerhin lebe ich weiter und erfahrungsgemäß wird auch das im Moment, wie alles andere, nur eine weitere Episode sein, die man eben mal durchlebt.
      Nachher kann man darüber Geschichten schreiben und dann stellt sich wie immer dieses Gefühl ein »war doch eigentlich ganz lustig!«

  4. Stony sagt:

    Moin Pantoufle,

    meine besten Wünsche, daß Du da möglichst schnell und unbeschadet durchkommst. Was ‘ne Sch*** ey.

    LG

  5. Siewurdengelesen sagt:

    Mannmannmann…

    …da hatte ich auf irgendwas mit Wut, Zorn und so gehofft nach der langen Auszeit und dann so etwas. Selbst mit mangelnder Schreiblust wegen der Sklaventreiberei(Arbeit) hatte ich etwas gerechnet und dann diese Grütze!

    Verdammt!

    Dann drücke Rumo wenigstens im Geiste auch von mir mit und bleibe bitte senkrecht.

    • Pantoufle sagt:

      Moin, Siewurdengelesen

      Die Schreibschokolade dem Arbeitsplatz alleine zuzuschreiben, wäre etwas zuviel der Ehre – soweit würde ich nicht gehen. Da kommen noch Dinge aus dem privaten Umfeld dazu und vor allem und in vorderster Front eine Veränderung des Tonfalls in der Blogossphäre seit Ausbruch der Rüsselpest. Blogossphäre trifft es nicht ganz: Wenn man bei der morgendlichen Internetlektüre den Postillion mit Tagesschau.de verwechselt, braucht man nicht einmal Epikurs Freakshow mehr, um dem »Internet« eine gewisse Beliebigkeit zu unterstellen.
      Strafverschärfend kommt der äußerst schwer zu unterscheidende Unterschied zwischen pandiemiebedingter Unfähigkeit und »normalem« Politikbetrieb hinzu. Oberflächlich betrachtet das selbe Phänomen, aber doch nicht mit der selben Meßlatte zu beurteilen. Oder wie soll man die Idee, Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin aufzustellen, anders als mit einem drohenden frühen Ende erklären? Laschet verstehe ich ja noch (mit der Rüsselpest hat der so gar nichts zu tun, eher mit der Sehnsucht nach den fünfziger Jahren), aber diese Unterschiede nun genau herauszumeißeln… ist es die Arbeit wert?

      • Siewurdengelesen sagt:

        “aber diese Unterschiede nun genau herauszumeißeln… ist es die Arbeit wert?”

        Finde ich ja schon, dass das differenziertes Denken wert ist. A. Baerbock wird m.E. gerade etwas verheizt und sah beim Beginn ihres Wahlkampfes hinter Kretschmann ein wenig wie ein Schulmädchen aus oder ein Cheeerleader, aber nicht wie eine Kanzlerkandidatin. Man könnte glatt meinen, dass Kretschmann der Kandidat ist;-)

        Laschet sieht sich ebenfalls m.E. schon “durch” als Kanzler und ganz so gebärdet er sich auch.

        Das Internet ist dabei auch nur ein (ziemlich einseitiges) Medium des Austauschs von Gedanken, Ansichten und Meinungen, wo das eben sehr entpersonifiziert und dementsprechend je nach Thema rustikaler als im real life stattfindet.

        Kommt noch der Aufmerksamkeits- und Voyeurbonus dazu, je fetziger die Schlagzeile daher kommt. Das erklärt vieles, was derzeit in allen Medien so schiefgeht.

        Und bei diesem Buhlen um den schnellsten Gassenhauer für Klicks hat die Pandemie schon eine neue Stufe geschaffen, die sich auch im Alltag bemerkbar macht – der Ton wird rauher und die angewandten Mittel plakativer. Die Halbwertzeiten und das Niveau der immer seltener faktenbasierten Berichte sind dagegen zunehmend unterirdisch.

        Die Zeit hat sich vorher schon kaum jemand genommen, etwas tiefgehender und länger für Qualität auf Kosten des “ersten Platzes” zu recherchieren, aufzuarbeiten und dann erst wiederzugeben und jetzt werden die Säue ja oftmals schneller durch die Dörfer getrieben, als es wert ist, sie überhaupt noch zu veröffentlichen oder gar zu lesen. Reflexion auf beiden Seiten ist dabei komplette Fehlanzeige bei dieser Schlagzahl – Hauptsache laut – schnell – viel!

        Das war “früher” zwar auch schon so, aber ist jetzt schlimmer.

        Selber war ich in letzter Zeit auch berufsbedingt und über das Umfeld arg gefrustet, habe aber bei vielen Sachen den Stecker gezogen und mehr nach innen fokussiert und so geht es jetzt wieder einigermaßen.

        • Pantoufle sagt:

          Moin Siewurdengelesen

          Mal sehen, ob ich ab nächster Woche wieder Lust habe, zu differenzieren. Aber heute ist Donnerstag und da fahre ich für ein paar Tage ganz undifferenziert weg in den Urlaub. Und ob mir das auch in ein paar Tagen bei den Grünen gelingen wird, ist sehr fraglich. Da ich – Arbeit hin oder her – nach wie vor zu den eher unterprivilegierten Mitgliedern dieses Haufens gehöre, zähle ich mich und die Meinen zum Beuteschema der Grünen. Wieviel Differenzierung mir da gelingt, bleibt abzuwarten.

          Bis die Tage

  6. Götz sagt:

    Schön, dass du wieder da bist!

    • Pantoufle sagt:

      Moin Götz

      Danke, Danke – aber nur kurz da, weil ab heute im Kurzurlaub. Aber ich werde mich bemühen, weiterhin die Leute mit meiner Sicht der Dinge zu belästigen .

  7. oblomow sagt:

    ‘s ist kein dienstag, der donnerstag auch gerad vorbei, mir war gerad danach, ein gedicht, juchhei – war wohl der rum, und der war lecker, drum:

    In den Autos

    Wir waren ruhig,
    hockten in den alten Autos,
    drehten am Radio
    und suchten die Straße
    nach Süden.

    Einige schrieben uns Postkarten aus der Einsamkeit,
    um uns zu endgültigen Entschlüssen aufzufordern.

    Einige saßen auf dem Berg,
    um die Sonne auch nachts zu sehen.

    Einige verliebten sich,
    wo doch feststeht, daß ein Leben
    keine Privatsache darstellt.

    Einige träumten von einem Erwachen,
    das radikaler sein sollte als jede Revolution.

    Einige saßen da wie tote Filmstars
    und warteten auf den richtigen Augenblick,
    um zu leben.

    Einige starben,
    ohne für ihre Sache gestorben zu sein.

    Wir waren ruhig,
    hockten in den alten Autos,
    drehten am Radio
    und suchten die Straße nach Süden.

    Wolf Wondratschek

    und einige zeilen aus seinem gedicht “Todesspirale”:

    das Leben, ein pausenloses Sondertraining,
    dessen Triumph darin besteht, auch die ungeheuerlichsten
    Strapazen der Monotonie zu ertragen –
    es wird keine Ernüchterung geben

    lange nicht gehört:

    Abenteuer und Freiheit

  8. Helmut Höft sagt:

    Beileid.
    Flora und Buster liegen schon im Garten, Marla ist jetzt 12 …

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