Aus Arbeitgebersicht völlig in Ordnung

»Beschallungstechniker/in
Ihr Aufgabengebiet ist die Installation von Beschallungstechnik. Um diese Position auszufüllen, haben Sie vorzugsweise eine Ausbildung als Radio und Fernsehtechniker, Elektroinstallateur oder einem artverwandten Beruf.«

Strassenbahnfahrer – die machen ja auch irgendwie Geräusche. Vor allem das ehrenwerte Handwerk des Elektroinstallateurs weckt sofort Interesse, wenn man an Beschallung denkt. Und so ergab eine improvisierte Umfrage unter den Kollegen, was man unter »dB« versteht, auch die interessantesten Antworten.
Die meisten beginnen mit »So ganz genau weiß ich das auch nicht, aber…«, gefolgt von einem Gestottere, das darauf schließen läßt, daß man das gesamte System von Logarithmen im speziellen und Akustik im besonderen nicht verstanden hat.

Ob das in der Chefetage anders ist?
»Das Akustik-Team ist gut geschult und verfügt über eine langjährige Erfahrung in der Verbesserung der Akustik.«
Ganz offensichtlich nicht alle. Jedenfalls nicht als Radio und Fernsehtechniker oder als Straßenbahnschaffner. Als Architekt vielleicht. Manchmal. Eher selten.

»Selbstverständlich werden Sie vorab gründlich eingewiesen«

Beispiel Wartung von bestehenden Anlagen:
»Dann nimmst Du einfach den NTI, gibst ein Rauschen drauf und läufst 10 Min mit einem wichtigen Gesicht durch den Raum« (Originalzitat).
[Ein NTI-Analyzer ist ein Schächtelchen mit Display und Batterie, das ein paar rudimentäre Messfuktionen beherrscht.] Und anschließend schnell weiter zur nächsten Baustelle.
Aber was soll schon kaputtgehen?

»Das Audiosystem arbeitet bedienungsfrei, verfügt über zwei integrierte, leistungsfähige Digitalendstufen und beinhaltet die richtungweisende „Raumkontroll-Technik“ « und »Systemsoftware, Softwareupdate, Fernwartung.«

Gesteuert über eine richtungsweisende RS232-Schnittstelle und so ist sie dann auch, die Software: Frühe sechziger Jahre. Die „Raumkontroll-Technik“ entpuppt sich bei näherer Betrachtung als mehrkanaliges Noise-Gate mit rudimentärer ducking Funktion. Ihr vornehmster Daseinszweck besteht darin, das Rauschen des Gerätes in halbwegs erträglichen Grenzen zu halten. Und rauschen tut es überdeutlich, selbst wenn man die Eingangspegel mit Trimmern und einem Schraubendreher auf der Rückseite des Kastens nach »Erfahrungswerten« abgeglichen hat. (Versuche das mal bei einem eingebauten Gerät!) »Erfahrungswerte« nach Liste deswegen, weil das Ding keine VU-Meter bereitstellt. Gab es 1962 vermutlich noch nicht. Allein der Gedanke, Mikrophonempfindlichkeit nach »Erfahrungswerten« einzustellen…

Die »Fernwartungssoftware« kommt im normalen Alltag nicht vor – vermutlich auch, weil auch Telephon-Modems aus der Mode gekommen sind.

Der Produkt-Katalog ist etwas zu leer? Keine Geräte, keine Ideen? Na, dann nehmen wir einfach unscharfe Bildchen aus dem Internet, bilden die spiegelverkehrt ab und nennen die dahinterstehende Marke nicht – das spart immens an Entwicklungszeit!
»Das XYZ999 repräsentiert den aktuellen Stand der Technik und garantiert Ihnen Zukunftssicherheit für viele Jahre!« »Presets bieten dem Anwender die Möglichkeit die optimalen Einstellungen für die jeweilige Veranstaltung auf Tastendruck abzurufen«
»Vorteile:
– Optimal abgestimmt für den Betrieb mit unseren Produkten
– Audio-DSP zur Sonderabstimmung auf die Raumverhältnisse
– Class D Endstufen mit hohem Wirkungsgrad und kristallklarem Sound«
Mit DSP und mindestens 3 Rechtschreibfehlern pro Seite. Das »Akustik-Team« ist angewiesen, die »Made in China«-Aufkleber vor der Montage zu entfernen.

Pantoufles halbjährliche Probezeit endete vor ein paar Wochen. Noch eben knapp drei Wochen Überstunden und anteiligen Urlaub abfeiern und dann wieder zurück zum Rockn’n’Roll. Flucht nach vorne.
Vor ein paar Monaten schrieb ich zu diesem Thema: »Handwerk oder handwerksähnliches. Vom Handwerk jedenfalls ist es die Verbohrtheit in die eigene Welt und die Ignoranz darüber, was die große weite Welt sonst noch so treibt. […] Wir lieben diese Welt, weil eine andere schlicht undenkbar ist.«
Jegliche Sympathie ist verschwunden, genau genommen auch der kleinste Rest. »Man mogelt sich eben so durch« ist natürlich ein Prinzip, an dem niemand hundertprozentig vorbeikommt. Das aber – das ist deutlich darüber. Ob das nun branchenüblich ist oder nicht, spielt dabei keine Rolle. In meinem Wortschatz hat solcherlei Handeln ein Wort.

Zum unguten Ende schob man Pantouflen einen neuen Arbeitsvertrag mit Änderungskündigung über den Tisch, den ich »aus Arbeitgebersicht völlig in Ordnung« und »umgehend« zu unterschreiben hätte. Ein kurzer Blick reichte vollkommen, um zu sehen daß man das auf keinen Fall und schon überhaupt nicht unterschreiben wird.

»Wir stellen wieder ein!
Haben wir ihr Interesse geweckt?«

Schade eigentlich, grundsätzlich hatte ich meinen Spaß an dem Job. Nur daß ich Akustik nie als »Job« wahrgenommen habe; eher als Berufung. Und nicht als eine Dienstleistung, deren Qualität sich daran orientiert, wie informiert der Kunde ist. »Wir machen das schon immer so!«

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13 Antworten zu Aus Arbeitgebersicht völlig in Ordnung

  1. Josi sagt:

    Wenn sich sonst keiner traut hierzu etwas zu schreiben, ich traue mich: Ich sass am Rechner und habe mit beiden Händen flach auf den Tisch getrommelt als ich bei der Zeile angekommen war “…dann wieder zurück zum Rockn’n’Roll. Flucht nach vorne”. Warum habe ich mich gefreut, ist das nicht doof? Nein, denn dieser Text hier zeigt ja schon ganz deutlich, dass noch mehr von der Sorte kommen werden, denn nun ist die Schonzeit vorüber und viel zu wenige schreiben viel zu wenig ätzend über exakt diese Arbeitswelt, die jede “Berufung” als störend und irgendwie peinlich begreift und einen energisch Richtung “Job” schubsen will, deren Sinnentleerung dann mit Scrum-Mastern aka camouflierte Scientology, aufgefüllt werden muss. Meine Tochter hat einen solchen Scrum-Master-Kurs aufgebrummt bekommen, fand das auch irgendwie ganz beeindruckend, hat sich dann aber weggeduckt als ich dagegen geschossen habe mit allem, was mir sprachlich möglich war. Sie macht ihn trotzdem und ich freue mich schon jetzt auf die ungeduschte Ungläubigkeit, die sie mir – wie das Amen in der Kirche – in den Rechner kotzen wird, denn der Apfel fällt ja nicht weit vom Stamm.

    In diesem Sinn freue ich mich nun diebisch auf das, was bei Dir, lieber Pantoufle, hochkommen wird, denn Du hast ja Augen und Ohren aufgesperrt und wirst uns teilhaben lassen an jeder Sekunde, die Du dort ungläubig nur wahrgenommen, aber hier nichts geschrieben hast. Der Text oben ist ja schon jetzt aus bestem Hause, die werden sich noch wundern, zu welchen Änderungskündigungen DU fähig bist. Auch wenn es erstmal nach Schrecklassnach klingt, für mich klingt es sehr, sehr gut. Ich drücke Dir für die Rückkehr alle Daumen.

  2. Pantoufle sagt:

    Moin Josi

    Jetzt mußte ich erst mal googeln und einen ehemaligen Kollegen anrufen. (ehemalig von dem Job davor als Application Supporter für VW) Google schmiß zum Thema Scrum dann goldene Sätze raus und mir wurde klar, daß es etwas mit IT zu tun haben mußte.

    »In Scrum spricht man von Ereignissen oder Events statt von Meetings, um klarzustellen, dass es sich um Arbeit handelt.«

    »Erfolgsgarantien kann Scrum genau so wenig bieten wie andere Prozesse und Vorgehensmodelle.«

    »Nach Schwaber kann auch ein „Team von Idioten“ nach Scrum arbeiten.«

    Das Bullshit-Bingo kam mir bekannt vor. Besagter Kollege erklärte mir dann (natürlich) auch gleich den ganzen Hintergrund und jetzt weiß ich sogar, wovon Du redest. Scaled Agile Frameworks.
    Oder auf Hochdeutsch: Die Verpflichtung der Entwickler, jeden Tag ein Meeting abzuhalten, damit der Scrum-Master überprüfen kann, ob sich die Entwickler noch mit dem Projekt beschäftigen oder doch lieber was interessantes machen. Das »Projekt« an sich ist die Umwandlung dessen, was der Kunde bestellt hat, in das, was die Entwickler meinen ihm verkaufen zu müssen.
    »Funktionierende Software ist wichtiger als umfassende Dokumentation.«
    Das kenne ich auch. Die Dokumentation haben wir dann gemacht, weil niemand genau vorhersagen konnte, was die Software tatsächlich macht. Daß sie etwas macht, war evident; eine Funktion war also durchaus vorhanden. Was genau stellt sich dann im laufenden Betrieb heraus.

    »Ziel ist die schnelle und kostengünstige Entwicklung hochwertiger Produkte entsprechend einer formulierten Vision. […] Diese Anforderungen werden Stück für Stück in ein bis vier Wochen langen Intervallen, sogenannten Sprints umgesetzt. […] Das Produktinkrement sollte in einem Zustand sein, dass es an den Kunden ausgeliefert werden kann (potentially shippable product)

    Jeden Monat eine grüne Banane. Das macht man solange, bis dem Kunden die Nerven durchgehen oder das Geld für das Projekt aufgebraucht ist. Fall eins soll durch den Scrum-Master möglichst weit nach nach hinten verschoben werden bis Fall zwei eintritt. Und der tritt.
    Dann steht man da mit etwas, das undokumetiert irgend etwas macht und vor allem (ganz wichtig!) ohne Ansprechpartner, da das Verfahren vorrangig dazu dient, eine unüberwindliche Barriere zwischen Kunden und Dienstleister zu errichten.
    Zeit für ein neues Projekt!
    Soweit ist es das, was ich verstanden habe.
    Mein Bruder macht so etwas professionell, also die Aufarbeitung des Falles, wenn man solche Projekte gegen die Wand gefahren hat und das Geld alle ist. Während die Chefetage also die Wand anstarrt und Lösungsansätze wie »Wir brauchen mehr Anlauf!« grunzen, soll er ihnen erklären, daß ihre Vorgaben mit einer WordPress-Installation erfüllbar sind und keine Quantenrechner angeschafft werden müssen. Auch ein interessanter Beruf!

    Die Schrecklassnachsekunde, die keine war. Es war absehbar. Eine psychologisch nicht uninteressante Situation: Ein Geschäftsführer, der bei dem »Neuen« all das ausprobieren wollte, was er beim Altpersonal nicht mehr durchsetzen kann. Gepaart mit einer gewissen Machtbesoffenheitt, Überschätzung der eigenen Intelligenz und dem blinden Glauben, daß der Erpressungsversuch alternativlos sei.
    Vielleicht doch nicht so interessant.

  3. Fluchtwagenfahrer sagt:

    Moin,
    ich sach nur Scheißendreck, jetzt hat`s Dich auch erwischt. Haltung bewahren bedeutet Kriegskasse haben, ansonsten kann auch eine freiwillige Krankenversicherung
    immens kostspielig werden.

    Ich denke das dies alles eine selbsterfüllende Prophezeiung wird, dieses verwesende, wiederliche Gehabe der sog. Arbeitgeber. Bsp. “Ziel ist die schnelle und kostengünstige Entwicklung hochwertiger Produkte…”
    Relativ oder eher ein Oxymoron?? oder doch ganz simpel das verschleiern von Profitmaximierung, Kundenverarsche und Lohndrückerei beim Angestellten.

    Halt die Ohren steif

    • Pantoufle sagt:

      Moin Fluchtwagenfahrer

      Das mit der Krankenversicherung ist gar nicht so schlimm. Da hatte ich mit ganz anderen Beträgen gerechnet. Ganz, ganz anderen.
      Bei all dem, was die große Koalition bisher nicht geschafft hat, gibt es seit 2019 realistische Bemessungsgrenzen für Selbstständige. Die Mindestbeitragsbemessungsgrundlage für hauptberuflich Selbständige ist so, daß sie mit monatlichen 1141,88 Euro (anstatt 2 283,75 Euro) angenommen wird. Die Bemessungsgrundlage wird jährlich anhand des aktuellen Einkommenssteuernachweises angepasst.

      Ein Gespräch mit der zuständigen Krankenkasse kann durchaus lohnenswert sein.

      »Ziel ist die schnelle und kostengünstige Entwicklung hochwertiger Produkte…«

      Ich denke, es gibt Sätze, die mit voller Absicht keinerlei Sinn ergeben.

      »Gott segne dich und behüte dich; Gott lasse das Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; Gott habe das Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.«

      »Je höher die Potenz und damit die Verdünnung, desto tiefer und lang anhaltender fällt die Heilungsreaktion des Kranken aus.«

      Das sind keine logischen Aussagen, sondern Zeichen, die biochemische Botenstoffe bei der Zielperson triggern.

  4. DasKleineTeilchen sagt:

    ah, back to black.

    anstrengender, aber eher weniger scheisse, oder?

  5. UT sagt:

    Haben wir Ihr Interesse geweckt ?

    Bewerbung:

    I´m going the same job as the other jobs. I have two panic attacks a day – and if I go speed please honk at me – Im on the phone with my supervisor immediatley, I have PTSD !
    I didn’t understand, I don’t feel safe around electricity, I’m broke, I work 24hrs a day, I can change my insurance – I can afford it all.

    I am suitable fore this Job ………

    ( Fundstück)
    https://youtu.be/-8AHC0DwFME

  6. Josi sagt:

    Danke, lieber Pantoufle, für die gute Recherche zu Scrum, aktuell wird hier noch geglaubt, man könne sich ja einfach ein nettes Unternehmen suchen (Umwelt oder so was!) und dann wäre auch die falsche Methode im richtigen Leben irgendwie gar nicht so schlecht. Das wird einen herben Aufprall geben.

    • Pantoufle sagt:

      Moin Josi

      Mehr noch: Mein Pflichtbewußtsein ging soweit, daß ich mich gestern mit dem besagten Kollegen traf. Um ein paar Flaschen Wein zu köpfen und mich über Scrum zu unterhalten. Es gab viel zu lachen. Trotzdem aber hoffe ich ich , daß die Landung keine zu harte wird. Es hat schon etwas von Homöopathie.
      An die Existenz von »netten« Unternehmen werde ich zu glaube beginnen, wenn sie für ihre Dienstleistung kein Geld bekommen wollen. Wolle, Mohrrüben und Saatgut vielleicht – aber kein Geld oder Aktien. Was natürlich nicht heißt, daß einem das nicht passieren kann. Ist aber eher selten.

      Edith: Hab ich das richtig interpretiert? Das Arbeitsamt hat sie dahingeschickt? Das allerdings wäre dann kriminell.

      • Josi sagt:

        Ja, hast Du richtig interpretiert, sie ist mit der Germania in die Insolvenz gegangen, hat eine Mediatorenausbildung und man hat ihr gesagt, das würde dort genau richtig sein, da könnte sie alle ihre Fähigkeiten ganz wunderbar unter einen Hut bringen: Ja, finde ich auch kriminell, habe ich auch so gesagt, aber sie sagen, da wären 5.000 und 6.000 EUR drin, es wimmele nur so vor Stellenangeboten und da blieb ihr ja wohl nix anderes übrig. Schade um die verlorene Lebenszeit, schade um die glatte, wunderbar frische Haut, die schönen langen Haare, das bischen Attraktivität, das diese letzten Jahre vor dem grossen melancholischen “Nie-wieder” ihr noch gelassen hat, das wie eine Sternschnuppe verglühen wird bei einem so grässlichen Job…Ich weiß, ich übertreibe und die andere Tochter meint: Das wird sie schon selbst rechtzeitig merken und eine Fliege machen. Aber müssen Kinder alles selbst herausfinden, immer?! Ich kenne kaum jemanden, der mitfühlender wäre und ein grösseres Herz und mehr offene Antennen hätte, was zwischen Menschen los ist – das muss Armageddon für sie werden. Oder so.a

  7. Josi sagt:

    Nachsatz: Und ich bin Aufsichtsrat in einer Software AG und dort soll ich jetzt in den Ausschuss für Gehälter, Bonusse, Beteiligungen und sonstige Mehrleistung erbringenden Belobigungen, mir kann also keiner entgegenhalten, ich hätte ja keine Ahnung, was jemand für 5.000 oder gar 6.000 EUR an Sonderdienstleistungen von einer empfindsamen Frau in einer Softwareschmiede verlangen kann. Nicht ohne Grund sind ja auch alle “Chefs-vom-Dienst” Frauen, auch alle Stationsoberschwestern. Egal. Ich werde berichten. Vor Jahrzehnten las ich “Wien wartet auf Dich”, da steht eigentlich schon alles drin.

  8. Pantoufle sagt:

    Moin Josi

    »Aber müssen Kinder alles selbst herausfinden, immer?!«

    Ja. Schlicht und ergreifend: Ja! Immer!
    Außerdem ist der Job nicht gräßlich sondern man bekommt 5000, 6000 € dafür und kann in den Urlaub fahren. Das ist viel Geld und man hat 4 Wochen Zeit, sich in der Sonne liegend zu überlegen, wie das Leben ohne diesen Job wäre. Es gibt Leute, die haben weniger.

    Das Grauen der alten Knochen wie uns hängt auch damit zusammen, daß wir uns unter diesen Berufsbildern so überhaupt nichts vorstellen können. Oder noch schlimmer: Können!

    [Mitten ins Antworten platzt Dein Nachtrag. Ich lasse es aber trotzdem so stehen]

    Peopleware: Von DeMarco habe ich mal »der Termin« gelesen. An das Buch mußte ich 2018 oft denken, als sich gegen Ende meiner Anwesenheit in der Software-Klitsche die Chefs der Abteilung in nahezu wöchentlichem Turnus abwechselten. Allen gemeinsam war die Wolke aus Bullshit-Bingo, in die sie beim Vorstellungsmeeting gehüllt waren.
    Es ist irgendwie nicht meine Welt.

  9. Josi sagt:

    Ich könnte jetzt noch etwas zu dem Grauen der alten Knochen sagen, aber schon als ich es mir im Kopf zurechtgelegt hatte, hat es mich tierisch gelangweilt. Beispielsweise das hier: 1984 sagt mir mein Partner bei der xyz-Software GmbH, dass ich gefälligst davon absehen soll, am Computer Briefe zu schreiben. Um mir zu illustrieren, was er damit meint, geht er mit mir in den Keller und zeigt mir an der kleinen VAX was ich an dem betreffenden Morgen alles gemacht habe. Erstens einen Brandbrief an einen Redakteur angefangen, wie bescheuert und borniert sie doch alle wären, dass sie die Technik den Freaks überlassen und all das Gehirnschmalz in ihren Soziologie- und Psychologie-Studien verpulvert hätten, während die anderen sich rüsten für die Übernahme der Weltherrschaft usw. usf. 1984. Dann alles wieder gelöscht und von Neuem angefangen, etwas liebreizender, mich in den anderen reindenkender, netter – aber auch das habe ich wieder gelöscht und von vorne begonnen. Diesmal mit einem Memo an meinen Partner – der, der mich grade in den Keller geführt hatte und schon programmiert hat, als wir alle anderen noch Mitglieder in militanten Frauengruppen waren – und zwar ein Memo, wie man es besser für sich behält, das Hervorziehen dieses Pamphlets war schlimmer als einen Liebesbrief am Arbeitsplatz geschrieben zu haben. Ich fühlte, wie ich rot und röter wurde, zumal auch dieses Dokument von mir wieder gelöscht worden war. Dachte ich. Schliesslich folgte eine ganze Kaskade von Briefen, die atemlos runtergeschrieben worden waren, ohne, dass daran auch nur noch ein Wort hätte geändert werden müssen. Fortan habe ich meine elektrische Olivetti und mechanische rote Gabriele ins Büro mitgenommen und nicht einen Brief mehr am Computer geschrieben. Von MCI, Compuserve, MIT, Atari und dem ersten Mac samt den Glaubenskriegen zwischen den pickeligen Atari-und den überheblichen Commodore64-Menschen, die einen ganz eigenen Raum am Ende des Universums beansprucht haben (beide gleichzeitig im selben Raum!), ganz zu schweigen.

    So sieht es hier ja auch aus – Du siehst, wie oft ich angefangen habe, was ich alles wieder gelöscht und wann ich endgültig wieder rausgegangen bin. Dieses Mal halt nicht.

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