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Von Kleinkindern unter 36 Monaten fernhalten. So, das muß reichen!

Viel anstellen kann man nicht während der Rüsselpest, also hab ich mal wieder gebastelt. Irgend ein Geld, um das Motorrad fertigzumachen, ist nicht da und da sind ja noch einige Hobbys, mit denen man sich seine Zeit vertreibt. In diesem Falle die Beschäftigung mit der Photographie und der heimischen Dunkelkammer.

Genauer: Eben dieser Dunkelkammer und ihrem Vergrößerer. Ich will`s auch gar nicht so lang und kompliziert machen.

Es geht um den Umbau eines DURST Laborators 138 auf LED-Beleuchtung. Mit etwas Geduld und Spucke ist das vermutlich auch für viele andere Vergrößerer machbar; nach dem ausgiebigen Studium diverser Foren und Anleitungen im Netz war mir jedenfalls danach, auch mal eine Anleitung zum Besten zu geben.

Internet-Foren zum Thema chemische Photographie sind meine geheime Leidenschaft! Sie verfolgen in der Regel den Grundsatz, durch den unablässigen Genuß von Pornographie zum perfekten Liebhaber/in zu werden. Das kann klappen, muß es aber nicht.
Auffällig ist jedenfalls die verschwindende Menge an schönen Bildern, die dann (neben den vielen völlig überflüssigen) auf Instagram oder im Thread „Zeigt her eure Bilder“ landen. Ist ja auch nicht so wichtig – Hauptsache das Wort Leica fällt, Mamiya oder Arca Swiss f-Universalis 4×5 Fachkamera, mit der man mal eben die Bushaltestelle vorm Haus photographiert hat, weil der Vogel auf dem Balkon gerade im Urlaub ist. Die phänomenale Auflösung des Rhodenstock HR Digaron – W erlaubt Vergrößerungen, auf denen noch zweifelsfrei „12:38 Satrup, 12:48 Sörup“ lesbar ist!

Das ist schön!

Das bedeute ja unter dem Strich, daß da einer vergrößert und nicht zeitgemäß „hybrid“ photographiert: Also draußen damit angeben, eine klapperige „Kamera mit Fülm“ zu betreiben und zurück in der heimischen Kammer die in der Apotheke entwickelten Negative digital einzuscannen, um endlich wieder zu Photoshop zurückzukehren zu können. Mit „analoger Anmutung“. Genug gemoppelt!

Laborator nature

Nein, also mit Vergrößerer und Papier, Chemie und Negativen. Spätestens dann klärt sich auch die idiotische Formulierung des „entschleunigten photographierens“, denn nichts beschleunigt den Puls nachhaltiger als eine Rolle falsch entwickelter Film mit ikonisch unschätzbaren Aufnahmen, der nun unrettbar tropfender Sondermüll ist.

Zurück zum Thema! Natürlich kann man so etwas wie LED-Beleuchtung auch fix und fertig , passend zum Vergrößerer seiner Wahl kaufen. Version für Durst 138 bis 5×7 inch für faire 2331,72 + Versand. Dazu käme dann noch das Steuergerät, mit dem sich die 3000€ Schallgrenze spielend knacken ließe.

Das ist erst einmal ziemlich viel Geld, auch wenn man neidlos anerkennen muß, daß die Firma Heiland-Elektronic / Wetzlar da ein wunderbare Werkzeug gebaut hat. Das kann man nicht mal eben nachempfinden – da steckt mehr als ein Jahrzehnt Erfahrung dahinter. Aber die Vorteile von LED-Beleuchtung und vor allem die Möglichkeit, die Farbtemperatur der Lichtquelle einzustellen (und deren Helligkeit) ist schon verführerisch. Keinen Wechsel von Farbfolien mehr, keine Lüfter, beherrschbare Temperaturen, sehr hohe Lebensdauer… Dann wollen wir mal! Wenig Wissenschaft, viel Licht.

Mein DURST-Laborator ist im Original mit solchen Lampen ausgerüstet. Groß sind sie ja. Besonders hell eher nicht und wenn die mal kaputtgehen, hat man ein ernsthaftes Wiederbeschaffungsproblem.

Schritt eins bestand darin, diesen altehrwürdigen Beleuchtungskörper durch eine Halogenlampe zu ersetzen. Die Fassung stammt aus einem alten Krokus-Vergößerer und lässt sich ohne Schwierigkeiten an den DURST adaptieren. Als Birne mit Reflektor verwendete ich eine Osram HLX 64627 Xenophot, 12V/100 W, eine Lichtquelle für Endoskopie. Damit geht erst einmal die Sonne auf!

Die Belichtungszeit für ein durchschnittlich graues Negativ veränderte sich in etwa folgendermaßen (auf Ilford Multigrade IV RC MDG 25M):

Originalbeleuchtung (100W): Blende 5,6 mit 30 Sekunden

Halogen: Blende 8 mit 10 Sekunden

Über den Zustand und Alter der originalen Opallampe kann ich natürlich nichts sagen, aber 30 Sekunden sind schon arg viel.
Die Halogenbeleuchtung mußte zudem noch mit Hilfe von 2 Milchglasscheiben im Strahlengang gebändigt werden. Ohne diese Maßnahme wären die Zeiten idiotisch kurz geworden.

Folgt man den Ideen, die durch Netz und diverse Foren geistern, wäre der nächste Schritt (Zwei) gewesen, sich aus (meist chinesischen) Quellen mit einem Satz roten, grünen und blauen superhellen LEDS einzudecken, eine passende Platine dafür zu ätzen und das Ganze im Gehäuse zu versenken. Dazu hatte ich aus coronabedingter Faulheit diese Mal keine Lust! Statt dessen griff ich aus naheliegenden Gründen auf Vorhandenes aus dem Bühnenbereich zurück. Das Musikhaus Thomann liefert für einen überschaubaren Betrag ein beinahe einbaufertiges Modul mit 5 mal 8W – RGBW LEDs und DMX-Steuerung frei Haus. DMX ist ein vorsintflutliches (wenngleich einziges) Protokoll im Bereich Veranstaltung, das in der Praxis unter diversen Problemen leidet, die sich aber bei einer einzigen Lampe nicht auswirken.
Außerdem ist es so verbreitet, daß man die benötigten Bauteile, an jeder Straßenecke erhält. Konkret ein Arduino mit einem MAX 485 – IC. (Hard- und Software folgt in Kürze – ich hab das noch hauptsächlich handschriftlich niedergelegt).

Aus verschiedenen Gründen wollte ich erst einmal am Vergrößerer selber nichts baulich ändern (unter anderem, um einen Vergleich zum vorherigen Zustand zu haben) und so entschloß ich mich, die LED-Beleuchtung vorerst als alternatives, entfernbares Teil zu bauen. Ein kurzer Besuch im Baumarkt und Palboardplatte, Uhu-Schnellfest und 5x5mm Kunststoffwinkel ergeben das Gehäuse. Nicht besonders elegant, geht aber erst mal! Und wenn´s fertig ist, kommt die Einheit sowieso ins originale Lampengehäuse.

Einfach in die Öffnung für den zuvor entfernten Spiegel gesteckt.

Das Gehäuse mit montiertem Strahler. 25,6cm x 14,5 cm x 20,6cm

Blick auf die Reflektoren der Lampe

Und damit das schön streut, eine Milchglasscheibe davor.

Und auch der Arduino hat sein Heim gefunden.

Die Höhe des Gehäuses ergibt sich aus dem Abstrahlwinkel von 25 Grad der LED-Einheiten, Breite und Tiefe aus der Öffnung für den (entfernten) Spiegel. Die genaue Höhe der Milchglasscheibe wurde mittels eines Belichtungsmessers auf dem Papierhalter ermittelt.

Wenn die erst einmal stimmt, ergibt das eine Gleichmäßigkeit der Ausleuchtung, die sich nicht hinter der originalen Opal-Lampe verstecken braucht.

Im Vergleich: Wenn man nur die weißen LEDs ansteuert, ist es gut eine Blende dunkler als die Halogenleuchte. Steuert man Weiß und RGB gleichzeitig an, ist es ziemlich genau gleich (sagt der Belichtungsmesser). Über die Ansteuerung von Grün und Blau kann man dann die gewünschte „Neutralität“ des weißen Lichtes gut einstellen.

Die Gradiationen von 00 bis 5 werden lediglich aus Blau und Grün gemischt, Rot ist eine Option zum Abwedeln-üben.

Die Hersteller von Photopapier halten sich bei der Veröffentlichung von Wellenlängen ihrer Schichten vornehm zurück. Das scheint ein Herstellergeheimnis wie bei der Zuckerbrause Coca-Cola zu sein. So ist man leider auf ziemlich langwierige (und teure) Versuche und Vergleiche angewiesen. Damit bin ich auch noch lange nicht fertig, zumal das zwischen verschiedenen Vergrößerern und Papieren etwas schwanken dürfte. Klar ist, daß Gradiation 5 (richtig und nur Blau) erreicht wird – das war eine meiner größten Sorgenkindern bei dem Projekt. Dieses Blau war grundsätzlich erst einmal nicht nur genau die richtige Wellenlänge, sondern auch erheblich zu energiereich. Das mußte gegenüber Grün um gut 50% reduziert werden, wie aus dem Datenblatt der Lampe auch hervorging.

Die Software für den Arduino enthält bereits Settings, um mit Splitgrad bei Gradiation 00 und 5 gut arbeiten zu können. Die ersten Ergebnisse sind absolut vergleichbar mit denen von Halogenlampe und Folien – mit dem Unterschied, daß man die nicht mehr mechanisch wechseln und demzufolge den Kopf des Vergrößerers nicht anfassen muß. Die mittels Probestreifen ermittelten Zeiten einstellen, auf den Knopf drücken, fertig!

Gradiation 4 und 3 stehen eigentlich auch (mithilfe eines abphotographierten Graukeils) und Gradiation 2 ist das weiße Licht. Nachholbedarf besteht bei Gradiation 1 und 0 . Da muß ich noch mal ran.

Im nächsten Teil mehr von der Steuerung und bis dahin ist das Teil auch hoffentlich beschriftet.

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4 Antworten zu Artikel enthält verschluckbare Kleinteile

  1. Peinhart sagt:

    Meine Güte! Da verschluckt man sich ja tatsächlich erst einmal…

    • Pantoufle sagt:

      Moin Peinhart
      Na ja – man kann ja gar nicht vorsichtig genug sein: “Auf dem Blog stand aber nicht, daß man zuerst den Netzstecker ziehen soll, bevor man die Birne samt Kabel abschneidet!”
      “Und ich dachte, aus einer Opalbirne kann man leckeren Kompott machen. Opalbirne Helene”

  2. Götz sagt:

    „12:38 Satrup, 12:48 Sörup“ – wirst mir immer sympathischer. Baust du irgendwann mal den Stahltopf von Los Alamos nach? Würde dir dann auch die Lampe halten, wenn ich darf …

    • Pantoufle sagt:

      Moin Götz

      Natürlich dürftest Du – wenn ich mich nicht dazu entschlossen hätte, nur in Sachen zukunftsträchtiger Technologie zu schrauben. Ein garantiert unversinkbares Luftschiff, das blaue Bänder sammelt wie andere Leute Tempotaschentücher, ein heißluftbetriebenes Grammophon, einen hydraulisch arbeitenden Audio-Verstärker, ein unheimlich umweltbewußtes Fahrrad mit einem Sternmotor aus einer DC4… solche Sachen eben! Die atomische Kraft fand ich immer schon langweilig im Gegensatz zur Photographie mit richtiger Chemie und Papier und Rotlicht.

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