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Daß ich noch mal eine KIKA-Dokumentation1 ansehe, nur weil diversen rechtsdrehenden Bloggern und Twitter-Athleten nach 6 Wochen (in Worten: Sechs Wochen!) auffällt, daß im Kinderkanal ein blondes Mädchen ein Liebesverhältnis mit ein dunkelhaarigen Syrer hat?

Malvina, Diaa und die Liebe2 heißt das mittlerweile erkaltete Eisen. Was passiert, wenn sich ein junges Mädchen (sie darf sich immerhin schon bei der Bundeswehr bewerben) in einen etwas älteren Syrer verliebt? Eine Christin und ein Moslem.

»Ich hatte nie Befürchtungen, irgendwann in einer Burka da zu stehen […] Ich hab mich selber dazu entschieden einen Kompromiß zu finden. Ich hätte es auch abbrechen können, einfach Schluß machen können. Aber ich habe bewußt gesagt: Nein, ich möchte das, weil er mir wichtig ist und das ist wichtiger als Hotpants zu tragen und – wenn ich ehrlich bin – ein kurzes Kleid zu tragen.« (Malvina)

Darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein. Die Redaktion der Schrottpresse versteht jedenfalls nicht, wie man sich in das Produkt einer Kultur verlieben kann, um es im selben Atemzug der eigenen, doch recht konträren unterzuordnen. Aber so ist das nun mal mit der Liebe und man tut sich und anderen keinen Gefallen, dagegen zu polemisieren. Wenn eine meiner Töchter…? Der verderbliche Einfluß einer jeden Religion ist oft genug Thema und Bekleidungsvorschriften ohnehin ein No-Go. Pantoufle sieht diesem angenommenen Moment also mit Gelassenheit entgegen. Im übrigen gibt es genau so viele Beispiele dafür, in denen es gut ging, wie auch emotionale Katastrophen.

»Ich weiß, daß es da Hürden geben wird, wenn wir heiraten. Weil es von beiden Seiten aus bestimmte Interessenkonflikte gibt. Sagen wir es so. Es wird auf jeden Fall noch welche geben. Aber ich weiß, daß wir es schaffen werden, wenn wir zusammenhalten. Wenn wir daran scheitern, dann war die Zeit eine wunderschöne Zeit. Dann war ich nicht die Richtige und er war vielleicht auch nicht der Richtige.«
(Malvina)

Ein Glücksspiel wie in jeder Ehe. Es könnte ja auch viel schlimmer kommen. Ein Mohammedaner birgt gewisses Konfliktpotential, das ist unbestritten! Aber es könnte ja auch die Katastrophe eintreten, Schrumpfgermanen wie ein Julian Reichelt oder Ex-BILD-Journalist Oliver Flesch würden unvermittelt im Wohnzimmer stehen. »Papi: Ich möchte Dir jemanden vorstellen!«

»Hi Oliver,
mein Mann, 35, möchte, dass ich es mit einem anderen Mann treibe, während er mir dabei zuschaut. Du kennst so viele Männer… ist meiner krank? Oder sind solche Fantasien normal?
Oliver: Also, nein, Dein Mann ist nicht krank, ganz im Gegenteil, der Kerl ist kerngesund, ähnlich wie ich übrigens, schließlich ticke ich exakt genauso.
Hättest Du eigentlich auch ahnen können, meine Liebe.
Das Ganze nennt sich Wifesharing und hat es sogar schon auf Wikipedia geschafft. Seitdem es Menschen gibt, wird es praktiziert, und ich, Teuerste, kann es nur empfehlen. Dafür braucht es allerdings einen Mann mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein. Einen Mann, der sich seiner Sache sicher ist, der nicht zu unbegründeter Eifersucht neigt.
Kurz: Einen Typen wie mich. Oder halt wie Dein Mann.«

Konversation von Oliver Fleschs Homepage.

»So war das. Und so ist es jetzt wieder. Das schlimmste Beispiel dafür ist der Ex-„Bild“-Journalist Oliver Flesch, der heute in seinem Youtube-Kanal rechten Redemüll verklappt. Flesch nennt Diaa dort einen „Flüchtlingsdarsteller“, der „mindestes 25“ sei. Der Film über ihn und Malvina sei „Rotz“ und „perfide Propaganda“ des Staates. Zu Malvinas Beziehung sagt er, man könne auch „mit den Füßen in der Steckdose schlafen“ oder „sich vors Auto werfen“, das sei das gleiche. Aber das solle man lieber lassen, „wenn einem sein Leben lieb ist“.«
Übermedien2

Merke: Es geht ginge noch etwas schlimmer. Wer sich über Fleschs  »die Kunst des Blasens« oder »was Frauen wollen. Und brauchen« informieren will, kann gerne googeln. Julian Reichelt dagegen findet sich auf jedem Bahnhofsklo, neben dem Kotzhaufen in der U-Bahn oder auf Twitter.

Investigativ bis der Arzt kommt! Überhaupt scheint das Alter eine ausschlaggebende Rolle zu spielen. Genau wie der tatsächliche Name der Schauspieler. Mohamed oder Diaa? BILD will es ganz genau wissen – Mohamed käme gelegen.

Wenn dieses Gemetzel noch ein paar Wochen weitergeht, haben wir es Ende Februar mit einem rüstigen Mittfünfziger zu tun.

Was einen verantwortungsbewußten Vater wie mich natürlich zu der Frage treibt: Was wäre, wenn’s ein Russe wäre? Oder ein US-Amerikaner? Ein Belgier (man liest ja so viel!)

Muß twittern schön sein!

Ob mir die KIKA-Doku gefallen hat? Nein, hat sie nicht. Diaa vertritt ein Weltbild, das ich nicht teile. Die junge Frau macht auf mich aber den Eindruck, als wüßte sie, was sie will und schätzt ihre Situation durchaus realistisch ein. Immer gemessen am Einfluß der Hormone, unter dem beide stehen.
Da fallen mir sofort (christliche) Ehen in der Nachbarschaft ein, die auf dünnerem Eis gebaut sind. Die vielbeschworene offene, tolerante Gesellschaft aber wird das aushalten. Was mir dabei durch den Kopf ging: Menschen in diesem Alter hält man für befähigt, sich für ein Leben als Soldat zu entscheiden, nicht aber, sich seinen Lebenspartner selber zu wählen. Das ist allerdings irre.

1 Malvina, Diaa und die Liebe

2 Übermedien Malvina, Diaa und der Hass

Kikas Stellungnahme zum Shitstorm

Die ARD ordnet auch noch etwas ein

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24 Kommentare zu 20, 21, 22, 23, 24…28

  1. Peinhart sagt:

    Letzteres ja nichts neues. Das war mir als Jugendlichem schon schleierhaft – wieso man mit 14-15 nicht nur entscheiden darf sondern soll, womit man für den Rest seiner Tage sein säuerlich Brot verdienen muss, aber nicht, wo man den Rest des Tages, speziell den späteren Abend, zubringen möchte. Na gut, heute ist das ja nicht mehr so mit der selbstfortschreibenden Berufsausübung. Was’n Glück aber auch.

  2. OldFart sagt:

    Zum Seitenhieb auf die sträflich vernachlässigte Russenpropaganda ein Fernsehtip. Rettung naht:

    Putin vs. USA, Teil 1: arte 16.1.2015 um 20:15
    Teaserauszug: “Warum sah Wladimir Putin die Vereinigten Staaten als Feind, warum beschloss er, die Wahlen anzugreifen?”

    Putin vs. USA, Teil 2: arte 16.1.2015 um 21:05
    Teaserauszug: “Teil 2 taucht tief in die Geschichte der russischen Einmischung in die Wahl von 2016 ein. Die ehemaligen Chefs der drei wichtigsten Sicherheitsdienste – Brennan vom CIA, Clapper von der DNI und Jeh Johnson vom US-Heimatschutzministerium – erklären …”

    Ah, endlich Aufklärung in Sicht. Fernsehen lohnt doch wieder!

    • Pantoufle sagt:

      Moin, OldFart
      Komme gerade vom Kiosk wieder. Aktuelle BILD-Schlagzeile Hitlers Silberschatz gefunden Verliebt! Konvertiert! Verschwunden! Vater sucht verzweifelt Tochter (16). Ich glaube, mein Informationsbedürfnis ist erst einmal gedeckt. Aber vielleicht ändert sich das bis zum 16. ja noch.
      Putin: Die Wahrheit! Das klingt doch nach was.

  3. DasKleineTeilchen sagt:

    abgesehen davon, daß diese “doku” dermassen aber sowas von schmalzig mit fetttrief war, daß mir selbst das durchskippen schon erhebliche schmerzen bereitet hat, wars schon grenz-grenzwertig, sowas ohne begleitenden kommentar mal eben im kinderkanal der ard/zdf zu senden. gerade wenn man sich die anderen sendungen des mottos “schau in meine welt” ansieht, wirkt das umso stranger. daß hier die üblichen verdächtigen *und* lieschen müller massiv getriggert wurden und von “propaganda” heulen, kann ich in dem fall zur abwechslung ziemlich gut nachvollziehen. tja.

    edith motzt dolle/ ah, ok. erwähnt natürlich keiner von den “anderen”; und schon hab ich mich zum arsch gemacht (und immer muss man hinterher sein); lief als “sonderprogramm” in der reihe um 20:35 mit begleit-chat.

    https://www.kika.de/erwachsene/begleitmaterial/sendungen/schau-in-meine-welt/einordnung100.html

    • Pantoufle sagt:

      Tja, so ist das leider. Für Kinder mit der Lizenz zum Aufzubleiben.

      Das hätte ich natürlich dazuschreiben sollen. Ich dachte, das wäre bekannt. Den Link zu der Klarstellung habe ich mal nachgetragen – und sei es nur wegen der hübschen Hass-Kommentare dazu.
      Über Form und Machart der Doku sage ich nichts. Mit Absicht. Die reden halt und alle anderen hören zu. Da reden ein paar sehr, sehr junge Leute – das klingelt dann gelegentlich in den Ohren.

      »„Schau in meine Welt“ ist eine Dokumentations-Reihe und erzählt Geschichten konsequent aus der Sicht von Protagonistinnen und Protagonisten. Es geht darum, möglichst authentisch ihre Innensicht zu zeigen und die Welt aus ihrer Sicht zu erzählen. Dieses Genre schließt eine direkte Kommentierung oder Einordnung von außen aus, aber natürlich kann KiKA die Darstellung dieser Geschichte als Innensicht journalistisch vertreten.«

      Mehr ist dazu im Grunde nicht zu sagen: Wir sind wohl nicht die Zielgruppe. Im übrigen finde ich die Intension, eine solche Doku zu machen, grundsätzlich gut.

      • DasKleineTeilchen sagt:

        Ich dachte, das wäre bekannt

        kommt mir nich so vor; die argumentation der hysteriker beinhaltet ja “kinder-indoktrinations-propaganda”, da macht sich der sendezeitpunkt abends wohl nich so gut.

        Im übrigen finde ich die Intension, eine solche Doku zu machen, grundsätzlich gut

        absolut.

  4. Annika sagt:

    “Wenn dieses Gemetzel noch ein paar Wochen weitergeht, haben wir es Ende Februar mit einem rüstigen Mittfünfziger zu tun.”

    sehr schön 🙂

  5. Pantoufle sagt:

    @DasKleineTeilchen

    Steht auf Twitter nicht direkt untereinander – sollte es aber

  6. Louise Dumont sagt:

    Also die mehrfach falsche Altersangabe und der falsche Name macht hier niemanden über die Maßen stutzig?!

  7. Pantoufle sagt:

    Moin Louise

    Natürlich kann ich hier nicht für alle sprechen. Aber aus dem Alter, daß »wir« entgeistert feststellen mußten, daß Horst Schimanski tatsächlich Götz George heißt, sind wir hinaus.
    Man mußte mit so etwas rechnen.

    Der Altersunterschied: Ich bin seit 24 Jahren glücklich verheiratet. Vier Kinder, Hund, Katze, mehrere Motorräder – und meine Frau ist 7 Jahre jünger als ich. Die Frage des Alters Diaas spielt in der Öffentlichkeit doch nur dann eine Rolle, wenn seine Herkunft und Religion im selben Atemzug genannt werden (und in dieser hysterisch aufgeheizten Flüchtlings- und Islamophobiedebatte). Sonst nicht.
    Würde es sich bei den Personen in der Doku um weiße, christliche Kinder der Mittelschicht handeln, würde kein Hahn danach krähen.

    Es macht Dich also nicht über die Maßen stutzig, daß Du hier die einzige bist, die sich über einen vollkommen normalen, absolut nicht ungewöhnlichen Zustand, aufregst? Dann hat die Dokumentation ihre Aufgabe erfüllt. Als Lakmustest für Vorurteile und Realitätsverlust.

    Und die Realität sieht ungefähr folgendermaßen aus: Über zwei Millionen Kinder in Deutschland leben unter Hartz IV-Bedingungen. Ein Zustand, bei dem sich die Fachleute ausnahmsweise darüber einig sind, daß er Sozialverhalten und Zukunftschancen nachhaltig negativ beeinflußt. Das wäre doch mal ein Thema, wenn einem das Kindeswohl am Herzen liegt.

    • Louise Dumont sagt:

      Inwiefern hier der lakmustest die passende Metapher ist kann ich nicht nachvollziehen. dass du jeden Schritt seit an seit mit den großen transatlantikern im ör-runfunk gehst schon viel mehr. Schließlich hast du hier Fans, die dich auch dann verehren, wenn du im Stile ernst lautzs jede kritische Nachfrage durch Neutralisierung Abschmetterst. Mich, und jeden, der Medien kritisch begleitet, machen Falschangaben, die den Sinnzusammenhang entscheidet verändern stutzig. Also für dich und die Flachpfeife, die oben “nö” o.ä. geschrieben hat. Nicht die Beziehung zwischen einem Erwachsenen und einem Kind hab ich angemahnt, obwohl ich auch das für falsch halte und die Darstellung im TV erst Recht. Aber die haben es bis es ihm rausgerutscht ist ja genau so gesehen, wie ich. Und du warst 17 und deine Frau 10, als ihr euch kennenlernte?!

      • Pantoufle sagt:

        Moin Louise

        Erst mal zur Kompetenz Deiner kritischen Medienbegleitung: Dann hätte es Dir auffallen können, daß die Flachpfeife und ich offensichtlich ein und dieselbe Person sind.
        »Schließlich hast du hier Fans, die dich auch dann verehren, wenn du im Stile…« Ah, Nazikeule und Leserbeschimpfung 😀 Die perfekte Einleitung für kritische Nachfragen!
        Verehrung und Respekt sind zwei verschiedene Begriffe. Ich hoffe, daß meine Kommentatoren das, was ich hier mache und schreibe, respektieren. Ungefähr der Respekt, den ich aufbringe, wenn ich auf anderen Blogs kommentiere.

        »Nicht die Beziehung zwischen einem Erwachsenen und einem Kind hab ich angemahnt, obwohl ich auch das für falsch halte und die Darstellung im TV erst Recht.«

        Damit hast Du ja Deinen Standpunkt dargelegt. Für meinen Teil besteht kein weiterer Gesprächsbedarf. »du jeden Schritt seit an seit mit den großen transatlantikern im ör-runfunk gehst schon viel mehr.« Nicht nur das sind Nullaussagen, für die mir meine Zeit zu schade ist und was ich zum Thema zu sagen hatte, steht alles oben.

        Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch auf die durchaus sinnvolle Editiermöglichkeit von Kommentaren hinweisen.

        Und du warst 17 und deine Frau 10, als ihr euch kennenlernte?!
        Nö!

        • louise dumont sagt:

          auffallen können schon, müssen: nö! und es ist auch mehr ne nazianalogie als die nazikeule. denn als nazi hab ich hier niemanden beleidigt, sondern die Verhältnisse zw. richter und Volk verglichen. das mätte dier auffallen MÜSSEN. und vergleiche sind nicht nur die perfekte Einleitung, sie sind (oft) der perfekte anlass für kritische nachfragen. aber das weißt du ja.
          dass Kommentatoren in szeneblogs sehr homogen sind wird dir auch aufgefallen sein, es handelt sich in der regel um eingeschworene (aber anonyme) Gemeinschaften, die aussagen und Haltung des oder der Betreiber wie fan(atiker)s folgen. Kritik im sinne von widerrede sind die absolute ausnahme, so auch hier. dass du aber o.g. glaubst, ist nachvollziehbar. wie sonst könnte man sich als Prophet der Geistesfreiheit in einer welt der spießer und latenten gerieren. und obwohl für dich kein weiterer gesprächsbedarf besteht, fährst du fort. sehr aufschlussreich. inwiefern meine Haltung zu Beziehungen von erwachsenen mit minderjährigen, mein entsetzen darüber, dass im ör-rundfunk erwachsene zu jugendlichen gemacht werden, obwohl viele, viele redaktionssitzungen stattfinden nullaussagen sind, entsetzt hier auch keinen. auch nicht die bereits erwähnte flachpfeife.

      • DasKleineTeilchen sagt:

        edit/ ne, ich lösch dit ma. bringt ja doch nix und war eh blödsinn.

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