Kopf ab

»Die Nationalsozialistische Partei hat für fünfzehn Millionen Deutsche genau das erfüllt, was sie sich unter einer politischen Partei vorgestellt haben. Niemals ist das deutsche Bürgertum in einem Säkulum so ehrlich gegen sich gewesen wie in diesen paar Jahren nationalsozialistische Wachstums. Da gab es nicht mehr intellektuellen Aufputz, nicht mehr geistige Ansprüche, nicht mehr die akademische Fassade reicherer Jahrzehnte. Der ökonomische Zusammenbruch hat die innere Roheit, die plumpe Geistfeindlichkeit, die harte Machtgier bürgerlicher Schichten – Eigenschaften, die sich sonst halb anonym hielten oder in private Sphäre ableiteten – offen bloßgelegt.«

Carl v. Ossietzky, Weltbühne, „Wintermärchen“, 3.Januar 1933, S. 4

Nun ist die Wahl in Thüringen ein paar Tage abgehangen und wird dadurch im Gegensatz zu jeder ehrlichen Salami kein Stück besser. Ein paar kluge Dinge sind dazu bereits gesagt worden und noch mehr dumme, die ganz dummen wie üblich auf Twitter und Co. Ich denke nicht, daß ich noch irgend etwas erbauliches dazu beizutragen habe, tue es aus alter Gewohnheit aber trotzdem.

Die schöne Gewohnheit, nach der Wahl zu frage, wer denn am Ergebnis schuld sei, führt dieses Mal am Wähler nicht vorbei.
Mag ja sein, daß nicht jeder einzelne Wähler der AfD ein ausgewiesener Nazi ist, der Ausländer auf der Straße verprügelt, wild um sich schießend Unbeteiligte auf der Straße tötet ( besser noch in irgendwelchen Bethäusern ), Politiker ermordet unter dem Absingen des populären, wenngleich blöden Satz »Wir sind das Volk, wir sind das Volk…ect. pp«. Aber auch die müssen sich fragen lassen, was die Nazis im Falle der »Machtergreifung« besser machen würden.
Auf die urdeutsche Unschuldsvermutung »Wir haben von nichts nichts gewußt« kann man sich dieses Mal jedenfalls nicht herausreden.

»Mit dir spiele ich nicht! Lieber gründe ich eine Organisation innerhalb meiner Partei, die mich anschlußfähig zu den Nazis macht.«
Da ist kein Argument zu blöde, keine Begründung zu hirnrissig, die LINKE mit der SED in einem Atemzug auszusprechen. Die »Demokratie ist in Gefahr«, wenn Antifaschisten die Vorlesung eines Rechtsradikalen an der Uni stören, nicht aber, wenn es keine »bürgerliche Mehrheit« gegen die Nazis im Thüringer Landtag gibt. Wie die Miasmen oder der Luftäther spukt die sogenannte »Hufeisentheorie« zwar nicht mehr in den Mündern, sehr wohl aber in den Köpfen. Als Handlungsmaxime ist sie wenigstens in der CDU unausrottbar.

Wer sich jemals ernsthaft gefragt hat, wie es in den dreißiger Jahren zum Versagen der Demokratischen Ordnung kommen konnte, der kommt an dieser Reality-TV-Serie nicht vorbei.
»Geschichte wiederholt sich nicht!«
Das habe ich auch mal gedacht, dabei aber nicht die grassierende Phantasielosigkeit bedacht. »Neo« sind die Nazis nicht im Ansatz; damit würde man ja unterstellen, daß da irgend etwas neues dazugekommen wäre, ein Novum, ein Alleinstellungsmerkmal, das die Originale von ihren Abziehbildern unterscheidet. Und lediglich die veränderten technischen Möglichkeiten als Unterscheidungsmerkmal heranzuziehen, ist etwas dürftig.

Röhm-Pusch für absolute Anfänger

Sie sind so schlicht gestrickt. 

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8 Antworten zu Kopf ab

  1. Dieter M. sagt:

    Und wieviele hunderte Millionen Tote hat in den letzten 100 Jahren der Kommunismus & Sozialismus gekostet? (Russland, China, Indochinesische Diktaturen, Südamerika…)

  2. Pantoufle sagt:

    Moin allerseits

    Hab ich Lust, keine… oder doch lieber zurück in die Dunkelkammer? Nein, keine Lust, weil mich Menschen ankotzen, deren Lieblingsbeschäftigung darin besteht, die Höhe von Leichenbergen zu vergleichen. Die sind in meinen Augen dermaßen degeneriert, daß es vollkommen witz- und zwecklos ist, jedwede Diskussion darüber zu beginnen, warum jeder menschenfeindlichen Bewegung entschiedener Widerstand entgegenzusetzen ist.
    Abgesehen davon kann man den Kommentar des »Dieter Mpunkt« im Zusammenhang mit meinem Text ja nur dahingehend verstehen, daß die Leichenberge von ihm und seinesgleichen kleiner als die des politischen Gegners sein sollen. Ein Standpunkt, der in mehr als einer Hinsicht ziemlich mau und reizlos ist.

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