Reiseimpressionen

Der Blick von der Terrasse des Speisesaals des Maritim Timmendorfer Strand hat schon was – genau wie das Frühstück dort. Im Vergleich zu den letzten vier Wochen steht der Catering-Gewinner hiermit fest. Verlierer mit großem Abstand ist uneinholbar abgeschlagen das Zürich-Open-Air mit seiner grotesken Mischung zwischen Frechheit und Körperverletzung. Im Gegensatz zu seiner Küche kann man sich seine Aussicht nicht aussuchen, sondern ist auf das angewiesen, was die Natur einem bietet. Das ist also reines Glück, was ich bei einem guten Kaffee und der Frühstückszigarette genießen darf.

Zuerst Summerbreeze, dann Zürich-Open-Air gefolgt von „Werner, das Rennen“ und jetzt eben Timmendorfer Strand. Ein langer Monat mit genau einem freien Tag und nun lassen die Kräfte etwas nach.

Auch musikalisch ein durchwachsenes Programm. Mein Lieblingsfestival „Summerbreeze“ enttäuschte auch dieses Mal nicht. Lustiges Metal-Volk in arttypischer Gewandung und ebensolchem Benehmen – von 10:00 Morgens bis spät in die Nacht leicht bis mittelschwer besoffen, friedlich und freundlich bis auf einige Anfälle von Übermut und Lebensfreude, die dem Außenstehenden gelegentlich bedrohlich erscheint, aber mit einem freundlichen Wort sofort zu beenden sind. Sozusagen vorbildliche Feierlaune.

Die A7 war auf den letzten 50km war ziemlich leergefegt und man konnte es nach der langen Strecke vom Ruhrgebiet bis nach Dinkelsbühl noch einmal so richtig krachen lassen. Die wenigen Fahrzeuge, vollgepackt mit Zelten, Schlafsäcken und Biervorräten fuhren brav auf die rechte Seite, wenn ich mit der vollgepackten Yamaha und leicht überhöhter Geschwindigkeit vorbeifuhr. Die Pommesgabel rechts raushalten und mit Vollgas weiter. Das Leben kann schön sein. Selbst die Akkreditierung ging dieses Mal zügig und ohne doofe Fragen. Leider auch ohne doofe Antworten auf so elementare Fragen wie „ wo ist das Hotel, dessen Zimmerschlüssel ihr mir gerade in die Hand gedrückt habt? Habt Ihr wenigstens die Postleitzahl? Den Rest finde ich schon“. Mitten im schönsten wundern tippt von hinten ein Finger auf meine Schulter und auf dem danebengehaltenen tragbaren Telephon steht Name und Adresse des Hotels. Die liebe und schöne Lichttechnikerin M aus A rettet mich und das verdiente Feierabendbier. Außerdem fährt sie sowieso dorthin, quer durch alle Absperrungen und Polizeikontrollen und ich immer hinterher. Sie kurbelt an jeder Kontrolle kurz das Fenster runter, sagt ein paar Worte und schon ist sie durch. Alles, was ich sagen muß, ist, daß ich hinter ihr herfahre, bloß auf keine Gespräche einlassen – weder mit Polizei noch Security – und so geht das alles sehr schnell und ohne jeden Umweg. Ein echter Glücksfall zum Feierabend und eine sehr große Freude, M nach Jahren ausgerechnet hier mal wieder zu treffen.

Die Bühnencrew bekommt einen neuen Kühlschrank

M, die eigentlich E heißt, ist echter Metal, wenn er im „realen“ Leben Wirklichkeit wird. Kein Techniker passt besser zu Summerbreeze als sie und ich darf auch dabei sein. Dabei ist sie nicht einmal ein ausgewiesener Metalfan, im Gegensatz zu mir, der im Laufe der nächsten Wochen feststellen wird, daß er außer Metal kaum eine andere Musik auf der Bühne erträgt: Womit wir beim Thema Musik wären.

Das nennt man wohl artgerechte Haltung

Trotz aller guten Bands, die dieses Jahr in Dinkelsbühl gespielt haben – Das Highlight nicht nur des Festivals gab es bereits am ersten Tag. Meshuggha spielte auf und setzte in Bezug auf Licht und Ton Maßstäbe. An dieser Stelle meinen Dank an den extrem gelassenen FoH-Ing, der bis ca. 30 Sekunden vor der Show keine Verbindung vom Midas Pro2 zu seiner Maschine auf der Bühne hatte, aber dennoch ruhig wie ein Gletscher blieb. Die Scheißdrehbühne und Idioten, die die Farbcodes des Ethernet-Multicores an beiden Enden der Linie ausgewürfelt hatten. An einem Ende Rot-Gelb-Grün-Blau, am anderen Rot-Schwarz-Lila-Braun. Das ist eine perfekte Situation, um nervös zu werden, inklusive Funkverkehr in einem Tonfall auffällig bemühter Höflichkeit.
Pünktlich zum ersten Ton der Band gingen die Lichter beider Maschinen auf grün und dann begann etwas, das ich nur deswegen glaube, weil ich es mit eigenen Augen gesehen und gehört habe. Das waren an Licht- und Tonpult keine Maschinen, sondern Menschen, die mit einer Präzision arbeiteten wie ich es noch nie gehört oder gesehen habe. Abgesehen von der Musik die meine Seelenlage seit Monaten mehr als auf den Punkt trifft, war das beruflich gesehen etwas, wo man sich sagt „ Aha – das ist also auch möglich!“

Alles danach konnte nur schlechter werden und siehe: Es wurde schlechter. Eine bösartige Aussage, weil die danach nicht wirklich schlecht waren; wenn eben auch nicht so gut. Und im Laufe der nächsten Wochen setzte sich diese Tendenz leider fort.

Irgend wann ging auch Summerbreeze zu Ende. Die neu engagierte Catering-Companie gewann nicht nur nach Punkten. Das war in den letzten Jahren der große dunkle Fleck auf diesem strahlenden Metal-Himmel des Festivals gewesen. Die „Neuen“ gewannen unsere Herzen mit Freundlichkeit und lecker.

Aber danach ging es in die Schweiz nach Zürich, dem Schandfleck des Festivalsommers.

Will man es freundlich ausdrücken, so nennt man es improvisiert. Mit heißer Nadel und der Vorgabe gestrickt, daß es wohl in erster Linie stattfinden sollte. Irgendwie. Das tat es auch, was kein Verdienst des Veranstalters war. Dieser Orden geht klar an die Adresse von Stage- und Productionmanagern, Technikern, Riggern und Security; notabene der guten Hand-Crew. Außer der Band „Royal Blood“ trat dort keine Band auf, die der Erwähnung wert gewesen wäre. Eine war da noch… ich habe den Namen vergessen, erinnere mich auch nicht mehr, was die für Musik machten… es tat nicht so weh wie die anderen.
Überschattet aber wurde alles von der Careringfirma Rockfood. „Essen wie die Rockstars“ (heilige Einfalt!) Morgens, Mittags und Abends vier Tage lang stets das selbe: Burger aus der Mikrowelle, pampige Nudeln mit roter Soße und etwas, das sie „Curry“ nannten. Als einziges Gewürz gab es Unfreundlichkeit – das dafür aber reichlich genau wie Salz. Wegwerfplastik-Geschirr mit Wegwerfmahlzeiten. Ungeeignet für die menschliche oder tierische Ernährung.

Ich will nicht den Eindruck erwecken, daß das Essen der einzig ausschlaggebende Faktor bei der Arbeit ist, aber ein entscheidender auf jeden Fall. Zumindest wichtiger als die Auswahl der Bands – die kann man sich so wenig aussuchen wie das Wetter. Aber außer den Gelagen der Crew nach Feierabend und dem Essen gibt es so ziemlich nichts, was einem Privatleben ähnelt. Ist ja auch egal: Das Essen in der Schweiz war jedenfalls vollkommen indiskutabel. Glückwunsch!

Panzer – Festival. Eine einleuchtende Verbindung

Auch das ging vorbei. Die erste Raststätte an der Autobahn ist ein Gourmet-Tempel. Ein paar Kilometer nördlich gibt es „Werner, das Rennen“. Auch eine spezielle Klientel, angesiedelt zwischen Metal und Mallorca. Etwas zuviel Mallorca für meinen Geschmack.
Und außerdem spielen am letzten Tag die „bösen Onkels“. Weinerliche, selbstmitleidige „heilige Lieder“ auf dem Niveau einer Schülerband im ersten Semester. Wie kann man nach knapp 40 Jahren auf der Bühne nur so gar nichts dazulernen? Das Publikum ein Gruselkabinett aus Glatze, Alkoholfahne und Gegröhle. Zusammen mit Comic-Werner und ca. 30.000 Zuschauern der Missgriff der Saison.
Weil sie „rechts“ sind? Weil im Publikum der Gruß an den Führer zum guten Ton gehört? (Da war die Presse im Übrigen wenig investigativ. „…sollen Hitlergrüße zu sehen gewesen sein…” Ja, an jeder Ecke und in der Nacht wurde es richtig übel. Nicht alleine wegen der erhobenen rechten Arme. Du mußt alleine durch diese Menge von der Bühne nach vorne zum Pult? Da hast du aber verdammtes Pech gehabt! Und es ist dir dann auch völlig gleichgültig, ob sich die Onkels nun rechtsradikal äußern oder nicht – es sind die Fliegen, die dieser Haufen Scheiße anzieht.)
Eine weitere Attraktion um jeden Preis; solange nur die Eintrittsgelder sprudeln. Ein genüßlicher Griff ins Klo. Was zum Teufel hat Comic-Werner mit einer Nazi-Band zu schaffen? Es ist mir scheißegal, ob sich die Bande von irgend etwas in der Vergangenheit distanziert oder nicht: Sie ist und bleibt ein Leuchtturm innerhalb der ganz rechten Ecke und man muß sie an dieser Wirkung messen; nicht an ihren Spenden für bedrohte Delphine. Mag sein, daß sich die Onkels als Personen von der rechten Brut distanzieren – aber sie haben sich in Jahrzehnten in eine Rolle manövriert, die jede Art der Distanzierung in ein absurdes „…na ja… Ihr wisst schon“ umschlagen läßt.

Hier in Timmendorfer Strand ist eher nicht so Publikum, auch wenn sich dort vermutlich mindestens so viele Nazis tummeln wie bei den Onkels. Morgens beim Frühstück huschen weiße Bademäntel durch die bewachen Hallen, um kurz darauf sportlich angehaucht am Buffet zu erscheinen. Zum guten Ton gehört auszusehen, als hätte man an Bord der eigenen Jacht übernachtet, obwohl Alter und Zustand der Beteiligten seriöse Zweifel daran aufkommen lassen, daß sie die Surfbretter von den Dächern ihrer SUV erstens ohne fremde Hilfe herunterbekommen geschweige denn jene genügend Verdrängung besitzen, diese Gravitationslinsen von Körpern im Wasser tragen zu können.

Geht doch!

Wir Techniker bekommen einen etwas separierten Raum zur Verfügung, um der wohlhabenden Kundschaft unseren Anblick beim Frühstück zu ersparen und umgekehrt. Das ist sehr nett und trotzdem ordentlich gedeckt. Und der Ausblick von der Terrasse ist beim Morgenkaffee mit Geld nicht zu bezahlen. Die freundliche Kellnerin bestätigt das und setzt hinzu, daß sich die Einheimischen mit halbwegs normalen Einkommen so eine Lage mit diesem Ausblick schon lange nicht mehr leisten können. Heute Abend reißen wir diesen Kindergeburtstag ab und dann geht`s ab nach Hause.

Der Abbau folgt den übliche Regeln: „Leider haben wir weniger Hands als vereinbart. Tut uns echt leid!“ Von den zugesicherten 2 Gabelstaplern (Manitous) ist dann der eine nur für die Dixi-Klos zuständig, während der andere mit einem völlig unerfahrenen Fahrer die übrigen Gewerke bedienen muß. Das dauert überraschend lange. Egal – wenigstens regnet es nicht.

War sonst noch was? Die Yamaha hat Öl gezogen als wäre sie ein Zweitakter. Die Schrecksekunde auf der Autobahnbaustelle, als der Motor ausging und nicht wieder anspringen wollte. Erst mit viel Choke und Glück, während ein Truck mir den Rücken freihielt. [In freundlicher Erinnerung an die junge, hübsche Dame, die mich bei runtergekurbeltem Fenster fragte, ob sie mir helfen kann. „ Hau ab, Mädchen, fahre um Gottes Willen weiter!“]
Und – auch wenn es naiv klingt – die Romantik des Reisens von einem Konzert zum anderen auf einem Motorrad. Etwa 2800km in den letzten vier Wochen. Der Landgasthof bei meinem einzigen freien Tag in dieser Zeit mit Familienanschluß und gutem Essen, die weißen Streifen der Fahrbahn, an denen man sich entlangträumt, Frankfurt a.M. 245km, 130km/h empfohlene Richtgeschwindigkeit. Ich werde jetzt mal in mein Lieblingsweinlokal fahren und mich ein wenig erinnern.

Wieder Zuhause.

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13 Antworten zu Reiseimpressionen

  1. L´Andratté sagt:

    Sehr interessanter Text, danke.
    Ich bin auch ein grosser Fan von Kompetenz (:

    Eine Bekannte von mir hat bei dem Werner-Ding am Ausschank gearbeitet. Bestimmt kein Zuckerschlecken.
    Sie erzählte irgendwas von Höhlenmenschen.

    • Pantoufle sagt:

      Moin L´Andratté 

      Meine besten Grüße an die Bekannte – mein Mitleid hat sie! Wobei es sicherlich hilfreich ist, zwischen den verschiedenen Arten von Höhlen und ihren Bewohnern zu differenzieren. Diejenigen, die wegen des großen Preises der Sitzrasenmäher dort waren, würde ich anders beurteilen als die „ wir sind ja keine Nazis, aber…“ .Da sich diese Gattungen in den ihnen eigen Höhlen aufhalten gibt es durchaus Unterschiede.
      Festzustellen bleibt aber, daß es kritisch wird, wenn eine Marke wie LG, Toshiba, Toyota oder Werner ein Festival veranstalten. Dann sinkt die Bedeutung der Musik eben auf das Maß der Beschallung eines Schützenfestes. (und für mehr reichen die bösen Onkels auch nicht.)

  2. Schwarzes_Einhorn sagt:

    Dinkelsbühl? Ich war auch dort und überlege, ob ich diverse Plakate überlesen habe, ist aber egal (nein, ich war nach Summerbreeze dort). Ich hab hauptsächlich Ruhe gesucht und ließ das Städtchen, das früher eine zweite Heimat war, nach langer Abwesenheit auf mich wirken. Den Deppen, der dieses unsäglich häßliche – und unnötige! – Design-Hotel direkt vor die Stadtansicht geknallt hat, möchte ich in einem der vielen Türme der Stadt verschimmeln lassen.

    Aber ich hab mich an das Inselfest erinnert, ein Verwandter hat mal Richie Blackmore gesehen – und meine Mutter die Beach Boys. Ich hab bei Wolfgang Ambros mitten im Sommer “Schifoan” mitgegröhlt und sah Alvin Lee, der als Ersatz für Eric Burdon eingesprungen war, der sich das Bein gebrochen hatte. Lange her…

    Sorry, das war gänzlich OT – oder auch nicht. Der oben erwähnte – leider früh verstorbene – Verwandte war auch Gitarrist und daher ist Dinkelsbühl für mich neben vielem anderem auch untrennbar mit Musik und Theater verbunden. Das hat jetzt sozusagen was “zum Klingen” gebracht.

    Da du ja nicht zum Vergnügen dort warst – hier in der Nähe findet das Southside (süddeutsche Version des Hurricane-Festivals) statt – da hab ich mal nach dem Festival mit aufgeräumt – in einem Jahr, wo das Ganze zur Schlammschlacht geriet. Unglaublich, wie tief Zelte in einem matschigen Acker versinken können…

    • Pantoufle sagt:

      “Das hat jetzt sozusagen was “zum Klingen” gebracht.”

      Das freut mich ehrlich.
      LG,
      Pantoufle

      Edith:
      Deine Southside-Aktion… war das `17? Das Jahr, wo wir regelrecht weggewaschen wurden? Wenn ja, haben wir uns nur knapp verpasst. Wenn ich das noch mal machen sollte, sage ich Dir vorher Bescheid.

      • Schwarzes_Einhorn sagt:

        Nein, 2010 – aber auch da war Southside eine Schlammschlacht. Der ortsfremden Entsorgungsfirma wurde gesagt, sie müßten als erstes die Landebahn (ehemaliges Bundeswehrgelände) freimachen und die sahen sich um: hier gibt es eine Landebahn…? Um die freizulegen, mußte eine Asphaltfräse organisiert werden. Sie haben es uns Helfern grinsend erzählt.

        Und 2016 mußte das Festival komplett evakuiert und abgebrochen werden – was mir für die Besucher wirklich leid tat.

        Ich war noch nie als Besucher dort, da ich eher auf zwei spätere kleinere Festivals – beide auf Burgen – in der Nähe gehe.

    • Pantoufle sagt:

      Moin Radiotrinker

      Jo, weiß ich. Aber weder bin ich empört noch ein Aktivist. Und ebensowenig – aber das bleibt unter uns! – stampfe ich trotzig mit den Füßen im Matsch und gröhle „ich höre das aber trotzdem!“
      Was lernen wir daraus? Nur weil man der Meinung ist, etwas besonders auffälliges und verbotenes zu tun, muß das noch lange nicht zutreffen. Im Grunde ist das nix anderes als das, was die Onkels machen: Eine zusammengebastelte Opferrolle als Grundlage für einen Fan-Kult.
      Zum weiteren: Welcher Aktivist (außer ein paar gelangweilten Journalisten) hat sich denn empört?

  3. Josi sagt:

    Auch mich hat der Bericht richtig glücklich gemacht, aber: Wie hast Du es geschafft von Null sofort wieder auf 380 zu kommen (nur ein Tag frei). Haben die alle auf Dich gewartet dort und kaum hast Du hier von einem Aufhebungsvertrag geschrieben, zu den Telefonen gegriffen? Wunderbare Schilderungen, genau darauf habe ich mich gefreut, dass die jetzt wieder kommen werden, mit großem Genuss gelesen. Herzlichst Josi

    • Pantoufle sagt:

      Moin Josi

      So ist das mit den Blogs: Da seht immer nur die Hälfe der Wahrheit drin. Natürlich habe ich sehr schnell zum Telephon gegriffen und etwas Glück gehört auch dazu, weil niemand auf jemanden wartet, sondern da bereits schon lange andere stehen.
      Außerdem war ich bei meinem ersten Gig in Chemnitz (der in der Geschichte fehlt) bestenfalls auf 50 oder 60. Wieder dorthin zu kommen wo man vor 1 ½ Jahren aufgehört hat, hat schon sehr weh getan. Man glaubt gar nicht, wieviel man in so kurzer Zeit vergessen kann bzw. wieviele Instinkte und Gewohnheiten sich verschleifen; Selbstzweifel und Depressionen inklusive. Zu meinem Glück bin ich halbwegs von Katastrophen verschont geblieben und relativ sauber aus der Sache herausgekommen. Wie gesagt – man braucht auch etwas Glück.
      Deswegen sitze ich hier auch halbwegs beruhigt und „wieder angekommen“ in den eigenen vier Wänden. Mal sehen wie es weitergeht.

  4. Josi sagt:

    Nachsatz zum Kiezneurotiker (war immer ein Fan des Borgwürfelgrauens):

    Weiß ich auch nicht, ob er es ist – wenn, dann wiederholt er sich, hat den drive verloren, der einen in die Kurve mitnimmt, zieht Schleifen, die man schon beim ersten Mal nicht unbedingt mit einem aha-Nicken begrüsst hatte und es menschelt so wahnsinnig grauenhaft grau aus allem heraus (ich hasse meine Mutter), dass man sich frägt, ob er tatsächlich jetzt in der Therapie-Schleife festhängt, da hätte er doch früher nach der ersten Sitzung sich hingesetzt und einen Schmäh rausgehauen, dass man sich über den Boden gekugelt hätte vor Lachen. Klar war ja immer, dass Schmerz da sein muss, aber ich habe ihn immer eher mit einem Zigarillo zwischen den Zähnen-drehend gesehen als als geknebeltes, geknechtetes, verletztes und versehrtes Kind, das es jetzt allen nochmal zeigt. Verbal halt. Dreimal hintereinander zu schreiben: “Mann, sind die doof. Die sind so doof, dass es dööfer nicht mehr geht. Unglaublich doof. Doof. Doof.” Das klingt ja noch nichtmal mehr, das ist nur noch doof. Komisch. Vielleicht gibt es eine Aufklärung (der andere Kiezschreiber?).

  5. josi sagt:

    aahh, da war ja schon dasselbe von Pantoufle geschrieben worden, das mit dem “doof, dööfer am dööfsten” und den alten Vetteln, hatte ich nicht gesehen.

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