Klatschmohn

Pantoufle hat Post. Das Klinikum Braunschweig zeigt Leistung und stellt eine Rechnung über 2 vollstationäre Krankenhaustage, für den ein Zuzahlungsbeitrag von Euro 20,- fällig wird. Sonst Gerichtsvollzieher.
Gerne nutzte Pantoufle die Gelegenheit zum schreiben und teilte seiner Krankenkasse mit, daß für den Fall, daß Klinikum hätte eine Rechnung für 2 Krankenhaustage geschrieben, es sich um einen einen klaren Fall von Betrug handeln würde. Einen Nachmittag in der Notaufnahme in die Ecke gestellt. Von 11:00 bis 17:00 Uhr und das »in die Ecke gestellt« dürften sie ruhig wörtlich nehmen. Kein Stuhl, geschweige denn ein Bett.

Na ja… dann warten wir mal die erste Mahnung ab und sehen anschließend weiter. Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Die Dame am Telephon war recht nett. Nein, es ginge nicht um »wenn Sie tatsächlich nur einen Nachmittag…« – diese leicht nachzuprüfende Unterstellung würde ich mir verbitten.
Die neue Rechnung lies nicht lange auf sich warten:

Man könnte glauben, bei deutschen Verlegern und ihrem Leistungsschutzrecht gelandet zu sein. Aus zwei mach eins.
Kommt da noch was? Zähneknirschend hatte ich auf Insistieren der Gattin  bezahlt! 20,-€ für einen Tag. Ich hätte warten sollen! Ach, hätte ich doch nur! Um dann anzufangen wie ein armenischer Teppichhändler zu handeln.


Zahlung unter Vorbehalt, persönliches Erscheinen unter Zeugen in der Mahnstelle der Klinik… Auf 8€ hätte ich sie runtergekriegt! Mindestens.

»Wenn man die Chance hat, die Leute zu ärgern, sollte man sie nutzen.«
Oswald Spengler

Leute ärgern: Sahra Wagenknecht stört die Sommerpause am Badesee mit ihrem Hashtag #aufstehen (#hinsetzen, #aufstehen, #hinsetzen). Die BILD-Zeitung mit ihrem Miethistoriker Wolfsohn, die Süddeutsche, die WELT, N-TV, die Tagesschau und Asco, der räudige kleine Köter von gegenüber… »Es isch de glich« gurgelt der Schweizer.
»Wo bleibt der Mehrwert?« fragt zu Recht die unterfränkische Allgemeine. »Und warum gibt es auch dieses Mal kein Gewinnspiel?« Die Presse hat ja so recht! Und einen kollektiven Beissreflex, der auf die immer gleichen Schlagworte konditioniert ist.

Weil der Mensch ohne eine schlagkräftige Organisation im Rücken bekanntlich keine eigene Meinung haben kann, gibt es nun wieder eine neue Vereinigung. Eine neue Fahne, neue Parolen, ein neues Gesicht. Und selbstverständlich eine neue Website; ganz wichtig. Ein wenig öde ist es zwar schon (nicht die Website: Die ist voll interaktiv!), aber so richtig neu ist es eben auch nicht. Die demokratisch legitimierte Kanalisation der öffentlichen Teilhabe und vermeintlichen Partizipation an der Macht führt mit einem neuen Flußlauf ins Meer der Beliebigkeit. Jeder Bautrupp, der eine vielbefahrene Autobahnkreuzung für 3 Wochen einspurig macht, bringt mehr anarchistisches Gedankengut ins soziale Leben seiner Mitmenschen.
Das Schielen nach dem Staat und seinen Konstrukten der Meinungsäußerung ist mehr als ein Sehfehler.

Auch Campino und Til Schweiger haben eine Meinung.

Das hat mir eine sehr große Freude gemacht! Ein handgeschriebener Brief ist eine besonderes Vergnügen. Vielen Dank… Ich bin noch ganz gerührt. So ein Brief ist Romantik. Wenn auch nicht für den Boten, der ihn im Gegensatz zur Postkarte nicht lesen und den Inhalt unter der Nachbarschaft verteilen kann. Lesen Postboten Ansichtskarten? Wer liest heutzutage noch? Jedenfalls hat sich das Pantoufle in den weichen Ledersessel gefaltet, den Großraumhund zu Füßen und mit einer Flasche Riesling bewaffnet. Eine seltsame Briefmarke – duftet das Papier nach deinem Parfüm? Die Tinte der Worte streichelt die Augen und die Seele – kein Klecks oder gestrichenes Wort. Wo mag sie nur sein?
So, Brasilien also! Das ist äußerst gefährlich! Wer denkt dabei nicht sofort an den gemeinen und unsoliden Zitteraal. Jene hinterhältige Kreatur, welche stromhaltige Schläge an jeden verteilt, welcher vom vom erfrischenden Amazonas angelockt zum Bade auch nur den kleinen Zeh ( von anderen Körperteilen ganz zu schweigen) ins Wasser hält! Sofort von Lähmung und allgemeiner Gleichgültigkeit erfasst, wird der unvorsichtige Erholungssuchende vom Wasser fortgerissen und umgehend von Myriaden Pyrhanias verfolgt. Dieser Fisch, welcher nur aus Gebiss und Appetit besteht, tranchiert das Opfer innerhalb von Sekunden! Selbst der Glückliche, der diesem Schicksal entflieht, wird nach Einbruch der Dunkelheit vom Jaguar verfolgt.
Diese Großkatze, gekleidet in hochwertigen Pelz, steht an Appetit dem Pyrhania in nichts, aber auch gar nichts nach. Das Beste, was Mann/Frau im Falle des unvermeidlichen Angriffs noch tun kann, ist, eine gerade verfügbare, entbehrliche Person vorzuschicken – vorzugsweise abgelegte Liebhaber oder ersatzweise Schwieger – und andere Mütter (von denen Du ja glücklicherweise genügend dabei hast). Wenn sich das Raubtier gesättigt und vorübergehend dem Blutrausch entrückt niederlegt, sollte der Brasilienreisende einen Napf pasteurisierte Milch in einer Untertasse in Nähe des Monsters hinterlegen, um dann unverzüglich das Weite zu suchen. Das findet sich in Brasilien zum Glück in fast jeder Himmelsrichtung. Man folge einfach den Menschenströmen, die auf der Suche nach dem Schatz des Montezuma aus jeder Stadt in die Wüste wandern. Wenn in dieser Wüste viele Bäume stehen, heißt das Regenwald. Dort regnet es (wie der Name schon sagt) ohne Unterlass 24 Stunden am Tag und in der sogenannten Regenzeit auch noch in der Nacht. Die Folge dieses Übermaßes an Regen sind Schlangen, Skorpione und andere niedere Lebewesen an jeder Ecke und unter jedem Strauch.
Wer sich arglos nach den Golddublonen bückt, welche die spanischen Eroberer dort tonnenweise verstreut haben, wird folglich sofort gebissen, verätzt, mit Fieber infiziert oder kommt auf irgend eine andere Art zu Tode! Unvorstellbar, das jemand dieses tödliche Land überlebt. Selbst die einheimische Bevölkerung ist über jeden Tag, den sie nicht sterben müssen, so glücklich, daß sie praktisch von Januar bis Ende November durchgehend ein Fest feiern, welches sie Karneval nennen. Dieses Fest wird nur durch die Fußballweltmeisterschaft und die Formel 1 unterbrochen.
Unnötig, zu erwähnen, daß bei diesem ununterbrochenen Sterben und Feiern niemand mehr arbeiten kann. Folglich gibt es auch nicht zu essen! Brasilianische Fluglinien bieten daher spezielle Lunchpakete für den Reisenden an – einen Service, den man nutzen sollte. Es gibt diese wohlgemeinten Liebesdienste in den Größen „small“ und „medium“. Die Größe „large“ wird schon seit Längerem nicht mehr ausgegeben, da niemand lange genug überlebte, um diese aufzuessen.

Die Warnung kommt zu spät, Melina ist verloren! Verloren in Brasilien und wenn ich zurückschreibe, so ist höchst ungewiss, ob sie der Brief noch als duftender Körper erreicht, der sich anmutig über die Iguazú-Wasserfälle neigt oder ihr als letzter Gruß in ihren Sarg gelegt wird. Ach Melina, warum nur Brasilien? Ist es am Rhein nicht schön oder ein Spaziergang über die Deiche?
Der Geisenheimer Rothenberg des Weinhauses Wegeler leuchtet im Glase, auf Dich, liebste Freundin. Das gibt es nicht in diesem Dschungel, in dem Du deinen Urlaub verlebst, verstirbst.

Ach, Brasilien, du Weib!

»Das große Weltenleid, das unnennbare Weh der Kreatur, das “radikale Böse” in der Menschennatur, vor allem aber die soziale Theodizee, welche unsere politische Gegenwart in Atem hält, haben sicherlich der gequälten Menschenbrust tiefe Seufzertöne entlockt, die sich allgemach in pessimistische Systembildungen umgesetzt haben.«

Ludwig Stein (1900)

Vom Staubsauger zu Adolf Hitler

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13 Kommentare zu Klatschmohn

  1. Eike sagt:

    “Pantoufle hat Post. Das Klinikum Braunschweig zeigt Leistung und stellt eine Rechnung[…]” Was sagt der Lauterbach (SPD) dazu? “Wären Sie mit nur 5000 € in Vorkasse getreten, dann hätte das Prozedere für Sie schon erheblich besser ausgesehen und Ärzte und Buchhaltung wären durch die “kognitive” Stimulation auch wesentlich besser gelaunt (mit Ausnahme des Radiologen).”

    “Sahra Wagenknecht stört die Sommerpause am Badesee mit ihrem Hashtag #aufstehen[…]” Natürlich muss das Medien, Wirtschaft und Parteiinstitute auf den Plan rufen. Parteien wollen die Verhältnisse nicht ändern, sondern diese zementieren, wofür die o. A. auch monetär sehr dankbar sind. Bewegungen könnten das Geflecht allerdings nicht nur ins Wanken bringen.

    “Eine neue Fahne, neue Parolen, ein neues Gesicht.” Das funktioniert, wie das örtliche Dudelradio mit dem Supamix. Ganz viel Vielfalt, voller Einfalt, mit dem ewig gleichen Gesülze und dem ewig gleichen Gedudel. Auf diese Art lässt sich jedoch noch Masse generieren. Gut, dass man das nicht auch von Parteien, Wirtschaftsinstitutionen und anderen Orgas her kennt (und rein gar nicht aus der Geschichte). Das Prinzip dahinter wirkt, wie eine Art Gehirnwäsche und oberflächlich konditionierend.

    “Und selbstverständlich eine neue Website; ganz wichtig.” Aber Hallo! Mit Klickibunti erreichst Du vor allem einfache, reiche Leute. Das sind die, die Dir für Farben und Formen auch gleich was Spenden, unabhängig vom Inhalt, weil sie in dem einem Kopf gefühlt XTC (bzw. LSD) und in Dem darunter Viagra verspüren. “Da klicke ich hier drauf und dann wird das so bunt und da kommt dann eine Fliese zum Vorschein – Oaaaah!”

    So schlecht wäre das mit einer linken Bewegung indes nicht, nur scheitert es in Deutschland (ich habe sowohl West- als auch Ostdeutschland – auch Mitteldeutschland liegt himmelsrichtungsmäßig im Osten – studiert) schlicht schon am Vorhandensein der Linken. 90 Prozent derer, die sich für links halten sind es einfach nicht. In einer Bewegung lässt sich das allerdings schlechter verbergen, da Du die Schutzschilder dort nicht hast. Man muss sich für die Erkenntnis aber auch anschauen, was die Leute, neben ihren Laudatios so treiben, bzw. wie sie sich verhalten. Das Gros der Leute bildet sich aus den gleichen Hofschranzen heraus, die man auch anderweitig aus den Firmen und Vereinen kennt. Claqueure, die schon für einen Hunni oder einen Orden mehr, alles tun würden. Wenn Du denen jetzt noch einen höheren Posten in Aussicht stellst, schmeißen die auch mit Atombomben um sich, wenn sie es können. Mit das Beste, was Du in der Bewegung haben kannst, sind die sog. Schlosskommunisten, denn die lassen sich Ihre Ideale zeitlebens nicht nur etwas, sondern viel kosten (und solange noch Kapitalismus herrscht, ist man darauf angewiesen). Dann gibt es noch die, die mindestens ultrakonservativ sind, aber von Ihren Eltern mal soziale Werte beigebracht bekommen haben, die sie selbst aber nur in Reden verwirklichen, usw. usf..
    Kurzum: Eine Art Revolution von links ist auch gemäß deutscher Geschichte niemals zu erwarten. Eine von rechts leider immer, da von 100 % linken noch etwa 3% übrig bleiben, die Ideale und Werte nicht für Verhandlungsmasse halten.
    Wenn mir einer als Linker kommt:”Profifußball..blablabla…mindestens 3:0…Wette 32:1, rabbelsabbel…..”, ist der für mich, als Linker, genauso tot, wie Lenin.

    In Brasilien gibt es aber noch Guaranabrause. Das törnt an und ist hilfreich bei arbeitstechnischen Schritten. Abgesehen davon, kackt der Köter da aufs Profifußballspielfeld ohne abgeknallt zu werden. Das lässt für die Zukunft hoffen.

    Campino und Til müssen für Ihre Meinung, dann aber auch für jede dämliche Freibadfete oder schlimmer noch: Altersdümmliche Tatorte herhalten. Man ist ja jetzt schon auf die Grabinschriften und die Malbuchmemoiren gespannt.

  2. Siewurdengelesen sagt:

    So richtig schlüssig bin ich mir noch nicht, was Sahra Wagenknecht mit dieser Bewegung wirklich initiieren will. Eine neu “Linke”, die dann auch diejenigen einbindet, welche nicht innerhalb einer Partei eingezwängt sein wollen, halte ich durchaus für sinnvoll. Da muss man erstmal abwarten, was wirklich daraus wird. Bisher sehe ich da eher Stimmenfang über Eck, aber ob´s klappt und innerhalb des jetzigen Systems bleibt das doch Makulatur.
    Konflikte innerhalb von halbwegs Gleichgesinnten halte ich für normal und notwendig, wenn denn hinterher etwas vorwärts geht dabei und nicht um des Konformen willen eingedampft wird. Da dürfen ruhig die Fetzen fliegen.

    Das ausgerechnet das Vierbuchstabenblatt und andere journalistische Glanzlichter bereits im Vorfeld diffamieren und denen da selbst der Hitler-/Nazi-Vergleich nicht zu dämlich ist – so what?! Das ist doch nahezu das Einzige, womit die sich wirklich auskennen und irgendwas mit Bezug zu Schlands besten 12 Jahren geht doch immer:-p

    Was sind da schon die restlichen paar tausend Jahre Geschichte…

    @Eike – woran machst Du einen “echten” Linken fest? Ich weiss es nicht. Das mit dem Arsch-nicht-hochkriegen ist da jetzt nicht unbedingt nur dort üblich. Der Anteil der wirklich “überzeugten” Linken dürfte nie die gewünschten/illusorisch eingebildeten Anteile gehabt haben ausser unter Zwang.

    Manchmal ist es einfach so wie bei Charlie von der Narrenschiffsbrücke. Befasst man sich alleine aus philosophischer und damit logischer und Herzenssicht mit vielen Dingen, kommt am Ende nahezu immer linkes Denken und Sichtweisen heraus. Die reine Vernunft dagegen ist allerdings oft irreführend, denn im Namen selbiger wurde auch schon viel Mist verzapft. Jedenfalls sehe ich das so.

  3. Eike sagt:

    Von der reinen Vernunft schrieb ich nichts. Da musst Du etwas verwechseln. Woran ich etwas festmache, steht o. a..

  4. Pantoufle sagt:

    Ja, Moin erst mal

    Der xorg Nouveau-Treiber hat mir nach dem letzten Update irgendwie xorg zerhauen. Nach diversen Querelen jetzt wieder mit dem proprietären nvidea-Treiber. Zum Dank dafür spinnt jetzt dkms, vermutlich, weil der 4.17 Kernel mit g++7.4 compliert wurde, aktuell ist aber 8.2wasweißich installiert. Dann eben nicht! Dann wird das passende Kernel-Modul nach jedem umfangreicheren Update neu gebacken. Mir doch egal! Läuft alles wieder.

    Was wollte ich sagen? Wegen der Sahra: Ich bin auf das Thema eigentlich nur gekommen, weil mich jemand über PK darauf angesprochen hatte. Nachdem mir 48 Stunden rein gar nichts zu dem Thema einfiel, blieb eigentlich nur das grundsätzliche Unbehagen gegenüber jeder politischen Organisation übrig.
    Ich kann ja verstehen, daß es einen in den Fingern juckt, dem trostlosen Personal der etablierten Parteien etwas entgegenzusetzen. Eine Sprache, die jeder versteht, Inhalte, die sich an real existierenden Problemen orientiert oder deren Protagonisten auch nur oberflächlich den Schein normaler Menschen erweckt.
    Auf der anderen Seite hat die Linke über eine Million Wähler an die AFD verloren. Angeblich haben die aus Protest die Nazis gewählt; sind selber zu Nazis geworden. 85 Prozent der AfD-Wähler gaben an, daß die AFD einzige Partei sei, in der sie ihrem Protest Ausdruck verleihen können. Nirgendwo sonst können sie ihren rassistischen Phantasien so ungestört nachgehen, ihren Mordgelüsten so ungehemmt frönen und Menschenrechte und Ethik so mit Füßen treten. Letzteren sagen sie natürlich nicht gar zu laut – aber genau die will man wieder für linke Positionen begeistern und ihnen eine Heimstatt bieten? Wozu?
    »Eine Sprache, die jeder versteht, Inhalte, die sich an real existierenden Problemen orientiert oder deren Protagonisten auch nur oberflächlich den Schein normaler Menschen erweckt.« Das habe sie ja bereits. Endlich wieder ungestraft mit menschenfeindlichen Parolen um sich werfen. »Ich bin ja kein Faschist, aber…«

    SPD, LINKE und GRÜNEN-Mitglieder, die sich Zuhause nicht mehr gut aufgehoben fühlen und lieber aufstehen würden, sind ein überschaubares Kontingent. Der kurze Wirbel um die Eröffnung von #aufstehen gründet sich wohl eher um die Sorge, ein paar Schäfchen mehr zu verlieren als vor der Angst »konkurrenzfähiger« Gegenentwürfe und Ideen.
    Die einzig berechtigte Angst der etablierten Parteien und Vereinigungen ist die vor einem Gesicht, einer Leitfigur. Trump und Macron laufen in diesem Segment momentan als warnende Beispiele. Herbeigebetete Erlöserfiguren – wer fragt da schon nach Inhalten, wenn er einen Friseur auf LDS hat? Wagenknecht und Co bedienen genau diese Marktlücke. Und genau das ist der Punkt: Ein Marktmechanismus; oder sieht hier irgend jemand die Massen, die auf die Straße gehen und verlangen, daß 1 + 1 wieder 2 und keine Fake-News sind? Nein, denn die gibt es nicht, diese ausbeutete Klasse niederer Mathematik.

    In einer Gesellschaft, die im tiefsten Inneren davon überzeugt ist, daß eine wohlfundierte Meinung und solides Wissen zum Nulltarif und ohne die Schmerzen der Erkenntnis zu bekommen sind, mutiert jede noch so gut gemeinte Bewegung zur Sekte.
    »Ach, hast Du gehört,was die Wagenknecht da neulich…?«
    »Ja, aber auf Twitter stand da etwas und ein Freund hat mir über Whatsapp gestern…«
    Bei solchen Kunden ist es doch vollkommen gleichgültig, ob ich die Wiederauferstehung einer linken Bewegung predige oder die Vernichtung jeder anderen Lebensform außer der weißen Rasse. Die Diskussion über eventuelle Inhalte findet jedenfalls fernab jeder adäquaten Plattform statt.

    @Siewurdengelesen: So hatte ich Eike auch gar nicht verstanden. Wobei ich mich seiner Meinung »90 Prozent derer, die sich für links halten sind es einfach nicht. In einer Bewegung lässt sich das allerdings schlechter verbergen, da Du die Schutzschilder dort nicht hast.« keinesfalls anschließen würde. Eher ist Gegenteil richtig.

  5. Eike sagt:

    @Pantoufle
    Die Schutzschilder der Parteien funktionieren sehr gut. Das kann man auch gut bei Harakirihorst sehen. Bei Bewegungen wirst Du Dich irgendwann offenbaren, falls Du z. B. den Sozialpass nur Personen mit deutschem Namen zugestehen solltest (beliebiges, anderes Beispiel bitte selbst ausdenken).
    Das dürfte da nicht einfach in der Ablage P mit dem Kommentar: “Hach, das war doch nur der Horst…” verschwinden.

  6. Siewurdengelesen sagt:

    @Pantoufle und Eike

    “So hatte ich Eike auch gar nicht verstanden.”

    Ne -aber vermutlich war der Sprung zu weit;-)

    Eike hat erwähnt, dass: “Wenn mir einer als Linker kommt:“Profifußball..blablabla…mindestens 3:0…Wette 32:1, rabbelsabbel…..“, ist der für mich, als Linker, genauso tot, wie Lenin.”

    Mal abgesehen davon, dass nirgendwo geschrieben steht, dass sich linksdenkende Menschen nicht mit derlei Themen befassen dürfen und daher statt an der reinen Vernunft oder halt der reinen Lehre oder was auch immer anzuhängen haben, lese ich bei Eike erstmal nur, was Linkssein und Linke für ihn nicht sind.

    Sind Linke jetzt solche, die das Kapital auswendig können oder besonders sozial engagierte Menschen oder was ist links nun wirklich? Wie gesagt fällt mir da kein Alleinstellungsmerkmal ein, anhand dessen sich das definieren liesse. Das fehlt(e) mir ein bisschen in der Aussage.

    Das Bemerkenswerteste an #aufstehen ist momentan, wie sich bereits vorher alle daraufstürzen und versuchen, das zu zerlegen, bevor überhaupt klar wird und ist, wohin sich das entwickelt. Selbst bei einem wahrscheinlich im Sande verlaufenden Versuch linken Protest wird gleich wieder die ganze Kavallerie an Medien aufgefahren, die so die “bürgerliche” Presse zu bieten hat und schreckt dabei vor den dümmlichsten vergleichen nicht zurück.

    Sollte aus #aufstehen tatsächlich etwas werden, dann geht das innerhalb dieses Systems denselben Weg wie die Grünen oder Linken. Das wird konform oder konform gemacht und das war´s dann auch. Die 36000 Anmeldungen sind mal eine Zahl, aber solange das nur über Twitter und die SM läuft, bleibt es ein Debattierclub, bei dem nach dem Vernetzen das Handeln fehlt.

    Lafo selbst hat ja schon angekündigt, das nach einer Phase des Entwickelns der Weg in die Politik angedacht ist. Mag sein, das wie hier beim DLF den etablierten linken Parteien damit etwas Dampf gemacht wird, das dürfte aber bereits der stärkste Effekt sein.

    “Bei solchen Kunden ist es doch vollkommen gleichgültig, ob ich die Wiederauferstehung einer linken Bewegung predige oder die Vernichtung jeder anderen Lebensform außer der weißen Rasse. Die Diskussion über eventuelle Inhalte findet jedenfalls fernab jeder adäquaten Plattform statt. ”

    Da ist sie wieder, die Spiessbürgermentalität frei nach dem Motto: “Solange es mich nicht trifft! ”

    Genau dahin geht aber die Reise und sicher nicht ganz ungewollt. Einesteils wird die Menschheit mit Nullinformationen geflutet und arbeitet sich daran ab, andererseits haben viele überhaupt kein Interesse daran, sich mit diversen Themen intensiver zu befassen, dann eben doch lieber Fussball. Ist ja auch ok so, wenn Fussball die Nebensache ist und der Rest Prio hat;-)

    Ein aktuelles Beispiel ist z.B. die Debatte um die Wehrpflicht.

    Da labern sich Gott und die Welt die Waffel heiss, nur um dann hinterher zu erfahren, dass da sowieso nix kommt.

    Mir will denken, dass dieses trotzdem nicht so ganz zufällig jetzt ausposaunt wurde neben Wehrpflichtigen aus anderen Ländern usw.

    Aus meiner bescheidenen Sicht nehme man die Richtung, aus welcher der Schuss kam (Junge Union usw.) und die z.B. erst kürzlich erfolgte Ansage Spahns, in der Pflege Mindestschlüssel für das Personal vorzuschreiben. Ich weiss zwar noch nicht, wie das in ein Gesetz soll und kann, aber das ist einer der wenigen Wege, das dortige Personalproblem auf billigem Wege zu lösen. Der Hebel funktioniert nur über das derzeitige GG noch nicht und einen Reichsarbeitsdienst kann man ja (noch) nicht wieder einführen, aber alleine solche Aussagen wie dem Staat etwas zurückzugeben, lassen bei mir ein paar Glocken läuten.

    Soooo viele werden sicher nicht mehr dienen wollen und die machen dann eben ein (un)freiwilliges Jahr in diesen Bereichen.

    Macht sich allerdings gut in der Arbeitslosenstatistik, die Halbwilden sind von der Piste weg und die “Arbeitgeber” brauchen keine vernünftig bezahlten Fachkräfte. An andere Dinge wie Behelfspolizisten etcpp. mag man da noch gar nicht denken, aber so ganz fertig ist das Thema sicher noch nicht.

    Wegen mir gehört die Bundeswehr zuerst aus der NATO und zu einer echten Berufsarmee gemacht oder besser ganz abgeschafft, so btw. dürften dann die in D stationierten US-Truppen analog zu den russischen endlich die Fahrkarte bekommen samt ihrer Stützpunkte hier. Dann hätte sich so ein Ding wie das neue Hauptquartier in Ulm gleich mit erledigt.

    Na gut – mir schwiffte ab…
    ——-

    Die Sache mit dem Krankenhaus ist typische Bürokratie genau wie die Steuererklärung. Diesen Mist habe ich die ganzen letzten Jahre nach dem Tod meiner Eltern innerhalb kurzer Zeit durch und das zieht sich bis jetzt.

  7. GrooveX sagt:

    “Dann eben nicht!”

    das war das argument, mit dem ich mir vor 18 jahren suse 7 auf die blechkiste getan habe. ich hatte farbe und netz. seitdem bin ich dabei geblieben obwohl; unter mir schlummert eine platte, die ein frisch installiertes debian stretch 9.5 beherbergt. irgendwie muss der mensch spielen können.

    die hustle, die du mit deiner klinik hattest, habe ich gerade mit meinem netzanbieter ewetel. diese mistfirma kriegt es seit jahrenden nicht hin, mir ein stabiles netz von wenigstens 4 mbit hinzustellen, obwohl ich ‘bis zu 16 mbit’ bezahle. und ewig und 3 tage bricht das ganze dann für mehrere tage komplett zusammen, manchmal einschließlich teflon. und ich? ich kann dann an der störungshotline mit einer callcentermitarbeiterin diskutieren, ob ich den router schon aus- und wieder eingeschaltet habe, die erst nach erfolgter braver mitteilung, dass ich sehr wohl – grrr… – ein sogenanntes ticket in ihrem asp-webfrontend ausfüllt, worauf ich einen anruf eines callcenters bekomme, das mir einen termin mit einem techniker avisiert. das drama geht dann allerdings erst los. das callcenter mit dem service gibt mir keine nummer, auch nicht die eigene, der techniker hat bei mir nichts zu tun, denn die infrastruktur ist jenseits der buchse (von mir aus gesehen) kaputt. seit 15 jahren geht das jetzt! ich könnte ja kabel, ich glaube, ja, das mache ich jetzt, und ich hasse vodafone. dabei war der kommunale anbieter, die nordcom, mal eine durchaus angenehme alternative zu den moguln!

    DANN EBEN NICHT!

    • Pantoufle sagt:

      Moin GrooveX

      Netzausfall… da war doch was? Haben wir im Moment hitzebedingt, weil die zu klein geratenen Lüfter die Wärme aus den Schaltschränken nicht rauskriegen. Ab 13:00 gips kein Internetz mehr, wenn die Sonne auf den Verteiler haut 🙂

      Außer Debian kommt mir nichts auf die Platte. Wobei ich momentan beruflich eine stille Liebe zu AIX entwickele. Das kann was, das System! Leider nicht für Discounter-Hardware, dafür ultra-stabil.
      Suse habe ich vor ein paar Jahren abgewählt. Viel zu benutzerfreundlich und mit Tools geschlagen, die die Konfiguration noch einfacher machen (Yast hieß diese frühe KI, glaube ich, das jede eigene Konfiguration im Terminal rückgängig machte und durch ein selbstgewürfeltes Script ersetzte. Eher unüberzeugend). Seither mache ich einen großen Bogen um Distris, die einem Windows-Benutzer den Umstieg jetzt noch leichter machen.

  8. Eike sagt:

    @Siewurdengelesen
    Richtig. Aus dem, was er nicht ist, ergibt sich das, was er ist. Lapidar formuliert: Wer den Kapitalismus nicht auch in seinen Bereichen infrage stellt, kann kein Linker sein. Menschen sind oft noch unterschiedlich (Smombies in der Regel nicht) und so haben auch Linke unterschiedliche Prämissen, was auch gut so ist. Daher verzichte ich dabei auf Stereo- bzw. Monotypen. Ich habe auch nichts gegen den, der Sonntag morgens um 7.30 h seine heimische 1. anfeuert. Da ziehe ich eher meinen Hut. Wenn aber da das BIP mehrerer Staaten auf dem Feld steht, man egal, wie mitmacht und mitverdient und der AG noch die kostenlose Klofrau zur Verfügung stellt (the Schlechtst of Kapitalismus & Globalisierung), gleichzeitig bei Hoeneß & den Fußballkaisern mitschunkelt, der versprüht den Charme eines kommunistischen Hedgefonds-Managers. Derjenige mag ein guter Kapitalist sein, aber ein Linker ist er nicht. Wird er auch niemals. Es gibt eine Ausnahme: Infiltration & Determination mit oder aus eigenen Mitteln. Die Wahrscheinlichkeit dabei erachte ich für gering.
    Na? Jetzt noch ein wenig mit dem Iphone XVI auf Transfermarkt Punkt de?

  9. Fluchtwagenfahrer sagt:

    Moin,
    Pantoufle und Spießbürger und selbstnichttreffer? Ich glaube eher nicht. Natürlich läßt es sich aus einem gesundem Arsch vortrefflich furzen, aber für nen Egoshooter halte ich Ihn nicht. M.M.
    Davon mal abgesehen, hier aufm Dorf ist die Folxsmeinung (CDX regiert) ähnlich wie vom Schluffen beschrieben. Da kannst du gegenanargumentieren, Zeter und Mordio schreien, Drohen, egal was, es ist als wenn du inne Gummiwand haust.
    Erst macht es agro dann nur noch unglaublich müde.
    Mittlerweile kann ich ihre scheiß Fressen nicht mehr sehen und freue mich darauf wenn ich in 4 Jahren endlich frei bin und nen Schuh mache.
    Weiß zwar noch nicht genau wohin, nur weg von hier. Ich kauf mir ein paar Otternasen, setz mich mit meiner Frau aufe Terrasse und betrachte das beginnende Inferno von far far away.

    @GrooveX
    Die Mitteilung Nr. 485/2017, Amtsblatt Nr. 13/2017 vom 12.07.2017, auf der Bundesnetzagenturseite, hat meinem Anbieter 2+2 zumindest hinsichtlich der monatl. Gebühr ordentlich in Wallung gebracht. Versuch es mal.

    • Siewurdengelesen sagt:

      @Fluchtwagenfahrer:

      Möööönsch – ich meine doch auch nicht Pantoufle, sondern die Mitbürger, auf welche sich das Zitat Eikes darüber bezieht;-)

      Und ich gestehe: Auf meinem Hauptrechner läuft Opensuse Tumbleweed, auf den restlichen Kisten aber Debian, wie sich das gehört.

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