Zur Lage der Nation

Sascha Lobo. Ja, Sascha Lobo. Kann man mögen, muß man aber nicht. Auch die Schrottpresse hat ein eher ambivalentes Verhältnis zu dem Mann mit der Art déco- Punk-Frisur. Nun hat Lobo aber auf der gerade stattfindenden re:publika eine Rede gehalten, die ich für äußerst bemerkenswert halte. Sogar so bemerkenswert, daß sie in Zukunft auf die Wortwahl und Intension an dieser Stelle Einfluß nehmen wird.

Nein, keine Angst – nicht schon wieder eine Transkription. Nur soviel: Es ist eben keine NSA-Affäre oder ein Skandal; es ist weit mehr, ein Angriff auf die Zivilgesellschaft und das muß man anders benennen.
Lobo sagt aber noch viel mehr in seiner Rede, von der ich mir wünschen würde, daß sie sich möglichst viele Menschen aufmerksam anhören. 1:10:57 gut angelegte Zeit.

P.S. Auf Heise.de gibt es eine kurze Zusammenfassung des Vortrags

Und das Nuf soll hier auch noch verlinkt werden!

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0 Kommentare zu Zur Lage der Nation

    • pantoufle sagt:

      Nun ja: Der gegensätzliche Standpunkt, den ich allerdings nicht für besonders originell halte. Der Tenor klingt ein wenig wie »die Herrschenden überwachen uns alle, aber mit dem Internet hat das nix zu tun«.
      Wenn ich mal zitieren darf:
      »Netzpolitik. Ist. Bullshit. Punkt.
      Menschenrechte. Müssen. Unteilbar. Sein. Oder sie sind nicht. Punkt.«

      Ja, was denn nu? Entweder Menschenrechte mit dem Recht auf freie Kommunikation oder nicht. Das Netz ist schon lange ein Politikum – ob der Nachtwächter das wahrhaben will oder nicht.
      Aber das sag ich ihm noch selber.

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      • Er liest doch hier auch schon mit, dieser Nachtwaechter, und weiß, dass wir uns noch lesen werden… 😉

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      • Ich finde den Nachtwächter als Gegenstandpunkt sehr gut, auch wenn ich diesen nur bedingt teile. Totalopposition endet im Ghetto. Dennoch, es ist deswegen gut ihn zu lesen, denn bei Lobo gibt es eigentlich immer nur zwei gängige Reaktionsmuster in der Netzgemeinde: „Sascha, führ mich an, ich will ein Kind von dir“ und „Lobo, die Kommerzbitch, is mir egal wat der Irokese sagt.“ Insofern finde ich es gut, dass sich mal einer inhaltlich auseinandersetzt.

        Zu Lobo selbst: Rhetorisch brillant wie immer (ehrlich, bring das mal so rüber wie er), aber letztlich bleibt mir nur die Quintessenz: Wir brauchen hauptamtliche Posten, dazu brauchen wir mehr Geld (von euch allen). Marsch durch die Institutionen nennt er das und das war alles schon mal da. Die Fischers und Rezzo Schlauchs haben ihre Bezüge auch mal so begründet. Ökologie braucht ne Lobby und die muss ordentlich bezahlt werden.

        Er hat ja in der Sache nicht unrecht, wenn alles nicht so laufen würde wie es immer läuft und der Mensch kein Mensch wäre. Ich sehe es kommen: Am Schluss sitzen Beckendahl und Häussler, wenn wir sie gut ausgestattet endlich in die Beletage reinlobbyiert haben, im Aufsichtsrat von Google, VW oder North Stream (haha, scnr) und leben dick, zufrieden und mit 10.000 €-Vorträgen vor dem Bankenverband korrumpiert bis an das Ende ihrer Tage in einem Nest, das alle gemacht haben.

        Fatalistisch, ich weiß.

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      • thom sagt:

        Meine Intention bestand im wesentlichen darin, auch das Gegenstück zu betrachten, dies gehört auch zur Welt und ich fand das Zusammenspiel dieser konträren Beiträge sehr schön. Dazwischen ist viel Raum zum selber denken 😉

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  1. pantoufle sagt:

    Das jemand eine Gegenposition zu Sascha Lobo vertritt, ist ja wohl das Mindeste, was man verlangen kann 🙂
    Aber mal kurz zum Thema, wo wir hier alle gerade so schön zusammensitzen:
    Einen Zusammenhang zwischen Abhören, Bürgerrechten und Internet wird wohl niemand bestreiten. Wenn man sich für den Moment auf diesen Zusammenhang einigen kann, bleibt festzustellen, daß diejenigen, die das Netz als Machtinstrument mißbrauchen, in jeder Beziehung in der besseren Position sind. Wohlgemerkt: Mißbrauchen – nicht mißbrauchen wollen, denn sie tun es bereits und das auf Kosten von Bürgerrechten.

    Sie haben die Macht dazu, das Geld und – am wichtigsten – keine ernstzunehmende Opposition. Die wenigen Organisationen, die mit dem nötigen Wissen ausgestattet sind und sich oppositionell bemerkbar machen können, sind unterfinanziert, mäßig vernetzt, haben keinen politischen Einfluß und müssen sich zudem mit Nebenkriegsschauplätzen abgeben. »Der schreibt für ein Mainstream-Medium«, »der hat rote Haare«, »solange Facebook funktioniert, isses doch egal« und was dergleichen Müll mehr ist.

    Auch ein etwas düsteres Kapitel ist die Ikonisierung derjenigen, die sich Aufgrund ihrer Leistung aus der Masse der »Netzgemeinde« herausheben. Lobo, fefe, Constanze… Sie werden gerne zitiert, weil sie ja »für uns« sprechen; wobei das »uns« solange verbindet, wie das jeweilige Skandälchen in den Schlagzeilen ist. Sind sie auch nach dem Skandälchen in aller Munde, dann sind sie arriviert, angepasst – haben schlimmstenfalls sogar noch ein Einkommen, das über dem HartzIV-Satz liegt. Bürgerliche Scheiße eben.
    Gemeinhin der passende Moment, eine Neiddebatte mit einer gebrachten Leistung zu verquicken. Das endet dann vermutlich kindlich-spektakulär wie bei den Piraten.

    Auf Dauer geht am Weg durch die Institutionen kein Weg vorbei; jedenfalls hat mir noch keiner eine tragbare Alternative aufgezeigt. Die Aufzählung dessen, was dann alles Üble passieren wird, ist zwar nett gemeint, aber unproduktiv. Nennen wir es einfach unvermeidlichen Kollateralschaden auf einem Weg, den die »Grünen/Bündnis90« bereits
    hinter sich haben. Für aktiven Umweltschutz muß man eben zähneknirschend einen Cem Özdemir in Kauf nehmen.

    Über den Sinn des Ganzen kann man allerdings streiten. Um bei dem Beispiel mit den Grünen zu bleiben: Man kann zwar wieder im Rhein baden, aber der Pazifik ist mittlerweile ein totes Gewässer. Die Grenzen menschlichen Handelns eben.

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  2. Stony sagt:

    Hach, die großartige Heldenreise des Sascha L. – bedächtigen Schrittes geht es voran, Erzählung und Protagonist nehmen Fahrt auf: schneller, immer schneller, bis hin zum Stakkato… auf Erschöpfung folgt Besinnung, man spürt förmlich wie er sich sammelt, zum entscheidenden Schlag ausholt, all seine Erfahrung geballt in die Waagschale werfend, ein letzter Schritt nur noch, ein letzter! Und dann wankt und torkelt er doch wieder nur umher, wie so oft, die Scheuklappen halten, fixieren den Blick und die letzte der Fragen stellt sich ihm nicht, entgleitet dem suchenden Blick.
    It’s the … stupid!

    Bin ich zu böse? Ja, sicherlich, wie so oft. Dabei hat er doch eigentlich Recht, und es wäre wahrlich wünschenswert, wenn die „digital Natives“ wenigstens das kapieren würden und Konsequenzen zögen. Das es dabei letztlich ’nur‘ (<- groß, fett, wichtig!1!!) um ein 'weiter so wie gehabt' geht: geschenkt. Wär' ja wenigstens mal was! Ein Stückchen 'Freiheit'…

    Als er mit Marcuse kam dacht ich: jetzt kommt's, jetzt hat er's! Denkste, Pustekuchen. „…Zwecke und Interessen der Herrschaft … gehen schon in die Konstruktion des technischen Apparats selbst ein…“ Und was folgt daraus: Laßt uns unsere Zwecke und Interessen an der so geschaffenen Technik mit einer anderen (ebenso geschaffenen) Technik gegen ebenden Zweck und die Interessen die hinter deren Schaffung stehen ein klein bißchen verteidigen (gebt Geld, laßt Lobby machen!). Juhu, schallt es da aus dem Saal, laßt uns das System von innen heraus … aber ohne das System kaputt zu machen – freilich, wo kämen wir sonst hin! Das Ding stinkt, aber es funzt, ganz sicher, müssen nur feste die Daumen drücken…

    Zweckoptimismus vom Feinsten.

    Hab‘ ich ’ne Alternative? Nee!
    Wenn, dann les ich davon sicher bei flatter, das ist zumindest mein ‚Optimismus‘.

    Daß das rumfrickeln am System dieses länger am Leben hält ist schon systemisch. Daß man sich durch diesen ‚Kampf von Innen heraus‘ mit dem System gemein macht, Teil von ihm wird/bleibt und in ihm (vollends) aufgeht, ist die Lehre, die uns nicht erst die Grünen aufzeigten – die Gewerkschaften (womit die APO imo auch abgehakt wäre) haben da auch schon ordentlich Scheiße gebaut (hat wer draus gelernt?).
    Der Vergleich Rhein-Pazifik wirkt auf mich schon fast (unfreiwillig?) komisch Pantoufle, was nicht bös gemeint ist, weil: ich, ich ganz allein, muß halt nicht optimistisch sein, verstehe allerdings, warum andere Menschen sich ihren Zweckoptimismus bewahren müssen.
    So isses halt.

    Mißbrauch sehe ich übrigens keinen – was ich sehe ist Gebrauch. Solange das nicht in den Köpfen der Masse ankommt, ist nicht mal ein Keim von Hoffnung zu befürchten. Was Lobo will, wie der Großteil der „Netzgemeinde“ (incl. der meisten netzpolitisch Aktiven) mE, ist doch faktisch ein Parallelsystem im System – der K. der’s ermöglicht soll bitte bitte (mimimi) nur nicht seine häßliche Fratze zeigen! Pipi-Langstrumpf-Syndrom…

    Sorry, aber das mußte raus.

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  3. pantoufle sagt:

    Moin Stony

    »…entgleitet dem suchenden Blick.«
    Da fehlt jetzt noch die Szene mit dem sterbenden Schwan und dem verblassenden Gefieder – ansonsten war da schon viel Schönes drin. Ich bin sicher, Du kannst es noch besser! 🙂

    Nebenbei habe ich heute mit einem Auge die Kommentare verfolgt, die auf die Rede Lobos im Netz herumschwirren. Sehr lustig: entweder Sascha ist doof, die Netzgemeinde ist doof oder das Internet ist doof kaputt. Auf jeden Fall wissen sie es alle, alle besser und haben das auch schon vor langer Zeit gesagt. Jetzt schimpfen sie, daß es schon fast lustig ist. Oder peinlich – aber das merkt man selber nicht so schnell.
    Das macht nicht gerade Mut, wenn das repräsentativ diejenigen gewesen sein sollten, die Lobo versucht hat anzusprechen.
    Zweckoptimismus? Begrenzt und garantiert nicht vom Feinsten.

    »Als er mit Marcuse kam…« und mitten im schönsten Fabulieren merkte, mit einer riesenhaften Kanone auf entsetzlich winzige Vögel zu ballern – ja, da dachte ich auch, daß es ihn jetzt endgültig hat.
    Zumal dieser Abteilung zu den schwachen Punkten des Vortrages zählte. Das kann er Politikern erzählen, für die das alles Neuland ist; bei den Nerds, die vor ihm saßen, halte ich es für Zeitverschwendung. Die Allermeisten der Angesprochenen haben ein durchaus gefestigtes Bild vom Internet. Und bei den anderen muß man erheblich tiefer ansetzen. Bedauerlicherweise ist die Mehrzahl der Internetbenutzer, die sich für »Bürger« des Netzes halten, tatsächlich meist an einem »weiter so und das für umsonst« interessiert. Was im Übrigen nicht unnormal oder besonders bemerkenswert ist: Das ist immer so! Da ist immer irgendwo eine Avantgarde und dahinter ein Haufen Schafe. Daß sie alle mal gleichzeitig auf die Straße rennen und gucken, was man mit Mistgabeln und Pechfackeln noch so alles machen kann, ist extrem selten. So selten, daß die Geschichtsbücher solchen Ereignissen meist ein ganzes Kapitel widmen, um es genüßlich in den Boden zu stampfen.

    Ja, das mit der Alternative. Ich fürchte, es gibt keine. Es wird so kommen, das jämmerliche Spiel mit den Institutionen. Es geht eigentlich nur noch darum, wer mitmischen darf und wer nicht. Es geht auch nicht darum, den seligen Zustand von Arpanet wieder herzustellen. Das höchste der Gefühle kann eine Schadensbegrenzung sein. Mehr ist nicht und deshalb der Rhein und nicht der Pazifik 😉 Wer nun in der ersten Reihe mitmischen wird – ein Lobo, eine Kunze oder irgend ein Troll, der laut auf den Fingern pfeifen kann – ist nebensächlich. Erstaunlich oft hört man bereits jetzt das »Geld« – Wort. Die Schlammschlacht hat also bereits begonnen.
    Mein Optimismus? Ein ganz zartes Pflänzchen.

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    • Na das klingt ja schon weniger blauäugig. 🙂

      Natürlich ist Lobo ein Verkäufer und vermarktet sich in erster Linie selbst. Wenn die Lobby aufgebaut ist, wird er auch in vorderster Linie stehen, wenn die Pöstchen verteilt werden, ist doch klar. Aber das braucht es auch, es braucht Leute, die eine Sache verkaufen können. Die Grünen brauchten einen Fischer so wie wir den Lobo brauchen.

      Weißt du, früher dachte ich immer, dass Leistung und guter Wille alleine reicht, um vorwärts zu kommen, etwas zu bewegen. Ist nicht der Fall. Reicht nicht. Man muss sich und das was man will auch verkaufen können. Musste ich lernen. Kann ich jetzt. Und es funktioniert.

      So ist es auch mit der Netzgemeinde. Es reicht nicht, dass wir wissen, dass wir die Guten sind, es braucht auch einen, der das verkauft und die Kanäle hat, um dieses Wissen an den wichtigen Stellen zu platzieren. Und der darf für den Job gerne gut bezahlt werden.

      Das Problem ist und das habe ich oben kurz angerissen, dass die Sache auf längere Sicht degeneriert. Es entsteht das Übliche: Ämterhäufung, Filz, wie in einem Borgwürfel wird derjenige assimiliert und korrumpiert und das mit allen Konsequenzen. Patronage, Kompromisse, Verwässerung. Manchmal sogar deutliche Korruption. Und dann haben wir die zehn Aufsichtsratsposten bei fragwürdigen Unternehmen, dann haben wir das Mietmaul für 10.000 € pro Vortrag vor dem Bankenverband, dann haben wir die Einladungen der Lobbyisten, den Führungsjob für die Partnerin bei Yahoo, Dell, Facebook und dann über kurz oder lang die Zustimmung zu einer Vorratsdatenspeicherung light mit dem Segen der Exponenten der Netzgemeinde, die nicht mehr das sind, was sie mal waren.

      Der Mensch ist so. Irgendwann sitzt ein Fischer bei BMW und ein Rezzo Schlauch bei EnBW. Und ein Lobo bei Vodafone (scnr). So ist das halt.

      Dennoch: Es braucht Lautsprecher. Es braucht Verkäufer. Man muss sie nur irgendwann wieder einfangen bevor sie abheben.

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    • Stony sagt:

      Moin Pantoufle,

      die Watschn hab ich mir natürlich verdient, den Scheiß sollte ich mir langsam mal sparen, ist nicht mehr als aus dem Kleinhirn in die Tastatur pupsen. Guter Stil ist das nicht, letztlich bin ich da Lobos Selbstinszenierung, von der ich in dem Moment so angepißt war (nebst seinen Schuldzuweisungen etc.), auf den Leim gegangen: er will das, braucht das, kokettiert allenthalben damit – und diese Klaviatur spielt er hervorragend. Mein Fehler.

      Danke dir, manchmal brauch ich das… 😉

      ***

      Und sonst? Auf Schadensbegrenzung wird es wohl hinauslaufen müssen, völlig richtig, realistisch betrachtet sind Menschenrechte und Freiheit (wirkliche, nicht das, was uns die Neolibs und Konsorten als solche verkaufen wollen) als Argumente nur ein feuchter Traum. Die einstweilige Entscheidung für Netzneutralität (mit Einschränkungen wohlgemerkt) auf europäischer Ebene (durch ist das auch noch lange nicht gänzlich) haben die Leute von EDRi und Co. ja leider nur mit wirtschaftlichen Argumenten erreicht – in sich ist das nur logisch und konsequent, nur gefällt mir die Richtung in die das geht mitnichten. Aber mein Geschmack ist auch nicht der der politischen Realität, wer leckt schon gern an vollen Kübeln.

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  4. pantoufle sagt:

    Moin Kiezneurotiker
    Schöner Text das, der auf Deiner Klitsche 🙂
    Nur noch ein kurze Anmerkung: Wenn Lobo von einem Lobbyistenverein spricht, den es zu gründen gilt, scheinen viele zu übersehen, daß es davon bereits diverse gibt. Google ist einer wie die Telecom, Vodafone und wie sie alle heißen. Nichts Neues also, nur daß keiner von »uns« mitmischt. Die Frage der Netzneutralität wird nicht bei Netzpolitik.org entschieden, sondern bei Google & CO. Und daran wird sich in Zukunft auch nichts ändern. Deswegen Sascha Lobo zu Vodafone – als Mietmaul. Daran ist erst einmal gar nichts auszusetzen.

    »Man muss sie nur irgendwann wieder einfangen bevor sie abheben.«

    Das hatten wir gerade: Der BDSM-Club nannte sich Piraten und sorgte dafür, daß ihre Köpfe ohne Parteitagsbeschluß nicht mal allein an die Pissrinne durften. Basisdemokratie als Variante der Garrotte.

    P.S. Da ist so eine eigenartige Diskrepanz zwischen Deiner Link – und Artikelüberschrift 😉

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  5. Pingback: Sascha Lobo über Spähradikale Anti-Demokraten und das Versagen der Netzgemeinde | video51

  6. Joachim sagt:

    Gegenposition? Also gut.

    Ein komisches Bild vom Netz habt ihr da. Unser Straßennetz ist defekt, weil überall Kameras Nummernschilder scannen? Müssen wir nun für Straßen aufstehen und demonstrieren? Fordern wir die Freiheit der Infrastruktur um den Weg in den nächsten (Konsumort ihrer Wahl) zu finden?

    Oder hat Reisefreiheit doch mehr mit dem politischem System zu tun?

    Nun, das ist fast ein Autovergleich und hinkt deshalb auch. Doch der Gedanke, dass Kontrolle und Herrschaft grundsätzlich in Technik eingebaut ist, ist nicht ganz so dumm. Lobo müsste darauf hinweisen statt Technik (Netz und sich) in den Mittelpunkt zu stellen. Netzneutralität (deren Verletzung) etwa zeigt sehr schön, wie sich die technische Ebene mit der Kommerziellen und der Politischen gegen die Interessen der Bürger verbündet. Andere Beispiele sind Zensur und Filter oder die Erschaffung eines Kommerz-Saubernetzes (und innerdeutsche Mail grenzt an nationalistische Gedanken).

    Das ist nicht das Problem des Netzes. Das ist das Problem in den Köpfen der Politik und Wirtschaft. Wir finden das bei der Handyortung, beim Unfallalarm im Auto, beim E-Pass, der Gesundheitskarte, umfassenden Datenbanken, Rasterfahndung, internationale Verträge wie ACTA und Co. Technische Inkompetenz gepaart mit zweifelhaften Glaubensgrundsätzen (etwa an Marktwirtschaft oder …) machen nicht das Netz defekt. Sie machen es wohl aber unbrauchbar, weil sie Demokratie, Politik und Gesellschaft verletzen und regulieren. Da ist der Fehler.

    Na ja, der Netz nur als Stream im WWW kennt, als Radio oder TV und einzig als Geldquelle begreift (schon Brecht war da weiter), der dürfte das nicht verstehen.

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  7. pantoufle sagt:

    … es wird leicht unübersichtlich…

    @ Stony

    Vollkommen falsch verstanden! Ich fand Deinen Anfang echt gut! Das ging mir auch so – im Gegensatz zum Kiezneurotiker halte ich Lobo nicht für einen besonders guten Redner. Er kann formulieren; reden ist etwas anderes. Den sterbenden Schwan hat er während seines Vortrags ein paarmal gemacht. Wenn das mehr als zwei Male kommt, werde ich immer nervös (30 Jahre Showbizz!). Das ist dann immer so wie »und jetzt denken wir alle mal an etwas gaaanz Trauriges«. Die einzige Person, die ich kenne und die das auch über 1½ Stunden erfolgreich durchziehen kann, heißt Aki Kaurismäki.

    Der Rest full Ack

    @Joachim

    Bleiben wir ruhig bei den Straßen: Wir sollten vielleicht tatsächlich aufstehen und gegen eine kaputte Infrastruktur demonstrieren, die trotz der immens hohen Steuern weiter und weiter verkommt. Was haben die denn mit all dem Geld gemacht? Und jetzt erzähl mir keiner was von HartzIV. Die staatlichen Institutionen ziehen sich konsequent aus allen Bereichen aus der Verantwortung. Beim Straßenbau, bei Großprojekten und eben auch beim Thema Internet. Übrig geblieben ist ein Selbstbedienungsladen, bei dem die Politiker die Funktion von Auktionatoren haben, die der meistbietenden Heuschrecke den Zuschlag erteilen.
    Lobo hat streng genommen nur gesagt, daß uns das Kapital zum Mitbieten fehlt. Ganz unrecht hat er nicht.

    Ich hab übrigens mal den Beitrag von »das Nuf« unter den Text geklebt. Der Kiezneurotiker hatte sie verlinkt, was mir erst jetzt aufgefallen ist. Das ist ziemlich gut, was sie zu sagen hat.

    Stichwort Kiezneurotiker: Der arme Kerl hat jetzt in seinen Kommentaren genau ein paar von denjenigen, die wohl bereits nach sieben Minuten weggehört haben. Das war , glaube ich, der Zeitpunkt, als zum ersten Mal das Wort »Geld« auftauchte 🙂
    Sie kapieren es nicht.
    Automat – Münze – Kaffee.
    Keine Münze, kein Kaffee.

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    • Joachim sagt:

      Sorry, dieser (mein) Post ist jetzt sehr schnell hingekloppt. Er soll auch nicht zwingend alles negieren…

      Dennoch ist nicht das Netz defekt, sondern die Politik. Bitte nicht Ursache und Wirkung verwecheln. Und wer vor allen Dingen ist „uns“? Ist das die Telekom? Sind das die Blogger? Sind das die Internetnutzer? Aus Sicht eines Bloggers stimme ich dem Kiezneurotiker gerne zu. Nur reicht das nicht. Lautsprecher sind okay.

      Doch bedenke, dass es Menschen gibt, die keine Stimme haben. Es hat nicht der Recht, der laut ist. Selbst Lobo irrte nach eigener Aussage. Für wen soll also Geld gegeben werden? Für die Piraten? Für netzpolitik.org? Für freie Software? Natürlich, nur wichte diese nicht annähernd vollständige Liste einmal. Demokratie sieht dafür andere Möglichkeiten vor. Lobos Forderung ist die Bankrotterkärung der Demokratie.

      Probleme sind an der Ursache anzugehen. Ursachen sind wirtschaftliche Interessen, die bis über alle Grenzen hinaus ausgedehnt werden. Ursachen sind Geschäftsmodelle, die „Brechts Radiotheorie“ entgegenstehen. Ursachen sind Geheimhaltungsinteressen, politische Macht und all zu oft zu primitiver Glaube bis hin zur Ideologie. Es ist einfach: Politik, die Demokratie im Geiste des Grundgesetzes etwa, ernst nimmt, die wird z.B. die Liste unter „Wir finden das bei…“ wenigstens zur Kenntnis nehmen. Der Zweck heiligt keine Mittel.

      „Reparieren“ wir das Netz, so wird das nicht das geringste Nutzen. Etwa die VDS umfasst doch nicht nur das Netz. Die dahinter stehenden Ansichten wirken sich überall aus und schaffen eine Gesellschaft des Misstrauens und der persönlichen Vorteilsnahme. Man sollte doch zu minimalen Transferleistungen fähig sein…

      Reparieren wir die Politik, die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen, so wird das Netz von selbst geheilt. Alleine der Punkt Bildung macht unzählige unsinnige Diskussion, etwa zu Netzsperren, Jugendschutz, Leistungsschutzrecht, Urheberrecht, illegale Netzinhalte, Überwachung, die Gefährlichkeit von big data vollkommen überflüssig – wengistens dann, wenn man ein Rechtssystem (ähnlich wie unseres) für eine logisch sinnvolle Konsequenz hält. Tut man das nicht, so sollten wir das Grundgesetz aufgeben.

      Darüber hinaus existiert ein weiteres Argument. Das Netz ist nicht nur WWW und schon gar nicht web 2.0. DE-Mail und Mail sowieso verhungert einfach. Gesetze zur Mailüberwachung sind heute schon einfach überholt. Wenn soetwas geschieht, dann ist klar, dass dieses Gesetz Blödsinn war. Gesetze müssen Regeln unabhängig von den Realisierungsmöglichkeiten von „Verbrechen“ aufstellen. Der Zweck muss klar definiert im Einklang mit dem Grundgesetz im Vordergund stehen und nicht die technische Realisierung. Ein solcher Zweck ist eindeutig das Kommunikationsgeheimnis im Grundgesetz. Ich wüsste nicht, wie Überwachung ohne Anlass damit im Einklang zu bringen wäre. Wenn überhaupt, dann brauchen wir eine Lobby für Demokratie.

      Das Netz als Spiegel der Gesellschaft zeigt nur, wie (Bürger, Staat, Wirschaft und Behörden) defekt wir selbst sind.

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  8. flatter sagt:

    Gutes Beispiel vom Kiezneurotiker: Joschka Fischer: Es braucht Lautpsrecher, um zu kanalisieren, zu fokussieren, zu personalisieren – und die guten Ideen gründlichst zu pervertieren. Was willst du da nachher „einfangen“? Die ganze Überwachungskacke und Netzkontrolle ist doch kein Selbstzweck. Das folgt der Logik des letzten Gefechts um Pofitraten und Herrschaftsstrukturen, dem Kapital und seinen Zwängen. Dem sollen jetzt also alle Gutmeinenden mit ihrem Geld dienen, wie rührend! Sorry, Mr.Anderson Stevenson, das ist ein furchtbarer Kappes. Ich verstehe auch nicht, wieso ausgerechnet solche Leute unterstützt werden sollen, die schon am Start als egozentrische Poser entlarvt sind. Da schenke ich lieber dem militanten Scriptkiddie von nebenan, um kaputt zu machen, was kaputt macht. Dabei kann wenigstens theoretisch etwas herumkommen.

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    • Na, es geht doch gar nicht um Lobo oder um Fischer, es geht um jemanden, der sich da vorne hinstellt und die Pflöcke einhaut, einer, der die Netzwerke hat, die es braucht, um etwas zu verändern, um die Netzneutralität zu verankern, die Vorratsdatenspeicherung zu verhindern, die flächendeckende und vor allem anlasslose Überwachung zu verbieten.

      Dazu braucht es jemanden, der dafür arbeitet und ackert, der Koalitionen schmiedet, der Netzwerke aufbaut und dafür nutzt. Ein Scriptkiddie nutzt mir nix, das baut ein bisschen Scheiße und landet irgendwann im Knast. Oder bei Siemens, wo es viel Geld dafür bekommt, Sicherheitslücken zu identifizieren. Nutzt mir nix, hab ich nix von. Da kann ich auch mit Polenböllern Briefkästen platzen lassen. Nee, von jemandem, der in die Entscheidungsebenen reingeht – genau dahin wo es uns zu eklig ist – und dafür sorgt, dass sie uns nicht mehr per se zu Verdächtigen machen, davon hab ich was. Es muss Leute geben, die für uns Entscheidungen umbiegen wollen, die lobbyieren wollen. Die andere Seite macht es nämlich auch und zwar besser als wir.

      Weißt du was? Mach du es doch. Ehrlich, das wäre mir hundertmal lieber als Lobo. Dich müsste man wahrscheinlich nicht einfangen irgendwann. Dich würden sie nicht kaufen wollen. Stell dich vorne hin, halt ne Brandrede, mit Powerpointpräsentationen, die durch lustige Gimmicks aufgelockert werden, damit die Leute nicht einschlafen, reiß die ganzen Phlegmatiker, die ganzen iPhone-Tagediebe mit, schwör sie erst ein und dann geh da rein wo die Entscheidungen getroffen werden. Für uns.

      Mensch, es geht doch gar nicht um Lobo, aber wenigstens will es einer machen und der hat sogar Charisma. Der Rest sitzt doch entweder im selbstgemachten Ghetto, spielt an sich selbstboder mit den neuesten Spielzeugen vom angebissenen Apfel rum oder versucht als Blogger bei irgendeiner Medienmaschine unterzukommen. Aber keiner von denen stellt sich vorne hin und sagt „Okay, ich geh jetzt da rein und ich brauche Backup.“ Und die paar, die es vielleicht machen würden, haben weder das Netzwerk noch das Know-how noch das Charisma, das es braucht, Entscheidungsgsträger auf seine Seite zu ziehen.

      Ich wäre für jeden dankbar, der es statt Lobo macht. Ich zahle gern dafür. Und das mache ich, weil ich das nicht bin, der das bringt und im Namen einer Sache da reingeht wo die ganzen Leute sitzen, die ich gar nicht leiden kann, mit denen ich nichts zu tun haben will und denen ich nicht mal die Hand geben würde. Das muss einer machen, der es kann. Also, wer macht’s statt Lobo? Im Moment sehe ich leider keinen, aber vielleicht schaue ich auch nur nicht so genau hin.

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      • „Dich würden sie nicht kaufen wollen.“.

        Scheiße geschrieben. Können statt wollen sollte es sein. Wollen würden sie schon aber wahrscheinlich nicht können. Ich brauch noch nen Kaffee… und nen hauptamtlichen Lektor. 🙂

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        • flatter sagt:

          Der Satz war aber genau richtig. und weil sie mich nicht kaufen wollen würden, werden sie mich nicht lautsprechern lassen. Ich habe sehr nachhaltig den Eindruck, dass Korrumpierbarkeit, am besten solche, die schon früh erkennbar ist, ein wichtiges Kriterium ist, um von Entscheidern in den Medien wargenommen zu werden. Die wollen keine Fanatiker, schon gar nicht solche, die weder lügen noch die Hand aufhalten. Wie soll man denn solche Leute kontrollieren?
          Da kommt eines zum anderen. Ich finde Lobos Rede übrigens zum Gähnen, schon seine Intonation ist für’n Eimer. Du musst dir gut überlegen, was du sagen darfst und wie du dich gegenüber wem verhältst, wenn du dich „gut vernetzen“ willst. Das ist das, was ich meine. Deshalb ist es egal, wer es macht, aber eben nicht, wie er es macht. Leute, die nach einer dem Kapital feindseligen Haltung riechen, sind von vornherein draußen. Ich bin auch nicht der Ansicht, dass sich jemand, der von Einnahmen durch seine Lobbyarbeit abhängig ist, überhaupt etwas halbwegs Ehrliches zustande bringt auf die Dauer.
          Schließlich: was macht denn Lobo? Lässt sich aushalten als Kasperle der Großmedien. Das müssen die erst mal wollen, das kann niemand einfach mal machen.

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          • Ich denke nicht, dass es eine Frage von „lautsprechern lassen“ ist. Das geht schon wieder in Richtung Verschwörungstheorie, die davon ausgeht, dass irgendwo ein Konglomerat alter weißer Männer / Bilderberger / Rothschilds oder – ganz aktuell – die FED sitzt und darüber befindet, wer was werden darf und wer nicht. Das ist einfach und bequem, aber ich glaube nicht, dass es so läuft.

            Ich denke, es läuft anders herum. Es bilden sich aus einer Gruppe Köpfe, die a) eine Position haben, die von vielen geteilt wird, und über das notwendige Faktenwissen verfügen, b) Charisma haben und Leute mitreißen können und c) halbwegs gut aussehen (sorry, is so). Solche Gestalten sind selten genug, aber wenn a, b und c zusammenkommen, werden diese Charakterköpfe mehr oder weniger automatisch an die Spitze einer Sache gespült und formulieren das, was eingebracht werden soll an diejenigen, deren Position man ändern möchte (Entscheidungsträger, Machthaber wenn du so willst). Und dann erst wird versucht werden, diejenigen zu korrumpieren. Wobei das meist gelingt, da gebe ich dir ausdrücklich Recht.

            Schau mal, Fischer zum Beispiel: Putztruppe, ein Revolutionär mit Stein in der Hand, ein sehr guter Redner, sah mal gar nicht so schlecht aus, wurde dann an die Spitze des politischen Arms der Ökologiebewegung gespült. Da saß doch keiner irgendwo im Glaspalast, der Fischers Persönlichkeitsprofil analysiert und sich dann gesagt hat: „Hey kuck mal der Steineschmeißer da, den bauen wir perspektivisch mal zum Außenminister auf, der kann die ganzen Ökohippies fein befrieden.“ Nee, glaub ich nicht. Das lief anders herum.

            Um zurück zum Beispiel zu kommen: Die Grünen haben bis zur Regierungsübernahme 1998 einiges bewegt (danach auch, okay, aber überwiegend nicht zum Guten). Und ab dann wurde Fischer korrumpiert und ist das, was er heute ist: Ein schmieriger Lobbyist. War halt eine Enttäuschung, schöne Scheiße, aber an der Sache an sich ändert es nichts: Es braucht erst mal Charakterköpfe, um einem Thema Gehör zu verschaffen, und wenn diese Charakterköpfe sich vielleicht noch als aufrichtig und unkorrumpierbar herausstellen, umso besser. Vielleicht ist Lobo ja so einer, ich kenne ihn nicht persönlich. Vielleicht nicht, dann Pech. Man kann es ja mal versuchen. Mir fällt kein anderer derzeit ein, der eine schlagkräftige Lobby für ein freies Netz aufbauen könnte.

            Deswegen: Hast du Charisma, siehst gut aus und kannst Menschen mitreißen, stell dich vorne hin und fang damit an, Seelen zu fangen. Oder ermutige einen, der es kann. Von Anfang an raus ist, glaube ich, keiner, es sei denn er propagiert Gewalt.

            Ich für meinen Teil bin nur ein mittelmäßiger Redner, ich muss beruflich Powerpointpräsentationen vor chronisch gelangweilten Menschen halten, man schläft bei denen zwar nicht ein, aber Euphorie sieht auch anders aus. Also bin ich eindeutig ungeeignet, irgendwen mit meinem Mundwerk mitzureißen (es sei denn ich bin besoffen, aber das ist ein anderes Thema). 🙂

            Es ist leider meine Überzeugung geworden (die ist gewachsen mit den Jahren): Ohne solche (Licht-)Gestalten läuft gar nichts, denn ohne diese winkt das Politghetto (aka Filterbubble), denn auf eine Revolte kannste lange warten (die übrigens allzu oft auch nichts bewirkt oder besser macht, e.g. Spanien, London, Pariser Banlieues, arabischer Frühling).

            Schön ist das alles nicht, weiß ich ja. Alternativen in Sicht? Ich wäre ein dankbarer Abnehmer.

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          • flatter sagt:

            Oh my, es gibt doch nicht bloß Verschwörungen hie und komplexe soziale Prozesse dort. Menschen werden korrumpiert, das ist das Eine. Menschen, die sich nicht korrumpieren lassen, werden von allen ausgeschlossen, die das Spiel mitspielen. Der Zwang aus Geld mehr Geld zu machen, ist keine Verschwörung, sondern das System, in dem wir leben. Was die Medien anbetrifft, ohne die du eben nicht gehört wirst, da haben wir es mit öffentlich-rechtlichen zu tun, die sowohl vom Kapital abhängen als auch von Parteien, was auf dasselbe hinausläuft wie bei den Privaten, die selbst Konzerne sind. Das Ganze ist nicht bloß von Kapitalinteressen unmittelbar abhängig, sondern ebenso maßgeblich von Lobbyorganisationen durchdrungen – von denen der Konzerne wie denen der „Atlantiker“, die wiederum ein Konglomerat sind aus Clubs der Kapitaleigner und solchen, die geostrategischen Zielen folgen, was schon wieder auf dasselbe hinausläuft. Glaubst du, es es sei ein Zufall, dass Fischer sich zum Führer der Grünen und Vernichter von deren Programmatik aufgeschwungen hat? Dass Ebermann, Trampert und Ditfurth im medialen Exil verschwunden sind? Dass ein Nützlicher Idiot wie Claus Kleber als Propagandamillionär sein Unwesen treibt (schau dir mal dessen Vita an)? Ist der charismatisch? Kann der irgendwas? Glaubst du, die schwarzen Flecken auf den Westen werden zufällig hie in Großaufnahme gezeigt und dort übertüncht, weil jeder kriegt, was er verdient? Ich bin dezent irritiert. Jeder ist erpressbar, wenn schon nicht korrumpierbar. Das ist das Tagesgeschäft derer, die Angst um ihre tollen Jobs haben. (Vorauseilender) Gehorsam ist keine Verschwörung, er ist Resultat der Machtverhältnisse. Du willst mit guten Reden und Charisma dagegen halten? Come on, wenn das geht, haben wir denselben Dreck mit reduzierter Komplexität und noch konzentrierterer Macht. Guxu Berlusconi, guxu Grillo. Das wären die Alternativen.

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          • Unsere Spalten werden immer kleiner. Irgendwann haben wir einen Buchstaben pro Zeile, dann wird’s echt knifflig. 🙂

            Ebermann, Trampert und Dithfurt haben eines gemeinsam: Ihnen fehlt jeweils ein Merkmal, um Erfolg zu haben: Sympathie und/oder Charisma. Dass Jutta Dithfurt außerhalb ihrer Filterblase so negativ rüberkommt, liegt nicht daran, dass eine unsichtbare Kraft sie davon abhält, Erfolg zu haben, sondern weil sie die Ausstrahlung einer verhärmten Frauenbeauftragten hat, die heute noch die Kriege der K-Gruppen durchfechtet. Keine Allianzen, keine Kompromisse, kein freundliches Lächeln, kein Verkaufen. Ich habe sie auf einer Podiumsdiskussion erlebt und sie spricht mich nicht an. Null. Diese Fremdworte. Diese Stakkatosätze. Dieses Verbissene. Diese aufbrausende Aggressivität. Das schafft doch schon bei den Gutwilligen Angst und Angst schafft Abneigung. Damit überzeugt man keine Mehrheiten und die brauchen wir doch, oder? Brauchen wir die?

            Hey, solche Aggrobombenteppiche können wir als Blogger machen, die wir wissen, dass wir nie den Einfluss haben werden, den es braucht, um eine Gesellschaft zu ändern und die wir uns um uns selbst drehen, aber bitte nicht jemand, der im Namen einer Sache in die Entscheidungsebenen hineingehen soll, die von einer (guten) Sache überzeugt werden sollen. Den Job müssen Verkäufer machen, die können das. Ja, das sind Grillos, das sind Jepsens, warum haben wir solche Leute nicht und müssen stattdessen Lobo nehmen? Wieso haben die anderen die? Ich möchte einen Jon Gnarr als Bürgermeister haben. Wieso gibt es den hier nicht? Wieso bringt dieses Land so einen nicht hervor, sondern immer nur die alten verkniffenen kalten Krieger in ihren Schützengräben mit dem Charisma einer Panzerfaust oder gleich die angepassten Eierköpfe, die nur einen Platz suchen, an dem es warm rauskommt?

            Letztlich läuft es bei der Frage, die wir hier diskutieren, auf die alte Konfliktlinie Revolutionäre vs. Reformisten hinaus. Die Argumente sind wahrscheinlich schon seit der russischen Revolution ausgelutscht und wahrscheinlich liegen wir beide falsch: Du wirst keine kritische Masse für eine Revolte bekommen, deren Wirkung eh mehr als fraglich wäre, wenn du sie bekämst (vgl. arabischer Frühling, Banlieues) und die Leute, die ich permanent als meine Interessensvertreter ansehe (und bezahle, denn das mache ich jetzt schon), werden regelmäßig gekauft, deformiert und ihre Ansichten pervertiert – und das tatsächlich immer, da kann ich zahlen, was ich will.

            Also, was tun wir jetzt? Ich will Netzneutralitàt. Keine VDS. Keine Überwachung. Wie krieg ich das? Ich weiß es doch auch nicht.

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          • pantoufle sagt:

            Einfach
            nicht
            unter
            Antwort,
            sondern
            neu
            mit @Name
            beginnen
            [gruß
            der
            Säzzer]

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  9. Stony sagt:

    Pantoufle!

    Angesichts meiner unfaßbaren Ironiesperzeptionskompetenz hatte ich gerade beschlossen mich in ein Schwert (ein ungekühltes!) zu stürzen, mußte aber, ob des nicht unwesentlichen Mangels eines solchen in näherer Reichweite, dies Unterfangen aufgeben und beschloß darob es mit Akupunktur Perforation diverser Körperpartien mittels eines Cocktail Pickers zu versuchen, was, man mag es mir glauben, bei äußerst mäßigem Erfolg, letztlich nicht zu einem wünschenswerten Ergebnis führte – die Dinger sind einfach nicht spitz genug! – weshalb ich dies Werkzeug nun seiner eigentlich Bestimmung zuzuführen gedenke.

    So verbleibe ich einstweilen mit der Erkenntnis
    Seppuku ain’t easy!

    Cheers! 😉

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