Zeit für eine Zwischenbilanz

„Ooooskar!“
Kampfhund Oskar hört wieder schwer. „Bring die Tüte mit den Chips mit – Wasser und Bier steht hier schon!“
Oskar hat eine weiche Seele, ein seidiges Fell und ein entsetzlich gefährliches Gebiss und würde seine furchteinflößenden Reißzähne niemals nie in die Tüte treiben: Er trägt sie vorsichtig mit zarten, kaum sabbernden Lefzen.

„Komm her, braves Tier – wir machen uns einen vergnüglichen Abend vor dem Monitor. Es gibt spannende Neuigkeiten. Der CCC hat den Bundestrojaner gefunden, analysiert und veröffentlicht. Die FAZ, das der linken Umtriebe vollkommen unverdächtigen Blatt, hat es gedruckt.“

„Hmmm… das ist aber nicht besonders schlau: Sie hätten es still und heimlich an interessierte Linke und die Virenscannerproduzenten weiterreichen sollen! Wenn ich mal so bellen darf!“

„Ja, das habe ich eigentlich auch im ersten Moment gedacht. Aber das Ding war so dermaßen grottenschlecht programmiert, daß es sogar in beide Richtungen zu einem Virus wurde: Die angreifende Behörde war genau so verwundbar wie der Terrorist, bei dem es auf dem Rechner lag. Und da ist den Mädels und Jungs vom CCC einfach der Humor durchgegangen und sie konnten der Versuchung nicht widerstehen, diesen gefrorenen Mist zusammen mit einem Hagel von Ohrfeigen an die dafür verantwortlichen Programmierer zu veröffentlichen.“

„Hut ab: Das war dann ja richtig staatstragend! Der CCC hat also Schaden von Behörden Deutschlands abgewendet!“

„Ja, das hat der Unions-Bundestagsfraktionsvize Günter Krings auch gesagt. In der Neuen Osnabrücker Zeitung forderte Krings: der Club solle an der Aufklärung mitwirken und sein Wissen einbringen, um das Internet sicherer zu machen. „Das wäre tatsächlich ein Dienst an unserem Gemeinwesen.“

„Ah, jetzt verstehe ich: Der CCC hat das gelesen und sich danach auf die Suche nach dieser Anfängersoftware gemacht, um das BKA vor nicht wiedergutzumachenden Schäden zu beschützen!“

„Ähhh – nicht ganz: Das hat er nach der Entdeckung des Trojaners gesagt! Das ist öfter so bei den untergeordneten Chargen der Politiker. Das muß irgendwie mit den überlichtschnellen Neutrinos zusammenhängen… Die Frage kann neuerdings durchaus nach der Antwort kommen.“

„Verzeihung, Boss, wenn ich – nach alter Hundesitte – mal eben auf die Hinterbänkler der dritten Garnitur meinen Haufen ablege. Da muß doch ein richtiger Politiker, eventuell sogar einer, der damit etwas zu tun hat, seinen Senf dazugeben. Innenminister Friedrich zum Beispiel! Der hat den Dreck doch am Stecken!“
„Der ist in Afghanistan“
„Der ist wo?“
„Afghanistan. Liegt so ganz grob zwischen dem Iran und Pakistan“
„Ach?!? Ich dachte, der wäre Innenminister?“
„Ja, grundsätzlich ja… solange wir aber keinen Außenminister haben…“
„Ist der auf der Flucht?“
„Scheint so“
„Na schön, dann bleiben ja tatsächlich nur noch die unterbemittelten Lückenbüßer des Bundestages übrig. Da der Hund als Rasse mit einer unschlagbaren Nase gesegnet ist, darf ich als hervorragender Vertreter dieser Gattung ja wohl die Vermutung äußern, daß man in diesem Fall wie üblich Kasper und Seppel – genauer gesagt: Bosbach und Wiefelspütz vor die Mikrophone getreten hat. Außerdem wird Hans-Peter Uhl sicherlich wieder sein Bein heben“

„Du bist nicht nur ein braver Hund, sondern auch ein kluger! Genau so ist es gewesen. Während diverse Ghostwriter noch an einer Meinung für Frau Merkel schreiben, durfte dieses Trio schon mal vor die Kamera. Uhl war so ultra-rechts staatlich überdreht, daß er eine Überwachung der Telekomunikation vor der Entschlüsselung forderte: Also die Beschlagnahme der Druckertinte anstelle des fertigen Ausdruckes (Lassen sie mich durch: Ich bin Arzt… zu spät! Es ist an Gehirnerweichung verendet!).
Bosbach, listig wie er nun einmal ist, forderte den CCC dazu auf, die Vorwürfe zu belegen. Das hatten sie zwar gerade in epischer Breite getan, aber Bosbach hatte natürlich im Hinterkopf, daß der Club beim Anblick seines Gesichtes auf der Mattscheibe noch ganz schnell die Namen der Informanten preisgeben würde, von denen sie die Festplatten mit der Maleware bekommen hatten. Wie bei jeder anderen seiner Ideen der letzten Jahre lag er auch diesmal wieder meilenweit daneben.

Bleibt also der Killerpudel der SPD Herr Wiefelspütz: „Wenn nur die Hälfte dessen stimmt, was berichtet wurde, dann wackelt die Wand“. Um welche Wände es sich dabei handelt, ließ er wie üblich im Dunkeln. Dieser innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion mit dem seiner Meinung nach Air eines Cagliostro verspricht wenigstens Aufklärung. Wenn möglich: Brutal! Brutalst. Brutalstmöglich. Aufklärung. Wenn möglich!
Über allem schwebt also im Moment das Wort „Untersuchungsausschuß des Bundestages“ – das finale Eingeständnis, an der Wahrheit nicht interessiert zu sein.“
„Ja – alles schön und gut! Die Welpen, wie wir Hunde sie nennen, haben nun alle fein ihr Wasser weitab vom Nest abgeschlagen, wedeln mit ihren Schwänzen und wollen ein Leckerchen. Aber das BKA oder eine von diesen Bundesbehörden muß doch mal was sagen.“
„Die sagen, sie waren es nicht!“
„Und wer wars?“
„Niemand! Bis zu jetzigen Zeitpunkt nur das LKA Niedersachsen, Bayern, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg, Brandenburg und Schleswig-Holstein… Sie alle haben schon gestanden und gelobt, sich nicht wieder erwischen zu lassen. Außerdem wäre alles absolut legal gewesen. Der Trojaner, von dem sie nichts wissen, wurde nur gegen Terroristen und die organisierte Kriminalität eingesetzt.“

„Wieviele Terroristen und Mafiabosse haben sie denn damit erwischt?“

„Keinen natürlich! Gegen die ist es ja auch erwiesenermaßen nie eingesetzt worden. Warum auch. Die sind doch nicht so dämlich und fallen auf so eine zusammengeschusterte Software herein. Da sitzen Profis! Da sitzen keine Beamten der Polizei, die nach Feierabend in ihrer Freizeit kollektiv an einem Virus basteln. Da sitzt das ganz dicke Geld. Und selbst, wenn das Geld nicht so locker sitzt: Eine Knoppix-CD und ein Server im Jemen sind die beste Versicherung gegen die geballte Intelligenz deutscher Behörden und einen Trojaner mit Bürozeiten – aktiv zwischen 9:00 – 16:00 Uhr.
Und das ist ja noch längst nicht alles: Da gibt es noch ELENA – mittlerweile glücklicherweise eingestellt – weil der Volkshochschulkurs in Visual-Basic der Chefsekretärin nicht ausreichte, um das mit den elektronischen Signaturen zu verstehen, die überflüssige de-Mail mit einer intermittierenden Verschlüsselung – programmiert von den Besten der Besten der Besten, der absolut fälschungssichere biometrische Personalausweis und zum Ausgleich Meldeämter, die die Daten ihrer Bürger für ein Taschengeld an die Industrie verkaufen – gesteuert und gelenkt von Politikern, die nicht wissen, was ein Browser ist. Zusammengeknüllte IT-Kompetenz in Verbindung mit der vollkommenen Abwesenheit von Moral und Rechtsstaatlichkeit. Wir dürfen sie immerhin alle 4 Jahre wählen, damit der Anschein von Rechtsstaatlichkeit und Legitimität erhalten bleibt.
Wir dürfen ebenso zig- Milliarden Euro an staatliche Behörden überweisen, deren „Spezialisten“ auf dem Niveau von 14jährigen an Cracker-Software basteln – egal, ob es sich um dilettantische Prototypen von Trojanern handelt oder einer sogenannten „Gesundheitskarte“ (die man nicht braucht, solange man gesund ist… und die man im Falle von Krankheit besser nicht benutzen sollte: Also einer Null-Karte).

Ich rege mich schon wieder viel zu sehr auf!“

„Chef: Soll ich sie alle ins Bein beißen? Für dich würde ich es machen! Und für die Demokratie und den Sozialismus!“

„Lauf los, Oskar!“

Dieser Beitrag wurde unter Polemik abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

0 Kommentare zu Zeit für eine Zwischenbilanz

  1. rauskucker sagt:

    Schön.
    (Nur: die 14-Jährigen hätten das sicher besser hingekriegt als die 64-Jährigen von Digitask.)

    0

    • pantoufle sagt:

      Bei dieser Posse weiß man gar nicht, wo anfangen. Diese Melange von krimineller Energie, formvollendeter Dummheit und Unfähigkeit ist nicht mehr zu beschreiben. Allein die brambassierende Reaktion einer diesem Land nicht mehr zugehörigen Bayrischen Landesregierung schreit nach dem lustvollen Einsatz diverser Standgerichte, wenn es nicht so erbärmlich wäre, behinderte Kinder zu schlagen.
      Wenn Frau Schnarrenberger feststellt, daß dieses Ereignis dazu geeignet wäre, den Glauben an den Rechtsstaat zu unterhöhlen, läuft sie auch mit dieser Formulierung weit dem „Ist“zustand hinterher.
      Es ist so erbärmlich…

      0

  2. der_emil sagt:

    Darf ich das als Vollzitat (mit press this) weiterverbreiten??? (gnbk.wordpress.com)

    0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *