Zehn kleine Negerlein

Ein Beitrag zu einer unsachlichen, dümmlichen und kulturfeindlichen Debatte, die von einer durchgedrehten Sprachreinigungs-Soldateska geführt wird.

Es steht schon überall – die Schrottpresse ist hier nicht sehr aktuell, aber weil die Kollegen alle etwas darüber geschrieben haben, wollte ich auch mal. Es geht um die entnegerung deutscher Kinderbücher und der sprachlichen Reinigung Grimmscher Märchen.

Eine Familienministerin Schröder hat nicht das geringste Problem damit, daß sie und ihre Kollegen sich in den Parlamenten gegenüber dem Wähler einer Sprache bedienen, die verschleiernd, irreführend und mit Absicht unverständlich ist. Aber wenn sie des Abends ihrem sicherlich höchstbegabten Kindlein (knapp zwei Jahre alt) Geschichten von Astrid Lindgreen vorträgt, fürchtet sie um die geistige-seelische Gesundheit ihrer Brut, wenn das Wort »Negerkönig» auftaucht.

Wer versteht eigentlich seine Steuererklärung im Wortlaut, wer ist nicht auf Hilfe bei den allfälligen Behördengängen angewiesen – vom sprachlichen Umgang bei Gerichten und Rechtsanwälten einmal ganz zu schweigen? Der Bedarf an einer Form von »Sprachreinigung« ist durchaus vorhanden, wenn nicht sogar bitter nötig. Ob die Wellness Oase oder das Kompetenz-Team das Sprachgefühl beleidigt, ein alternativloser Beitragsservice einer Preisanpassung bedarf; es sogar seit einiger Zeit eine Bibel »in gerechter Sprache« gibt (wie man sieht, ist ihnen in der Tat nichts heilig): Da brüllt der Handlungsbedarf!

Aber nein: Astrid Lingreen ist tot (Otfried Preußler nicht, wie ich gerade erfuhr – danke, Vera ) und der Inhalt ihre Bücher offenbar zum Abschuß freigegeben. Heinrich Heine, Johann Gottlieb Fichte oder Shakespeare stehen vermutlich als nächstes auf der Liste – andere werden folgen. Was als political correctness daherkommt, entlarvt sich schnell als bigotte Säuberungskampgne. Die vorgeschobene Moralität ist nicht nur verlogen: Sie ist – selbst wenn man einigen dieser Protagonisten noch ein Mindestmaß an gutem Willen unterstellen würde – kontraproduktiv. Das Lied der zehn kleinen Negerlein? Der Text stammt aus einem Kinderbuch aus dem Jahre 1868, geschrieben 3 Jahre nach dem offiziellen Ende der Sklaverei in den USA. Natürlich hat das einen rassistischen Hintergrund. Den würde ein Kind, das nur eine »ethnisch gesäuberte« Fassung zu lesen bekommt, niemals verstehen. Das hieße, Teile der Geschichte auszuradieren – und das ist Geschichtsfälschung. Da helfen auch keine erbarmungswürdigen Versuche, die »Negerlein« durch »Indianer« zu ersetzen; was auch eher der Gang vom Regen in die Traufe wäre. Wie soll man so einem Kind den Konflikt in dem Stück »Nathan, der Weise« erklären, würden die Truppen der Doppelmoral über dieses Werk hergefallen?

Wie der Journalist Burkhard Müller-Ullrich im Deutschlandfunk (Lesebefehl!) treffend bemerkte:

»Nun wird die angebliche Harmlosigkeit des Unterfangens gern mit dem Argument begründet, die Negerlein in der “Kleinen Hexe” und der Negerkönig in “Pippi Langstrumpf” seien doch für die Handlung gar nicht wichtig.
Hinter dieser entspannten Mitteilung steckt wahres Kulturbanausentum. Denn wenn dieses Kriterium gilt, dann sind dem Modernisierungswillen der Geschmackslinienrichter keine Grenzen gesetzt: Dann findet man sicher auch auf Gemälden Elemente, die für das Gesamtgefüge “nicht wichtig” sind, und aus allen Kunstwerken können Anstößigkeiten jeder Art wohlmeinend-pädagogisch eliminiert werden: die Rollenklischees in “Minna von Barnhelm”, der Antisemitismus im “Kaufmann von Venedig” und der Rassismus im “Othello”.«

Dabei darf man nicht vergessen, daß es sich bei diesen Kindereien der selbsternannten Moralapostel um ein klassisches Ablenkungsmanöver handelt. Allein das Studium des Geschichtsbuches meines Sohne über die Zeit des Nationalsozialismus ist schlicht übelkeiterregend. Was dort, in einem Lehrbuch für das Gymnasium, alles nicht steht, gehört vor ein Gericht. Da wird unterschlagen, da verschwinden Personen, da wird vollkommen unzulässig so gekürzt, daß es im Ergebnis einer Fälschung gleichkommt. So jedenfalls war es nicht und danach kam Adenauer (in dreifachem Umfang). Auf meine Frage, wer Hermann Göring und Heinrich Himmler waren, wußte mein Sohn keine Antwort … ja, aber das habt ihr doch gerade?… Nein, diese Namen tauchen dort nicht auf – ich habe danach gesucht und nichts gefunden.
Dort waren die Reinigungkolonnen bereits am Werk , dort findet sich niemand, der so etwas als das bezeichnet, was es ist: Jugendgefährdent.

Die Opalkatze hat da auch etwas geschrieben, was man lesen sollte : LINK

Nachtrag

Es wird an vielen Stellen darauf verwiesen, daß der Thienemann Verlag eine Erklärung zur Modernisierung  des Textes veröffentlicht hat. Aufgrund privater Mails, die mich erreichten, möchte ich hier klarstellen, daß ich die Seite gelesen habe, der Argumentation aber nicht folgen kann und will. Spätestens an der Stelle:

»Wir halten eine Modernisierung auch bei anderen veralteten und ungebräuchlichen Wörtern für sinnvoll. Zum Beispiel kennen Kinder das Wort „wichsen“ nicht mehr im Sinn von „putzen“ oder „polieren“. Früher wurden Stiefel eben gewichst. Wenn also im Text steht, dass Kinder „durchgewichst“ werden, erscheint es uns sinnvoll, daraus „verhauen“ zu machen.«

endet mein Verständnis. Was die Damen und Herren des Verlages für »veraltet und ungebräuchlich« halten, ist vollkommen irrelevant. Es steht da und es hat so stehen zu bleiben. Neusprech-Anpassungen unter dem Druck von gescheiterten Diplomsozialpädagogen haben in der Literatur nichts verloren. Zur Ankündigung des Verlags, man werde die Modernisierung auf die »kleine Hexe«  beschränken, sei auf einen Artikel in der TAZ hingewiesen:

»Wir werden alle unsere Klassiker durchforsten“, bestätigte der Stuttgarter Verleger Klaus Willberg, in dessen Haus die Bücher von Otfried Preußler erscheinen, gegenüber der taz. „Zum Teil ist das aber schon passiert“, sagt Willberg, und verweist auf „Das Traumfresserchen“ von Michael Ende. Das Wort Neger werde in „Die kleine Hexe“ nicht ersetzt, sondern gestrichen. Es sei nötig, Bücher dem sprachlichen und politischen Wandel anzupassen, begründet Willberg den Schritt. „Nur so bleiben sie zeitlos

Link zum Verlag
Link zur TAZ
Und dann noch: Hier diskutieren Leute über das Thema, die mir persönlich am Herzen liegen:
42Autoren/forum

Auch wenn es manchmal etwas deutlicher zur Sache geht.

0
Dieser Beitrag wurde unter Polemik abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

0 Kommentare zu Zehn kleine Negerlein

  1. susannegerdom sagt:

    Ich hänge schon seit Tagen zwischen Lachen und Weinen, was diese unsinnige und unglaubliche Diskussion angeht. Angezettelt von den gleichen Menschen, die mit zitternden Stimmchen den Zerfall der Kultur und dem Untergang des Abendlandes heraufbeschwören, weil Kids, auch durchaus die im Abiturjahrgang, “Ischwör” und “ich geh Schule” sagen. Dschä. Das eine ist die das Gegenstück zum anderen. Man kann den Kuchen nun mal nicht essen und behalten.
    Und das alles noch verschärft dadurch, dass unsere Pädagogen es nicht auf die Reihe kriegen, einem gackernden Haufen Jungvolk zu erklären, dass das Wort “wichsen” auch mal eine andere Bedeutung hatte.

    0

    • pantoufle sagt:

      Liebe Susanne: Bei mir reicht es nur noch für Schreie des Schmerzes. Einerseits darüber,daß so etwas überhaupt möglich ist, andererseits, weil das auch noch zum Teil Zuspruch des Publikums bekommt. Ich bin der Frage sorgfältig aus dem Weg gegangen, ob ich jetzt der Blöde bin oder die anderen…. habe mich für die anderen entschieden.
      Wie Burkhard Müller-Ullrich das komentiert, trifft es recht genau auf den Punkt. Was diese Verschlimmbesserung betrifft: Wir hatten doch gerade den Präzedenzfall

      Ich dachte, das würde erst einmal reichen… aber nein: Jetzt machen die das auch im Bereich der Literatur.
      Fassungslos
      das Pantoufle

      0

    • pantoufle sagt:

      Ach… was ich noch zu sagen hätte. Auf Veras Blog überschlagen sich gerade die Kommentare; das ist stellenweise so finster, daß ich mich da erst mal verziehe. Aber ein Posting dort ist dermaßen entlarvend, daß ich das hier mal kommentiere. Wenn mir hier zu Hause die Pferde durchgehen, habe ich immer noch das Hausrecht auf meiner Seite. Da schreibt eine Jemandin (ich kommentiere das gleich mal im Text):

      »Ernsthaft? Das ist deine Meinung? Bin echt geschüttelt. Ist dein Argument wirklich, dass du Kindern unkorrekte, Menschen beleidigende, Menschen erniedrigende Worte vorlesen und beibringen kannst weil es sich ja später eh in einer unkorrekten Welt zurechtfinden muss? Na dann viel Glück, wenn du es so schaffen willst, die Welt “korrekter” zu machen, denn das ist meiner persönlichen Meinung nach der falsche Ansatz.«

      Blah, blah: Ich bin einer von den Guten – ICH hätte sowas ja nie auch nur gedacht… und schon gar nicht von Dir. Diese Enttäuschung! Fehlt eigentlich nur die Drohung, diesen Blog nie wieder zu lesen.

      »Je weniger Worte und Taten (hängt für mich auch eng zusammen) andere Menschen und deren Familien verletzen um so schneller befinden wir uns in einer Welt, die “Eingriffe in das Werk eines Autors” unnötig machen.«

      Soso: Das Ende der Zensur fällt also zusammen mit der Eröffnung des Paradieses. Da stellt sich dieses Dummchen doch glatt hin und geht von einem geradezu naturgegebenen Recht aus, in Büchern nach belieben herumschmieren zu können. »[…] Eingriffe in das Werk eines Autors unnötig zu machen« Das Satzfragment könnte – mal eben aus dem Zusammenhang gerissen – auch von einem Rechtsradikalen kommen. Was machen sie denn, wenn sie mit dem Inhalt ganz und gar nicht einverstanden sind? Verbrennen?

      »Jeder Autor soll frei sein, alle Worte der Sprache zu gebrauchen, aber ich finde es liegt auch in der Verantwortung der Gemeinschaft zu prüfen, ob es nicht Worte gibt, die wir guten Gewissens aus dem täglichen Gebrauch streichen können.«

      Kleine Korrektur: Jeder Autor ist frei, alle Worte zu benutzen. Es ist allein abhängig von Bildung, Phantasie und Stil des Lesers, ob er damit etwas anfangen kann. Ich möchte in diesem Zusammenhang an eine gewisse Frau Elisabeth Förster-Nietzsche, Schwester von Friedrich Nietzsche erinnern, die als Nachlassverwalterin aus Unbildung und Verklemmtheit im Werk dieses großen Philosophen herumbastelte, sogar Teile davon vernichtete – welch grauenhafte Vorstellung, wenn die Schreiberin dieses Leserbriefes Kenntnis von der Existenz Nietzsches hätte… nicht auszudenken!
      »[…]die wir guten Gewissens aus dem täglichen Gebrauch streichen können«. Dann streich mal schön. Phantasie, Bildung, Toleranz, Stil und Verantwortung sind Deiner Schere ja bereits zum Opfer gefallen. Und definiere doch bitte genauer, wer Deiner Gemeinschaft zugehörig ist, damit ich weiß, in welche Richtung ich zu flüchten habe.

      »Und das besagte Wort [wir sind immer noch bei „Neger“] gehört definitiv dazu, vor allem im Rahmen eines Kinderbuches! Denn ich will nicht während ich abends im Bett Bücher vorlese meinem Sohn erklären müssen, dass er dieses Wort aus Respekt und Achtung nicht gegenüber seinen Klassenkameraden verwenden darf.«

      So, faul sind wir also auch noch! Oder einfach zu dämlich? Was erklärt diese Frau Mama denn überhaupt, wenn nicht einmal die einfachsten Dinge? Kann sie nicht oder will sie nicht? Armes Kind: Das geistige Rüstzeug, mit dem es auf diese Welt losgelassen wird, stammt von einer Person, deren Horizont an der Zimmertür endet. Mark Twain? Fällt der Zensur zum Opfer wie Onkel Toms Hütte. Grimms Märchen auf dem Index wie Robinson Crusoe. Karl May auf dem Scheiterhaufen wie die Werke von Charles Dickens. Da wird nicht viel bleiben, was diese Person ihrem Sohn vorlesen kann.

      »Und ich denke wenn wir das Wort und dessen Herkunft und sprachgeschichtliche Entwicklung betrachten dürfte schnell klar sein, warum es ein “pfui Bäh” Wort ist. Und da ist es doch dann egal, wer das dann definiert, oder?«

      Ein »Pfui-Bäh« Wort? Da stockt einem der Atem. Man braucht einen Führerschein fürs Mofa, aber keinen zum Kinderkriegen.
      »Und da ist es doch dann egal, wer das dann definiert, oder?«
      So… tief luftholen: Nein, verdammt noch mal! Das ist es eben nicht! Man sollte mit einem Mindestmaß an Bildung und Geschmack daherkommen. Man sollte – wenigstens ansatzweise – Literatur in ihren zeitlichen Kontext einordnen können. Man sollte überhaupt lesen und schreiben können! Man sollte…
      … solche Menschen ignorieren!
      Ich kann nicht. Der Arzt hat gesagt, ich soll mich nicht so aufregen. Immer schön ruhig bleiben… denk an was schönes, lies ein gutes Buch. D.H. Lawrence »Lady Chattereys lovers« zum Beispiel. Und in Gedanken streichen wir dann die Stellen, die DIESE PERSON wahrscheinlich auch gestrichen hätte.

      0

      • susannegerdom sagt:

        Solche Äußerungen lesen zu müssen, ist ganz, ganz schlecht für den Blutdruck. Das müsste eigentlich verboten werden. *veg*
        Ja, aber es ist halt so, liebes Pantoufle, dass die Welt eigentlich den ganzen Tag vor Schmerzen schreien müsste, denn sie wird von der Dummheit regiert. Und von der Gier. Und gut gemeint ist immer noch das Gegenteil von gut gemacht.
        Ich denke, wir müssen uns alle warm anziehen, denn der Wind, den all die Gutmeiner machen, bläst uns stärker und stärker um die Ohren.
        Neulich zitierte mal wieder einer meiner Lieblingskabarettisten den Onkel Herbert. Und ich hab ihn vor mir gesehen, hab mich erinnert, dass ich damals – als Halbwüchsige! – im Fernsehen Bundestagsdebatten verfolgt habe. Mit Interesse! Könntest du dir das heute noch vorstellen? DER Fisch stinkt vom Kopf her.
        Und seit es das Internet gibt, fällt einem natürlich all die Dummheit und Borniertheit rundherum umso stärker auf. Früher konnte man einfach die Tür zumachen und nicht ans Telefon gehen. Heute brüllen sie dir ungefragt ihre Dumpfheit ins Gesicht.
        Wenn da mal einer einen Filter erfindet, den kauf ich.

        0

      • Marie sagt:

        Hallo Pantoufle, ich denke doch es ist kein Thema, einzelne Blogbeiträge in anderen Blogs zu verlinken?
        Sollte dies bei Diskussionen mit Teilnehmern, die mehr als eine Meinung vertreten, für dich schon den Charakter einer “Liste des Bösen” haben, verstehe ich nicht, wie du dich im Netz bewegen kannst.

        Der Begriff “Pfui Bäh Wort” wurde von mir übigens zitiert, aus dem kommentierten Beitrag. Also keine Wortschöpfung von mir in diesem Zusammenhang. Und ich werde mich auch weiterhin weigern, das besprochene Wort zu verwenden, denn ich will das (auch nicht in einer sachlichen oder auch nicht sachlichen Diskussion) in meinen Wortschatz aufnehmen.
        Die von mir als “Eingriffe in das Werk des Autors” genannten Vorgänge sind übrigens zwischen Thienemann Verlag und Ottfried Preußler abgesprochen! (Siehe link in meinem Beitrag) Also hat der Autor, ganz frei und mit Phantasie, Bildung, Toleranz, Stil und Verantwortung dieser “bösen” Wort-Änderung ja auch noch zugestimmt.
        Das ist doch auch ein freies Recht jedes lebenden Autors? Und darum geht es ja hier auch.

        Ach, und persönliche Beleidigungen habe ich nicht verbreitet, im Gegensatz zu dir. Unser beider Horizont endet sicher an irgend einer Zimmertür, aber dass das zwei vollkommen verschiedene Räume sind ist spätestens jetzt klar.

        0

        • pantoufle sagt:

          Du weigerst Dich, das Wort »Neger« zu verwenden? Warum nicht… ich tue es auch nicht. Aber ich trage es nicht als Fahne vor mir her.
          Ich mag Deinen Standpunkt nicht, akzeptiere nicht Deine Argumentation. Es erscheint mir kindisch, kurzsichtig und halbherzig. Unter diesem Artikel habe ich bis in die Antworten an meine Leser meinen Standpunkt dargelegt. Du kannst Dich damit beschäftigen oder es bleiben lassen. Persönliche Beleidigungen? Ach, weißt Du: Soweit geht die Sympathie dann doch nicht. Ich habe Deine Post bei der Katze nicht an an Ort und Stelle beantworten wollen: Das wäre eine Beleidigung gewesen. Sie hier zu kommentieren, war einen (anonymen) Typus darzustellen. Ach ja, und bitte: Komm mir jetzt nicht damit, daß ich keine Kinder hätte… ich habe vermutlich mehr als Du und die lesen sich in aller Regel meine Artikel genüsslich grinsend durch. Über Deinen und meinen Horizont ließe sich trefflich streiten: Der meiner Kinder erscheint mir größer als Du Dir es erträumen könntest. Ist doch auch egal: Du sagst nicht »Neger«, mein Freundeskreis spricht nur zu einem geringen Teil Deutsch.
          Einen schönen Abend noch

          0

  2. vera sagt:

    Otfried Preußler ist aber noch ziemlich lebendig. ,)

    0

    • pantoufle sagt:

      Wieso ist der noch nicht tot? Der bringt meinen ganzen Text durcheinander! Und wieso schreit er dann nicht auf, daß diese Idioten gefälligst selber ihre politisch-ethnisch einwandfreien Kinderbücher schmieren sollen. So ganz kindgerechte wie »Pappi findet eine Arbeit«, »Mami hat gespart – HartzIV und trotzdem Urlaub« oder »Tobi und der Auslandseinsatz«. Irgend so einen Mist.
      Ist nicht tot… hmm..Na gut: Ich werde das ändern.

      0

  3. Pingback: Nachtwächter-Blah » Politische Korrektheit des Tages: Nein, in diese…

  4. Pingback: Neues vom Glöckner » Zigeuner!

  5. Schwarzes_Einhorn sagt:

    Ich muß, wenn ich sowas lese, so oft an den guten alten Orwell und sein Neusprech denken – wir dürften inzwischen seine wildesten und schlimmsten Träume weit hinter uns gelassen haben! Zensur in die Vergangenheit – es friert einen.

    Das erste prominente Opfer von diesem “Sprachwahn” war meines Wissens “Zehn kleine Negerlein” von Agatha Christie. Seitdem komme ich persönlich mir vor wie der Feuerwehrmann aus Ray Bradburys “Fahrenheit 451”, wo Bücher auswendig gelernt werden müssen, damit sie (auch in ihrem jeweiligen Kontext) erhalten bleiben.

    Seitdem sammle ich von manchen Büchern bevorzugt die alten Ausgaben, gerne auch gleich in alter Rechtschreibung. Und nein, ich bin kein Rassist, möchte aber Bücher mit dem Beiwerk ihrer Zeit, ohne das irgendwelche Gutmeiner unwissend dran rumpfuschen.

    Otfried Preußler wehrte sich übrigens lange gegen die Korrektur (Zensur!) seiner Bücher, gab jetzt aber nach. Schade!

    0

  6. pantoufle sagt:

    Weißt Du, Einhorn… das ist wie mit alten Bildern oder Photographien. Da hast Du ein Buch in der Hand, das jemand vor 150 Jahren geschrieben hat. Das Papier ist schon brüchig, die Lettern sind in Fraktur gesetzt oder – eher selten – in der »modernen« Antiqua. Irgend jemand hat in diesem Buch gekritzelt. Seinen Namen, eine Anmerkung… hört, hört!… aber Du kannst ihn dafür nicht ohrfeigen, weil er schon seit 64 Jahren tot ist. Das Buch hat überlebt. Überlebt mit seiner Sprache, der Gedankenwelt des Autors, der jetzt in den Ruch des überkommenen, unmodernen, mit den Wertvorstellungen unserer Zeit so gar nicht Vertrauten gezeichnet ist. Und Wir? Haben wir uns die Mühe gemacht, ihn, den Autor zu verstehen? Seine Werte, seine Welt? Vor seiner Tür wartete die Pferdekutsche und bei uns in der Garage läuft die Standheizung eines Autos, damit wir uns nicht erkälten; gar eine Lungenentzündung holen, an der der Autor gestorben wäre.
    Wir, die Nachgeborenen, haben es uns so einfach gemacht. Wir können uns nicht nur gegen das Leben versichern, sondern auch gegen politische Unkorrektheit. Wir – nicht der Autor des fraglichen Buches – leben in einer Welt, in welcher der Dümmste, der unbegabteste, der unwürdigste den gleichen Stellewert einnimmt wie jener, dessen Werk die Jahrhunderte überdauert hat. Wir, die wir ja um so viel klüger sind, so aufgeklärt und informiert, maßen uns an, in diesem Buch herumzumalen. Wir, die Unwürdigen!
    Diese Dilettanten, die nicht einmal die wunderbare Frakturschrift ohne Hilfe entziffern können, wissen aber zu genau, was in dem Text geändert werden muß, damit es den Vorstellungen ihrer kleinen, primitiven Welt entspricht.
    Einhorn: Mein Stolz, ein stolzer Besitz unter meinen Büchern, ist ein Werk über die Naturwissenschaften aus dem Jahre 1724. Du schlägst den grauen Umschlag auf, blätterst die mürben, dünnen Seiten um; dieser Geruch und … in der Mitte des Buches ist eine Weltkarte »Australien ist eine Ansammlung von kleineren und größeren Inseln«. Dann die Beschreibung eines Nashorns aus dem dunklen Kontinent. Der Autor hat es wahrscheinlich niemals gesehen, traf aber jemanden, der ihm die Beschreibung gab. Kannst Du Dir vorstellen, das die Lektüre eines Buches gleich einem Gebet ist? Du befindest Dich auf einem Blog, der das Wort Sozialismus im Titel führt. Aber dieses hier: Das ist heilig. Das hier ist heiliger Boden! Und ich werde jeden bis auf das Blut bekämpfen, der daran rüttelt!
    Da stehen viele Bücher in meinen Regalen. »Der SS-Staat« von Eugen Kogon – die Erstausgabe. Es lohnt, sie zu lesen. In den weiteren Auflagen wurde der Text geändert, weil die Altnazis, die schon wieder fest im Sattel der neuen Republik saßen, ihre Namen nicht in Verbindung mit Konzentrationslagern sehen wollten. So viele Bücher, so viele Beispiele, wo die Herrschenden versucht haben, die Wahrheit zu ihren Gunsten umzudeuten. Heute braucht es nicht einmal jene: Es reicht der Pöbel; sie haben uns soweit gebracht, daß wir die Zensur selber ausüben. Im Namen einer Menschlichkeit, die es im Alltag nicht gibt, im Namen einer Inhumanität, die die von jeder Tagesschau genährt wird.. es ist…
    Ich hoffe, Du verstehst, was ich Dir sagen wollte.

    0

  7. susannegerdom sagt:

    Ich spreche mal von der anderen Seite aus, von der Schreibenden. Wir sitzen ja nicht da und klopfen wahllos irgendwelche Sätze raus oder hängen beliebige Wörter aneinander. Nein, wenn wir das, was wir tun, ein wenig lieben und die Sprache, in der wir es tun, von ganzem Herzen lieben, dann sind Worte als kleinste Einheit so wichtig für das Gesamte, dass ein falsches oder auch nur halbwegs nicht ganz richtig gewähltes Wort einen ganzen Absatz zum Kippen bringen kann. Klanglich, rhythmisch, inhaltlich.
    Mir tut der arme Otfried Preußler leid, der da in die Mühlen der Gutmenschen geraten ist und sicherlich um des lieben Friedens Willen einfach nachgegeben hat. Wenn man jünger ist, kämpft man vielleicht noch für so etwas, aber je älter, desto seltsamer und fremdartiger erscheinen all diese lauten, hysterischen Kämpfe um des Kaisers Bart. Schade, eigentlich.
    Astrid Lindgren hat es aber nichts genützt, zu protestieren. Sie wird dann eben post mortem vergewaltigt.

    0

    • pantoufle sagt:

      Susanne: Meine Nerven lassen gerade nach…
      Auf Eurem Forum habt ihr das Thema ja auch behandelt – ich bin kurz davor, das zu verlinken. Aber die wollen doch nicht zuhören, die hören keine Melodie, erkennen kein Wort an seinem Duft. Und das mit dem armen Otfried Preußler kann ich mir live und in Farbe vorstellen: Der hat einfach resigniert! Was sollte er machen?
      Ich wiederhole es: »Das ist heilig. Das hier ist heiliger Boden! Und ich werde jeden bis auf das Blut bekämpfen, der daran rüttelt!«
      Das ist der Satz, mit dem sie mich verbrennen dürfen. ICH WILL DAS NICHT!
      Christianf bringt es bei Euch im Forum gut auf den Punkt:

      »Und das ist IMHO der Grunde, dass man bestimmte alte Texte kaputt verbessert, wenn man das Wort “Neger” ersetzt. Natürlich schwingt im Wort “Neger” das Bild vom unterentwickelten, dummen Wilden mit, der möglicherweise auch gewohnheitsmäßig Missionare im Kochtopf kocht (und Chinesen haben alle Zöpfe und essen merkwürdige Dinge wie geraspelte Pferdehufe!). Jim Knopf ist ein Negerjunge – und der letzte Nachkomme des schwarzen Königs, der rechtmäßige Erbe eines verlorenen Reiches. Und Pippis Vater als “Negerkönig” – das schafft gewissermaßen eine kognitive Dissonanz, dass kann nicht sein, Pippi ist so weiß, weißer geht es nicht. Und aus dieser Dissonanz beziehen diese Bücher ihre Wirkung. Wer hier den “Neger” ersetzt, verstümmelt den Text! «

      Aber das ist denen doch egal. Sie hören nicht, sie können nur schreien.

      0

      • susannegerdom sagt:

        Das eigentlich Schreckliche ist, dass sich die Lauten nie, niemals die Zeit nehmen, etwas gründlich zu lesen, gegen das sie dann vehement protestieren müssen. Meistens lesen sie die Überschriften und das, was andere dazu schon gesagt haben, das muss reichen. Das ist nicht nur eine Krankheit der Boulevardpressen-LeserInnen, das ist auch einer der Auswüchse des Internet-Informationsunwesens. Lesen, zwischen den Zeilen lesen, mehrere Meinungen zu etwas lesen, konträre Argumente abwägen, dann der Rückzug, um selbst darüber nachzudenken … wer macht das heute noch so? Schnell. Schnellschnell. Meinung. Zack.

        0

  8. Pingback: Links 2013-01-15 | -=daMax=-

  9. ninjaturkey sagt:

    Wie schon Schiller schrub:
    “Der Schwarzafrikaner hat seine Schuldigkeit getan, der Schwarzafrikaner kann geh´n.”

    BTW – “Die kleine Hexe” ??? Hexe ist ein diskriminierender Begriff, der auf eine der dunkelsten Kapitel der Geschichte verweist und zudem zutiefst frauenfeindlich ist. Ich schlage als Titel vor:
    “Die kleine Zauber- und Kräuterkundige”

    Da fällt mir noch einer ein:
    Der bekannte (verstorbene) Mainzer Fastnachtssänger Ernst Schwarzer (“Heile, heile, Gänschen) 😉

    0

  10. pantoufle sagt:

    …und während die Turbolatzhose und die linksdrehende Wollsocke noch über diesen Kinderkram streiten, haben sich die »Verfassungsschutz«-Behörden selbst rehabilitiert.
    http://www.rbb-online.de/nachrichten/politi/2013/v_mann_affaere_ermittlungsbericht.html
    Von so einem Volk kann doch nur jede Regierung träumen!
    Auch das wird in den Büchern stehen, die man entsperchend zurechtbiegt.

    0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *