Widerstand sinnlos!

Ich weiß: Hier stand lange nichts Neues mehr – enschuldigt bitte! Das lag aber nicht an mir, sondern an der UEFA! Nicht, daß ich Fussball-Fan wäre, aber ich mußte dort arbeiten und habe eine Woche meiner Jugend in diesem unsäglichen Wembley Stadion verschleudert, um an der Eröffnungszeremonie für ein finales Endspiel mitzuwirken.
Eine der beiden Mannschaften hat gewonnen, soweit ich das mitbekommen habe.
Meine Kollegen hatten alle ein Hotelzimmer, während ich es vorzog, mit dem Motorrad die 50km zu fahren, um im eigenen Bett zu schlafen; nach Aussage der Kumpels eine weise Entscheidung!
Das ist gut für den Seelenfrieden und eine gute Fahrübung im Berufsverkehr morgens im Dunstkreis von London. Andere bezahlen für so etwas viele Geld – das nennt sich dann Fahr – oder Sicherheitstraining, wobei hier die Bezeichnung „Rennfahrerschule“ passender wäre. Meine Skrupellosigkeit und Schmerzfreiheit hat jedenfalls eine völlig neue Qualität angenommen. Wenigstens dafür hat es sich gelohnt!

Was gab es sonst noch? Nichts Bemerkenswertes eigentlich, bis auf die Idee, das ich eines Tages in meinen Buch der Lebenserinnerungen ein besonders langes Kapitel der sogenannten „Security“ auf Großveranstaltungen widmen werde.
Was diese Damen und Herren mittlerweile auf Ereignissen wie diesem abliefern und welche Auswüchse das gerade in England zeitigt, ist höchst bemerkenswert.

Datenerfassung ist alles – das ist bekannt! Volkszählung in Deutschland? Das ist ein Kindergarten verglichen mit dem, was ich hier zur Akkreditierung brauche. Mit typisch britischer Pedanterie wird dann auch mein Name in einen nahrhaften Buchstabensalat verwandelt und mein Alter auf flotte 81 Lenze erhöht. Macht nichts: Das Stadion ist Behindertengerecht! Damit ich mich auch als Jüngerer nicht schneller als ein Rentner bewegen kann, hängt man mir ein Schild um den Hals, das in denen Dimensionen hart ein ein Tablett grenzt. Vor nicht allzu langer Zeit hatte das Scheckkartenformat. Nun ist es riesengroß und enthält einen RFID-Chip, der außer der Dokumentation meines sinnlos vergeudeten Lebens Informationen enthält, die die Türen zur Arbeit öffnen soll. Tut er natürlich nicht. Wenn das Lesegerät wieder verfehlt, ist da aber noch ein Bildchen von mir. Man experimentiert mit Gesichtserkennung! Allerdings nur einen Tag lang, weil die Elektronik mit wegschwimmenden Polaroidbildchen hoffnungslos überfordert ist.

Aber da ist ja noch der Humanfaktor, wenn das alles fehlschlägt. Dieser Faktor nennt sich im Jargon „Security“!
Es gibt 2 Tore zur Arbeitsstelle. Das eine ist eine LKW-Zufahrt, durch die auch die Datenleitungen der Übertragungswagen aus aller Welt geführt werden. Diese stehen zum Großteil vor dem Tor des Stadions. Was sich da an den vier Tagen der Vorbereitung an Verkehr abspielt, spottet jeder Beschreibung. Damit alles seine Ordnung hat, wird jeder, der an diesem Ort vorbeikommt, gescannt. Beim Herausgehen, das er herausgeht und beim Hineinkommen, das er hineinkommt. Nun sind das aber nicht zwei Dutzend Leute, sondern einige Hundertschaften, die der Willkür und Inkompetenz der Sicherheits-Mietlinge ausgeliefert ist. Wenn die Erkennung von rein und raus scheitert – was sie bei jedem Dritten tut – muß das Opfer um das halbe Stadion herumlaufen und sein Glück beim Haupteingang versuchen: dazu gleich mehr!

Das Sicherheitspersonal ist angemietet, mit Geräten versehen, deren Funktion sie nicht begreifen und nur von dem Gedanken beseelt, das alles „seine Ordnung“ haben muß. „Nein, unglücklicherweise müssen Sie…wir können nicht anders: Vorschrift!“ Ob sich die Tätigkeit direkt vor den Augen des Wachpersonals abspielt – egal! Das Gerät grunzt anstelle des Piepens und man läuft ca. 10 Minuten um das Gebäude herum – vorausgesetzt, man hat nichts zum Schleppen bei sich; dann dauerts eventuell doppelt so lange.
Müsste die Sicherheitsfirma für den Stundenlohn der unnötigen Wege aufkommen, die durch unfähiges Personal und defekte Geräte entsteht, wäre sie nach einer Stunde bankrott! So aber erzeugen sie außer völlig unnötigen langen Wegen nur maßlose Wut bei ihren zahlreichen Opfern.

Ja, und dann gibt es noch den anderen Eingang! Da wird man mit Metalldetektoren abgetastet, ob man etwas „metallisches“ bei sich trägt. Taschenkontrolle. Hunderte von Missbrauchsopfern unter den Technikern müssen einem sozialen Bodensatz erklären, was sie da bei sich haben und wozu sie es brauchen! Daß sich das zu ca. 95 Prozent farbige „Sicherheitspersonal“ daran weidet, hemmungslos herumkommandieren zu können, wo es sonst kuschen muß, ist zwar sozial mehr als verständlich, aber dieser Rassismus von der anderen Seite ist auch keine Lösung.

Unser LKW ist 12 Meter lang und enthält in diesem Fall ca. 12 Tonnen Material. Wenn ich wollte, könnte ich also unbemerkt eine Bombe so groß wie ein Mittelklasse-Auto unbemerkt ins Stadion bringen, . Ich wüßte sogar, wo ich so etwas am besten verstecken könnte, weil die offensichtlichen Stellen, wo die Sprengstoffhunde herumschnüffeln, weit entfernt von dem ist, was ich so im Hinterkopf hätte. Das wird natürlich nicht kontrolliert, weil selbst dem dümmsten Sicherheitschef klar ist, das damit die Arbeit für Monate ruhen würde. Hier am Haupteingang aber wird mir mein schweizer „Tool“ abgenommen, weil es ein kurzes, an der Spitze gerundetes Messer enthält. Das in meiner Werkzeugkiste ein schweres Maschinengewehr mit ausreichend Munition für einen mittleren Bürgekrieg lagern könnte, spielt überhaupt keine Rolle.

Während mir ein 5 cm langes „Messer“ abgenommen wird, steht hinter mir ein Arbeiter, der eine Handvoll Stahlteile mit sich trägt, lang, spitz, scharfkantig, um irgend was am Boden zu befestigen. Der darf passieren und ich explodiere! „Ja, das wäre ja kein Messer oder etwas ähnlich erkennbar waffenähnliches… und so wären nun mal die Vorschriften!“

Es gibt Augenblicke, wo ich nur einmal in meinem Leben einer der Pyrotechniker für das Abschlussfeuerwerk sein möchte, der mit kiloweise Sprengstoff unter dem Arm an einer Security mit den Worten „die Zigarette würde ich besser ausmachen!“ vorbei geht!

Warum erzähle ich das alles?

Na ja – zum einen, weil ich gerade aufgewacht bin, im Bett liege und duschbedürftig die vergangene Woche verdauen muß. In mir brodelt völlig ungebremster Hass auf die Willkür,
eine perfekte, vollkommene Sinnlosigkeit.

Der andere Punkt ist ernsterer Natur. Wie hat man sich unsere „Sicherheit“ vor „Kinderschändern, Terroristen, Raubkopierern, der organisierten Kriminalität“ vorzustellen, wenn man die Ausführung darüber in solche Hände legt? Glaubt jemand im Ernst, daß das Niveau an irgend einem Flughafen höher wäre als hier? Das sich die Sachkompetenz in Sicherheitsfragen in einem Ministeriums Eurer Wahl oder deren ausführende Organe sich auch nur graduell von diesem Blödsinn unterscheidet?

Diese Woche in London war eine Karikatur darüber, wohin Datensammelwut, Kontrollwahn und Willkür führen werden. Widerstand sinnlos: „Entschuldigen Sie – wir haben unsere Vorschriften! Unglücklicherweise müssen sie… verstehen Sie bitte auch unseren Standpunkt: Wir haben hier tonnenweise Geld zu verbrennen! Und schließlich dient das alles hier auch Ihrer Sicherheit!“

Und genau das tut es eben nicht! Das ist ein vollkommen in sich geschlossener Organismus, der ohne jeglichen Kontakt zur Aussenwelt existiert, der nur zum Überleben der eigenen Art dient. Logik, Humanität oder soziale Elemente sind dabei Dinge, die den Dienstbetrieb stören. Gehirne, die mit der Aufrechterhaltung der vegetativen Funktionen vollkommen beschäftigt sind, dürfen durch so verwirrende Sachverhalte nicht aus dem Gleichgewicht gebracht werden!

Ich habe einen Blick in die Zukunft getan.

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0 Kommentare zu Widerstand sinnlos!

  1. opalkatze sagt:

    Mir aus tiefster Seele, da, wo sie am dunkelsten ist.

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  2. der_emil sagt:

    Sch… Ich will zurück in meine Höhle, da drüben im Wald, wo meine Mammutherde grast …

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  3. pantoufle sagt:

    Ja, gute Reise… dann kannst Du mal die Schwänze der Tiere hochheben und an den Eiern haben die Bullen dann ihren Scancode, auf das alle Tiere gezählet werden können 🙂
    Willkommen in Gotham City.

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  4. pantoufle sagt:

    Wisst ihr was, Ihr beiden? Ich guck jetzt erst mal X-Man auf Film4U! Ich bin nämlich Fan von Volverine! Ich bin Volverines Father… nur die X-Man können uns noch retten… glaube ich.

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  5. mauzipauzi sagt:

    Kein Einwohnermeldeamt, aber CCTV an jeder Ecke. Wo du recht hast, hast du recht!

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