Wer zum Teufel ist Bernd Riexinger?

Wenigstens Katja Kipping geisterte als Name schon durch den Blätterwald. Auch wurde Frau Kipping im Fernsehen bei Maischberger gesichtet. Sehr nett, immer höflich, wenn auch nicht übertrieben kämpferisch. Weltanschaulich durchaus auf der richtigen Seite – einen Leitwolf stellt man sich aber anders vor. Neben den vollständigen Satz Sahra Wagenknecht gestellt, wirkt Kipping wie das Komma in „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“
Gibt es etwas interessanteres als Bernd Riexinger? … die Facebook-Aktie fällt weiter …

Der Krisengipfel Wahlparteitag der Linken in Göttingen endete wie das Hornberger Schießen: Die neue sogenannte Doppelspitze besteht aus einem gewissen Herrn Riexinger und Katja Kipping. Wer von den Linken sich allen Ernstes eine „Doppelspitze“ herbeisehnte, muß dabei das Vorbild der Troika der SPD im Kopf gehabt haben. Gabriel, Steinmeier und Steinbrück demonstrieren seit Jahren, wie man sich aus kollektiver Machtgeilheit ins Abseits schießt.
Ein resignierter Gysi, ein trampelnder Lafonaine – Sahra Wagenknecht durchaus willig zu kandidieren, wenn echte Not herrscht: Die Implosion der Linken war offenbar nicht Anlass genug. Die Entscheidung, irgend jemand – solange er nicht Lafontaine, Gysi oder Wagenknecht heißt – in die Spitze zu wählen, wird sich rächen. Frau Kippings artiges Benehmen, vor jedem Redebeitrag mit erhobenem Zeigefinger ums Wort zu bitten, läßt viele Rückschlüsse zu – nur nicht den Verdacht der Führungsstärke.

Irgend jemand muß den zerstrittenen Haufen „die LINKE“ wieder zusammenbiegen, die Betonköpfe unter Kontrolle und die mit dem 60. Jahre Weltbild. Der Zusammenschluss von DDR-Trachtengruppen und enttäuschten SPD-Funktionären ist keine linke Partei, sondern bestenfalls die Petrischale mit einer Nährstofflösung. Nicht, daß es keine wirklichen Linken gäbe – man hört sie nur so selten. Sie gehen unter in dem Gebrodel eines frustrierten Stammtisches, der offenbar nicht einmal das eigene Partei-Programm gelesen hat. „Solidarisch, gerecht, demokratisch, friedlich“. Von diesem Motto der Linken war auf dem Parteitag wenig zu spüren.
Der Aufruf Gregor Gysis an seine Genossen endete so auch mit dem Fazit:

„Die unterschiedlichen Teile unserer Partei müssen in der Leitung vertreten sein. Man muss sie zusammenführen, allerdings, um sie als Flügel zu entmachten.“

Ein resignierte Rede, die hauptsächlich von der Vergangenheit sprach; als wäre die Linke schon Geschichte.

Klaus Ernst brachte es auf den Punkt, indem er die Prognose in den Raum stellte:

„Stellt Euch ein Land vor, in dem Sigmar Gabriel plötzlich der Linksaußen der Politik ist“.

Man ist diesem Zustand ein gutes Stück nähergerückt.

P.S. Bernd Riexinger hat es immerhin schon zu Wikipedia geschafft.

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0 Kommentare zu Wer zum Teufel ist Bernd Riexinger?

  1. Mit dem nebensatz »wirkt Kipping wie das Komma in „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“« hast Du problemlos geschafft, die treffenden worte zu K. K. zu finden, nach denen ich suchte und nicht fand.
    Herzlichen glückwunsch!

    Über den herrn Riexinger denke ich »laß Dich überraschen« – nie gehört. Ich versuche, vorurteilsfrei mit dieser wahl umzugehen.

    Bei Klaus Ernst ging es mir ähnlich. War sozusagen ein »klogriff«.

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    • pantoufle sagt:

      Nebensatz ist gut … Es war beim nochmaligen Lesen eigentlich der einzige Satz, der in dem Artikel was taugt. Der Rest ist ja eher hilfloses Gestammel. Vielleicht schreibe ich es nochmal, wenn sich der Schrecken etwas gelegt hat und ich diese Niederlage verdaut habe.

      Es ist nun leider einmal so, daß die Menschen Ikonen an der Spitze sehen wollen. Davon hängt maßgeblich der Erfolg einer Bewegung ab – man kann das Bedauern oder nicht: Es ist eine Tatsache. Die LINKE hat drei davon; man wählte die Nobodys. Schlimmer als die Wahl der Personen aber war die Ausstrahlung, die der Parteitag schon im Vorfeld hatte. Angefangen mit Lafonaines dumpf-trotzigem „Ich oder keiner“ bis zu Gysis resigniertem Abgesang an die Partei war so ziemlich alles vertreteten, was abschrecken konnte. Dagegen sieht ja der Gipfel der Deutschen Haustierpartei wie ein Triumphzug aus.

      Ich möchte Riexinger und Kipping nichts Böses unterstellen – für positive Überraschungen bin ich immer zu haben, aber mein Optimismus hat hier enge Grenzen. Die vielbeschworene Bundestagswahl ist nächstes Jahr. Ich halte es für fraglich, ob man bis dahin den Schritt vom Wahlverein zu einer kraftvollen Linken schafft.

      Gabriel als Linksaußen der deutschen Politik? Wenn der Ekel dich peitscht und du glaubst, es kann nicht schlimmer kommen …

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  2. landbewohner sagt:

    mir stellt sich immer die frage: was machen rechte (postengeier) in einer linken partei? und, wer braucht die da? ich denke mit dieser wahl und dem bild von göttingen hat sich die partei selbst beseitigt.

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  3. Das klingt doch alles sehr positiv –also anscheinend gibt es zumindest noch jemanden, der glaubt, dass es auch Parteien gibt, die noch einen guten Zweck verfolgen und dass ein Parteiprogramm einen anderen Zweck erfüllt als den der Täuschung 😉

    Ehrlich gesagt war ich immer dafür, wählen zu gehen (die armen Leute brauchen ja auch ihr Einkommen). aber wenn die nächste Wahl kommt, dann bin ich wirklich überfordert (oder unterfordert?!) und hab keine Ahnung, wer es verdient hat, dass ich die Verantwortung auf ihn schie..ähm ihm die Verantwortung übertrage mich zu vertreten. Vielleicht doch die APPD? Die investiert die Parteizuwendungen nach der Wahl wenigsten regelmäßig in Freibier für alle. ….*seufz*.

    In meiner Verzweiflung werde ich noch zum Protestwähler und wähle irgendeine weltfremde, absurde und menschenfeindliche Partei… aber will ich wirklich meine Stimme an die FDP geben….?!? Verzweiflung. Vor allem: bis 2013 heißt der Vorsitzende der „Liberalen“ wahrscheinlich Silvio Berlusconi, Wowereit wird Kanzlerkandidat der SPD und verspricht nie wieder einen Flughafen zu bauen, der NATO-Einsatz gegen die Piraten war erfolgreich und es gibt diese nur noch in Somalia und für die Linken tritt ein gewisser Karl Marx, Zigarrenfabrikant aus Lippstadt, an – den kennt zwar bisher keiner, aber man hofft, dass der Name den Leuten bekannt vorkommt und sie ihn trotzdem wählen.

    Bleibt nur noch die Methode von Orélie Antoine de Tounens und einen eigenen Staat gründen. Aber das macht so viel Arbeit und ich muss noch Wäsche waschen…. .

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    • pantoufle sagt:

      Wie wärs mit einer verlassenen Bohrinsel/2WK Flakstellung im Meer e.c.t.? Da trocknet die Wäsche schnell an der frischen Seeluft. Der Antrieb der Waschmaschine erfolgt über ein Windrad – kraftgekuppelt, wegen der niedrigen Verluste und bei Sturm gehts auch recht schnell 🙂
      Ich als überzeugter Nichtwähler bin jedesmal am zweifeln, ob ich nicht doch lieber die Linke … entscheide mich in der Regel aber für die PARTEI. Die einzige Partei, die genau das tun wird, was sie vor der Wahl verspricht … wenn sie denn endlich an die Macht kommt.
      Es ist auch ein Problem der persönlichen Eitelkeit: Jedes Mal, wenn man jemandem erklären muß, daß man Sozialist ist, wird man unweigerlich gefragt „aber doch nicht wie die, oder?“
      Parteitag der Linken – Fremdschämen leichtgemacht!

      Ja, ich glaube, daß es Politiker gibt, die im Rahmen ihrer Grenzen einen guten Zweck verfolgen. Sahra Wagenknecht z.B.

      (oh Gott … ich habe es gesagt … wie peinlich ist das denn? Hoffentlich liest das keiner! Pantouflen gibt sich als Optimist. Aber nur an einem Montag, wenn er auf den 4. Juni fällt.)

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      • Sahra Wagenknecht…? Ich dachte lange Zeit, die ist doch Stalinistin. Jetzt hab ich festgestellt, das stimmt gar nicht: schlimmer, sie ist Opportunistin!

        Mir gefällt auch nicht, dass sie immer von Mitbestimmung redet statt von Selbstbestimmung, aber naja….vielleicht bin ich da zu schwarz (wobei das nicht das selbe schwarz ist wie das der cdu).

        naja…vielleicht wähl ich die violetten. das sind zwar von allen die bescheuertsten, aber es sind die einzigen, bei denen es das wort „Liebe“ ins parteiprogramm geschafft hat – na, wenn das kein grund ist 🙂

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  4. FF sagt:

    Jo, sehr traurig mal wieder, das alles. Soso, äh, hmhmh, umf, Sie sind also … völlig unbekannt? Nicht telegen? Ohne jedes Charisma? Eine blasse, farblose, rundum fade Erscheinung? Kleiner Hang zur Korpulenz? Sperriger Name? Und reden können sie auch nicht? Dann hab‘ ich da was für Sie. Werden Sie doch einfach Vorsitzender der Linkspartei!

    Die haben den Ernst ihrer Lage nicht begriffen. Vielleicht sind die Ost- und West-Linken ja auch wirklich nicht kompatibel. Und, und, und.

    Aber Herrgott, haben die denn wirklich niemand anderen aufzubieten, wenn’s schon um Leben oder Tod geht? Die brave Katja ist doch nur die Fortsetzung von Gesine Lötzsch mit anderen, jüngeren, gelinde attraktiveren Mitteln. Und dieser Herr „Riexinger“ ist höchstens ein Klaus Ernst minus…

    Ich seh‘ wirklich langsam schwarz für diese „Linke“. Die bräuchten Kämpfertypen mit heißem Herzen, rhetorisch beschlagene Feuerköpfe, die den Medien-Boykott gegen ihre Truppe aufbrechen – und den selbstgefälligen Mehlsäcken aus CDUsPDGrünenfdp die Flötentöne beibringen…

    Arme Katja Kipping… Da wird sie ihr Zeigefingerchen wohl vergebens in die Höhe recken.

    PS.: Langsam schwant mir auch, daß ich Frau Wagenknecht überschätzt habe. Es ist nicht nur diese komische Ludwig-Erhard-Verehrung, die sie neuerdings an den Tag legt. Mit ihrer Lafontaine-Liaison hat sie sich als ernstzunehmende Politikerin sozusagen selber abgeschossen. Bitter, aber wahr.

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    • pantoufle sagt:

      […] ist höchstens ein Klaus Ernst minus… Ver.di
      Ihren ersten Absatz habe ich nun wohl 10 mal gelesen und er wird jedes Mal besser – Glückwunsch!
      Mir blieb nach diesem Sonntag die Spucke weg. Mit größerem TamTam und Parademarsch („Völker hört die Signale…“) ist in den letzten 20 Jahren nicht lustvoller mit beiden Händen ins Klo gegriffen worden. Wenn die „S“PD noch existieren würde, wäre es das denkbar großzügigste Wahl-Geschenk für 2013. Nun heißen die Sozen nicht mehr SPD, sondern Piraten – prozentual sollten die im Bundeswahljahr da liegen, wo die SPD vor 2 Jahren geschätzt wurde.
      Die Piraten werden also mit ca. 20% die FDP beerben, während die ehemalige SPD sich als Ortsgruppe der CDU umbenennt und das „S“ einfach ans Ende stellt.
      Wer dann noch nach einer linken Alternative sucht, wird in Dresden oder Karl-Marxstadt in kleinen, piefigen Hinterhöfen fündig. Bei Club-Cola und Thüringer vom Grill kann man dann die alten Lieder mitsingen – ganz leise, bevor die Büttel der ganz großen Koalition kommen. Weia…
      Bei meinen lieben Lesern aus der ehemaligen DDR bitte ich an dieser Stelle um Verzeihung: Keine Angst – die werden in West und Ost gleichermaßen ausschwärmen.
      Das wird die Folge sein: Die Wähler der Linken werden zu der piratigen Partei mit dem Schwamm im Wappen flüchten – die Idee des Sozialismus für die nächsten Jahre diskreditiert; erst die Betonköpfe der SED, dann die Heidehasen von der LINKEN.

      Was die Sahra Wagenknecht angeht, so werden Sie einem enttäuschten Liebhaber verzeihen – das geht nicht so schnell, wenn man so sehr liebte. Diese verquaste Ludwig Erhard Leichenschau, die Frau Wagenknecht da betreibt, ist mit Mitteln des Verstandes nicht zu erklären. Warum hat sie nicht gleich Spidermann genommen oder Oskar Lafontaine … äh, na gut … das wiederum ist ihre Privatsache, wenn ich auch der Meinung bin, daß sie mit mir erheblich mehr Spass gehabt … aber das ist eine andere Geschichte!

      Drei Köpfe / Kämpfer von Format hat die LINKE:
      Sahra Wagenknecht mutiert zu einer Talkshow-kompatiblen Schwiegertochterlinken. „Sie hat zwar ein paar komische Ansichten, aber das legt sich nach dem ersten Kind.“
      Gregor Gysi hat gerade laut gesagt „macht euren Dreck doch alleene…“
      Oskar Lafontaine hat abgewirtschaftet. Ein unterformatiger Bonaparte auf dem Weg nach St.Helena.
      Das wars, meine Damen und Herren.
      Schnell noch ins Theater und Mutter Courage von Brecht ansehen, bevor es auf dem Index landet.

      Schön, mal wieder von Ihnen zu hören, FF. Ich begann, Sie zu vermissen. Unsere Langzeitwette ist mir noch in Erinnerung. Leider wage ich keinerlei Prognosen mehr in diesen düsteren Zeiten. Ich ziehe mittlerweile wieder durch die Gegend – sollte ich bei Ihnen in der Nähe sein, melde ich mich, um die zwei Flaschen Rotspon, die ich Ihnen bis jetzt schulde, möglichst schnell mit Ihnen auszusaufen. Wer weiß, wieviel Zeit noch bleibt …
      mit vorzüglichen Grüßen
      das Pantoufle

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