Was wurde eigentlich aus…?

Aus der Rubrik »was wurde eigentlich…« heute die Frage: Was wurde eigentlich aus den russischen Soldaten und Offizieren, die sich in der Ostukraine »einmischten« – was immer man darunter verstehen mag.
Man muß es wohl als Lageberuhigung verstehen, wenn sich Träger eines malerischen Bartes oder die Wiederauflage des Hauptmanns von Köpenick als das herausstellen, was sie sind: Pappkameraden. Chimären in der einzigen Art von Krieg, die sich der Westen im Moment finanziell leisten mag: Dem Propagandakrieg. Und selbst der scheint nur halbherzig geführt zu werden, wenn es einem Doppelpapst mit der Heiligsprechung eines Doppelpapstes gelingt, ihn übergangsweise aus den Schlagzeilen zu vertreiben. Wenigstens die Irrationalität teilt man.

Als glückliche Eingebung im Kampf gegen die mediale Amnesie gelang den Separatisten die Festnahme von OSZE-Beobachtern, die man in einem weiteren Fall von Unprofessionalität mit einem mindestens fragwürdigen Status in die Ostukraine entsandte. Wäre das nicht passiert: Die Bilder brennender Autoreifen und selbstgehäkelten Gesichtsmasken wären vermutlich zwischen die Rubriken Vermischtes und Kontaktanzeigen der Blätter gerutscht. Die Bilder eines elenden, stümperhaften Aufstandes, die Akteure mit Knüppeln und selbstgemachten Uniformen.

Was entsteht da in den russischsprachigen Gebieten der Ostukraine? Eine weitere Spielart der baskischen ETA oder irischen IRA? Es ist fast schon ein Nebenkriegsschauplatz: Der Westen wirft Russland die Störung der – unter russischen Ausschluß verhandelten – europäischen Friedensordnung vor, während eine unfähige Ukrainische Regierung zweifelhafter Legitimität einen geduldeten Bürgerkrieg anzettelt. Das Ergebnis von Genf dient dieser Regierung als Rechtfertigung, ihren »Anti-Terror-Einsatz« nach Kräften weiterzuführen; was nicht nur in Anbetracht des desolaten Zustandes der dafür in Marsch gesetzten Truppen fragwürdig ist. Die Zurückeroberung eines Rathauses, eines Fernsehsenders und eines viertklassigen Militärflughafens rechtfertigen nicht diese Darbietung.
Entweder man vertraut der von der eigenen Propaganda verkündeten Zahlen der tatsächlichen Unterstützer im Volk für einen Anschluß Russlands – man könnte dem von den Separatisten verlangten Referendum in aller Ruhe entgegensehen. 2000 Menschen sollen es sein, die für einen Anschluss an Russland votieren würden; das aber ist keine Mehrheit.
Oder aber man wartet in Ruhe die Präsidentschaftswahlen am 25 Mai ab. Der Ruch der Illegitimität wäre verflogen, die Separatisten hätten bis dahin ihre Notrationen angebrochen und Russland hätte keine legitimen Gründe, sich provoziert zu fühlen. Wo ist also das Problem?

Und warum eigentlich nicht dem Ruf der Separatisten nach »russischen Friedenstruppen« nachkommen? Es müssen ja nicht zwingend russische Soldaten sein. UN-Truppen werden doch auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit in Marsch gesetzt? Russlands Falken könnten kaum glaubwürdig mit einer Bedrohung argumentieren und die provisorische Regierung in Kiew wäre schlagartig sämtliche schwarzen Peter los, mit denen sie im Moment jongliert.
Selbst die NATO würde mit einem kleinen Lichtlein von Gloria dastehen. Haben dann nicht auch unter anderem ihre Soldaten die Ordnung wieder hergestellt? Vielleicht sogar Seite an Seite mit Putins Garden – was für ein Zeichen von Völkerverständigung.

Aber genau das will man offensichtlich nicht. Die G7 Staaten beschließen neue Sanktionen? Nein: Sie beschließen eine neue Nachkriegsordnung. Wurden die Regelungen nach dem Zusammenbruch des Ostblocks noch mit Duldung Russlands beschlossen, so denkt man nun an eine Variante ihrem vollständigen Ausschluß nach. Nach eingehender Prüfung der eigenen Außenhandelsbilanz verkünden US-Ratingagenturen die Herabstufung der Russischen Kreditwürdigkeit auf nahezu Ramschniveau. Das ist die angedachte Nachkriegsordnung. Und eine Krieg dafür nimmt man offenbar billigend in Kauf.

Widersinnig ist das nicht nur in Bezug auf die Stabilität in Europa, sondern auch in Bezug auf einen unerklärten Krieg, den die bröckelnde Weltmacht USA gegen China führt. Während Sergej Lawrow in Peking weilt, reist Präsident Obama in Asien herum, um Unterstützung dafür unter anderem in Japan, Malaysia und Südkorea zu gewinnen. Ob der russische Außenminister in China nur über Erdgas geredet hat? Es ist zu bezweifeln.
Einen Weltkrieg könnte man es schon nennen, vielleicht sogar einen »dritten«. Nur verlaufen seine Fronten nicht entlang der Ostukraine oder in Transnistrien. Er wird auch nicht mit Panzern und Flugzeugen geführt werden. Es ist ein Krieg der Händler.

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0 Kommentare zu Was wurde eigentlich aus…?

  1. Feuj sagt:

    Nix mit OSZE-„Beobachter“!!! Es waren nur Mitglieder aus OSZE-Staaten (nicht mehr und nicht weniger) die KEINE Beobachtermission hatte – Selbstaussage OSZE! Ist der Besuch eines Repräsentanten eines UNO-Staates in irgend einem Land gleich eine UNO-Mission???

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