Was wurde eigentlich aus…

… den Ermittlungen gegen die NSU-Mörderbande?
Eigentlich sollte man annehmen, daß solche Ereignisse die Köpfe der Verantwortlichen zu Boden sinken lassen sollte wie Kirschblüten. Die Kirschen haben die Stare geerntet, die Köpfe sind immer noch auf den Schultern.

Was offensichtlich geeignet war, sämtliche Innenminister komplett auszutauschen – inklusive der Schließung dieser vollkommen nutzlosen Verfassungsschutzbehörden – präsentiert sich mehr und mehr als Kasperletheater. Getauscht wurden ein paar Beamte, bei denen man sich sicher sein konnte, daß sie im Sinne ihrer Dienstherren funktionieren.

Die durch den Untersuchungsausschuss ans Licht gebrachen Details sind so grotesk, daß sich der Eindruck einer schlechten Comic-Verfilmung aufdrängt. Wahrsager, Ku-Klux-Klan, getürkte Dönerbuden, bizarre Praktiken mindestens beim Thüringer den Verfassungsschutzbehörden – allein die bundesweiten Verwicklungen dieser Behörden in die Kreise von Neonazis würde einen Untersuchungsausschuss rechtfertigen; dazu brauchte es die Morde nicht.

Das Ergebnis?

H.P. „Schredder“ Friedrich ist immer noch im Amt. Genau wie sein Kollege Günter Beckstein und andere Verantwortliche. Eine öffentliche Diskussion über Vergangenheit und Gegenwart des Rechtsradikalismus findet nicht statt. Der eingesetzte Untersuchungsausschuss kämpft mittlerweile mehr gegen die mediale Amnesie als gegen die Versäumnisse von Politik und Behörden: Das war allerdings auch so beabsichtigt. Wozu dient ein Untersuchungsausschuss? Eben genau dafür.

Uhl, Friedrich, Söder, Beckstein und Co fischen derweil wieder ungeniert am rechten Rand: Die nächsten Bundestagswahlen stehen vor der Tür und da ist man großzügig, wenn das Kreuz auf dem Zettel mit brauner Gesinnung gezeichnet wurde – es zählt die Summe, nicht die Farbe. Die unteren Chargen arbeiten derweil erfolgreich an der Gleichstellung von rechtem und linkem „Extremismus“, was neben der offensichtlichen Unvereinbarkeit eine fade Mitte präsentiert; da werden Stilblüten wie Fahrradhelmpflicht und Einkaufschlange-Steuer zu Spitzenprodukten der Politik – alles andere wird ja fast schon aus Routine vom Bundesverfassungsgericht kassiert.

Der Untersuchungsausschuss lebt. Oder ist es schon ein Zombie? Es gibt wenig Veranlassung, am guten Willen der Beteiligten zu zweifeln – an einem sinnvollen Abschluss dagegen schon. Das scheint auch mindestens einem Beteiligten dieses Ausschusses klar zu werden: Petra Pau von den Linken schreibt das in einem Beitrag bei „das Blättchen“. Lesenswert und desillusionierend.

Freuen wir uns also jetzt schon auf die Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten… wie war doch gleich der Name?

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0 Kommentare zu Was wurde eigentlich aus…

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  3. FF sagt:

    Jo, werter Monsieur Pantoufle, da ist alles durch und durch verfault. Das “N” in NSU-Ermittlungen steht für: Nebenkriegsschauplätze, Nebelkerzen, Nirwana, Napfsülzen, Nimmerleinstag. Soviel jedenfalls ist heute klar.

    Alles andere hingegen: völlig unklar.

    Allein dieser mysteriöse Tod von Böhnhardt/Mundlos: die erschießen sich also brav in ihrem Wohnmobil – nur weil eine Polizeistreife “in der Nähe” war?

    Hartgesottene Schwerstverbrecher, die ein knappes Dutzend Menschen ermordeten und jede Menge Banken überfielen? Die paar Jahre zuvor erst zwei Polizisten in deren Streifenwagen (!) überfallen und eine(n) erschossen haben? Diese offenbar kaltblütigen “Profis” riskieren keine Konfrontation, wagen nicht mal einen Fluchtversuch, notfalls getrennt und zu Fuß – obendrein in einer unübersichtlichen Kleingartensiedlung? Aha, so, hmh, hhmmhh.

    Und dieser Wohnwagen, der geht dann also prompt (mitsamst wichtiger Spuren von einem etwaigen dritten Mann) in Flammen auf – bei zwei Schüsschen aus kleinkalibrigen Pistolen? Hollywood würde blaß vor Neid.

    Und dieser “NSU”, der hatte also einen heißen Draht zur Thüringer Polizei und zum Thüringer Verfassungsschutz, soso. Daß die 2007 in Baden-Württemberg erschossene Polizistin aus Thüringen stammte und vorher dort eingesetzt wurde, war selbstverständlich: reiner Zufall.

    Nee, das stimmt alles hinten und vorne nicht. Vulgo: es stinkt zum Himmel.

    (Aber unser Großer Bruder in Washington hat der Welt ja mit 9/11 bewiesen, daß man mit noch viel hanebücheneren Stories vorerst durchkommen kann – vorausgesetzt, daß man (1.) die Geschichte lang genug verschleppt, (2.) eine “offizielle Version” in die Welt setzen und bis zum Erbrechen wiederholen läßt sowie – ganz wichtig! – (3.) alle halbwegs unvoreingenommenen Betrachter als “Verschwörungstheoretiker” diskreditiert.)

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  4. pantoufle sagt:

    Tja… was soll man dazu sagen. Ich hatte einen Moment überlegt, ob ich dazu schnell mal einen Geschichte erfinde… Polizei findet verdächtigen Wohnwagen mitten auf der Landstraße, Samenstau und Jägerglück treffen sich mitten zwischen die Augen und dann mußte eine Erklärung her.
    So oder so ähnlich könnte man dieses unselige Märchen aufarbeiten. Worauf würde sich der geneigte Autor werfen – Satire… die Zeit schreit nach Satire! Aber wie? Ku-Klux-Klan, Wahrsager… alles schon dagewesen. Man steht / sitzt vor der Tastatur hilflos da und überlegt, wie man das noch toppen kann. Nein, man kann es nicht. Versucht man es, so lauert der Staatsanwalt, der in diesem Falle so sicher kommt wie er niemals bei der Gegenseite erscheint. Da mögen die Argumentationen noch so scherenschnittartig aus den Protokollen des Nürnberger Prozesses geschnitten sein – nein: Im Unrecht befindet sich immer der Kritiker. “Ich habe ja nur die Organisation des Schienenverkehrs unter mir gehabt.” “Ja Danke, Herr Eichmann – Sie können dann gehen.”
    Man kommt einfach nicht mehr mit. Da machen die einen Energiegipfel: Ohne jede Beteiligung alternativer Energieerzeuger. Da stellt sich ein Bundesinnenminister als das schlimmste Übel seit … ach, lassen wir das… heraus und die Zeitungen berichten darüber, was für ein süsser Teddybär das doch ist. Bewaffnete Truppen im “Innneren”, Volksvermögen verschleudert an die Reichen und Schönen dieser Welt…. welt … da war doch was – Friede Springer schenkt Döpfner 74 Millionen Euro?
    Das ist es wohl: Sie haben die allerletzte Scham verloren, zu lügen.
    Die pflaumenweichen Erklärungen, warum das Land eine Diktatur wie Belarus unterstützt, war von so grotesker Naivität, daß sich eine Diskussion allein aufgrund solcher Argumentation verbietet.
    Wir haben es mit unkündbaren Politikern zu tun. Ein Wechsel ist nicht möglich. Es gibt keine Chance, etwas zu ändern – es sei denn, auf einem nach dem Grundgesetzt in Artikel 20GG (4) verankertem Beispiel.
    Die NSU? Die gibt es doch gar nicht: Das interessiert kein Schwein mehr. Das ist Geschichte! Aus Vorbei. Auf zum letzten Gefecht…
    Auch das habe ich irgend wann schon einmal gehört.

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