Was Sie über den IS-Terror wissen müssen *

Politisch unkorrektes und in Anbetracht der Toten empörendes hinkendes Beispiel. War aber eben zur Hand

Politisch unkorrektes und in Anbetracht der Toten empörendes hinkendes Beispiel. War aber eben zur Hand

 

Ein – beabsichtigt oder nicht – Nebeneffekt der atomaren Abrüstung scheint zu sein, daß man Kriege wieder für führbar hält. Und jeder gute Krieg fängt damit an, sich einen Feind zu schaffen. Kriege sind ja nicht wie Wirtshausschlägereien, bei denen man sich erst besäuft, um dann vollkommen beliebig die Faust gegen irgend jemanden zu erheben um sich danach von Wildfremden das Blut abtupfen zu lassen – große Versöhnung inklusive am nächsten Abend. Die besten mir bekannten Männerfreundschaften begannen damit, daß man sich bei solchen Gelegenheiten einmal in die Quere kam. Schon gar, wenn eine Dame im Spiel war: An den Namen des Mädchens kann man sich in der Regel nicht erinnern.

Kriege dagegen bestehen unter anderem darin, erst einmal einen Gegner herbeizureden. Nicht, daß sich dieser Vorgang nennenswert von einer ordinären Schlägerei unterscheidet: Man verwendet dafür lediglich erheblich mehr Mühe bei gleichzeitigem Verzicht auf Alkohol. Gesoffen wird später. Die Kostspieligkeit moderner Kriege legt eine genaue Auswahl des Gegners nahe wie auch die der Ziele, die man dabei verfolgt. Die Flaschen werden erst in dem Augenblick geköpft, wo dieser Entscheidungsprozeß seinen Abschluß findet. Demnach befinden wir uns gerade in der Phase des Vollrausches.

Die IS-Miliz: Man wundert sich weniger darüber, daß es sie gibt als vielmehr über ihr spätes Erscheinen. Sie war überfällig. Historisch voraussehbar wie Mao oder Lenin, nur mit dem Unterschied, daß sie vergleichsweise spät kommt. Man würde diese Bewegung, diese Guerilla eher in den frühen sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts vermuten oder gleich im Anschluß an den zweiten Weltkrieg als Reaktion auf die Kolonialpolitik der Westmächte. Denn genau darauf ist sie eine folgerichtige Reaktion, genau das steht im Hintergrund.
Auch in ihrer Brutalität, den willkürlichen Morden steht sie den genannten Revolutionen in nichts nach; ist darin nicht einmal außergewöhnlich auffallend. Auffällig erst im Zusammenhang mit der Geschwindigkeit, mit der sich Nachrichten im 21. Jahrhundert verbreiten und dieser Effekt wird als Teil der Propaganda genutzt. Die Botschaft dabei ist die Grausamkeit, die Entschlossenheit vermittelt. Das individuelle Töten, nicht eine Armee, ein General, sondern das Individuum. Keine Orden, aber ein Gesicht.
Nur passt sie optisch so gar nicht in eine Zeit, in der man sich stillschweigend darauf verständigte, daß es eine angeblich saubere, stille Art der Tötung gibt. Präzisionswaffen, unbemannte Drohnen – Kriege als Instrument der Gerechtigkeit und als Verkünder der Weltmoral. Wie eine mittelalterliche Landsknechtshorde wälzt sich diese Bewegung quer durch die Vorstellung von J.P. Morgan und Shell über die Aufteilung der Welt.

»Die Ästhetik des Krieges ist ja nichts Neues: Das kennen wir ja selber seit der Erfindung moderner Medien und des modernen Krieges. Begonnen hat das mit den Materialschlachten des ersten Weltkrieges, wie die Futuristen das Maschinengewehr besangen und Ernst Jünger die Schrapnells. Aber es war auch eine Ästhetik des Subjektivierung: Die Maschinen ersetzten den Soldaten, den Krieger und damit auch das Himmlische. Das, also das Himmlische, das Heroische kehrte später im Guerillero wieder, der sich der Maschine widersetzte. Schlecht bewaffnet, aber die Moral auf seiner Seite und die Ästhetik des Jihadismus ist eine Fortsetzung davon. In sofern ist das auch sehr modern.«

Robert Misik

Ein britischer Militär bezeichnet die IS als schlagkräftigste Armee des nahen Ostens (von der Israels einmal abgesehen). Sie hat innerhalb von kürzester Zeit eine Fläche in der Größe von Großbritanniens eingenommen, kann dieses Gebiet offenbar halten und kämpft an vielen Fronten gleichzeitig mit Erfolg. Erfolg gebiert Erfolg und so braucht man sich nicht über die Anziehungskraft zu wundern, die die Erfolge der Jhihadisten im Westen auf junge Muslime haben. Für diese Anziehungskraft steht die Religion des Islam vermutlich nicht einmal an erster Stelle. Isolde Charim formuliert es in der taz-Online:

»Der IS schlachtet nicht nur, er will und braucht auch eine Legitimierung dafür. Das Perverse ist, daß er diese Legitimität aus der Gewalt selbst bezieht: Die Gewalt gegen eine angeblich sündhafte Welt im Dienste einer „Gottesordnung“ liefert ihm diese Legitimität. Das heißt dann: je brutaler, desto frommer.«

Ein Videospiel, ein Ego-Shooter, Bild- und Kriegsästhetik des 21. Jahrhunderts; das alles mit dem Hintergrund des Islams. Ist es das tatsächlich und – gesetzt den Fall, diese Wertung träfe zu – : Wäre es ein Alleinstellungsmerkmal? Die Werbung westlicher Armeen an Schulen spielt dieselbe Karte, nur daß das Bild von Religion darin keine tragende Rolle spielt. Eine andere Unterstellung: Der Dschihad der IS hätte mit der Religion des Islam wenig zu tun. Eine steile These, die davon ausgeht, daß sich das Gesicht einer Religion nicht ändern kann. Nennen wir es eine »regionale Anpassung«. Nur gesetzt den Fall, die IS siegt in einer Weise, daß man sich mit ihnen über einen wie auch immer gearteten Frieden einigen müsste, so wäre diese Frage vollkommen zweitrangig. Niemand würde sie stellen, so wenig wie die nach dem Glaubensbekenntnis Wilhelm II oder dem von Stalin. Tatsache ist, daß sie eine bindende Kraft darstellt. Ein Wertesystem, dem der Westen absolut nichts entgegenzusetzen hat. So wenig wie in der Beurteilung und Verfahrensweise gegenüber China, wo die Macht des Faktischen selbst vergessen läßt, daß es sich um ein kommunistisch regiertes Land handelt (geschweige denn, daß die Religion dabei irgend eine Rolle spielen würde).

China als nahezu stärkste Wirtschaftsmacht der Erde als Beispiel dafür, daß man dort mit einem Schulterzucken die Werte von Demokratie und Menschenrechten abtun kann. Mit was kann und will der Westen dort trumpfen? Als moralisches Erfolgsmodell wohl kaum. Genau so wenig wie das gegenüber des IS möglich wäre. Der dabei anfallende Erklärungsnotstand überfordert offensichtlich die abendländische Diplomatie. Schließlich war man es selbst, der den Nährboden bereitete; die IS-Milizen kämpfen mit Kalaschnikow, M16 und Geländewagen von Toyota. Mittlerweile finanziert sich der IS auch durch den Verkauf von Rohöl – eigenartigerweise ohne daß die Käufer namentlich bekannt werden. Shell? Statoil? Rosneft?
Die Darstellung des Westens ist dann auch erschreckend kurzatmig. »Terror-Miliz« leidet unter dem inflationären Gebrauch des Wortes Terror. Der Begriff krankt unter anderem auch daran, daß er suggeriert, daß man sich in dem Falle mit den politischen und sozialen Hintergründen nicht beschäftigen muß, suggeriert, er besitze keine. Das namen-, gesicht– und geschichtslose Verbrechen Terror… und genau das ist es eben nicht. Die Gesichter der Mörder sind für jedermann auf Youtube zu sehen, auf Facebook oder in Hochglanzbroschüren. Ihre Geschichte auch für diejenigen, die sie verstehen wollen. Die allfällige Dämonisierung stellt sich dem Verständnis allerdings erfolgreich entgegen.

Als Beispiel dafür, was passiert, wenn man sich den verordnetem Wortgebrauch, den kanalisierten Gedanken widersetzt, darf Margot Käßmann sein. Ihr wiederholt postulierter Pazifismus stände nicht nur der (evangelischen ) Kirche gut an. Darin läge eine Stärke der westlich-demokratischen Kultur, das wäre die Manövermasse, die man vorzeigen könnte. Man kann sich dem Krieg durchaus verweigern. Der Westen, die Ungläubigen, taugen dem IS ja gerade deswegen als Gegner, weil dessen Brutalität bei seinem neokolonialem Gehabe den Populisten Tür und Tor öffnet. Den Diplomaten folgten die Militärs und denen die Kaufleute. In der Tat ohne Glauben, ohne Werte, nur mit der Macht der Waffen. Dem etwas entgegenzusetzen kann nicht »noch mehr Waffen« bedeuten.
Käßmanns Amtsvorgänger Wolfgang Huber kommentierte 2010 Margot Käßmanns Gedanken:

»Jeder Christ hat das gute Recht und gegebenenfalls starke Gründe, für sich selbst den Einsatz von Gewalt abzulehnen und einen individuellen Pazifismus zu vertreten. Aber von der deutschen Politik müsse man einen Verantwortungspazifismus erwarten, dem die Frage, wie andere Menschen vor Gewalt bewahrt werden können, genauso wichtig ist wie die, wie man sich selber vor dem Einsatz von Gewalt schützen kann«.

Zufalls-Pazifismus in Abhängigkeit von parteipolitischen Gefühlen und der Gemengelage der Verbündeten – sicher nicht das, was die Bischöfin meinte. Vier Jahre später kommentiert es der politisch rechts-außen politisch angesiedelte Jan Fleischhauer konkreter:

»Die Islamisten im Irak köpfen und steinigen – trotzdem empfiehlt Margot Käßmann den Deutschen einen bedingungslosen Pazifismus. So viel Unempfindlichkeit für moralische Dilemmata ist verblüffend. Sogar der Kirche ist das Verständnis für das Teuflische abhanden gekommen. […] Wir können dem Bösen bei seinem Werk zusehen. […] Bemerkenswert ist nicht die Unbedingtheit des Pazifismus, wie ihn Käßmann verkörpert, oder die fröhliche Unempfindlichkeit für die moralischen Dilemmata des Gewaltverzichts. Das eigentlich Erstaunliche ist, daß nicht einmal eine deutschlandweit bekannte Theologin noch eine Vorstellung vom Bösen zu haben scheint.«

Bemerkenswert ist vor allem die Wortwahl: »Teuflisch«, »das Böse«. Wenn man einer Institution wie der Kirche die Deutungshoheit über diese Begriffe entzieht und sie selber definiert, hat die Hexenjagd der Gosse begonnen. Damit nähert man sich, verschmilzt mit den Propagandabegriffen dieses Gegners. Da stehen sich die Ungläubigen dem Bösen gegenüber. Was paradox erscheint, hat Methode. Wo diese Begriffe hausen, hat die Vernunft Hausverbot. Wirtshausschlägerei bis aufs Messer, Kristall- und Bartholomäus-Nacht.

Der Begriff »Partisan« oder »Guerilla« kommt dann zum Tragen, wenn die bestehenden politischen Verhältnisse einen Legitimitätsverlust erleiden, ein Machtvakuum entsteht. Dieses Machtvakuum entstand unter anderem durch den zweiten Irakkrieg und die Ermordung Saddam Husseins. Die folgende Regierung – von Amerikas Gnaden und an deren Gängelband – war niemals legitim. Der Kampf dagegen wurde nicht von der IS-Miliz begonnen – er eskalierte unter ihr. Ihre Forderung: Das Kalifat, die Vereinigung der weltlich und geistigen Führerschaft in der Person eines Kalifen. Daß diese Interpretation des Begriffs »Kalif« nach Ansicht vieler Muslime nicht mit dem Koran vereinbar ist, ändert daran erst einmal nichts. Es ist diese Idee, mit der man sich auseinanderzusetzen hat, die man nun mit Waffengewalt aus der Welt zu räumen hofft.
Vielleicht gelingt es, die Kämpfer des IS militärisch zu besiegen, für eine kleine Weile, einen Moment. Das Vakuum bleibt und es ist nichts in Sicht, das es ausfüllen könnte. Die Nachfolger des IS werden auch Terroristen heißen, ganz gleich, was sie tun. Eines werden sie mit Sicherheit nicht: Dem Vorbild des Westens folgen, die Regierungsformen einführen, die für den ungeheuren Blutzoll im nahen Osten verantwortlich sind. So werden sie das nämlich sehen: Als Niederlage, als Fessel. Die Islamophobie und militante Ablehnung aller Daseinsformen ausgenommenen der eigenen haben dem Abendland eine Menge von weltanschaulichen Gegnern beschieden, denen man nicht mehr Herr wird.
Rückzuggefechte, wo das Infragestellen des eigenen Standpunktes erforderlich wäre.

* ) Die Überschrift ist aus einem Titel von SpOn geliehen – er kann sie hiermit zurückbekommen. Die Antworten waren genau so stupide wie die Schlagzeile. Nicht die genaue Zahl der Morde und Verbrechen ist entscheidend: Es ist vielmehr die Erkenntnis, wie die Antwort auf die vom Westen postulierte »asymetrische Kriegsführung« aussehen mag. Brutal, einfach und sehr effizient. Und zudem preiswerter als Satelliten und Drohnen.

Zum schlechten Schluss ein Link zu »the islamic state« von Vice-News. Fernab jeder journalistischen Ausgewogenheit ein Blick ins Hinterland der Guerilla.

0
Dieser Beitrag wurde unter der Untergang abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

0 Kommentare zu Was Sie über den IS-Terror wissen müssen *

  1. lazarus09 sagt:

    Ich hab ja schon mal bei KlausBaum geschrieben das ich mich wundere nirgends zu lesen das ISIS heuer kurz IS genannt eine Kreatur ihres Meisters den USA und Saudi Arabiens ist geschaffen die “Opposition” zu destabilisieren, ähnlich wie seinerzeit die Mudjaheddin gegen die Russen [Oops heuer pöse Taliban] in Afghanistan, zusammengestellt, ausgebildet, finanziert und ausgerüstet von den USA als Werkzeug der Interessen den Guten™ ;-). Alles Gelaber und Klagen über Terror™ offenbar hochmoderner, gut organisierter Armee, mit gepanzerten Fahrzeugen und schweren Waffen ist Augenwischerei .. warum fragt keiner : ” wo haben die das Zeug her… wer hat da verdient ?? ”

    Altbekannte Propaganda .. mit solchen Untergrund und backdoor Aktionen verschafft sich der eigentliche Aggressor die moralische und eventuell “rechtliche™” Unterstützung zur Durchsetzung seiner Interessen™ mit ” anderen Mitteln ” . Aber auch hier ist die Herde in ihren Vergeltungsgelüsten dumm genug den System-Schalmeien der Profiteure auf den Leim zu gehen .

    0

    • pantoufle sagt:

      Moin Lazarus

      Ich würde auch gar nicht so weit gehen, zu behaupten, daß in dem Text irgend etwas bemerkenswert Neues oder Originelles stehen würde. Es ist eigentlich nur eine Bestandsaufnahme für mich selber.
      Seit geraumer Zeit sehe ich mir das Drama jetzt an: Die Verbrechen, die Trolle der Gegenseite und die insgesamt schwache Propagandaleistung des Westens.
      Misst man die IS am Erreichten, kann man sich des Eindrucks nicht entziehen, es mit einem »Erfolgsmodell« zu tun zu haben. Die kommen mit einer passigen Weltanschauung (lass die noch so schlichst gestrickt sein), mit der Brutalität, sie durchzusetzen und treffen an allen Fronten auf einen schwachen Gegner. Die Reihe der Hilflosen reicht dabei bis nach Washington. Waffen für die Kurden? Gehts noch? Und vor allem: Wer sind eigentlich »die Kurden«? Die PKK oder die in Syrien? Die im Irak? Googelt man nach »Kurden« bekommt man ein Gebiet präsentiert, das je nach politischer Gefühlslage und historischer Bildung in der Größe zwischen Bayern und der Ukraine schwankt. Das hat leichte Anklänge nach »wie groß ist eigentlich Israel?«, die Frage gestellt um 1946.
      Da schickt die Bundeswehr nun 6 Helmträger hin. Sechs (6). Nachdem man zwischen 1918 – 1946 mit Kindermalkreide die gewünschten Grenzen in Geographiebücher malte – bei gleichzeitiger Schaffung neuer Länder – nun das. Assad als neuer Pfeiler der Nato, weil Erdogan langsam, aber sicher abtickt? Die Kurden dabei als schnelle Eingreiftruppe? Man lacht sich schlapp. »Die 6. Armee unter General Friedrich Paulus Ajub Yousif wird aus der Luft zu versorgt. Tikrit ist unter allen Umständen zu halten!«

      Nicht einmal wenn die NATO etwas falsch macht, macht sie das richtig. Das Flüchtlingselend als Propagandamaterial benutzen und gleichzeitig klarzustellen, daß man die eigenen Grenzen für genau dieses »Material« sperrt. Und dann sechs (6) Krieger hinzuschicken, die dort Schutzwesten verteilen sollen. Fällt eigentlich niemandem dieser Zynismus auf? Keine Lebensmittel, Medikamente, Ärzte: Schutzwesten! Warum nicht gleich Kinderspielzeug? Über Stalingrad wurden Weihnachtsbäume abgeworfen…

      0

      • lazarus09 sagt:

        Misst man die IS am Erreichten, kann man sich des Eindrucks nicht entziehen, es mit einem »Erfolgsmodell« zu tun zu haben

        Hi Daniel, IS Erfolg ist USA Erfolg ,es ist ja auch den meisten nicht aufgefallen, das es Berichte über ISIS/IS erst seit ein paar Wochen gibt. Ich gehe mal davon aus, dass der weitaus überwiegende Teil der pösen Terrortruppen, die derzeit in arabischen Ländern rum terrorisieren, über lange Zeit von den „Guten©™“ zusammengestellt, ausgebildet, finanziert und ausgerüstet wurden, um sie nach belieben auf dem Pulverfass Naher Osten rumzuschieben.
        ISIS hat sich nun wohl nach Syrien zurückgezogen was wohl eher meint das ein großer Teil von IS von da kommt, wo sie gegen Assad unterwegs waren.
        Nun dürfen sie den USA als Möglichkeit und Grund herhalten, Angriffe auf Syrien zu fliegen und Akzeptanz für Bodentruppen beizubringen..Assad ? Der lässt entweder die Amis machen oder er erklärt sie als ungebetene Gäste und zeigt ihnen nachdrücklich die Tür. Beides endet wahrscheinlich gleich, er wird gestürzt, die US-Konzerne und Wirtschaft reißen sich die syrische Wirtschaft unter den Nagel, die Army baut Stützpunkte und hat wieder einen geostrategischen Punkt eingerichtet.
        Sollte Assad widerstand leisten dauert es ein wenig länger und es stirbt ein wenig nachwachsendes Humankapital inkl. US-Marines mehr…
        Warum erinnert mich das Vorgehen [ von staatlicher Seite finanzierter „Freiheitskämpfer“ Agenten Provokateur, Infiltrierung, Unterwanderung ] an das Laientheater mit den kanzeramtsfinanzierten braunen Burschenschaften die auch just immer dann wie „Jack in the box“ rauspringen wenn sie als Begründung für mehr Kontrolle,Überwachung, neuem Kampfgerät, strengeren Gesetzen, Beseitigung von Kritikern herhalten müssen …

        Die Leute halten grottenschlechte dümmliche Propaganda der Hetzartikelschreiber die einfach frech behauptet, unterstellt und diffamiert indessen weiter für seriösen Journalismus da kann man reden und Aufklären soviel man will und das ist das eigentlich beschissene….

        0

  2. pantoufle sagt:

    Alan Posener auf »starke Meinungen«:

    »Was die Peschmerga als „Infanterie des Westens“ angeht, so muss man sich nur fragen, ob sich die kurdischen Kämpfer selbst so betrachten, um die neokoloniale Überheblichkeit zu verstehen, die diesem Missverständnis zugrunde liegt. Für die Peschmerga ist der Westen eher der Quartiermeister der kurdischen Unabhängigkeit.

    Man kann für oder gegen die Unabhängigkeit Kurdistans sein. Zu glauben aber, die Kurden würden heute als unsere Infanteristen kämpfen, morgen dafür aber nichts einfordern, wäre extrem naiv. Blut gegen Unabhängigkeit: dies war der Deal, der schon – ausgesprochen oder unausgesprochen – dem Einsatz kolonialer oder halbkolonialer Truppen in den Kriegen der Europäer 1914 – 1918 und 1939 – 1945 zugrunde lag.«

    In dem Sinne gehts in dem Artikel weiter. Posener plädiert für einen »intelligenten Umgang« mit der IS, stellt allerdings im selben Atemzug fest, daß man davon Lichtjahre entfernt ist. Beifall von rechts freut nicht immer, aber in diesem Falle… 🙂

    0

  3. Thelonious sagt:

    Sie wurden herangefüttert. Mit Waffen und Geld. Vergleichsweise billiges politisches Werkzeug, der saudischen Potentaten und des europäisch-amerikanischen Imperialismus. Das stimmt alles und doch taugt es nicht als alleinige Erklärung. Sie sind nicht nur außer Kontrolle geratene Religionskrieger, die der Westen erst erfunden hat. Auch ohne Waffen und Geld aus dem Europa und den USA wäre diese Situation meiner Meinung nach früher oder später entstanden. Boumedienne sagte irgendwann in den 80ern: “Unsere Geburtenrate ist unsere Atombombe.” Diese musste irgendwann explodieren und sie tut nun es in der eigenen Region. Neben der politischen Korruption eint die nordafrikanischen Länder und die des mittleren Ostens die Perspektivlosigkeit der Jugend. Die säkularen Regimes haben allesamt abgewirtschaftet.

    Ba’ath verbindet man heute mit egomanischen Diktatoren wie Hussein, Assad oder Mubarrak (wobei letzterer nur bei Ba’ath groß wurde) aber nicht mehr mit der Idee des arabischen Wegs des Sozialismus. Der Idee von einer prosperierenden arabischen Region vom Atlantik bis an die iranische Grenze, deren Bodenschätze den Bewohnern gehören und für allgemeinen Wohlstand sorgen.

    Doch auch ohne Korruption wäre dieser Gedanke gescheitert. Der hohe Bevölkerungszuwachs frisst jegliche Steigerung des Wohlstands sofort auf. Zurück bleiben junge und mittelalte Männer ohne Perspektive. Wirtschaftlich kastriert und frustriert von den Zuständen. Tagtäglich erleben sie das Scheitern der säkularen Machthaber. Jahrzehntelang wird ihnen auf allen Kanälen etwas von der großen arabischen Nation vorgeplärrt. Ein Blut und Boden Nationalismus im Sinne Fichtes oder von Arndts. Vielleicht in einer Phase der Geschichte tauglich, um eine Dekolonisation voranzutreiben, aber absolut untauglich, um ein gleichberechtigtes, freies Staatswesen zu entwickeln. Revanchismus statt Utopie. Und so diskreditiert sich die Idee von ganz alleine. Die autoritären Herrscher suchen je nach politischer Ausrichtung die Nähe zu den ehemaligen Kolonialherren oder zur Sowjetunion. Welch ein Verrat. Was für ein Eingeständnis des eigenen Scheiterns.

    Und dann, Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre taucht der Zombie des politischen Islam wieder auf. Er wird von allen Seiten bekämpft und radikalisiert sich Untergrund. Es ist nicht mehr der Islamismus des 19. Jahrhunderts, sondern er hat gelernt. Er verbindet die traditionelle religiöse Gesellschaftsidee mit der des modernen Faschismus. Er verspricht den Enteierten Potenz. Macht. Und er hat Erfolg. Iran und Afghanistan werden entkolonialisiert. Der Islamismus etabliert sich als befreiendes Element in der Region. Was für eine kümmerliche Freiheit. Aber immerhin Freiheit. Der rollback ins Mittelalter beginnt. Frauen werden verschleiert und Männer sind wieder Herrscher in der Familie.

    Der männliche Mensch ist Einmalig, denn er ist nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffen. Darin besteht die Würde des Menschen. Die laizistischen Regimes haben ihm genau diese Würde genommen. Der Staat muss die Auffassung von der Einmaligkeit des Menschen zu seinen Grundlagen zählen. Weil alles gut geschaffen ist, ist auch der Mensch gut. Deshalb ist er fähig, das Gute zu bewirken. Wenn der Mensch Böses tut und sündigt, handelt er unter seiner Würde und gegen seinen Auftrag. Das Böse ist Abfall vom Guten, es hat keine Substanz in sich. Das richtige Gottesbild und Menschenbild ist das wichtigste Prinzip und Axiom.

    So hat auch Augustinus argumentiert. Die Würde ist reduziert auf einen rein moralischen Begriff. Freiheit ist zuerst die Ausübung des echten Glaubens.

    Die geographische Restaurierung des Kalifats der Umayyaden, das ist das mindeste Ziel. Das goldene Zeitalter des Islam beginnt von Neuem. Der Gott gerechte Gegenpol zum mächtigen Kolonialismus. Nicht mehr Untertan der verhassten weltlichen Diktatoren und Könige und schon gar nicht mehr der Kolonialisten. Nur noch des einzig wahren Gottes.
    Und an diesem Punkt wird jegliche politische Auseinandersetzung mit den Islamisten scheitern. Ihr Handeln und die damit einhergehenden Gräuel ist in ihren Augen zutiefst moralisch notwendig. Der Westen kann nie Verhandlungspartner der IS werden, denn er hat keine moralische Legitimation. Es gibt nur Sieg oder Untergang.

    Daher muss das Kalifat ständig weiter siegen. Nur der Sieg bindet die Kämpfer und lockt neue. In der Niederlage beginnen dann die Bruderzwiste. Plötzlich werden aus den geeinten sunnitischen Gotteskriegern wieder nationalistische miteinander verfeindete arabische Clans. Und was kommt dann? Jede Menge failed states und vielleicht eine Renaissance des Kolonialismus. Schließlich geht es um unser Öl.

    0

  4. pantoufle sagt:

    In der Niederlage beginnen dann die Bruderzwiste.

    Warum fällt mir da Libyen ein? Die ganzen Stammesfürschten, die Gadaffi gerade noch immer unter Kontrolle hatte?
    Danke erst mal für Deine bemerkenswerte Analyse. Hätte ich vor dem Wochenende mehr Zeit, würde ich gerne näher darauf eingehen. Nur so viel: Die Einschätzung, daß es es zu einer IS auch ohne direkte Waffenhilfe des Westens gekommen wäre, teile ich voll und ganz. Die Wurzel darin sehe ich in den nachkolonialen Kriegen nach dem zweiten Weltkrieg – Wurzeln wohlgemerkt! Das Auseinanderfallen des östlichen Paktes, der Tod der Idee des Sozialismus hat ein Vakuum an Ideologie erzeugt, das wie auch immer ausgefüllt werden will, werden muß. Ideen leben durch Konkurenz, Auseinandersetzung, nicht durch Alternativlosigkeit.
    Komischerweise fiel mir der Name Fichte in diesem Zusammenhang auch ein, ohne daß ich genau gewußte hätte, warum eigentlich. Fichte? Nein, eher Friedrich Ludwig Jahn, dieses Schreckgespenst des Paulskirchenparlamentes. Das ist ja alles nicht neu, was da passiert.
    Zu viele Ideen, die Du da formulierst – da komme ich aus Zeitgründen nicht hinterher. Aber ich habe es mit Genuss gelesen; am Sonntag oder nächsten Monteg ist das äußerste der Gefühle, wann ich wieder Zeit habe – Lust ohnehin, aber wirklich keine Zeit.

    Vielen Dank erst einmal und bis bald

    0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *