Was gesagt werden muß

Immer auf der Suche nach den Grenzen der Meinungsfreiheit, Albtraum seiner Chefredakteurin und aggressiver Polemiker: Ich liebe Deniz Yücel, auch wenn ich streng genommen nicht weiß, wie man seinen Namen richtig ausspricht.
Es hat gelegentlich etwas Befreiendes, wenn Yücel mal wieder loslegt und denjenigen öffentlich ein Arschloch nennt, den man nur mit großer Mühe als etwas anderes beschreiben kann. Warum sich also die Mühe machen? In diesem Sinne könnte man ihn extrem faul nennen.

Wenn er damit gelegentlich knapp am Ziel vorbeischießt: Scheiß drauf – die taz wird über gute Anwälte verfügen. Beim Deutschen Presserat firmiert er unter »guter Bekannter« – die Jagd-Strecke seiner Opfer reicht von Sarrazin über Gauck bis zum Papst. Yücels Lieblingssatz ist »…wurde mit Verweis auf die Meinungsfreiheit nicht gerügt.« Ziel seiner Artikel ist diese Formulierung des Presserates und damit kommt er in der Regel auch durch. Ausnahmen wie Sarrazin bestätigen diese; den Teil einer Formulierung bezüglich dieses Hetzers »[…] nur wünschen kann, der nächste Schlaganfall möge sein Werk gründlicher verrichten« ließ sich Yücel 20.000€ kosten. Was soll`s! Man kann nicht immer gewinnen.

Eine lange Laudatio zu einem kurzen Artikel. Eigentlich wollte ich nur auf eines seiner letzten Brachialwerke aufmerksam machen: »Stoppt den Gulasch-Hitler!«
Darin nennt er die Regierung Ungarns als das, was sie ist und was Ungarn in der europäischen Union verloren hat. Um das erschöpfend und ohne Raum für Nachfragen zu erledigen, benötigt er 262 Worte; inklusive dem »Länderlexikon Ungarn« am Rand. Und das ist so hübsch, das es hier zitiert werden soll:

Länderlexikon Ungarn
Hauptstadt: Budapest
Größe: mittel
Bevölkerung: rechtsradikal
Exportgüter: Ungarische Paprika, Ungarische Pässe
Berühmte Leute: Otto von Habsburg
Berühmte Orte: Plattensee (West-Ungarn), Plattenbau (Ganz-Ungarn)
Kultur: Schloss Gödöllö, Postmuseum Hollokö
EU-Tauglichkeit: null

Damit hat diese Lobhudelei 67 Worte mehr wie der Artikel Yücels in der taz.
P.S. Bevor Ihr jetzt auch noch losgoogelt: Das Schloß Gödöllö gibt es tatsächlich und war die Lieblingsresidenz von Königin Sisi. Wikipedia nach Mitternacht hat etwas gruseliges. Ist Euch das schon mal aufgefallen?

Und weil es so richtig schön dazu passt: “Orbán in Berlin mit Kanzlerin Merkel:»Ich, Europas Mitte…«

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0 Kommentare zu Was gesagt werden muß

  1. Frank sagt:

    Ist es nicht eher die “Jagd-Strecke”?

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  2. der Doctor sagt:

    Merkel droht Putin mit Sanktionen,Orban gegenüber erwähnt sie Demokratie und Menschenrechte nicht mal.Warum?Nun,ganz einfach:Ungarn ist in der Nato.Interessant ,wer da so alles für die westlichen Werte ,Demokratie und Menschenrechte kämpft.
    Übrigens ,in Saudi-Arabien wurde gerade ein kritischer Blogger zu 10 Jahren Gefängnis und 1000 Peitschenhieben verurteilt,wegen angeblicher Beleidung des Islam.Aufschrei unserer Presse?
    Fehlanzeige,nur eine kurze Erwähnung im Videotext.Öl und Waffengeschäfte sind im Zweifel eben wichtiger als Menschenrechte.Die Anti-Russland-Hetze erweist sich einmal mehr als pure Heuchelei.

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  3. Frank sagt:

    @derDoctor

    Es ist halt die Politik der Beliebigkeit.

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  4. pantoufle sagt:

    Ja, NATO spielt sicherlich auch eine Rolle. Neben dem lieben Geld – bei soviel »Investitionshilfe«, wie die EU in Ungarn bereits versenkt hat.
    Auf der anderen Seite spricht Angela Merkel ja auch sozusagen mit einem Parteifreund. Im Bund der europäischen Volksparteien (EVP) sitzen CDU und FIDESZ friedlich nebeneinander und Kritik – so man sie überhaupt üben wollte – kommt in Zeiten der Europawahl wohl kaum vor.
    Die Glückwünsche von Seiten der CDU zur Wiederwahl Orbáns lassen zudem darauf schließen, daß man Menschenrechtsprobleme in Ungarn nicht wahrnimmt bzw. mehr auf der selben Linie denkt, als es die freiheitlich-demokratische Rechtsordnung eigentlich zulassen würde.
    Soviel dazu, was sich so alles »demokratisch« nennen darf.

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  5. Joachim sagt:

    Natürlich ist es unglaublich, dass FIDESZ Mitglied der EVP ist. Natürlich ist es unglaublich, wie sich Merkel da verhält. Natürlich gibt es Leute in der CDU, die das für absolut nicht unglaublich halten. Natürlich basiert meine Meinung auch über die CDU auch darauf. Kurz: no go.

    Dennoch, Parteien können ein Problem mit Extremisten haben. Analog dazu, wie man in den Kommunen mit gewählten Rechtsradikalen umgeht, kann die CDU bzw. die EVP überlegen, wie man mit Viktor Orbán umgeht. Die Frage ist, ob und wie man sich Problemen stellen soll. Seltsamerweise, so finde ich, stellt sich Merkel den Problemen niemals. Doch das kann man auch anders sehen. Die Situation ist jedenfalls, dass ein Teil der Ungarn, ein Teil der EU und auch ein Teil der deutschen Parteienlandschaft Orbán aus strategischen Gründen, gar Überzeugung oder einfach weil man nichts tun könne, akzeptiert. Demokratie muss nicht altruistisch sein.

    Es ist ein Problem. Wie das Problem der Populisten in ganz Europa. Deshalb zu pauschalisieren ist aber kontraproduktiv. Yücel erkennt Tatsachen und folgert, Ungarn gehöre nicht in die EU. Der Fehler ist: es gibt nicht die Ungarn. Ein Land ist nicht seine Regierung. Aus noch so vielen Einzelfällen lässt sich nicht auf eine Allgemeinheit schließen. Dieser Fehlschluss, der sehr vielleicht sogar nur in den Köpfen der Leser entsteht, spielt Hetzern und Opportunisten in die Hände. Ausgrenzung hat noch niemals etwas Vernünftiges hervorgebracht. Ganz klar, ich assoziiere die Ungarn nicht mit Orbán, die Russen nicht mit Putin und die deutschen nicht mit Merkel. Vielleicht tut Yücel das auch nicht. Doch bitte, dann muss er das auch schreiben. Sicher, da ist ein Problem. Und sicher ist, Problemen muss man sich stellen. Doch er tut es so wenig, wie Merkel.

    Und er tut es aus dem selben Grund: Aufmerksamkeit und Kariere. Oder sogar, weil er/sie das glaubt? Oder möglicherweise kann er/sie es einfach nicht? How knows…

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    • piet sagt:

      Nicht verkehrt zu sagen : “Nicht das meine, aber ich respektiere.” Nur muß dann bitte glasklar sein, ab wann die Reißleine gezogen wird. Sonst ist man ziemlich schnell eingemeindet. Will sagen, die demokratischen Minimalstandards sollten schon drin sein. Sehe ich bei Orban nicht. Er hat´s 2002 einmal versucht und ist gescheitert, nach dem “Comeback” hat er die Spielregeln geändert. Leute, die nicht verlieren können, sind mir unsympathisch. Auch wenn eine gewisse Klientel das abfeiert.

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  6. pantoufle sagt:

    Das sehe ich auch eigentlich eher wie Piet: Die hatten ihre Chance. Und da war doch noch diese ominöse Wertegemeinschaft. Wenn irgend jemand gegen die Werte der Banken verstößt, sind sie recht schnell mit Sanktionen – siehe Beispiel Griechenland und Spanien. Bei Menschenrechtsverstößen oder Missbrauch demokratischer Spielregeln dagegen scheint die Langmut unbegrenzt.

    Daß Ausgrenzung ein stumpfes Schwert ist, will ich gar nicht bestreiten, ebensowenig es eine gefährliche Stunde der Extremisten gibt. Dann aber sollte man nach Ursache und Wirkung fragen. Ist es nicht auch ein immer kälter werdendes Umfeld, bei dem jede soziale Errungenschaft dem Wohl des Kapitals geopfert wird? Wer sich dann noch über das Erstarken radikaler Strömungen wundert… Das Laufenlassen Ungarns und seiner rechtsextremen Regierung bewirkt in erster Linie eines: Daß das zum Mainstream erhoben wird; es wird durch Duldung zur Legalität geadelt.

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    • Joachim sagt:

      pantoufle, piet, ich widerspreche Euch nicht. Ihr habt sogar komplett Recht. Ich habe nur versucht, mich in die Situation der EVP zu versetzen, unter ver Voraussetzung, dass nicht alle Mirglieder Ar*****er sind.

      Was dann kommt ist ein feines Argument gegen Populismus. Nicht die Ungarn sind die Bösen. Es ist Orbán. Das politische System da ist defekt. Aber doch nicht die Menschen – jedenfalls nicht Alle. Welche Mehrheit hat Orbán? Mal unter der gleichen Prämisse gedacht, welche Mehrheit Merkel hier hat. Und das ist nur eine Frage, nur ein Aspekt.

      Wie Stony sagt: “Ausgrenzung und Totschweigen funktionieren nicht”. Besser ist es, sich zunächst an die eigene Nase zu fassen. Wir müssen ein Klima schaffen, das Extremismus verhindert und Populismus ad absurdum führt. Und zwar hier und in Europa. In Griechenland haben wir ein Klima geschaffen, das Extremismus generiert. Wir haben den Populismus in Europa generiert.

      Selbstverständlich würde ich mich als CDU von der Fidesz deutlich distanzieren. Da sie das nicht tut gibt es kein Recht Ungarn aus der EU zu werfen. Sorry, von den einfachen Lösungen habe ich irgendwie die Nase voll. Sonst könnten wir auch das Pack einfach in einen Sack stecken und kräftig …

      Angenehm, dieser Gedanke? Vielleicht. Doch meint ihr, so wäre Populismus zu verhindern?

      Um auf das Thema zurück zu kommen: Yücel erkennt das Richtige und folgert das Falsche mit seinen zu einfachen “Lösungen”. Die Frage ist, ob man ihm dafür noch dankbar sein soll. Ich finde: Ja, zu einem Teil. Der Rest ist Medienkompetenz.

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  7. Stony sagt:

    Gärtner wußte zu dem Thema neulich lesenswertes zu schreiben.

    Wer meint, diesen immer stärker werdenden Extremismus mit Demokratie und Argumenten beikommen zu können, träumt wahrscheinlich auch noch von der Möglichkeit, den Kapitalismus als solchen zügeln, gar zu bändigen.

    Die Umstände werden immer prekärer für einen nicht unwesentlichen Teil der Bevölkerungen, wenn man hier nach Nationen differenzieren mag, die Angst (um das Wenige was man hat, oder zu verlieren glaubt) nimmt zu und ebenso der Wunsch nach einfachen “Lösungen” und starkem Führungspersonal. Was in Ungarn passiert und in England (und anderswo) droht, wird imo in den nächsten Jahren noch deutlich zulegen. Die “Freiheit” und den “Wohlstand” den “wir” uns hier in Europa leisten (jaja, ich weiß) können wir nur durch Ausbeutung und Unterdrückung anderer Teile der Welt aufrecht erhalten. So wie Deutschland der Blutsauger für Europa ist, ist Europa (zumindest das alte “Kerneuropa”) das auf seine Weise anderswo in der Welt – nicht alleine natürlich, Mächte gibt es einige und der Kolonialismus hat zwar sein Aussehen gewandelt, im Grunde funktioniert er aber weiter, im Kleinen wie im Großen.

    Ausgrenzung und Totschweigen funktionieren nicht, damit verhärtet man doch letztlich nur die Grenzen zwischen Andersdenkenden und schafft Identitäten und Quasimärtyrer; mit Argumenten überzeugt man keine Fundamentalisten, wären sie denen zugänglich, sie wären keine. Was bleibt also … Träume erzählen, vermitteln, mit ‘gutem Beispiel’ vorangehen (um mal positive Optionen zu nennen)?
    Solange die Basis, also letztlich das System (Kapitalismus, immer wieder, was sonst) in diesen Träumen (Utopie klingt mir definitiv zu verbrannt, da ist die Verwerfung vorprogrammiert) nicht ebenfalls eine radikale Änderung erfährt, bleiben sie nur Schaum auf den Wogen der Geschichte, wenn überhaupt.

    An Anfang und Ende steht imo die Frage, wie man einen Ausgleich hinbekommen kann, bzw. ob das überhaupt möglich ist. Nationen die viel ‘zu verlieren’ haben und die Waffen (nicht nur militärisch gedacht) ihre Interessen durchzusetzen vs. denen, die nix sind, nix haben, allerdings auch (außer ihrer bloßen Existenz) nichts zu verlieren.

    So wie ein Köhler vormals noch ‘gekreuzigt’ wurde für seinen “Krieg als Mittel zur Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen”, was der Gauckler nun ohne moralische Bedenken durch die Welt furzen darf, so wird demnächst sicher jemand auftauchen, der von einer Notwendigkeit darin sieht, “Lebensunwertes” zu vernichten, im Namen des Guten natürlich, und dafür auf die Mütze bekommt. Halt, Nein, davon haben wir ja schon so einige, überall.
    Na dann mal schaun wie lange es aus den miefigen Salons bis ins Freie braucht, in die Agenden der internationalen Politik.

    Scheiß Welt das…

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  8. pantoufle sagt:

    Moin @all

    Das der Gärtner schreibt, ist wirklich bemerkenswert; das nur nebenbei.

    Beginnen wir mal mit den Spitzfindigkeiten: Yücel fordert ja nicht den Ausschluß Ungarns aus der EU, sondern fragt »was hat ein solches Land in der EU zu suchen?« Das ist eine durchaus berechtigte Frage, eine, die sich mittlerweile fast jedes Land dieses Staatenbundes angesichts der Radikalisierung in der eigenen Parteienlandschaft fragen müßte.
    Daran sind natürlich nicht »die Ungarn«, »die Deutschen« oder ähnliche Pauschal-Verortungen schuld; wohl aber zum Beispiel die knapp 20 % der Deutschen, die sich laut einer Umfrage (ja, ich weiß, ich weiß!) für die Anwendung von Folter unter bestimmten Bedingungen aussprechen.

    »[…] man nimmt die „populistischen“ (SZ) Langohren nicht in Schutz, wenn man den liberalen Esel anzeigt, den von seiner Verwandtschaft nicht mehr trennt als die bessere Exportbilanz.(Gärtner)«

    Schnell ist man damit bei den Gartenzwergen, die in die Vuvuzela der Bändigung des Kapitalismus tröten; gar noch mit der kindlichen Forderung von »besseren Gesetzen« oder ähnlichem Unsinn. Gesetze bedeuten ein Mindestmaß an Einsicht; die faschistische Jobbik in Ungarn faselt aber bereits wieder von Endlösungen irgend welcher Probleme. Nur zur Erinnerung: In der Weimarer Republik waren Massenmorde durchaus verboten und an den entsprechenden Paragraphen des Gesetzbuches hat auch ein Hitler nicht gerührt. Die Frage ist doch, ob ein gefestigtes moralisches Weltbild in dem Augenblick aufschreit, wenn der Nachbar bei Nacht und Nebel aus der Wohnung gezerrt wird und nicht wieder auftaucht. Damals war es weniger als ein leises Piepsen. Die Erfahrungen aus dieser Zeit bilden einen großen Teil dessen, was man heute unter dem europäischen Wertesystem versteht.

    Nur für einen Moment unterstellt, es gäbe sie, diese vielbeschworene Wertegemeinschaft: Dann ist energischer Widerspruch unbedingte Pflicht. Das hat mit Ausgrenzung erst einmal überhaupt nichts zu tun. Yücels Fazit lautet »Ungarn gehört nicht zu Europa«. Unter der Prämisse der unterstellten Wertegemeinschaft ist das eine durchaus zulässige Schlußfolgerung.

    Zur Frage nach denkbaren Konsequenzen für Ungarn: Die EU finanziert mit Milliardenbeträgen die Versprechen der Populisten. Einfach mal die Lautsprecher beim Wort nehmen! Sie wollen die EU erklärtermaßen nicht, sie faseln einen nationalen, unabhängigen Traum herbei, der im Moment nur mit Hilfe von EU-Geldern projiziert werden kann. Dann mal los – der Export-Gigant Ungarn ohne Futtertrog.

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  9. Stony sagt:

    Als ich die Tage der feinfedrigen Leseempfehlung nachkam und meine Aufmerksamkeit dem Deniz widmete, war mein erster Gedanke der, daß der gute Mann mal ein bißchen hinne machen sollte. Warum? Nun, das Ziel seiner Ausführungen kann nur eines sein: die endgültige Überflüssigkeit der ‘Europawahl’ aufzeigen – mittels Ausschlußverfahren der hierbei beteiligten sogenannten Nationen.
    Sein eher lasches Arbeitspensum ließ mich anfangs etwas ratlos in meiner Tonne rotieren; sollte er etwa an seiner eigenen Reichweite und Einflußmächtigkeit zweifeln? Die Frage quälte mich synapsennagend durch die folgenden Tage und Nächte, bis mir ein Licht aufging (vielen Dank an dieser Stelle dem kommunalen Elektriker, der die Straßenlaterne endlich reparierte!). Die Mächte die sind, würden selbst(dampf)plaudernd nicht einfach klein beigeben, womit nur die Zersetzung von Innen bleibt (Viva la Ticketautomat! Digitale Demokratie, my ass!) und hierfür kommt nur eine Partei in Frage: Die Partei!

    Das ‘Projekt Europa’ ist gescheitert. Nicht etwa, weil die gemeinsame Währung eine Fehlkonstruktion wäre, die tut was sie soll, auch nicht, weil die so genannte Wertegemeinschaft etwa (durch Zwänge, Blah und Blahblah) korrumpiert an ihrer hehren Zielen scheiterte.
    Historisch gesehen ist das Konzept Europa nicht mehr gewesen, als der Versuch (geboren aus berechtigter Angst und gesammelten Erfahrungen) Deutschland in Ketten zu legen. Da die Großmannssucht des Patienten unheilbar schien, galt es, ihm eine Zwangsjacke anzulegen: mit Montanunion und Co. ward ein erster Schritt gemacht und das gar nicht mal so schlecht. Mit der Transformation zur ‘Wertegemeinschaft’, dem Versprechen auf Gleichheit, Wohlstand und Frieden aber begann der Anfang vom Ende. Man ließ den Feind wieder mitmachen, schlimmer noch: man baute sich ein gemeinsames Haus und wie das so ist mit einer WG (hihi, Wortspiel), irgendwann beginnt der Hausdrache alle zu terrorisieren. Auf leisen Sohlen erst, aber irgendwann gilt dann halt wieder am deutschen Wesen soll… etc.pp. … Wohin dieser Weg geführt hat sieht man nun und langsam aber sicher geht dem Rest der WG auf, was man sich da für ein Ei ins Nest gelegt hat.

    Der Zyniker in mir fällt nun immer wieder auf Misanthropie zurück, während der Idealist an das Gute im Menschen und die Möglichkeit glauben möchte, diesem Geltung zu verschaffen (was aber letztlich entweder Umformung Aller und/oder/auch Herrschaft bedeutet, wieder nur).
    Erschreckend und beeindruckend zugleich finde ich, wie dieses Dilemma schon vor vielen vielen Jahrhunderten in Zagreus, dem Mythos der Schöpfung des Menschen, seinen Ausdruck fand.

    Einen Ausweg aus dieser Zwickmühle würde ich mir wünschen, allerdings einen, der nicht nur mir diente, denn den hab ich schon.

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