Was auch immer geschieht: Nie dürft Ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man Euch zieht, auch noch zu trinken!*

…und im Kyffhäuser, da schläft er solange, bis das Reich ihn wieder braucht – zum Ruhm und zur Einigkeit des Reiches. Sein roter Bart wächst derweil durch die steinerne Tischplatte und da er nun gestorben ist, vermisst ihn heute keiner.
Die rund 820 Jahre von Friedrich I, genannt Barbarossa, braucht der Freiherr von und zu Guttenberg nicht: Ihm reicht ein knappes Jahr.

Einen roten Bart hat er auch nicht, genauso wenig neuerdings eine Brille. Ein Jahr nordamerikanischer Ernährung hat das Äußere des vormals adretten Adligen in eine Richtung verändert, die ein gutwilliger Zeitgenosse als die Erscheinung eines „Elder Statesmen“ bezeichnete. Man könnte aber auch sagen: Er ist fetter geworden und wirkt ein wenig aufgeschwemmt. Wenn es eine körperlich heruntergekommene Erscheinung als Basis für einen erfolgreichen Politiker braucht, will man an dieser Stelle nicht widersprechen.

Was der Freiherr im Moment treibt, ist jedem Besucher eines Rock-Konzertes vertraut: Es spielt die Vorband – wenn man Pech hat, sogar mehrere in einer Talkrunde im Fernsehen. Während dessen trinkt das Publikum gemütlich Bier, prügelt sich oder legt sich mit den Ordnern an. Die Hauptband am heutigen Abend spielt ja noch nicht; man hat also Zeit.
Vorbands werden nicht nach Qualität ausgesucht, sondern danach, den Star des Abends um so besser aussehen zu lassen.
Wenn man bei diesem Beispiel bleibt, spielt gerade David Hasselhoff im Vorprogramm für die Guttenberg-Allstars – Special Guest als Trommler Giovanni di Lorenzo, im Zivilberuf Chefredakteur der „Zeit“.
Die Frage der Rückkehr Guttenbergs ist also entschieden. Das Konzert hat bereits begonnen und man wartet auf den Auftritt des Stars.

Nicht jede Betonung muss bereits eine Drohung sein.

Doch Guttenberg droht: Der CSU, seiner ehemaligen Universität Bayreuth und global dem gesamten politischen Betrieb in Deutschland.
Der CSU mit der Feststellung, daß dieser verrottete rückwärtsgewandte Haufen eine Klientel vertritt, die es seit langem nicht mehr oder nur noch in nicht mehrheitsfähiger Menge gibt. Er selbst würde sich gegen die eine oder andere Unterwerfungsgeste durchaus bereitfinden, das zu ändern.

Der Universität mit dem Vorwurf der Parteilichkeit: Was zu der interessanten Frage führt, wer denn ca. 750.000€ an die Hochschule bezahlt hat – das war ja wohl die Stiftung der Rhön-Klinik, in deren Aufsichtsrat Guttenberg saß. Immerhin ein stolzer Preis für eine zusammengeschmierte Arbeit, die eben nicht die vielzitierte „Doktorarbeit“, sondern offensichtlicher Betrug war. Zur Aussage von Professor Oliver Lepsius der Universität Bayreuth, daß das Verhalten Guttenbergs genau dieser offensichtliche Betrug war, bemerkt Guttenberg:
Es zeugt nicht von großer juristischer Kunstfertigkeit, einen Betrugsvorwurf zu zimmern, wenn jeder Jurist sofort weiß, es kann rechtlich kein Betrug sein, ganz egal, wie man zu Guttenberg steht.
„Jeder Jurist“ – Guttenberg ist keiner! Er ist Praktikant. Für das zweite Staatsexamen hat es nie gereicht. Genau so wenig wie die Tätigkeit in der Forstverwaltung zum Bundesminister für Wirtschaft und Technologie qualifiziert. Das ist ebenso fragwürdig wie die Reform der Bundeswehr von einem Mann, der von seinem Arbeitsstil sagt:
Ich habe nie chronologisch, sondern immer an einem Kapitel gearbeitet. Dann war ein Jahr Pause, und ich habe im Grunde wieder von vorn begonnen.
Genau so sah die Baustelle Bundeswehr aus, die Thomas de Maizière als Amtsnachfolger erbte.
Die erwiesene Unfähigkeit zu produktiver, systematischer Arbeit,naivem Populismus anstelle politischer Ansichten und die tägliche Neufassung von Moral und Werten aus der Sicht des Adligen des alten Raubrittergeschlechts von und zu Guttenbergs – nichts richtig gelernt und das Maximum daraus gemacht.

Darin liegt allerdings die durchaus ernstzunehmende Drohung des Freiherren: Für diese Melange gibt es einen Bedarf auf dem Marktplatz der politischen Eitelkeiten, dem die bürgerfernen Regierenden einen Weg geebnet haben. Der Name des Produktes lautet: Nebulöse Heilsversprechen ohne erkennbaren Realitätsbezug. Andeutungen über Misstände ohne Lösungsansatz. Die Entschuldigung für seine Fehler: Überlastung! Hin- und hergerissen zwischen Uni und Wickelkommode – welche Mutter könnte da nicht zustimmen…
Wenn „Er“ zurückkommt, wird die Bäckerin Monika Müller und viele, viele Ihresgleichen mit der unschuldigen Seele eines Schafes und der Träne im Auge seine Rückkehr feiern. Die Sehnsucht nach Ordnung, Adel und auf der Suche nach demütigem Gehorsam in dieser unübersichtlichen Welt werden zu dem zerfranstem roten Teppich, über den er huldvoll zu allen Seiten grüßend laufen wird.
Die Rückkehr der Obrigkeit im Büßergewandt ist ja an sich nichts neues: Auch Wilhelm IV mußte zu Ehren der Märzgefallenen 1848 die Toten ehren. „Die Reichsfarben musste ich gestern freiwillig aufstecken, um Alles zu retten. Ist der Wurf gelungen …, so lege ich sie wieder ab!“ Man muß vor der Canaille „Volk“ gelegentlich zu Kreuze kriechen, wenn es denn nutzt.

Michael Spreng konstatierte in einem Interview mit dem „Cicero“, daß Guttenberg besser „die Füße länger stillhalten“ sollte: Das mag sein! Was für Guttenberg allerdings viel wichtiger ist, ist die Zurückhaltung über jede Andeutung seiner politischen Ambitionen. Ob es nun Hans-Olaf Henkel, die CSU oder Thilo Sarrazin sein wird, die neben ihm in einer noch zu gründenden Partei sitzen, ist dabei völlig unerheblich. Die Zeit ruft nach einer neuen Partei. Ein wenig national, ein wenig sozial, eine Prise Arbeiter und ein goldenes Versprechen. Es wird in jedem Fall eines: Die „Guttenberg-Partei“. Eine Ich-AG von eigenen Gnaden. Dieser Mann, der es vorzieht, von sich in der dritten Person zu sprechen, teilt keine politischen Ansichten: Er gibt sie aus.

* Der Titel ist aus dem Werk Erich Kästners entnommen, um dessen wohlwollendes Einverständnis ich hiermit bitte.

P.S. Das wird mir jetzt keiner glauben: FF hat mich gerade auf einen Fehler aufmerksam gemacht, der sich auf den fraglichen Wilhelm bezieht. Das ist selbstverständlich die Nummer IV und nicht die Nummer I! Bitte, bitte glaubt mir: Es war ein TIPFEHLER!! ICH HABE DAS „V“ vergessen! EHRLICH!
Wie ich schon Eingangs sagte: Das glaubt mir ja doch keiner. Jetzt nicht mehr…oh Gott… und das mir…

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0 Kommentare zu Was auch immer geschieht: Nie dürft Ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man Euch zieht, auch noch zu trinken!*

  1. derek Jefferson sagt:

    Sehr zum Gruße Herr Pantoufle

    Wenn wir wollen, dass alles so bleibt wie es ist, sollten wir jetzt einige Dinge ändern.

    Freundlichst

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  2. FF sagt:

    Sehr schön, gern gelesen. Gern wüßte ich aber: was wirklich passiert ist. Die Story von den 4 Computern, 80 Datenträgern blablabla kauft unserem Helden doch höchstens Frau Müller (und die Hofer Staatsanwaltschaft!) ab.

    Am plausibelsten ist wohl ein Ghostwriter, der dem aufgeblasenen Freiherrn teuren Murks verkauft hat, vielleicht aus Rache – für was auch immer.

    Völlig offen bleibt aber: 1) warum dieser Murks von einem Herrn Häberle mit „summa“ durchgewunken wurde. Ich kann mir nicht vorstellen, daß der dem „Charme“ G.’s offenbar völlig erlegene Doyen des Verfassungsrechts das Opus magnum seines Musterschülers nicht wenigstens mal angeblättert hat…
    2) Warum hat der Großprofessor dann den Braten nicht gerochen und seinem „Star“ dringend eine „Überarbeitung“ ans Herz gelegt? Daß auch andere das toxische Papier lesen/rezensieren würden, mußte ihm doch klar sein! Nein, er zieht die Bestnote – und setzt die Zeitbombe in Gang. Senil, korrupt?

    Oder hat er ihn vielleicht sogar absichtlich ins offene Messer laufen lassen?

    Enttäuschend, daß wir auch nach einigen zehntausend Artikeln und mehreren Büchern nicht schlauer geworden sind, was den Kern der Affäre betrifft. Das muß wohl „Qualitätsjournalismus“ sein.

    PS.: Interessiert wohl nur alte Historiker wie mich. Politisch ist der Gelprinz jedenfalls erledigt. Um im obigen Bild zu bleiben: wenn die Vorbands verstummt sind, wird er als headliner ausfallen… Da nützt auch der schöne, altersbleiche „Trommler“ mit den apart getönten Locken nichts.

    PPS.: Hübsche historische Reminiszenz übrigens. Aber das mit den „Reichsfarben“ war Friedrich Wilhelm IV.

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    • pantoufle sagt:

      Danke für den Hinweis mit Wilhelm IV. Ich schwöre bei allem, was mir heilig ist (ahem…), daß es sich um einen meiner vielen Rechtschreib/Tippfehler handelt…. ist korrigiert.

      Die Bestnote des Plagiats ist in der Tat kaum zu erklären. Wenn ein Prof. Dr. jur. Dr. h.c. mult. Peter Häberle ein summa cum laude vergibt, ist das erst einmal unantastbar. Wenn Häberle also so urteilte, ist es in erster Linie eine Anerkennung an diejenigen, bei denen Gutenberg abgeschrieben hat.
      Nach den zugänglichen Informationen über Herrn Häbele kann ich mir nicht vorstellen, das Senilität oder Korruption hierbei eine Rolle gespielt haben. Sollte der Eindruck stimmen, daß Häberle ein ungewöhnlich persönliches und vertrautes Verhältnis zu seinen Schülern hatte, legt das die Vermutung nahe, daß es Guttenberg mit seinem Habitus und seiner Schauspielerkunst gelang, eventuelle Bedenken zu zerstreuen, beziehungsweise jene erst gar nicht aufkommen zu lassen. Der strahlende Adlige, dem die Uni immerhin 750.000€ verdankt, aus gutem Stall, nach eigenen Auffassung fleißig und bemüht – immerhin sprechen wir hierbei von einer Person, die es ohne jedwede Erfahrung und Eignung bis zum Wirtschafts – und Verteidigungsminister gebracht hat (was die Qualifikation anbetrifft, strahlt ein Felix Krull gegenüber Guttenberg ja schon echte Professionalität aus). Nein, der Freiherr wird es schon recht verstanden haben, sich ins passende Licht zu setzen und der Herr Doktor emeritus ist darauf hereingefallen. Damit steht er ja auch nicht alleine da: Das sind auch all diejenigen, die ihm in den Sattel geholfen haben und die Menschen, die bis zum heutigen Tag an ihn glauben – davon wahrscheinlich allerdings die meisten ohne Doktor…

      … Felix Krull, besser: Armand im Hotel Saint James and Albany, folgte dem Lord überraschenderweise nicht als Kammerdiener nach Aberdeen. Wenigstens dieses eine Mal zeigt er so etwas wie Moral – auch darin dem Freiherren einen Schritt voraus…

      Was das Zustandekommen dieser bekanntesten Doktorarbeit der Nachkriegsgeschichte anbetrifft, so ist die Erklärung eventuell sehr einfach. Sicherlich erinnern Sie sich an den deutschlandweiten Lacher, als Guttenberg bei einer Pressekonferenz sinngemäß sagte, er „hätte die Arbeit am Wochenende zum ersten Mal gelesen“. Gemeint hatte er natürlich etwas anderes – aber nur einmal angenommen, daß diese Formulierung exakt der Wahrheit entsprechen würde… Eventuell hat dieser Satz mehr Gewicht, als ihm allgemein beigemessen wird.
      Eines halte ich für sicher: Er hat es nicht selber geschrieben. Weder auf 80 (achtzig!) Datenträgern noch auf einer einzelnen Diskette. Vielleicht hat er einmal damit angefangen, ein wenig… dann mußte er mal schnell Vorstandvorsitzender sein und anschließend wieder den väterlichen 3-Mannbetrieb „leiten“.

      Ob all diese haarsträubenden Details in seiner Vita ausreichen werden, seine Karriere endgültig zu beenden, ist fraglich. Wenn F.J.Strauss das geschafft hat… wobei Strauss Format hatte. Wir werden sehen!

      0

  3. derek jefferson sagt:

    “ Die Erscheinung eines Elder Statesmen“, unzweifelhaft die Äußerung eines Amerikaners, wie es von Abtrünnigen nicht anders zu erwarten ist.
    Goethes Werther so darf man annehmen, kam mit dem Adel gut zurecht, soferne nicht von ihrer Kläglichkeit die Rede war. Sie können ja nur von Glück sagen, daß Sie in Deutschland nicht eine solche Rotte verstaubter Adliger haben wie wir. Mit Ausnahme der Franzosen natürlicherweise. Frau Fanny möchte mir das bitte nachsehen. Sie versteht mich schon bei einigem guten Willen.
    Zum Thema aber: Möglicherweise zieht sich Herr Gutenberg auf Wahrnehmungsfehler zurück und dünkt sich in der Rolle des Werther ?
    „Ich kehre in mich selbst zurück, und finde eine Welt! Wieder mehr in Ahnung und dunkler Begier als in Darstellung und lebendiger Kraft. Und da schwimmt alles vor meinen Sinnen, und ich lächle dann so träumend weiter in die Welt.“
    Mit den besten Grüßen
    L.Derek Jefferson

    0

    • pantoufle sagt:

      Sehr geehrter Herr Jefferson
      Ein interessanter Gedanke – nur das Herr von und zu Guttenberg nicht erkennbar leidet. Das überlässt er anderen. Genau wie seine Doktorarbeit.
      Aber nur mal angenommen, er leidet doch unter dieser Sinnestrübung: Dann wäre immerhin bald Weihnachten und er schösse sich tot! Auf dem Schreibtisch die ersten redigierten Seiten des Godesberger Programms, im Hintergrund rausche noch leise der Photokopierer… und im Fernsehen liest Loriot seine Weihnachtsgeschichte.
      Ich bin zu alt geworden, um noch an ein klassisches Happy-End zu glauben. Oder auch nur an eine höhere Gerechtigkeit.
      Mit dem Ausdruck von „Rotte verstaubter Adliger“ treffen Sie einen wunden Punkt bei mir. Es gebricht in der Tat an dieser Rotte – ebenso aber auch am Begriff „Adel“. Er ist – wie so Vieles – aus der Mode gekommen. Auf der Intensivstation der Klatschpresse überlebte mumifiziert der Torso, der sich nur durch ein „von“ im Namen vom Pöbel abhob. Der tiefer gehende Wertbegriff des Wortes Adel überlebte diese Notbehandlung nicht. Das führt zu Verwirrungen, die sich zum Beispiel darin äußern, daß es Wahnsinnige geben muß, die Angela Merkel mit Otto von Bismarck vergleichen. Ich weiß nicht, wer das auf dem Gewissen hat (es sollen wohl französische Sozialisten gewesen sein… entschuldige, Fanny!), aber die Süddeutsche hatte ihre liebe Mühe damit, das zu relativieren. Was sie im Übrigen vollkommen falsch anfing: Dieses Nichts im Hosenanzug mit dem Kanzler Bismarck vergleichen! Ich als überzeugter Sozialist verbitte mir solche ehrabschneidenden Vergleiche! Hier stelle ich mich mit allem Nachdruck vor den politischen Gegner! Das hat er nicht verdient – so klein war er nicht einmal als Embryo! Was rollt den da noch auf uns zu? Amy Winehouse gegen Queen Victoria?
      Ein wenig „Adel“ täte uns vielleicht allen ganz gut. Ein Weniger an Aufgeregtheit, etwas mehr Demut vor der Geschichte und die Überzeugung an die eigene Kraft – nicht an die Kraft von Wählerstimmen.
      Ich rege mich schon wieder zu sehr auf und dann werde ich konservativ. Meine Entschuldigung an dieser Stelle…
      Es war wohl Tacitus, der den Begriff des Adels gleichsetzte mit einem Moment, wo die Gleichheit unter den Menschen verloren ging. Das macht das Böse in diesem Wort aus. Es gibt aber auch Sätze wie „dein Besuch adelt mein Haus“. Das beschreibt dann wohl die Sehnsucht, die ich verspüre, wenn so ein unwürdiges Pack den Platz in den Gazetten, die „Alternativlosigkeit“ für ihre Handlungen beansprucht.

      0

  4. FF sagt:

    Blender hin, Blender her – trotzdem bekomme ich folgendes nicht auf die Reihe: wenn Häberle Guttenbergs „Dissertation“ gelesen hat, warum schrillten nicht die Alarmglocken des so hochgerühmten Superjuristen? Kennt er sein Spezialgebiet nicht? Wenn ich eine Studienarbeit in die Finger kriege, erkenne ich doch auch, ob sich jemand in der Literatur bedient hat.

    Einer angeblichen Koryphäe wie Häberle müßten doch wenigstens ein paar der vielen hundert Plagiatsstellen auffallen! „Graue“ Literatur und Tageszeitungen, okay, aber einiges war ja sogar bei ihm selber abgeschrieben! Wenn anderen (Fischer-Lescano) das auf Anhieb ins Auge springt… Vom Zweitgutachter mal ganz abgesehen.

    Daß G. im mündlichen Auftritt (fast) jeden um den Finger wickelt – keine Frage. Seine stümperhaften Texte aber hätten ihn schon viel früher entlarven müssen.

    Tja. Da bleibt wohl vieles im Dunkeln. Weil Journalisten ihre Arbeit nicht machen. Siehe das enttäuschende Häberle-Porträt von Prantl in der „SZ“. Girlanden, Komplimente, Plätzchen. Kritische Fragen – Fehlanzeige. Dafür die Haare schön wie der altersblasse Gigolo von der „Zeit“. Enttäuschend.

    PS.: „Felix Krull“ muß ich mal wieder lesen.

    0

    • pantoufle sagt:

      Eine Lektüre, die man im Zusammenhang mit Guttenberg sicher mit Gewinn lesen wird. Sie stammt aus einer Zeit, als „Hochstapler“ noch das Air eines Handwerks hatte – nicht eben das eines ehrbaren, aber immerhin Handwerk. Zu allen Zeiten jedenfalls gut genug, um ein gesellschaftliches Spiegelbild zu projizieren – ob der Hauptmann von Köpenick, Eric Jan Hanussen oder eben der gar nicht so fiktive Felix Krull. Der besondere Reiz dieser Geschichten besteht sicherlich darin, das von „unten nach oben“ zu beobachten – darin unterscheiden sich diese Erzählungen allerdings von der Geschichte Guttenbergs.
      Wenn wir also schon bei Literaturempfehlungen sind, hoffen wir für den Freiherren doch auf etwas, wie „wer einmal aus dem Blechnapf frißt“ von Fallada.

      Das von Ihnen zitierte Interview hatte ich vor einiger Zeit gelesen, aber eben erst durch Ihren Hinweis bemerkt, daß es von dem von mir sehr geschätzten Heribert Prantl geführt wurde… da ist ihm wohl die Liebe zu einem seiner Helden durchgegangen… investigativer Journalismus war das nicht!
      Aus einem sentimentalen Grunde empfinde ich ähnlich wie Prantl für den alten Professor. Das Ringen des Herzens, daß nicht sein kann, was nicht sein darf. Weil es eine der letzten Nischen des Glaubens zerstören würde. Weil… es einfach nicht sein darf!
      Ja, das war ein unsachlicher Kommentar!
      Mit freundlichen Grüßen
      Pantoufle

      0

  5. derek jefferson sagt:

    Sehr vereehrter Herr FF
    Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, frage ich mich, ob Ihre Frage in der Ehrlichkeit, einer Naivität, oder einer Meuterei wurzelt. Der universitäre Betrieb, zumindest in England,ist dem deutschen, oder europäischen nun nicht unähnlich- abgesehen davon, das bei uns die Abschreiberei eher einen praktischen Charakter hat. Die wenigsten Studenten tragen sich mit der Bürde eigener, freier Gedanken und soferne wir dieses Umstandes eingedenkt sind, winken wir sie, umso lieber als wir selbst zitiert sind, oder dasjenige, was unserem Nützlichkeitwahn frommt, eben durch. Ich kann leider von den Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern, durchaus nicht besser sprechen. Inhaltlich kann ich Herrn Pantoufle nur zustimmen mit der Bemerkung für das Moment, so der Adel ursprünglich ja nur erworben und nicht vererbt werden konnte. Das gilt in jeder Hinsicht auch für unsere Professoren.

    0

    • FF sagt:

      Verehrter Herr Jefferson,

      das Durchwinken halbgarer Elaborate ist eine Sache. Mein Punkt war aber ein anderer: Professor Häberle hätte seinem Plagiats-Primus die grandiose Pleite ersparen können, vielleicht müssen. Ein rechtzeitiger Fingerzeig hätte genügt.

      Woran lag’s also: zu faul, zu inkompetent, zu verführt, zu kurzsichtig, zu phantasielos? Oder doch Berechnung? Fragen über Fragen.

      Schöne Grüße.

      0

  6. derek jefferson sagt:

    Verehrter Herr FF

    Herr Pantoufle

    zu faul, zu inkompetent, zu verführt, zu kurzsichtig, zu phantasielos?
    Oder doch Berechnung?Nebulöse Heilsversprechen ohne erkennbaren
    Realitätsbezug. Andeutungen über Missstände ohne Lösungsansatz.
    Wenn diese Begriffe angewendet werden auf gesellschaftliche Phänomene,
    bezeichnen wir damit eben jene grausen Seelenzustände, die sich aus
    unseren Verhältnissen ergeben haben. Inkompetenz, Phantasielosigkeit und
    Faulheit mögen an entsprechender Stelle auch zu nebulösen
    Heilsversprechen führen- allein; das scheint mir ein geringstes Problem
    zu sein, denn dieses ist durchschaubar. Bedeutsamer scheint mir das
    gesellschaftliche Problem der Lügenhaftigkeit, zumal in
    gesellschaftlichen Verhältnissen, in denen man zwischen Utopie,
    Ignoranz, dem Relativismus und beliebigen Toleranzbegriffen schwankt,
    ohne den Umweg über die Wirklichkeit auch nur zu versuchen. Bedeutsam
    deshalb; weil es uns dadurch ermöglicht wird, die Beliebigkeit des
    Toleranzbegriffes auf die Wahrheit selbst auszudehnen. Ein grandioser
    Trick, denn es wird hier die Möglichkeit eröffnet alle Wahrheit
    umzuinterpretieren, und zweifellos wird hiervon der fleißigste Gebrauch
    gemacht. Im Grunde der schäbige Trost jeglicher geistiger Ohnmacht.
    Freilich geht dies eben nur so weit, solange wir die Wirklichkeit
    umschiffen.

    Ich lese nun eine Abhandlung von einem Herrn Claus Baum:Eine
    Gemeinschaft von Schurken *„*Die Literatur, die Kunst und die
    Außenseiter“….die auf treffende Weise meinen Gedanken zu unterstützen
    vermag.

    Es geht darin um die Beschreibung der Seelenzustände die „solcherlei
    Wahrheit“ abwehrt, welche das seelische Wohlbefinden durch Lügen und
    Beschönigungen aufrechtzuerhalten versucht“ Weiters: unsere
    Psyche besteht aus Labyrinthen und Katakomben des Verdrehens:
    Niederlagen werden zu Siegen, Angriffe zu Notwehraktionen, Egoismus zu
    Liebe.<Nebulöse Heilsversprechen ohne erkennbaren Realitätsbezug; möglich,
    wenn wir es versäumen (oder unterlassen) die Menschen
    urteilsfähig zumachen. Wohl die scheußlichste Unterlassung unserer Zeit.
    Das Politik und Wissenschaft nicht irrt, ist gewiss, unterliegt sie doch
    okkulter Immunität, allein ist sie eben auch fehlbar- und das wird den
    zumeist jungen Menschen ja vorenthalten- solange, bis sie zu den
    Wasserträgern der herrschenden Verhältnisse werden. Wenn alle Reformen
    allein vom Staat ausgehen, und darauf können die Guttenbergs rechnen,
    werden sie solange darin sich etablieren können, wie sie darauf rechnen
    können das der Einzelne in der Gesellschaft nicht initiativ wird. Das
    Wie, mag jetzt keine Rolle spielen, es wäre eine Frage derjenigen
    Kulturinitiativen die von den Menschen selbst auszugehen hätten. Ich
    sehe hierin aber auch tatsächlich das größte Heil. Aber eben, wie kann
    Urteilsfähigkeit gefördert werden, wenn an den Universitäten und Schulen
    ein monetärer Geist und Standesdünkel herrscht, Reform auf Reform
    bearbeitet wird, ohne darin zu berücksichtigen, warum eigentlich der
    Schüler nichts mehr hasst als die Schulbank zu drücken.

    Ob es sich bei Herrn zu Guttenberg oder seinem Doktorvater darum handelt
    aber, ob sich der Hang zum Relativismus, oder der Hang zur
    Lügenhaftigkeit auslebt, vermag ich nicht zu sagen. Eines jedoch
    erscheint gewiss; wir haben hier die Resultierenden aus den
    gesellschaftlichen Bedingungen die nicht nur die Gefühle des Einzelnen
    verletzen, sondern denjenigen gesellschaftlichen Zusammenhang zerstören,
    wo Fähigkeiten entwickelt werden sollen, die Antrieb zum urteilsfähigen
    Handeln des Einzelnen werden.( Ein Doktortittel gehört meiner Auffassung
    nach auch zu diesen Hemmnissen).Ob es sich darum handelt einen Professor
    zum Propheten der Wissenschaft zu machen, oder einen Adligen zum
    Minister: Eine Gesellschaft die kaum zur Kenntnis nimmt, dass diese im
    Grunde doch rein vertikalen Zustände abgewirtschaftet haben, ermöglicht
    ja auch einen Herrn Peter Harz damit zu beauftragen, Sozial- Entwürfe
    gesetzlich wirksam zu machen, obwohl man wusste, das dieser Mensch doch
    zumindest einen moralischen Defekt hatte.

    Wie man doch glaubt, das im Wahren Kräfte sich ausleben die objektiv in
    die Welt hineinwirken, sowenig scheint man das vom Unwahren zu glauben.
    Die Würdelosigkeit des Harz- Gesetzes in Deutschland aber ist das
    Ergebnis davon, das man Irrtum auf Irrtum häufte in der Meinung man
    handele aus Einsicht. Das diese Irrtümer zur Triebkraft sozialer
    Verhältnisse werden, und mancherorten weiß man von diesen Irrtümern,
    gerade in den politischen Verhältnissen weiß man das, dürfte von
    niemandem bezweifelt werden können und eben das Wissen um diese Irrtümer
    wird von vielen Stellen gehörig ausgenutzt.

    Es wird Ihnen werter Herr FF möglicherweise nichts anderes übrig
    bleiben, als den Doktorvater Herrn Guttenbergs selbst zur Rede zu
    stellen. Das ist immerhin ein gangbarer Weg.

    Mit freundlichen Grüßen

    L. Derek Jefferson

    0

  7. pantoufle sagt:

    Wenn an dieser Stelle verschiedene Versionen des Kommentars von Mr. Jefferson standen, so muß ich an dieser Stelle um Vergebung bitten. Aus einem mir nicht nachvollziehbaren Grunde war der Text falsch und unvollständig übertragen worden.
    In der Hoffnung, daß es dieses Mal vernünftig funktioniert hat, möchte ich mich die nächsten Stunden damit beschäftigen, eine wenigstens halbwegs adäquate Antwort zu formulieren, da mir sowohl das Thema wie der Kommentator sehr am Herzen liegen.
    Mit der nochmaligen Bitte um Nachsicht
    Hochachtungsvoll
    Daniel Taake

    0

  8. derek jefferson sagt:

    Herr Pantoufle
    Und da immer noch, rätselhafter Weise, ein Teil fehlt- schieße ich Ihnen den einmal nach. ergebensten Dank.
    Sie haben halt nun nur hinzunehmen, das er im oberen Text fehlt.

    …..So und mehr schreibt also Herr Claus Baum in dankenswertester Weise!
    In den Händen der Macht scheint mir dieser Umstand auch dahingehend ausgenutzt, das der Umstand der allgemeinen Resignation vor den sogenannten Sachzwängen, dem Diktat sogenannter Wissenschaftlichkeit, der durchaus ein einhergehendes gesellschaftliches Phänomen, und für die Menschen ein wirklicher Leidensweg ist, zum Steuerungsorgan wird. Es fehlt also die Absicht, den Menschen, der zunächst unser Mitmensch ist, urteilsfähig zu machen. Kurz: Es fehlt der Willen an das Bewusstsein des Menschen zu appellieren. Einzig seine Ängste, Instinkte und seelischen Unvollkommenheiten seien angerufen um ihn „funktionell“ zum Wähler, Konsumenten, Verbraucher, oder, wie es Naturwissenschaftlichkeit auszudrücken geruht; zu einer Art höherem Tiere, deren Aufgabe es ja zwangsläufig nicht sein kann Kulturleben zu entwickeln, da er ja schon als Störenfried der Evolution entlarvt ist. Hierin liegt eben auch eine Erprobung der Schluckreflexe des Menschen. (Das ist wohl auch ein Grund, verehrter Herr FF, warum kaum jemand mit Herrn Guttenberg und Leuten dieser Couleur fertig wird)
    Wähler, Verbraucher, Konsumenten, Kollateralopfer, Organspender, Patient, Kreditnehmer, Funktionär usf. Das sind die heutigen Bezeichnungen für den „einstigen“ Mitmenschen deren Aufgabe es doch sei zu entwickeln: Ich bin Du. Niemand scheint zu einem Boykott dieser Begrifflichkeiten einsichtig obgleich die Götter ihm doch einen Namen und Ich einstampften, auf das er es nicht vergäße. Kaum einer erübrigt noch die individuellen Kräfte, diese Bezeichnungen von sich abzuschütteln- bezeichnet es doch in keiner Weise seine lebensbiografischen Absichten- sei er noch in so wunderbarer Weise damit ausgezeichnet. Andeutungen über Missstände ohne Lösungsansatz sind in „diesen Verhältnissen“ wirklich ein Leichtes.
    Das es nicht einen Schrei der Empörung gibt in der Menschheit ist rätselhaft……….

    0

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