Voodoo

»Komm, Oskar: Wir gehen hunden!« So heißt das bei Pantoufles. Es wird gehundet, aber nicht gekatzt. Katzen machen das selber. Redaktionskampfhund Oskar wird gerne gehundet. Heute hunden wir wieder in den Wald: Der schröckliche Orkan® hat sich nach Russland oder so verdrückt und das eine oder andere Zweiglein geknickt. Das wollen wir uns nun einmal aus der Nähe ansehen.
Unser Hundewald hat schon so manchem Sturm getrotzt – so auch diesem. Da steht er nun still und schweiget und aus den Wiesen steiget die Nachbarin, ebenfalls mit Hund bewaffnet. Große Freude: Ein Hundekumpel! Enthusiastisches Begrüßungsschnuppern vorne und hinten.
Eine liebe Nachbarin, vor allem, wenn auch sie schweiget, was sie bedauerlicherweise nicht so gerne tut. Heute ist sie kränklich und unfühlsam – dagegen muß etwas getan werden. Zu einem Hausarzt, der solche Sachen macht wie gegen Masern impfen oder Hustensaft verschreiben geht sie nicht. Schon gar nicht bei den diffusen Krankheitsbildern, die sie mir schildert. Das schreit nach einem Spezialisten: Am besten zu einem Kundigen der Homöopathie.

Die liebe Nachbarin weiß auch, wie sehr mich solche Themen interessieren. Deswegen trennen sich unsere Wege heute schnell: »Muß dringend frühstücken und einen schönen Tag noch!« Auf nüchternen Magen verstehe ich da noch weniger Spaß als sonst. Das ist die Nachbarin, an deren Wasserzähler ein Kästlein hängt, an dem eine rote Lampe rhythmisch blinkt. Gegen den Kalk und anderes Ungemach. Seit das da blinkt, muß sie keine Kalkflecken mehr in der Badewanne putzen behauptet sie. Ich habe selber nachgesehen: In dem Kasten ist nichts anderes drin als ein NE555 (ein Timer-IC), eine Drahtwendel und ein Aufkleber, der eine ordnungsgemäße Funktion bescheinigt. Wer von den drei Dingen nun die Entkalkung übernimmt, bleibt leider im Dunklen. Irgend welche feinstofflichen Ionen. Oder Tachyonen? Jedenfalls ist das Wasser danach glücklicher. »Vielleicht solltest Du mal wieder zur Klangschalentherapie gehen, Nachbarin«. Ein glückliches Lächeln ist mein Lohn: Ihr Sinn für Ironie ist in einem Maße unterentwickelt, daß man ihn getrost als nichtexistent bezeichnen darf. Diese Therapie fand gelegentlich bei einem anderen Bewohner des Dorfes statt – wegen der aufdringlich glücklichen Gesichter umgehe ich diesen Hof weiträumig, wenn es mal wieder stattfindet.

Na gut: Wenigstens malt sie keine heilsamen Runen auf die Haustür oder entwickelt amüsante Theorien zur Evolution. So etwas gibt es immerhin auch. Kreationisten oder wie sich solch intellektueller Bodensatz nennt… warum kommen die eigentlich meist im Zusammenhang mit anderen Verschwörungstheorien im Doppelpack? WTC7, Sonntagsfrömmigkeit und Verfolgungswahn.
Nein, so eine ist die liebe Nachbarin nicht. Wählt grün, weil sie glaubt, das wäre eine linke Partei. Sie ging mit dem Hund auch auf drei Hundeschulen gleichzeitig, damit er noch klüger wird. Nebenbei sei angemerkt, daß ich ihren Hund mag – die Schulen hatten keine oder kaum Nebenwirkungen.

Nebenwirkungen aber hat seit geraumer Zeit meine Nachbarin; nämlich bei mir. Mein Interesse an Produkten feinstofflicher Natur ist seither grenzenlos. »Du mußt nicht dran glauben – es funktioniert auch so, selbst bei Dir!« Zum Beispiel der Energieordner für Klaviere und Flügel:

[…] Durch die stetige Zunahme von Funkwellen und deren Interaktion mit dem Metallrahmen im Klavier oder Flügel, führt das unter anderem zu einem verwaschenen Klang, dessen Räume verbogen und verkleinert sind. Gerade bei Konzerten, die häufig in wechselnden Gegenden stattfinden, haben die Funkwellen einen geradezu klangtötenden Einfluss
Wer nur einmal einen angeschlagenen Ton eines geordneten und eingespielten Flügels gehört hat, wird dies nie wieder vergessen. Nicht selten sind die Erstreaktionen Sprachlosigkeit und Tränen, gepaart mit einer Gänsehaut, die den Hörer minutenlang begleitet. Die Räume eines Tons scheinen unendlich zu sein und einen direkt in das Reich des Einen zu führen.

Der Wandler, der solcherlei vollbringt, kommt in einer winzigkleinen Plastikdose: Groẞ wie ein Korken, Feststoff schwarz, Feinstoff Hoffnung und zum einreiben. Damit direkt ins Reich des Einen! Brauch ich! (Klavier vorhanden)
Selbst für den Motorradfahrer ist etwas dabei! Der Energie-Klanglack, aufzutragen auf den Auspuff. Man sollte es nicht für möglich halten:

erhöhter Sicherheitsvorteil, der Motor läuft deutlich runder, mehr Drehmoment bei niedrigsten Drehzahlen, deutlich tieferes Auspuffgeräusch, berechenbareres Kurvenverhalten, deutlich konzentrierteres Fahren ohne Anstrengung

Da lacht der Kreidler-Fahrer! Muß ich noch erwähnen, daß der Lack auch bei HiFi-Anlagen, Musik-Instrumenten, Computern und Kabeln Wunder tut? Alles Dinge, die sich in meinem Haushalt finden und mit 155€ für 50ml (Jawohl, meine Damen und Herren: Richtig gelesen!) billiger als neue Stoßdämpfer und ein Satz Kolben. Wem davon schwindelig wird, kann sich mit Heilkristallkarten erholen.

Heilkristallkarten sind die numerologische Umsetzung von Begriffen, Namen oder Sätzen in ein Farbmuster. Dieses wirkt ganzheitlich und ordnend auf den Anwender.
Grundsätzlich sind alle Worte in Farbschwingungen übertragbar. Durch die richtige Auswahl und Anordnung der Worte ist die Wirkung optimierbar. Dies haben wir bei den von uns angebotenen Karten bereits getan. Die hieraus entstehenden Mandalas erreichen durch ihre klaren Strukturen und Farbkombinationen unsere Seele, Herz und Bewusstsein.

Man kann sie auch zentral aufgehängt als Rauminformation benutzen. Dabei entsteht Klang und Ordnung auf allen Ebenen. Eine davon hänge ich über meinen Quantec-Heiler. Der heilt mich wenn nötig. Aber ich fühle mich auch so schon viel besser, gesünder und überhaupt ganzheitlicher.

Beim Bau des Radionikgerätes Quantec wurde genau derselbe Mechanismus genutzt. Statt der Küken sind es hier aber Pflanzen, Seen, Felder, Häuser oder andere Objekte und statt eines Roboters mit einer Datenbank mit nur zwei Einträgen, nämlich rechts und links, ein Computerprogramm mit Datenbanken, die alle Störungen enthalten, die das untersuchte Objekt haben könnte. Und auch hier wird wieder klar, daß dem Unbewussten, dem morphogenetischen Feld eine Intelligenz innewohnt, die mit der Bedienung von Computern keine Schwierigkeiten hat. Diese Intelligenz interagiert mit Computern und ihrer Software und ermöglicht dem Anwender so Zugriff auf ein Wissen, zu dem er bisher instrumentell keinen Zugang hatte.

Es harmonisiert meine Störfelder. Ich bin umgeben von Störfeldern und mit Datenbanken auch – schon lange, wenn sie nur zwei Einträge haben. Außerdem brauche ich kein MySQL für alle meine Störungen: Da reicht ein »array [1..32] of type (string)«
Hilfe! Ich brauche einen Saftreiniger! Für 29€! Gegen die Störfelder im Saft.

Der Reiniger selbst ist eine Flüssigkeit, die von einem vollkommen dichten Kunststoffmantel in Stiftform mit Clip umschlossen ist. Er hat die Länge eines Kugelschreibers, wobei er etwas dicker ist und lediglich 15 Gramm wiegt. Sie können ihn sogar ins Eisfach legen, um Ihr Getränk gleichzeitig zu reinigen und zu kühlen.

Der Saft sei mit Dir – kühler, gereinigter Saft! Selbstverständlich auch mit Kombifunktion für Rot-, Weiß und schlechten Wein. Den Weißen, den ich immer saufe, wenn ich »die weichen Fließbewegungen der formschönen Feng Shui-Partnerschaftsskulptur« betrachte. Fickende Delphine oder so. Dafür habe ich jetzt viel Zeit, seit ich meinen ehemaligen Arbeitsplatz ausgependelt habe. Aufsteigende Meister! Selbst mein Ionenring (6cm Durchmesser) lief blau an. Mein Überich riet mir, diesen Ort zu meiden, das Unterdu versuchte es dem Chef zu erklären – wir haben uns in beiderseitigem Einverständnis getrennt.

Aufwachen, Pantoufle! Man sollte sich nach dem hunden einfach nicht noch mal für eine Stunde hinlegen.

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0 Kommentare zu Voodoo

  1. gnaddrig sagt:

    Wir gehen hunden – leicht off topic, ein Stück Musik zum gleichen Aufhänger.

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  2. gnaddrig sagt:

    Geht der Energieordner auch für andere Saiteninstrumente? Meine Gitarre kriegt in letzter Zeit die Räume nicht auf, und der Bass kümmert in verbogenen Klangwelten dahin. Da wäre so ein richtig potentes Schlangenöl genau das Richtige…

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  3. pantoufle sagt:

    Also gnaddrig:
    Bässe und E-Guitarren sind nicht explizit erwähnt. Das kommt bei Ätherwesen wohl nicht so oft vor. Aber gemessen an der zu erwartenden Wirkung am Bösendorfer sollte – wenn auch nicht zum EINEN – die Wirkung wenigstens bis zu einem der Untergötter reichen. Wotan oder Hera.
    Man glaubt ja gar nicht, was man alles glauben kann: Da gibt es für den HiFi-Fetischisten einen Bronzestab! Da brauchste nur die CD mit zu berühren und dann geht das aber ab! Von wegen vernünftige Wandler im CD-Player; an so einen Unsinn glauben doch nur Anfänger. Aus Bronze mussa sein!
    Obwohl bei Lichte betrachtet müsste am Klang auch mit einfachen Mitteln was zu machen sein. Potentialtransformer sollen ja Wunderwirkung haben. Halbierte Holzkugeln, 5cm Durchmesser und nur 180€ auf die Kabel gelegt (die natürlich eingespielt sein müssen) und nach einer Woche klingt das gaaanz anders.
    Arrg: Es fängt schon wieder an! Oh, diese Schmerzen!

    Pro-Tip: Stimmen soll gelegentlich schon Wunder bewirkt haben. Gerade bei Seiteninstrumenten auch finanziell eine nicht zu unterschätzende Alternative.

    Sehr hübsches Stücklein übrigens!

    P.S. Ich habe wegen dem Klavierordner extra für Dich noch mal nachgesehen: Der ist doch recht speziell auf dieses Instrument gemünzt. Du mußt wohl doch wieder mal stimmen. Auch scheint der Verkauf des Produktes eher schleppend zu verlaufen, wie folgender Nachsatz nahelegt: »Wir hoffen, dass eines Tages ein Künstler zu uns findet, der seine Zuhörer mit einem solchen Produkt auf eine solche Reise mitnimmt.«

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  4. gnaddrig sagt:

    Danke für diese mutmachenden Informationen. Stimmen ist natürlich lästig, aber immerhin habe ich keinen Funk-Bass! Und mit Aida kann man sich immer sehr schön erden!

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  5. pantoufle sagt:

    @gnaddrig
    Flügel nach nur leichter Behandlung mit dem Klavierordner. Den Rest von der Brühe hat sich Glen Gould hinter die Binde gekippt.
    Bach für Erwachsene: Ein Genie, ein Flügel, ein Hund.

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  6. Runen an der Haustür können IMHO durchaus heilsam sein. Jedenfalls waren sie das, als es (im Ost-„Sektor“) statt Telefonen oder Händis noch Papierrollen mit angekordeltem Bleistift gab. Eine analoge Kommunikationstechnik, die in Vergessenheit geraten ist und keinerlei Störfelder verursachte.

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